Nichts Neues von den Luxemburger Resistenz-Historikern

Dieser Inhalt wurde anhand eines gescannten Dokuments mithilfe von optischer Zeichenerkennung (OCR) und künstlicher Intelligenz (KI) digitalisiert. Er kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten.

Der Leiter der Archives de la Résistance, Paul Dostert, hatte es bei seiner Konferenz auf Einladung des Geschichtslehrerverbands, am 11.4.2002 im Saal Mansfeld der Nationalbibliothek, schon angedeutet. Die am 24.-26.4.2002 vom Nationalarchiv im Escher Rathaus organisierte internationale Tagung über Les courants politiques et la Résistance: continuités ou ruptures (vgl. forum Nr. 215) sollte es bestätigen: Es ist schlecht bestellt um die Luxemburger historische Forschung, zumindest um das Thema Zweiter Weltkrieg und Widerstandsbewegungen. Mit wenigen Ausnahmen trugen die Luxemburger Teilnehmer nämlich nur Aufgekochtes vor, Ergebnisse von Studien, die sie vor Jahren im Rahmen ihrer Zulassungsarbeit zum Schuldienst unternommen hatten, die auch ohne Zweifel damals interessant waren, aber heute zumindest auf Eingeweihte – und das sind bei einer internationalen Historikertagung im Prinzip alle – nur noch wie kalter Kaffee wirkten. Die wenigsten von ihnen präsentierten neue, auf Quellenarbeit fußende Ergebnisse, die meisten fassten bloß Sekundärliteratur zusammen.

Dabei kann man ihnen nicht einmal einen Vorwurf machen. Jüngere Forscher gibt es offenbar keine, zumindest keine, die zum öffentlichen Vortrag bereit wären. Und die Historiker, die zusagten, hatten offenbar seit ihrer Anstellung als Lehrer keine Zeit, ihre Forschung weiterzutreiben. Dabei ist gewusst, dass nur das ständige am Thema-dran-bleiben Aussicht auf Erfolg, d. h. auf das Aufspüren neuer Sachverhalte, auf die Formulierung neuer Erklärungsmuster, auf die Vertiefung der historischen Erkenntnis bietet.

Das gleiche Schicksal wird demnächst wohl auch erfolgreichere Forschungsinstitute wie das CLUDEM, das am Centre Universitaire de Mittelalterhistoriker zusammenfasst, oder das SEMANT, das Althistoriker vereinigt, ereilen. Paul Dostert hatte ersteres in seinem eingangs zitierten Vortrag noch als Vorbild genannt, nach dem er auch die Forschungen im Bereich Zweiter Weltkrieg in Luxemburg organisieren möchte. Die Regierung hat aber anscheinend

beschlossen, alle Freistellungen vom Schuldienst abzuschaffen. Die genannten Unternehmungen ruhten aber auf der Mitarbeiter von Gymnasiallehrern, die für zwei oder vier Wochenstunden vom Unterricht freigestellt waren. Unter den neuen Umständen wird es bald auch mit diesen historischen Forschungen, die im Ausland großen Anklang in der Fachwelt gefunden hatten, vorbei sein.

Dabei zeigte die Escher Tagung zur Résistance, dass es auch zu so häufig diskutierten Themenbereichen wie jenem noch durchaus offene Fragen gibt: Abgesehen von der Leitfrage des Kolloquiums: Welche Motivationen waren vorherrschend, patriotische oder ideologische? fehlt es z. B. an prosopographischen Studien über die einzelnen Resistenzorganisationen. Wer waren denn eigentlich die Widerstandskämpfer? Aus welchen sozialen Schichten kamen sie? Wie groß war ihr Einflussbereich? Wie repräsentativ waren ihre Leader? Wer finanzierte die Organisationen und Aktionen? usw.

