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Auf einer Presekonferenz, bei der am 4. 10. 1994 der neue Direktor-Programmchef-Chefredakteur Fernand Weides das neue Programmschema für den soziokulturellen Sender 100,7 vorstellte, betonte er, daß er den "Honnert,7′ vor allem als komplementäres Radio versteht: Daher will er nur eine Kindersendung (dienstagnachmittags) und eine Jugendsendung (samstagnachmittags) programmieren, denn alle anderen Sender erheben den Anspruch jugendlich zu sein. Daher gibt es keine spezifischen Ausländersendungen, außer mittwochs von 20-21 Uhr abwechselnd eine französische und eine englische Wochenschau, da Radio Latina die romanophonen Mitbürger bestens bediene. Daher will er auch auf gehobene Musikansprüche setzen, vor allem bei der Unterhaltungsmusik zwischen Wortbeiträgen.
Große Veränderungen wird es somit nicht geben. Als wichtige Neuerung sind aber die Rundtischgespräche hervorzustreichen, die es in Zukunft (genaues Anfangsdatum noch unbekannt) jeden Dienstag von 20-21 Uhr geben wird, abwechselnd zu einem kulturpolitischen und zu einem allgemein politischen Thema. (Die exzellenten, von "forum" gesponsorten Rundtischgespräche am Sonntagvormittag auf Radio ARA scheinen Schule zu machen; auch RTL wagt sich neuerdings im Rahmen seiner Dienstagabend-Sendung "Plattform" an gesellschaftspolitische Themen heran.) Neu auch der Versuch ein Hörerforum einzuführen (freitags 20-21 Uhr), zu dem man sich aber vorerst noch anmelden muß. Eine wöchentliche Presserevue soll vor allem die Wochen- und Monatspresse vergleichend und kritisch vorstellen.
Da eine Umfrage bei 1103 Personen, die bisher das Programmheft des 100,7 (kostenlos) abonniert haben, mit der hohen Rücklaufquote von 20% dem neuen Direktor bestätigt hat, daß der 100,7 ein Einschalt-
radio ist, das nicht nur als Geräuschkulisse im Hintergrund gehört wird, sondern sogar noch in den Abendstunden dem Fernsehen vorgezogen wird, kann er täglich noch von 20-22 Uhr anspruchsvolle Sendungen ins Programm nehmen. Doch Verwaltungsratsmitglied Guy Wagner meinte, ein öffentlich-rechtliches Radio dürfe sich ohnedies nicht nach Einschaltquoten richten. Trotzdem sei den Verantwortlichen die von allen Umfragebeantwortern an erster Stelle genannte Kritik wärmstens ans Herz gelegt: Die Frequenz 100,7 sollte schnellstmöglich mit der Ausstrahlung des ‚92,5‘ aufhören! Für ein Einschaltradio sollten allerdings die Programmankündigungen auch genauer werden: neben dem Serientitel, der sich jede Woche wiederholt (etwa ‚agora‘), sollte das genaue Thema jeder Sendung angekündigt werden, damit der potentielle Hörer weiß, ob er sich Zeit dafür nehmen will.
Im besten Sinn alternativ zu den Privatsendern will der 100,7 auch in Sachen Besoldung der freien Mitarbeiter bleiben. Er hatte bekanntlich mit der Unterbezahlung, wie sie bei RTL üblich war, gebrochen. Die finanziellen Schwierigkeiten des Senders sind auch eher auf Mißwirtschaft (bezahlt wurde die im Studio verbrachte Zeit statt die Sendezeit) und auf die überhöhten Mietforderungen der CLT (1995 sind dafür rund 25 Millionen von insgesamt 80 Millionen abzuzweigen!) zurückzuführen: Außer der globalen Miete muß der 100,7 noch jede Studio- und jede Sendeminute bezahlen. Weides kündigte daher eine Tarifanpassung (nach unten) an, außer für gewisse Privilegierte, die bisher schon das größte Stück vom Kuchen nach Hause schleppen durften: häufig Lehrer, die so ihren Monatslohn fast verdoppeln konnten. Auf die versprochene größere Transparenz darf man gespannt sein. m.p.
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