„Es muss mehr mit offenen Augen hingeschaut werden“

Gespräch mit Thérèse Michaelis, Direktorin des Centre de prévention des toxicomanies

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Gespräch mit Thérèse Michaelis, der Direktorin des Centre de prévention des toxicomanies

"forum": Können Sie kurz die Entstehungsgeschichte des Centre de Prévention skizzieren?

Michaelis: Den Anfangspunkte der Geschichte stellen die Initiativen von mehreren Einzelpersonen dar. Unter Minister Boden wurde der Service national de la jeunesse, der damals dem Erziehungsministerium unterstand, beauftragt, ‚etwas gegen den Drogenkonsum zu unternehmen‘. Punktum. Die Kollegen dieser Abteilung setzten sich zusammen mit denjenigen aus dem Centre de psychologie, der auch dem Erziehungsminister unterstand, und überlegten, was sie tun könnten. Zu jener Zeit erkrankte Thers Bodé schwer und nachdem sie gestorben war, habe ich ihre Funktion übernommen; beim SNJ war mittlerweile auch eine andere Person für diesen Bereich zuständig, aber wir wollten in der eingeschlagenen Richtung weitermachen.

Zunächst beschlossen wir eine Wanderausstellung in den Schulen durchzuführen, aber keine Ausstellung über Drogen, sondern eine Ausstellung, die ein Mittel, ein Auslöser zum Nachdenken und zur Diskussion über eine positive Bewältigung von verschiedenen Lebenssituationen sein sollte. Die Ausstellung war so konzipiert, daß der Lehrer mit seinen Schülern dadurch geht und durch die dargebotenen Alltagssituationen (der Punk, der auf die Ablehnung seines Vaters stößt; die Schule, die einen erdrückt; die Freundin, die einen verläßt; die Welt der Werbung mit ihren leeren Versprechen…) sich Gespräche entwickeln. Die Situationen waren so ausgewählt und dargestellt, daß die Schüler sich in ihnen wiederfinden konnten. Die vermittelte Botschaft war die, daß man sich mit diesen Situationen auseinandersetzen muß, sie meistern können muß und es wurde gezeigt, wo man sich dafür Hilfestellung holen kann. Daneben wurde ein von Schülern ausgedachter und angefertigter Fotomom ausgestellt: Ein Junge hat eine schlechte Prüfung geschrieben und er versackt in seinen Versagergefühlen. Auf einer Party fängt er an zu trinken und dann kommen seine Mitschüler und muntern ihn auf, bieten ihm ihre Hilfe an für die nächste Prüfung.

Dann sollten auch Alternativen zum Rumhängen vorgestellt werden: eine Schülerzeitung machen; jemandem eine Freude bereiten; sich um seine Zukunft kümmern; Sport treiben; Musik machen… Daneben

wurde auf einer Tafel auf die Aktivitäten des SNJ hingewiesen, oder es wurde, falls der Ausstellungsort nicht eine Schule sondern eine Ortschaft war, auf die Aktivitäten der lokalen Vereine hingewiesen.

Dieses Ausstellungsprojekt war der Auslöser, denn wir waren auf die Mitarbeit von weiteren Instanzen angewiesen. Es war die Zeit als die Polizei in die Septima-Klassen ging, um über Drogen zu informieren. Dieses Vorgehen löste heftige Diskussionen aus, die einen behaupteten, das sei ein schlechter Weg, und andere konterten, sonst würde überhaupt nichts geschehen.

Eigentlich brachte diese ganze Auseinandersetzung die verschiedenen Akteure aus den Schulen, vom Gesundheitsamt, der Polizei, der Jugend- und Drogenhilfe zusammen, von denen bis dahin jeder in seiner Ecke vor sich hingewurstelt hatte und der Mangel eines kohärenten Konzeptes wurde festgestellt.

Zu dem Zeitpunkt gab es schon die interministerielle Drogenkommission und als der SNJ einem anderen Ministerium zugeteilt wurde, wurde in die Drogenkommission sowohl ein Vertreter des Erziehungs- als auch einer des Jugendministeriums abgeordnet und diese Leute brachten stärker die Idee der Prävention in die Diskussion.

"forum": Überweg vorher der repressive Ansatz?

