Das geplante Festungsmuseum — die falsche Priorität
Gegen politische Kuhhändel
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Kulturministerin Erna Hennicot-Schoepges hat angekündigt, daß sie auf Fort Thüngen neben dem von Architekt Ieoh Ming Pei konzipierten Kunstmuseum im Reduit Drei Eicheln ein Festungsmuseum einrichten will. Mit dessen Konzeption ist der französische Innenarchitekt Jean-Michel Wilmotte beauftragt.
Gegen politische Kuhhändel
An und für sich sollte man der Kulturministerin guten Willen bescheinigen. Es besteht wohl kein Zweifel daran, daß sie mit diesem Vorschlag den Denkmalschützern entgegenkommen möchte, die bekanntlich für den integralen Erhalt des Fort Thüngen eintreten, weil es das letzte Fort ist, das noch fast unversehrt an die einstige Größe des alten Gibraltar des Nordens erinnert und somit verständlich macht, warum Luxemburg es fertig gebracht hat, als einziges Mitglied des alten Deutschen Reiches seine staatliche Unabhängigkeit zu wahren. Wenn das Kalkül der Ministerin allerdings darauf hinauslief, die Zustimmung der Denkmalschützer zum Pei-Projekt zu erkaufen, muß ihr widersprochen werden.
Ihre Absicht, sowohl das Kunstzentrum als auch das Festungsmuseum zu bauen, zeigt eigentlich, daß sie die wahren Motive der Denkmalschützer nicht verstanden hat. Zu diesem Mißverständnis haben verschiedene Protagonisten der Vereinigung "Frënn vun der Festungsgeschicht" allerdings Vorschub geleistet, indem sie öffentlich zu verstehen gaben, unter der Bedingung, daß ein Festungsmuseum eingerichtet werde, könnten sie den Pei-Bau akzeptieren (vgl. Robert Wagner bei der Pressekonferenz vom 11.10.1995 und in ‚Revue‘ vom 18.4.1996). Den ‚Grünen‘-Abgeordneten Robert Garcia konnten sie sogar dazu bewegen, einen Gesetzesvorschlag zwecks Schaffung eines Festungsmuseums zu deponieren (Doc. parl. n° 4055). Das war aber keineswegs die Haltung des Aktionskomitees ‚D’Fangeren ewech vun den Dräi Eechelen‘, das sich seit 1991 für den Erhalt des Fort Thüngen einsetzt (vgl. forum Nr. 128-135/1991-92). Ihm ging und geht es darum, den Bau eines Zentrums für zeitgenössische Kunst an diesem Ort zu verhindern, weil dadurch
nicht nur ein paar Grundmauern des alten Forts zerstört würden, sondern dessen Funktion als vorgeschobener Schutz der Festung Luxemburg verloren ginge. In diesem Kontext wurde auch der Vorschlag gemacht, im früheren Réduit, den sog. Drei Eicheln, ein kleines Dokumentationszentrum über die Festungsgeschichte einzurichten.
Die jüngst ohne den verdienten Publikumserfolg zuende gegangene Ausstellung ‚Empreintes du passé‘ im Staatsmuseum hat gezeigt, welche immensen Vorarbeiten die Luxemburger Archäologen in Vorgeschichte, Frühgeschichte, keltischer, gallo-römischer und zunehmend auch in mittelalterlicher Geschichte aufzuweisen haben. Und ihnen fehlt ein seit Jahrzehnten gefordertes, eigenes Museum mit permanenten Ausstellungsmöglichkeiten.