Dieses Bedauern soll nicht heißen, dass die Tagung in Esch uninteressant war. Zum einen ist die Initiative des Nationalarchivs an sich lebenswert und verlangt nach Wiederholung zu anderen Themenbereichen. Zum anderen war der Vergleich mit den Forschungen der anwesenden belgischen, französischen, deutschen, italienischen, niederländischen Historiker für Luxemburger Zeithistoriker eher neu, obschon komparative Landesgeschichte etwa unter Mittelalterhistorikern schon fast zum Standard gehört. Auf diese Aspekte ist beim Erscheinen des Tagungsbands sicher noch zurückzukommen.

m.p.

a dato, das neue Architekturmagazin zum beiläufigen Durchblättern

Über Architektur und Urbanismus berichten die Luxemburger Medien höchst selten. Eigentlich überraschend, denn: Mögen sich die unzähligen Freizeitschreiber zur Auseinandersetzung mit noch so vielen Kultursparten herausgefordert fühlen, die Baukunst scheint niemand – von Ina Nottrot einmal abgesehen – für diskussionswür-

dig zu erachten. Schlimmer noch: Die unerschrockenen Bemühungen der Stiftung für Architektur und Ingenieurwesen, monatlich einen hochkarätigen Gastredner ins Auditorium der Banque de Luxembourg zu locken, haben bislang nicht dazu beitragen können, das intellektuelle Niveau der Auseinandersetzung spürbar anzuheben. Architektur bleibt nach wie vor in erster Linie eine Frage des Geschmacks.

Insofern durfte man dem Erstauftritt der Vierteljahresschrift a dato für Architektur aus Belgien, Deutschland, Frankreich und Luxemburg gespannt entgegensehen. Das Urteil fällt zwiespältig aus. Die gute Nachricht: entgegen der Erwartungen angesichts der Herausgeber – das Büro Hermann & Valentiny et Associés – ist das Magazin kein direktes (postmodernes) Ärgernis; die schlechte: a dato ist in jeder Hinsicht überflüssig, es sei denn, man steht auf kunterbunte Reklameblätter.

Der Hauptvorwurf an die Zeitschrift zielt auf ihre Verpackung. Über viele Seiten vermag man zunächst nicht zu unterscheiden: Was ist redaktioneller Beitrag, was ist Werbung? Beides geht nahtlos ineinander über, was wenig verwunderlich ist, besorgt doch der Herausgeber praktischerweise gleich noch die Werbeakquisition – in publizistischen Kreisen so ziemlich die schlimmste deontologische Sünde, derer man sich schuldig machen kann. Darüber hinaus sollte man entweder über eine unfehlbare Sehschärfe oder eine ausgezeichnete Brille verfügen, um die Buchstaben der Texte zu entziffern. Von Artikeln kann eigentlich – von Max Bächers Aufsatz abgesehen – keine Rede sein, eher von PR-typischen Versatzstücken.

Sonst wüßte man gerne: Wer sind die anonymen Autoren? Die jeweiligen Architekten? Die Herausgeber? Und: Welche inhaltliche Linie verfolgt das Magazin? Bzw. an welche Zielgruppe richtet sich a dato? Nichts Genaues weiß man nicht zu all dem. Mit diesem wundertütenhaften Allerlei aus netten Textchen und hübschen Bildchen wird sich die von Herausgeber François J.V. Valentiny gewünschte „theoretische Auseinandersetzung“ jedenfalls nicht verwirklichen lassen.

r.k.

Als partizipative Debattenzeitschrift und Diskussionsplattform, treten wir für den freien Zugang zu unseren Veröffentlichungen ein, sind jedoch als Verein ohne Gewinnzweck (ASBL) auf Unterstützung angewiesen.

Sie können uns auf direktem Wege eine kleine Spende über folgenden Code zukommen lassen, für größere Unterstützung, schauen Sie doch gerne in der passenden Rubrik vorbei. Wir freuen uns über Ihre Spende!

Spenden QR Code