Michaelis: Ja, die Probleme von Zoll und Gesetz standen vorher im Vordergrund. Die Idee der Prävention wurde aber dann ganz schnell und ganz positiv aufgenommen, weil da auch Leute drin waren, die die ganzen Diskussionen verfolgt hatten. Minister Fischbach als Justizminister war eine treibende Kraft und gab der Gruppe den Auftrag, auf dem Gebiet der Prävention ein Konzept auszuarbeiten. Daraufhin (Oktober 1991) wurde eine spezifische Gruppe, die Präventionsgruppe, zusammengesetzt aus Vertretern folgender Dienststellen oder Instanzen: Centre de psychologie et d’orientation scolaire, Conseil national luxembourgeois d’alcoologie, Comité de défense sociale, Direction de la Santé, Jugend- an Drogenhöllef, Staatsanwaltschaft, Service national de la jeunesse und Sûreté.

Es muß ein Angebot geben, das Handlungsmöglichkeiten eröffnet zwischen den beiden Extremen Tabuisierung, Verdrängung, Nichtstun auf der einen Seite und Dramatisierung und Katastrophenstimmung auf der anderen Seite.

Ein Jahr später, im Oktober 1993, legte diese Gruppe ein 50-Seiten starkes Papier vor, in dem zunächst die Situation beschrieben wird und dann die Rechtslage sowie Vorstellungen zu Präventionsarbeit dargestellt werden. Als Schlußfolgerung wird die Schaffung einer Zentralstelle vorgeschlagen, die sich hauptsächlich mit Prävention befassen soll.

Der Minister war ziemlich schnell zu überzeugen von unserem Konzept und er wurde zur treibenden Kraft, denn für luxemburgische Verhältnisse ist die Idee ja relativ schnell umgesetzt worden.

Eine unserer Hauptforderungen an die Schaffung einer solchen Zentralstelle war, daß sie nicht einem Ministerium unterstellt sein dürfte und wenn, dann höchstens dem Staatsministerium. Als beste Lösung erschien uns das Modell der Stiftung. Die Staatsbürokratie ist sehr unflexibel und wenn eine Dienststelle einem Minister direkt untersteht, betrachtet der sie als seine Angelegenheit, sie wird zum Spielball im Parteiengerangel. Der Staatsrat war über unsere Auffassung nicht erbaut, weil er die Drogenprävention als eine Zuständigkeit des Staates betrachtet, aber die Kammer hat schließlich das Modell der Stiftung angenommen. Die Schaffung der Zentralstelle wurde im Oktober letzten Jahres in der Kammer votiert und im Budget 1995 eingeschrieben. Eigentlich sind wir seit diesem Januar existent, die Statuten sind beim Notar deponiert, vom Großherzog unterschrieben, sie müssen nur noch im Memorial veröffentlicht werden.

"forum": Was Sie aber noch brauchen sind eigene Räumlichkeiten.

Michaelis: Die haben wir mittlerweile auch, ab dem 15. März sind wir in der rue du Fort Wallis auf Nummer 3 zu erreichen.

Carlo Schmitz

"forum": Wird das Zentrum auch direkten Kontakt zu hilfesuchenden Drogenabhängigen haben?

Michaelis: Eigentlich nicht. Wir sind weder Therapie- noch Beratungsanlaufstelle, wir sind eher für Information zuständig. Unsere Aufgabe ist es, Initiativen auf dem Gebiet der Prävention in die Wege zu leiten, zu fördern und zu koordinieren. D.h. aber nicht, daß wir mit den anderen Aspekten nichts zu tun hätten, denn die Leute, die zur Schaffung des Zentrums beigetragen haben, kommen vornehmlich aus dem therapeutischen Bereich. Das Zentrum soll eher eine Forum sein für diese Leute, für die Entwicklung und Diskussion neuer Ideen.

"forum": Heißt das, es soll hauptsächlich ein Ort der Diskussion und des Austauschs sein, für diejenigen, die in den Bereichen Suchtprävention, Suchtbekämpfung und Suchtbetreuung tätig sind?

Michaelis: Es soll eine Plattform sein, wo neben der interministeriellen Drogenkommission, die Probleme und Ideen besprochen und ausgetauscht werden können. Es soll eine Plattform für sämtliche Akteure sein, die mit Süchtigen und Drogenpolitik zu tun haben.