Frau Hennicot, inzwischen zur Kulturministerin avanciert, führte sich die Argumente der Denkmalschützer zu Gemüte und ließ auch eine Studie anfertigen über die Machbarkeit einer Konsolidierung des überstürzt vom "Service national des Sites et Monuments" freigelegten Gesamtforts, die aber ihren Aussagen zufolge die Instandsetzung auf eine Milliarde Luxemburger Franken chiffrierte: eine bei ihren Regierungskollegen nicht vertretbare Summe. Die Kulturministerin optierte dann für
den Bau des Pei-Palastes an dem vom Stararchitekten selbst ausgewählten Standort, setzte aber durch, daß das Réduit ‚Drei Eicheln‘, das im ersten Pei-Projekt als Disneyland-Eingangshalle zum Kunstzentrum fungieren sollte, herausgenommen wurde. Pei wurde beauftragt, neue Pläne auszuarbeiten, die das alte Fort möglichst unberührt lassen sollten, und zusätzlich sollten Pläne erarbeitet werden, um im Réduit ein Festungsmuseum einzurichten. Mit letzteren wurde auf Vorschlag von Denkmalschutz-Direktor Georges Calteux dessen Freund Wilmotte aus Paris beauftragt, der so einen seiner ersten Architektur-Aufträge erhielt, denn bis vor kurzem fungierte er lediglich als Innenarchitekt und Designer. Die Umsetzung des von ihm vorgelegten Plans eines Festungsmuseums soll 500 Millionen Franken kosten. Laut Aussagen von Frau Hennicot sei das der Preis, um überhaupt das Fort Thüngen zu retten, da ohne Museumsbau auf Drei Eicheln, das Fort ganz sicher nicht instand gesetzt und somit langsam zerfallen werde.
Damit wurde nicht nur das ursprüngliche Pei-Projekt seiner Logik enthöhlt, weil der angebliche Dialog von moderner Architektur und Altstadt über das Alzettetal hinweg jetzt nur noch bedingt verständlich ist. Der vorgeschlagene Kompromiß kann auch den Denkmalschützern keine Genugtuung geben, weil der ursprüngliche Charakter des Forts weiterhin zerstört wird. Die am 4.4.1996 bei der Stadt Luxemburg zwecks Erhalt der Baugenehmigung eingereichten Pläne zeigen, daß nicht einmal die Mauern der Enveloppe wie versprochen erhalten werden, von den Kasematten und Minengängen ganz zu schweigen. Die Verbindung der ‚Caponnière‘ mit dem außenrum führenden Minengang, der die beiden Lünetten verband, wird völlig durchschnitten. Dort wo die Betonmauern ‚op hol a mol‘ auf die Enveloppemauern aufgesetzt werden sol-
len, kann man jetzt schon, ohne Gefahr sich zu irren, prophezeien, daß die alten Mauern eines Nachts, wie weiland der Turm der sog. zweiten Ringmauer im Ilôt Clairefontaine, einstürzen werden und dann durch eine Imitation ersetzt werden müssen. Wenn Georges Calteux bei einem Rundtischgespräch in Capellen am 27.6.1995 von nur 15% Zerstörungen sprach – die er dann (auf höheres Geheiß?) in einem Leserbrief an den ‚Journal‘ auf 5% reduzieren mußte -, dann hat er sogar mit 15% die Realität beschönigt. Die nach Osten gerichtete Spitze des Grabens um die Enveloppe soll sogar von einem runden Platz – dem einzigen runden Element im ganzen Projekt – überdeckt werden, in dem nur Gucklöcher den Graben sichtbar machen werden.
Für die richtigen kulturpolitischen Prioritäten
Dem Historiker kommen noch andere Bedenken in bezug auf ein Festungsmuseum in Luxemburg. Zur Zeit gibt es nämlich keinen Luxemburger Historiker, den man als Fachmann oder -frau für Festungsgeschichte des 16.-19. Jahrhunderts ansprechen könnte. Das Thema ist in der wissenschaftlichen Forschung out. Das ist sicher zu bedauern, hat aber sowohl mit internationalen historiographischen Strömungen wie mit nationalen Forschungsmöglichkeiten zu tun. Mir ist ein einziger junger Historiker bekannt, der sich immerhin mit Straßenbaupolitik im 18. Jahrhundert beschäftigt hat. Da er zudem zur Zeit am Aufbau des neuen Museums für Stadtgeschichte in Luxemburg beschäftigt ist, brächte er eigentlich keine schlechten Vor-
aussetzungen mit, um ein solches Festungsmuseum aufzubauen, doch er stünde recht allein auf weiter Flur.
