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Seit 1988 hat die Stadt-Luxemburg einen "Service de la Jeunesse". Schon seit 1979 war die Rede von einem solchen "Service", aber erst anlässlich des internationalen Jugendjahres 1985 sollte die Entscheidung einer formellen Gründung fallen. Eine zwingende Entscheidung, wenn man bedenkt, daß auf dem Gebiet der Stadt in der Altersgruppe der 14- bis 20jährigen 5.600 Jugendliche leben, die außerdem eine besondere Herausforderung an die kommunale Jugendarbeit stellen, wenn man weiter bedenkt, daß 55% von ihnen Ausländerkinder sind. Nach anfänglichem Hin und Her bei der Besetzung der Stelle und der Festlegung der erforderlichen Qualifikation dauerte es dann bis zum Jahre 1988, bis die Stelle schließlich mit einem Akademiker besetzt wurde. Die Dienstelle fing 1989 an praktisch zu funktionieren, mit einem zusätzlichen Posten für einen éducateur gradué. Ihren Sitz hat sie auf Nummer 28 der Place Guillaume, direkt neben dem sog. "kleinen Passage".
Vor und neben dieser neugegründeten Dienststelle gab und gibt es noch weitere kommunale Einrichtungen, die sich mit Jugend befassen: der "Service de l’Enseignement" mit dem CAPEL, der neben seinen bekannten Freizeitaktivitäten für Schulkinder zwischen 5 und 12 Jahren (Aktioun Bambësch) auch für Jugendliche während der Schulferien ein Angebot bereitstellt, das "Jugend aktiv" heißt; der "Service des Sports", der auch in den Ferien Sportaktivitäten organisiert, u.a. die bekannten SdS-Sportwochen; dann gibt es noch innerhalb des Theaterangebotes und der Cinémathèque speziell für Jugendliche konzipierte Angebote. Die erste Aufgabe, die sich also für den
"Service de la Jeunesse" stellte, war, in diesem Gefüge sein eigenes Betätigungsfeld zu finden.
Vom Gemeinderat wurden die Aufgaben des "Service de la jeunesse" folgendermaßen definiert: "Le service de la Jeunesse est appelé à
– faire l’inventaire des activités destinées aux jeunes et à intervenir avec une tâche de guide et d’animateur,
– chercher la collaboration des associations et groupements spécifiques et à s’occuper également des problèmes particuliers aux jeunes non-organisés,
– servir, de manière générale, d’intermédiaire entre les jeunes et les autorités communales."
Damit ist einerseits ein Rahmen gesetzt und andererseits Offenheit gelassen für Initiativen der zuständigen Beamten. Deren Arbeit war naturgemäß am Anfang mit viel Identitätssuche verbunden, um herauszufinden, was ein speziell auf die Jugendlichen abgestellter Dienst im Spannungsfeld zwischen CAPEL, Cinémathèque, Theater, Service des Sports usw. leisten kann und soll. Um bei dieser Identitätsfindung weiterzukommen haben sie sich in ihrer Arbeit fünf Schwerpunkte gesetzt.
Erster Schwerpunkt sind die Jugendhäuser in der Stadt, wobei Jugendhaus zunächst mal ein weit gefaßter Begriff ist, denn es handelt sich um ziemlich unterschiedliche Gebilde, die vom relativ informellen Jugendclub über das selbstorganisierte Jugendhaus bis zur professionellen Jugendarbeit reichen.
Jugendhäuser
Der zweite, das sind Initiativen, die sich mit arbeitslosen Jugendlichen befassen. Zur Zeit laufen zwei Projekte, Vélo en ville, wo über das Reparieren und Vermieten von Fahrrädern während der Touristensaison die Eingewöhnung in einen Arbeitsprozeß gelernt wird. Das Atelier Schläifmillen verfolgt das gleiche Ziel mit Renovierungs- und Bauarbeiten.
Der dritte Schwerpunkt, das ist die Unterstützung für die klassischen Jugendorganisationen wie Pfadfinder etc., die materielle und finanzielle Hilfen von der Stadt bekommen.