"forum": Geht das bis in den repressiven Bereich hinein mit seinen Instanzen Polizei, Staatsanwaltschaft, Strafvollzug?

Michaelis: Das Forum soll offen sein für alle und auch offen für diese Auseinandersetzung: Welchen Sinn macht die Repression? Die Leute, die einen anderen Ansatz vertreten, sollen auch an den gemeinsamen Diskussionen teilnehmen. Und wir haben gemerkt, in den paar Jahren, wo wir uns treffen, daß dieser Diskussionsprozeß einen hoch zu veranschlagenden Wert hat. In dieser Hinsicht hat sich die Landschaft schon verändert, Verhärtungen wurden abgebaut…

"forum": D.h. der direkte Kontakt, die unmittelbare Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Instanzen und inhaltlichen Positionen hat sich positiv ausgewirkt?

Michaelis: Ja, absolut. Andererseits soll natürlich nach neuen Ansätzen, neuen Wegen und Ideen gesucht werden. Neben traditionellen Ansatzpunkten wie der Schule versuchen wir auch gezielt die Lehrkräfte selbst weiterzubilden. Darin sehen wir eine unserer Hauptaufgaben, die Vermittlung von Bildungsmaßnahmen im Bereich der Suchtprävention, die Entwicklung und Bereitstellung von diesbezüglichen Materialien.

"forum": Heißt das, daß Sie selbst Weiterbildungen anbieten wollen oder sehen Sie ihre Rolle eher darin, diese anderweitig zu fördern und zu vermitteln?

Michaelis: Am Anfang beides. Meine neue Mitarbeiterin aus dem SNJ, Madame Hentzen, und ich, wir werden Seminare für Lehrkräfte anbieten und wenn andere Leute dazustoßen und diese Initiative aufgreifen und weiterführen, so ist das nur in unserem Sinne.

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die Familien. Wir haben viele Kontakte zu den Elternvereinigungen. Schon im Laufe des letzten Jahres sind wir sehr viel durchs Land gezogen auf Einladung von Elternvereinigungen. Dadurch, daß wir viel rumkommen und immer mehr Leute erreichen, können wir vielleicht trotzdem mit der Zeit etwas bewirken. Oft wird der Einwand erhoben, die die es am meisten nötig hätten, kämen ja doch nicht zu derartigen Veranstaltungen. Demgegenüber kann man geltend machen, daß je verbreiteter ein Wissen ist, um so größer ist die Chan-

ce, daß es auch die Betroffenen erreicht, sei es über Nachbarn, Freunde, Angehörige etc.

"forum": Wie sehen Sie Ihre Rolle, um im Bereich der Gesetze Veränderungen herbeizuführen? Die Gesetze scheinen doch hinter dem gegenwärtigen Wissensstand und der aktuellen praktischen Handhabung, auch durch den repressiven Apparat, der Entwicklung hinterherzuhinken?

Michaelis: Die Analyse stimmt, aber es ist schon so, daß im Augenblick ziemlich viel in Bewegung ist. In der Kammer und auf der Ebene der interministeriellen Kommission steht die Gesetzeslage zur Debatte und an diesen Prozessen sind wir natürlich beteiligt. Wir sehen uns zwar da nicht so sehr in der Rolle der Anstoßgebenden als eher in der Rolle der Mitdenkenden. Starker Druck kommt natürlich auch von der Staatsanwaltschaft, die sagt, so kann es nicht weitergehen. Darüberhinaus wird die Diskussion zur Zeit ja quasi europaweit geführt.

"forum": Allgemein setzt sich die Auffassung durch, daß die repressive Strategie nicht sehr effizient ist und daß ein Umdenkungsprozeß nötig ist.

Michaelis: Das stimmt. Es gibt auch immer mehr Gerichtsurteile, die in eine andere Richtung gehen. Weshalb soll die Justiz sich mit jemandem befassen, der mit ein paar Gramm Haschisch in der Tasche erwischt wird?

