Ein Haus zum Sterben
Centre d'accueil pour personnes en fin de vie
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Seit Jahren ebbt die Diskussion über Euthanasie nicht ab (vgl. auch forum Nr. 152/1994). Noch jüngst präsentierten ein grüner und eine sozialistische Abgeordnete einen gemeinsamen Gesetzesvorschlag, der die aktive Sterbehilfe nach niederländischem Muster legalisieren soll. Im März nahm auch die Luxemburger Regierung dazu Stellung.
Komischerweise trat dieselbe Regierung aber noch nicht mit einem Projekt an die Öffentlichkeit, das ganz sicher bei vielen Kranken den Wunsch nach bewusster, frühzeitiger Beendigung des Lebens hinfällig machen wird: die Schaffung eines Sterbehospizes oder vornehmer ausgedrückt: eines „Centre d’accueil pour personnes en fin de vie“. Dabei wurde der Vorschlag der Familienministerin schon im August 2001 vom Regierungsrat angenommen. Vor wenigen Wochen nahm die Vereinigung Omega 90 das Angebot an, als Träger des ersten Pilotprojekts zu fungieren.
Bei Gelegenheit des 2. Internationalen Kongresses für Palliativmedizin, den Omega 90 Anfang März in Luxemburg veranstaltet hatte, greift forum das Projekt auf, um es einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Es ist in der Tat nicht einfach über Sterben zu reden oder zu schreiben. Bilder für dieses Dossier finden, schien lange Zeit unmöglich. Und doch macht es keinen Sinn, daraus eines der letzten Tabuthemen unserer Gesellschaft zu machen. Auch im Ausland konnte sich die Hospizbewegung nur sehr langsam durchsetzen, wie der kurze historische Abriss von Joël Mercier zeigt, während Michel Keilen die sehr vielfältigen Modelle palliativer Pflege vorstellt.
Mil Majerus erklärt die Beweggründe der Regierung bei der Ausarbeitung des Projekts. Dem Vernehmen nach war es in der Regierung selbst durchaus umstritten und selbst der Name bereitete Schwierigkeiten. Echos dieser Diskussion findet der Leser noch in Beiträgen der beiden Ärzte Dr. Bernard Thill und Dr. Frank Jacob, die beide Vorreiter sind auf dem Gebiet der Palliativ-
Centre d’accueil pour personnes en fin de vie
medizin in Luxemburg, aber verschiedene Modelle vertreten und die auch in Bezug auf das dritte Standbein, das die Palliativmedizin nun in Form eines Hospizes erhalten soll, nicht einer Meinung sind. Auch die Finanzierung wirft Fragen auf, die Robert Kieffer beleuchtet, ohne dass sie heute schon eine definitive Antwort gefunden hätten.
Dass aber die Frage des Sterbens uns alle angeht, zeigen einerseits die Beiträge von Professor René Schaerer, u. a. über die Mitarbeit von Freiwilligen in der Sterbebegleitung, andererseits die Gedanken, die Marianne Wehenkel sich im Hinblick auf ein „Centre d’accueil pour personnes en fin de vie“ macht.
Die Redaktion ist der Vereinigung Omega 90, die uns bei der Zusammenstellung des Dossiers sehr behilflich war, sehr zum Dank verpflichtet. Omega 90 regruppiert eigentlich nur sechs andere Vereine: Amiperas, Caritas, Croix-Rouge luxembourgeoise, Doheem versuergt, Fondation luxembourgeoise contre le cancer und Hélèf doheem. Omega 90 ist daher konfessionell nicht gebunden und steht allen Menschen
kostenlos zu Diensten. Omega 90 engagiert sich für die Begleitung und Unterstützung in der Auseinandersetzung mit der eigenen lebensbedrohenden Erkrankung und unterstützt die Angehörigen während der Erkrankung und nach dem Tod. Omega 90 engagiert sich für ein menschenwürdiges Sterben, im Kreis der Familie, stationär oder zu Hause, für eine optimale Schmerztherapie und gegen die Ausgrenzung von sterbenden und trauernden Menschen. Omega 90 bietet daher die Betreuung von Sterbenden und die Begleitung der Angehörigen an. Sie hilft bei der Regelung der letzten Angelegenheiten und leitet Austauschgruppen für Angehörige von Schwerstkranken. Omega 90 schult in diesem Sinne ehrenamtliche Mitarbeiter(innen) und organisiert Weiterbildungskurse in Palliativpflege für Hauptamtliche in Gesundheitsberufen. Omega 90 wird finanziert über Spenden (CCP 72617-61) und über eine Konvention mit dem Familienministerium. Man kann Omega 90 erreichen auf 138, rue Adolphe Fischer L-1521 Luxemburg, Tel. 297789-1, Fax 298519.
m.p.
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