Der vierte Bereich sind größere, massenwirksame Aktivitäten, wie beispielsweise die alljährliche City-Party auf Kirchberg, an der ca. 2500 Jugendliche teilnehmen, und die neben dem Aspekt der allgemeinen Suchtprävention ein größeres Publikum auf Aktivitäten der Stadt im Bereich Jugend aufmerksam machen soll. Dort verteilt der "Service de la Jeunesse" umfassendes Info-Material und bietet den einzelnen Jugendorganisationen und Clubs die Gelegenheit, ihre Stände aufzubauen. Im Rahmen des "Festival Cour des Capucins" unterstützt er das work-shop "Jeune danse à Luxembourg" und er beteiligt sich am "Festival de l’Immigration". Daneben veranstaltet er sog. "cycles de visite", wo städtische oder andere Institutionen besichtigt werden, wie die Kläranlage, die Cinémathèque, die Polizei oder Feuerwehr.
Der fünfte Bereich spielt sich ab im Rahmen der "Union des Capitales de l’Union Européenne". Jedes Jahr findet in einer Landeshauptstadt, im Anschluß an das dortige Kulturjahr, ein Jugendtreffen statt, wo der "Service" mit einer Gruppe von Jugendlichen hinfährt. 1996 wird dieses Treffen wahrscheinlich in Luxemburg stattfinden.
Nicht zu vergessen ist die "Carte jeunes", an der die Stadt Luxemburg auch beteiligt ist. Erstehen kann man sie bei "Info-Jeune" (28, place Guillaume, im
Erdgeschoß), eine Anlaufstelle, wo die Jugendlichen reinkommen, um Eintrittskarten zu kaufen oder Informationen einzuholen in bezug auf Freizeit- und Ferienreiseangebote.
Zurück zu den Jugendhäusern. Im strengen Sinne sind es keine unmittelbaren kommunalen Institutionen, sondern sie sind entstanden aus der Initiative von privaten Vereinigungen, die von den Gemeindeverantwortlichen anerkannt und durch substantielle Zuwendungen in ihrer Arbeit unterstützt werden. Drei davon befinden sich im Bahnhofsviertel, je eines in Pfaffenthal, im Grund, in Clausen, in Neudorf und in Eich; in Mühlenbach und Cents sind es selbstorganisierte Jugendclubs; im Zentrum und auf Belair sind es selbstverwaltete Einrichtungen. Sie alle werden von der Gemeinde finanziell und infrastrukturell unterstützt, und einige haben zusätzlich eine Konvention mit dem Staat, der dann die Personalkosten trägt.
Bei fünf Einrichtungen, den "Clubs des Jeunes" Clausen, Gare und Neudorf, dem Jugendtreff Pafendall sowie der "Maison des Jeunes" Grund ist die "Inter-Actions Faubourgs asbl" Träger, die ihrerseits bezüglich dieser Häuser eine Konvention mit dem Familienministerium abgeschlossen hat. (Zur Arbeitsweise der IAF, siehe Artikel S. 29.)
Die Caritas, genauer "Caritas Jeunes et Famille asbl", ist Träger vom Jugendzentrum Remmi Demmi (siehe S. 32), das auch mit dem Familienministerium konventioniert ist, und vom Jugendtreff Moskito, dessen Spezifikum es ist, samstags und sonntags geöffnet zu sein. Beide befinden sich im Bahnhofsviertel.
Amigo in Eich ist eine Einrichtung der ASTI, die eine Konvention mit dem Jugendministerium abgeschlossen hat.
Die bisher vorgestellten Einrichtungen haben als gemeinsames Merkmal, daß sie von professionellen Erziehern oder Animateuren geführt werden.
Die restlichen vier werden von Jugendclubs getragen und haben keine hauptamtlichen Mitarbeiter. Wegen
AMIGO
Raymonde Muller
33, rue d’Eich
L-1461 Luxembourg
Tél: 42 17 27
CENTSER JUGENDCLUB
Pol Betz
33, rue Gabriel de Marie
L-2131 Luxembourg
Tél: 43 32 10
CLUB DES JEUNES BELAIR a.s.b.l.