Die Frage ist auch, welche Objekte in einem derartigen Museum gezeigt werden könnten. Die Erfahrungen um das genannte Stadtmuseum haben gezeigt, daß ein Museum heute nicht mit einem Raritätenkabinett zu verwechseln ist (vgl. forum Nr. 165/1996). Wohl gibt es Hunderte von Originalplänen der ehemaligen Festung – in der Datenbank des Stadtmuseums sind allein 1601 Global- und Teilpläne der Stadt Luxemburg registriert -, doch damit macht man noch kein Museum. Auch die paar erhaltenen Kanonenkugeln und Gewehre geben keinen Museumsbestand her. Ein solches Museum würde auch nur Sinn machen, wenn ihm ein archäologischer und denkmalschützerischer Dienst beigeordnet wäre, der die erhaltenen Festungsbauten untersuchen und für ihren Erhalt
Déi richteg Plaz fir de "Pei-Musee"(1)
Als ee vu villen, déi sech fir d’Erhale vun den Dräi Eechelen an dem ganze Fort Thüngen asetzen (2), awer och als een, dee gär hätt, datt d’Stad Lëtzebuerg e Musee fir Konscht aus onser Zäit kritt (3), sief et mer erlaabt, eng Propositioun dozou op den Dësch ze leë:
Et gët eng Plaz an der Stad, déi schons joerelaang drop waart, an d’Rei gesat ze gin, an déi sech wonnerbar gëng eegnen fir dee Musee, dat as d’Stäreplaz. Hei méng Argumenter:
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Den Aménagement vun dëser Plaz as dréngend noutwendeg, déi verbarrikadéiert eidel Heiser sin eng Schan am Agank vum Zentrum.
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Et läit en Aménagementsplang fir, wat d’Stroossen ubetrëfft, mee et as bis elo nach keng Décision gefall iwwer d’Gebeier, déi solle gebaut gin, an och net iwwer hir Destinatioun.
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Den Areal, deen z’aménagéieren as, as immens grouss.
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D’Terrainen gehéiere bal all dem Staat.
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D’Stäreplaz leit knapp 10 Minuten zu Fouss vum Kär vun der Stad an as liicht mam Bus z’erreechen.
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Ofgesin dovun, datt sech ënner esou engem Gebei och nach Parkplaze baue loossen, gëtt et jo an der direkter Noperschafft de Glacis.
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De Bau vum Musee op dëser Plaz verhënnert, datt d’Stad nach méi u Substanz verléiert.
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Durch de Bau vun engem moderne Musee op der Stäreplaz kréich d’Stad eng wonnerbar Entrée, duerch déi all déi Leit passéieren, déi aus dem Westen oder dem Norde kommen, Lëtzebuerger an Auslänner. De Musee kënnt esouguer an der Axe vun der Arelerstrooss gebaut gin, an den Autosverkéier drënner erduerch lafen. Dat bitt sech vum Terrain hir direkt un, an ët bléif vill Plaz fir Gréngs.
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Et gët gesot, den Här Pei wär e Star ënner den Architekten. Abee, da soll en och kënnen op der Stäreplaz säi Gebei oprichten!
Roger Folmer
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Méi eng ausféierlech Versioun vu mengen Iwwerléungen stoung ënner ‚Freie Tribüne‘, den 1.3.96 am LW.
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Cartoons an ‚Fanger ewech vun den Dräi Eechelen‘ (Juni 1992)
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Lieserbrëff vum 12.06.91 ‚Eng Gare of d’Dräi Eechelen‘, wou ech proposéiert hat, de Musee fir modern Konscht op d’Gare ze bauen.
Sorge tragen könnte. Mir ist auch kein Neuzeitarchäologe in Luxemburg bekannt, der in dieser Hinsicht seriöse Vorarbeit geleistet oder sich bei seinem Studium in diese Fachrichtung spezialisiert hätte.