"forum": Wenn man von der Unterscheidung zwischen primärer (auf die Allgemeinheit abzielende), sekundärer (Gefährdete betreffende) sowie tertiärer (Süchtige betreffende) Prävention ausgeht, setzt das

Carlo Schmitz

Zentrum Schwerpunkte auf welcher Präventionsebene?

Michaelis: Bei der Schaffung des Zentrums wurde vornehmlich an die Primärprävention gedacht. Man hat festgestellt, die Repression bringt’s nicht, die Therapie ist schwer, langwierig und kostenintensiv, sie ist absolut notwendig für die Leute, die drin hängen, aber sie ist nicht die Lösung des Drogenproblems. Deshalb wurde das Hauptgewicht auf die Primärprävention gelegt. Aber das heißt keineswegs, daß wir die Süchtigen und ihre Probleme aus dem Auge verlieren. Auf diesem Gebiet läuft auch einiges, zwar nicht genug, aber wir wollen auch zu dieser Problematik eine Plattform bieten, damit einige Maßnahmen, insbesondere jene zur Risikominderung, vielleicht schneller ergriffen werden, daß auch hier ein Umdenkungsprozeß einsetzt.

Diesem Umdenkungsprozeß auch in der Allgemeinheit zum Durchbruch zu verhelfen, das versprechen wir uns als Nebeneffekt von der Primärprävention. Daß durch die intensive Information und Diskussion in diesem Rahmen andere Einstellungen zum Umgang mit Süchtigen entstehen. Und daß dadurch auch die Politiker zum Umdenken gebracht werden.

"forum": Aus Ihrer Perspektive: welche strukturellen Defizite gibt es auf dem Gebiet Suchtprävention, fehlt es an Beratungsstellen…

Michaelis: Wir haben damals in unserem Bericht eine Mängelliste aufgestellt, auch auf dem Gebiet der Gesetzgebung. Zusammenfassend kann man sagen, daß es an zielgruppenspezifischer Arbeit fehlt, Jugendliche haben oft schon Alkoholprobleme, es fehlen Strukturen wie Jugendhäuser, Streetworker…

Es fehlen offene Beratungsstrukturen, etwa nach dem Vorbild von info-alcool, d.h. eine Beratung, die leicht zugänglich ist, die auch schon zur Verfügung

steht, wenn jemand sich nur Gedanken über seinen Alkoholkonsum oder denjenigen eines Freundes oder eines Familienangehörigen macht, Beratungsstellen, deren Aufsuchen nicht sofort stigmatisierend wirkt. Warum warten bis die Situation sich zugespitzt hat und nur noch die stationäre Therapie in Useldange in Frage kommt?

Es gibt viele Anfragen an uns, von denen wir nicht wissen, wohin wir sie weiterleiten können. Es muß ein Angebot geben, das Handlungsmöglichkeiten eröffnet zwischen den beiden Extremen Tabuisierung, Verdrängung, Nichtstun auf der einen Seite und Dramatisierung und Katastrophenstimmung auf der anderen Seite. Mit einem solchen offenen, "unverbindlichen" Beratungsangebot verbinden wir die Hoffnung, daß sich eine Informations- und Bewußtseinslage verbreitet, die es ermöglicht, die Probleme in einem frühen Stadium zu erkennen und anzugehen und nicht zu warten, bis sie sich ausgewachsen haben und nur noch mit drastischen Mitteln behandelt werden können. Dafür müssen natürlich Tabus gebrochen, Sichtweisen geändert werden.

Im Zusammenleben, in der Erziehung muß mehr mit offenen Augen hingeschaut werden, das ist eines unserer Globalziele. Hierzu Hilfestellung zu geben, lernen über die Dinge zu reden, den Mut haben, jemanden zu seinen Problemen anzusprechen und dann aber auch zu wissen, wo kann der Betreffende weiter Hilfe holen.

"forum": Ich könnte mir vorstellen, daß ein Grund für die Verdrängung, das Augenverschließen, die Angst ist, nicht zu wissen, was daraus wird, wenn man jemanden auf ein Problem anspricht. Die Befürchtung etwas loszutreten, dem man nicht gewachsen ist. Vielleicht ist die Hemmschwelle ein Problem zu thematisieren niedriger, wenn man weiß, wo es weiterführende Hilfe gibt.