Véronique Mayer
12, av. Gaston Diderich
L-1420 Luxembourg
Tél: 45 29 21
CLUB DES JEUNES CLAUSEN
Carmen Kronshagen
20, rue Münster
L-2160 Luxembourg
Tél: 46 57 65
CLUB DES JEUNES GARE
Bernard Rossato
16, rue du Fort Wallis
L-2714 Luxembourg
Tél: 48 18 30
CLUB DES JEUNES
"MILLEBAACHER SPECHTEN"
Fernand Ugen
46, rue des Septes Arpents
L-1139 Luxembourg
Tél: 43 92 38
CLUB DES JEUNES NEUDORF
Karin Ruppert
227, rue de Neudorf
L-2221 Luxembourg
Tél: 42 55 29
JUGENDTREFF PFAFFENDALL
Marco Quintus
21, rue Laurent Menager
L-2143 Luxembourg
Tél: 4796 2824 ou 22 20 84
MAISON DES JEUNES
Tanja Koop
1, rue des Bains
L-1212 Luxembourg
Tél: 46 11 86
MAISON DES JEUNES GRUND
Carmen Kronshagen
20, rue Münster
L-2160 Luxembourg
Tél: 46 57 65
MOSKITO
Gianini Natalini
34, rue Michel Welter
L-2730 Luxembourg
Tél: 40 81 88
JUGENDZENTRUM REMMI DEMMI
Marthy Welschbillig
27, rue Michel Welter
L-2730 Luxembourg
Tél: 49 74 141 ou 40 12 23
seiner bewegten Geschichte dürfte das selbstverwaltete Jugendhaus in der rue des Bains das bekannteste sein. Es ist in erster Linie ein Haus der offenen Tür und der Schwerpunkt liegt auf dem Betreiben einer Teestube, wo sich die Jugendlichen treffen, diskutieren, Musik hören und Schach spielen. Ab und zu organisieren sie ein Konzert oder ziehen ein Theaterstück auf, veranstalten Photo- oder Videoateliers mit anschließender Vorführung bzw. Ausstellung. Ähnlich strukturiert ist der Jugendtreff vom Jugendclub Belair, allerdings zeitlich begrenzter. Während das Jugendhaus im Zentrum täglich zwischen 14 und 20 Uhr geöffnet ist, orientiert sich dasjenige in Belair näher an den schulfreien Zeiten, nach 16 Uhr wird geöffnet bis 19 Uhr.
Dann gibt es noch zwei Jugendclubs, die sich mehr sporadisch treffen und auch kein Lokal zur Verfügung haben, einer in Mühlenbach und einer auf Cents. Das sind recht informelle Gruppen, eher Freundeskreise, die sich eine gewisse Struktur geben
wollen, um über ihren Kreis hinausgehende Aktivitäten organisieren zu können.
Die Stadt, vermittelt über ihren "Service de la Jeunesse", setzt sich mit diesen Trägern und Clubs regelmäßig an einen Tisch, um gemeinsam den Stand der Jugendarbeit und der Bedürfnisse der Jugendlichen sowie der einzelnen Einrichtungen zu ermitteln und zu überlegen, auf welche Weise die Kommune kurz- oder langfristig etwas für sie tun kann. Damit spüren vor allem die informellen Jugendclubs, daß sie in ein Netzwerk von Jugendstrukturen eingebunden sind und nicht isoliert vor sich hin arbeiten, und daß die Gemeindeverantwortlichen sich für sie und ihre Belange interessieren.
Die Gemeinde hat ein starkes Interesse an der Lebendigkeit dieser Jugendeinrichtungen, weil sie zwei Funktionen erfüllen. Erstens beleben sie das Viertel durch ihre Aktivitäten und zweitens erfüllen sie eine sozial integrative Funktion. Die Jugendlichen lernen Verantwortung zu übernehmen und sich in die Gesellschaft einzubringen. d.s.
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