Hingegen hat die jüngst ohne den verdienten Publikumserfolg zuende gegangene Ausstellung ‚Empreintes du passé‘ im Staatsmuseum gezeigt, welche immensen Vorarbeiten die Luxemburger Archäologen in Vorgeschichte, Frühgeschichte, keltischer, gallo-römischer und zunehmend auch in mittelalterlicher Geschichte aufzuweisen haben. Und ihnen fehlt ein seit Jahrzehnten gefordertes, eigenes Museum mit permanenten Ausstellungsmöglichkeiten. Meines bescheidenen Erachtens sind in diesem Bereich die Bedürfnisse einfach viel größer und die Voraussetzungen, daß ein Museum auch von kompetenten Fachleuten aufgebaut und bestückt wird, viel besser gesichert, so daß in Zeiten angeblicher Finanznot des Staates die Priorität einfach auf einem archäologischen Museum liegen müßte.
Selbstverständlich sollte das Fort Thüngen auch erhalten bleiben. Ein Zentrum für zeitgenössische Kunst hat dort nichts zu suchen. Die voreilig ausgegrabenen Reste
müssen konsolidiert werden. Und im Réduit soll ein knappes Dokumentationszentrum die wichtigsten Etappen des Ausbaus der Stadt Luxemburg zum Gibraltar des Nordens und ihre strategische und geopolitische Bedeutung aufzeigen. Ein solches aus ein paar Stellwänden und einem didaktischen Film bestehendes Zentrum könnte ähnlich demjenigen über die Stadtmauern, das im Rahmen des Circuit Wenzel in der Dinselporte auf der Rham eingerichtet wurde, in den geplante Vauban-Rundgang integriert werden und für Einheimische wie für Touristen nützliche Dienste leisten. Die Anhöhe von Drei Eicheln würde durch diese Attraktion auch wieder verstärkt dem Tourismus erschlossen. Das kann keine Milliarde kosten!
Die von pl im LW vom 1.3.1996 hämisch begrüßte, aber undemokratische Vorgehensweise der Regierung, die ‚das Problem sehr geschickt angepackt, nicht viel Aufhebens um das Projekt gemacht, es im stillen vorangetrieben und die Wogen der Entrüstung sich erst einmal glätten lassen‘ hat, darf nicht zur vom Leitartikler gepriesenen Indifferenz der öffentlichen Meinung führen. Nun da die genauen Pläne des Bautenministeriums auf dem Tisch liegen, da das entsprechende Gesetzesprojekt auf den Instanzenweg geschickt werden
den soll, wird es auch für die Denkmalschützer wieder Zeit, ihre sachlichen Argumente zu wiederholen. Es soll niemand meinen, daß die Regierungpläne etwa ihren Segen erhalten hätten. Die Denkmalschützer können mit der Unterstützung von über 14 000 Unterschriften rechnen, die 1992 unter eine Petition zur Rettung des Forts Thüngen gesetzt worden waren. Bei einer ILReS-Umfrage im September 1995 sprachen sich nur 18% der Befragten für ein Kunstzentrum auf Drei Eicheln aus, gar nur 3% für die Kombination Kunstzentrum und Festungsmuseum (vgl. forum Nr. 163/1995, S. 11). Damals setzten aber auch 74% ein völlig anderes Kulturinstitut an die Spitze der kulturpolitischen Prioritäten: den Ausbau der Nationalbibliothek! Warum spricht niemand mehr davon?
m.p.
Nach Redaktionsschluß war zu erfahren, daß die Regierung sich mit der Absicht trägt, das geplante Festungsmuseum in der Tat fallen zu lassen, aus finanziellen Gründen. Ein archäologisches Museum stehe also auch nicht auf der Liste der geplanten Kulturbauten. Einmal mehr wird der Rotstift zuerst bei der Kultur angesetzt. Die Erfahrungen aus dem Kulturjahr 1995 scheinen schon wieder verflogen. Eigentlich kein Wunder, wenn man weiß, daß in Finanzministerium und Finanzinspektion immer noch dieselben Personen tonangebend sind.
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