Nach Shell- jetzt Texaco- Boykott?

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Im Rahmen der aktuellen Skandale um die Parteienfinanzierung in Deutschland machte der Frankfurter Politologe Iring Fetscher einen Vorschlag, der auch in Luxemburg Aufmerksamkeit verdient, da bei uns die Verhältnisse rechtlich ja noch weniger geklärt sind als in unseren Nachbarstaaten.

Fetscher schlägt vor, private Spenden an Parteien generell zu verbieten. Auch die Wahlkampfkosten sollten nicht mehr vom Staat rückerstattet werden. Statt dessen müsse der einzelne Bürger über die Zuwendung seiner Steuer entscheiden können. Jeder Wahlberechtigte soll vom Staat einen Gutschein über einen für alle gleichen Wert erhalten. Der Gutscheinbesitzer kann dann den Betrag an eine Partei seiner Wahl schicken, oder auch an eine gemeinnützige Institution wie das Rote Kreuz, Amnesty international oder eine Nicht-Regierungsorganisation, die im Bereich Dritte Welt tätig ist. Allein diese Organisationen wären berechtigt, den Gutschein beim Staat einzulösen. Der Vorteil dabei wäre, dass die Wahlberechtigten selbst Herren über die Parteienfinanzierung wären und Finanzskandale schon vor den Wahlen ahnden könnten. Auf jeden Fall würden die Zivilgesellschaft bzw. ihre politischen Mitbestimmungsrechte gestärkt.

m.p./Publik-Forum, Nr. 3/2000

Herbert Haag hält Messe ohne Priester für Gebot der Stunde

Der weltberühmte, emeritierte Professor für Altes Testament an der Universität Tübingen, Herbert Haag, schrieb in der Basler Zeitung, angesichts des zunehmenden Mangels an zölibatären Priestern einerseits und des Rechts jeder Christengemeinde auf die wöchentliche Eucharistiefeier, müsse die Erkenntnis der Exegeten ernst genommen werden, dass es für die Abendmahlsfeier eigentlich keinen ehelosen, von der katholischen Hierarchie eingesetzten Priester braucht. Haags Erkenntnis beruht darauf, dass nur die sesshaften Tempelreligionen für ihre Opferkulte zwingend eine

Priesterkaste benötigten, die den Reinheitsregeln unterlag. Das galt in Ägypten, in Mesopotamien, in Israel, … Doch Jesus brachte eben kein Kultopfer dar! Er saß beim Abendmahl mit den Seinen um den Tisch. Dieses Liebesmahl (agapē) war in seinem tiefsten Kern antipriesterlich. Es war statt dessen geschwisterlich, gleichmachend. Jesus war frei vom Denken in einer klerikalen Zweiklassengesellschaft, die das Gottesvolk in eine Priesterkaste und das Laienvolk teilt. Damit steht Herbert Haag in einer Linie mit weiteren katholischen Theologen wie Paul Hoffmann (Bamberg, vgl. forum Nr. 196, S. 58ff.) oder Peter Eicher (Paderborn), für die es ebenfalls im Neuen Testament keine seriöse Grundlage für ein katholisches Amtspriestertum gibt.

m.p./Publik-Forum, Nr. 3/2000

Nach Shell- jetzt Texaco-Boykott?

Vor etlichen Jahren kam es zu einem weltweiten Boykott der Tankstellen von Shell, weil die Firma nicht nur ihre Restölbestände in die Nordsee laufen ließ, sondern auch in Nigeria die Wohngebiete ganzer Völker verseuchte, selbstverständlich ohne die Betroffenen weder an den fetten Gewinnen aus der Ölförderung zu beteiligen noch für die Umweltsünden zu entschädigen. Der Boykott zeigte Wirkung. Shell ist heute sehr erpicht auf ein positives Image in Sachen Umwelt.

Nunmehr machen die Ureinwohner Ecuadors auf ähnliche Praktiken von Seiten der Texaco aufmerksam. Kürzlich erhielt das Bündnis für die Verteidigung des

Amazonas vor einem New Yorker Gericht Recht. Seit 1993 forderte das Bündnis von dem amerikanischen Öl-Multi Texaco Entschädigungszahlungen für die seit 30 Jahren im Nordosten Ecuadors angerichteten Umweltzerstörungen. Nach Angaben der Kläger hat Texaco zwischen 1964 und 1992 fast 65 Millionen Liter Rohöl und 80 Milliarden Liter vergiftetes Wasser in der Amazonas-Region hinterlassen. Vor Gericht konnten die Indios nachweisen, dass Texaco mit veralteten Fördermaschinen das Ökosystem im Nordosten Ecuadors ruiniert hat. Die Folgen waren erhöhte Krebsraten, Totgeburten und Infektionen der Atemwege bei den Indio-Völkern. Texaco-Chef Peter Bijur versucht nun eine außergerichtliche Einigung herbeizuführen und bot die Zahlung der Hälfte der auf

eine Milliarde Dollar geschätzten Entschädigungssumme. Ursache des Einlenkens ist der in den US-Medien und von christlichen Solidaritätsgruppen ausgeübte Druck auf die Firma. Das Indio-Bündnis schaltete Anzeigen in den größten Zeitungen der USA und Spots auf CNN. Gezeigt wurde eine weiße Familie, die von einem Texaco-Mann mit Erdöl überschüttet wurde. Dazu der Kommentar: „Für Texaco ist die Hautfarbe wichtig. Texaco würde sowas nie mit Menschen machen, die weiß sind. Aber im tropischen Urwald Ecuadors hat Texaco das getan.“ Das Bündnis zögert auf einen außergerichtlichen Vergleich einzugehen, aus Angst dass das Geld in den Händen der Korruption landet, und will, dass Summe und Zahlungsart gerichtlich festgelegt werden.

m.p./Publik-Forum, Nr. 4/2000

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