Carlo Schmitz

Michaelis: Zum Teil gibt es nicht genug solche Hilfsangebote, zum Teil ist das vorhandene Angebot nicht bekannt oder wird nicht richtig genutzt. Und das ist ein Aspekt unseres Auftrags, den Zugang zu den bestehenden Strukturen zu erleichtern.

Was natürlich dramatisch hierzulande fehlt, sind, nach dem Vorbild der Camionnette am Bahnhof, niederschwellige Maßnahmen für Abhängige.

"forum": Die Durchführung und Akzeptanz von niederschwelligen Maßnahmen zur Risikominderung von Drogenabhängigen hängt wahrscheinlich stark von der allgemeinen Einstellung zum Drogenproblem ab. Solange ich das Vorhandensein und die Konsumenten von Drogen nur zum Teufel wünsche, komme ich nicht auf die Idee, daß man die Notlage, in die die Drogensüchtigen geraten, etwas lindern könnte.

Michaelis: Das ist es, was ich vorhin meinte: wenn man es fertigbringt, durch die Diskussion die Suchtproblematik in ein anderes Licht zu stellen und den Schleier zwischen Nichtstun und Dramatisieren zu lüften, findet man Wege und Möglichkeiten zur Minderung des Risikos. Bisher ist der Durchschnittsbürger von der Idee geschockt, daß man Heroinsüchtigen offene Strukturen für hygienisches Fixen anbieten könnte. Es gilt das Verständnis zu vermitteln, daß es den Heroinsüchtigen nicht gut geht, daß sie enorme Probleme haben, und daß das Abrutschen in die Kriminalität sozusagen unvermeidbar ist. Als ersten Schritt im Umgang mit diesen Menschen deren Not zu lindern ist ja nicht gleichbedeutend mit dem Gutheißen ihres Suchtverhaltens.

Wenn also ein anderes Verständnis für Suchtverhalten da ist, ist auch die Akzeptanz größer für kleine Schritte zur Verbesserung der Lage der Süchtigen. Viele Leute verwechseln leider das Verständnis für ein Verhalten mit dem Gutheißen dieses Verhaltens.

Ein Arbeitsfeld, das für unser Zentrum sehr wichtig ist, sind die Gemeinden. Dahinter steckt natürlich die

Idee, daß Primärprävention alle und jeden angeht, daß Schule nur ein Teilbereich ist und daß andere Bereiche des tagtäglichen Zusammenlebens sich im Elternhaus, im Wohnbereich, in den Vereinen, im Rahmen der sozialen Einheit Gemeinde abspielen. Die Gemeinde Roeser nimmt an einem europäischen Projekt "Gemeindenahe Suchtprävention" teil, das von Ernst Servais aus Eupen koordiniert wird, auf den wir uns übrigens neben anderen Modellen in unserer Arbeit stark beziehen. Mittlerweile haben weitere Gemeinden ihr Interesse an einer Teilnahme bekundet.

Unsere Sensibilisierungsarbeit versucht in erster Linie die Eltern zu erreichen; unter dem Motto "Unsere Kinder stark machen" geht sie in Richtung Elternschule. Es geht aber auch darum, Fragen zu stellen wie folgende: Wo sind die Jugendlichen in unserer Gemeinde? Was machen sie? Bieten wir ihnen einen Rahmen für Aktivitäten oder sind sie auf die Gastwirtschaft und das "Bushäuschen" angewiesen, um sich zu treffen? In den meisten Gemeinden gibt es für Judgendlich nichts. Es gibt vielleicht für die Kinder bis zehn Jahre einen Spielplatz und dann ist Schluß. Für die größeren gibt es nichts.

Bei unserer Sensibilisierungsarbeit finden sich meistens ziemlich schnell Leute, die die Mängel erkennen und bereit sind, etwas zu tun. Das bedeutet natürlich Arbeit, Engagement und die Bereitschaft finanzielle Mittel umzulenken. Es nimmt den Menschen aber auch die Illusion, sie hätten schon etwas getan, wenn sie uns zu einem Diskussionsabend eingeladen haben. Das kann nur der Anfangspunkt sein.

"forum": Madame Michaelis, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei Ihrer neuen Arbeit.

Das Gespräch für "forum" führte Dominique Schlechter am 9. März 95.

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