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Anne Heniqui machte im Lëtzebuerger Land vom 27.4.2007 die Kritik am Finanzgebaren des Kulturministeriums gegenüber der Asbl The Roots and Leaves Association publik. Kulturstaatssekretärin Octavie Modert hatte, ausdrücklich gegen den Willen des Budgetkontrollers, der Vereinigung 400 000 Euro zukommen lassen, um in den USA ein luxemburgisches Kulturzentrum zu schaffen. Sieben der elf Vereinsmitglieder sind aktuelle und pensionierte Beamte des Kulturministeriums; die erst am 4.10.2006 gegründete Vereinigung hat ihren Sitz offiziell im selben Ministerium. Daher sprach der Rechnungshof von einer para-administrativen Vereinigung und forderte den Staat auf, die Aufgaben der Vereinigung selbst in die Hand zu nehmen und den Verein aufzulösen.

Die Journalistin hätte noch darauf hinweisen können, dass die Gründung von parastaatlichen Vereinigungen beim Kulturministerium nicht erst unter Staatssekretärin Modert einsetzte, sondern dort eine lange Tradition hat, die wir schon in forum Nr. 184/Mai 1998 in einem achtseitigen Beitrag ausführlich diskutiert haben. Darin wiesen wir auf die Parallele mit den damals aktuellen, von einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss gebrandmarkten Praktiken im Gesundheitssektor hin. Die Arbeit des Untersuchungsausschusses führte zur Einführung von Finanzkontrollern, die jede Ausgabe einer staatlichen Verwaltung zuerst auf ihre Legalität überprüfen sollen, bevor sie getätigt wird. Offenbar hat man im Kulturministerium jedoch nichts hinzugelernt. Die Antwort der Staatssekretärin in der parlamentarischen Budgetkontrollkommission, sie könne den Beamten ihres Ministeriums nicht verbieten, sich privat in Vereinigungen zusammenzuschließen, ist an Blaubigkeit kaum noch zu überbieten. Ihre Vorgängerin Erna Hennicot-Schoepes hatte immerhin ernsthafte Argumente angeführt, warum sie versuchte, auf diesem Weg den Numerus clausus beim Staat, die Schwerfälligkeit der Verwaltung und die an das Jahresbudget gebundene Ausgabenpolitik zu umgehen. Diesmal hat die Kammerkommission den Rech-

Rechnungshof aufgefordert, alle ähnlichen Vereinigungen unter die Lupe zu nehmen. forum veröffentlichte schon 1998 eine ganze Liste solcher parastaatlicher Strohmännervereinigungen. 1998 war der Rechnungshof leider nur im Sozialsektor aktiv geworden. Man darf gespannt sein auf die Ergebnisse seiner zukünftigen Arbeit.

m.p.

Denkmalschutz: ohne Belang

Fragen bezüglich Denkmalschutz stellen sich in der Hauptstadt nicht nur in Bezug auf die Nei Bréck. In Grund/Clausen berühren derzeit zwei Bauvorhaben altes Gemäuer, ohne dass den Belangen der Archäologie und des Denkmalschutzes Rechnung getragen würde. Zur Zeit wird gegen den Willen der Commission des sites et monuments nationaux die alte Umfassungsmauer der Neumünsterabtei in der Trierer Straße abgerissen, angeblich weil in die Räume des Verwaltungsgebäudes des Kulturzentrums zu wenig Licht fällt. Diskussionslos wurden in den letzten Monaten in Clausen die uralten Terrassen am Fuß des Altmünsterplateaus weggebaggert. Sie gehörten zu den dauerhaftesten Elementen aller Stadtansichten von Osten, seit es überhaupt solche Veduten gibt, d. h. seit dem 17. Jahrhundert. Etliche Historiker meinten auf solchen Ansichten, Weinreben zu erkennen. Die derzeitigen Arbeiten hätten unbedingt genutzt werden müssen, um archäologische Untersuchungen durchzuführen, etwa auf der Suche nach paläobotanischen Überresten (z. B. von Weinstöcken) oder nach mittelalterlichen Baustrukturen, die etwa von Mühlen oder anderen Wirtschaftsgebäuden stammen oder auch nach Fundmaterial, das beim Abriss der Altmünsterabtei den Hang hinab geschmissen wurde.

m.p.

Zu Hungerlöhnen für Aldi

T-Shirts unter drei Euro und Caprihosen unter acht Euro – das sind wirklich Schnäppchen, die der Discounter Aldi da anbietet. Allerdings kommen diese Schnäppchen oft jene teuer zu stehen, die sie herstellen. Darauf weist eine Studie von Südwind, dem Forschungsin-

Institut für Ökonomie und Ökumene, in Sieburg hin. „In China schleichen sich Beschäftigte nachts heimlich aus den Fabrikschlafsälen, weil sie befürchten, vom Management keine Erlaubnis zur Kündigung zu erhalten. Wochenlang müssen sie auf ihre Löhne warten. Schulen kassieren von den Fabriken Gelder für die Vermittlung von minderjährigen Beschäftigten. Mit Beispielen wie diesen“, so Ingeborg Wick vom Südwind-Institut, „wird der Arbeitsalltag von Beschäftigten in chinesischen Bekleidungsfabriken keinesfalls als Ausnahmesituation beschrieben.“ Zusammen mit der Kampagne für saubere Kleidung plant Südwind in den kommenden Monaten öffentliche Aktionen zu Aldi. Diese werden sich an die Adresse des Discounters richten, der immer wieder betont, nur wenig Einfluss auf seine Zulieferer zu haben. In einer ersten Stellungnahme zu den Forschungsergebnissen hat sich Aldi allerdings dialogbereit gezeigt. „Ob diese Bereitschaft zu Einkaufspraktiken führt, die eine Einhaltung grundlegender Sozialstandards erlauben, wird sich zeigen“, sagt Ingeborg Wick.

(aus: Publik-Forum 10, 2007, S. 19)

Jugendforschung im Dialog

Die Vortragsreihe „Jugendforschung im Dialog“ der Forschungsgruppe INSIDE/CESIJE der Universität Luxemburg schließt am 12. Juli mit einem Vortrag von

Dr. Waldemar Vogelgesang (Universität Trier)

zum Thema

„Ich muss auch beim Glauben meine Linie finden“ – Jugend und Religion in einer individualisierten Gesellschaft

Der Vortrag findet um 17 Uhr auf dem Campus Walferdingen in Gebäude 3, Hörsaal Piaget, statt. Der Eintritt ist frei.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Helmut Willems

Tel.: 46 66 44 – 9379

E-mail: helmut.willems@uni.lu

Mansfeld-Ausstellung schon vorbei

Es kommt nicht alle Tage vor, dass eine ausschließlich in Luxemburg konzipierte Ausstellung einen echten Gewinn an historischen Informationen zeitigt. Genau das ist aber das Verdienst der von Jean-Luc Mousset im Staatsmuseum in vierjähriger Vorbereitungszeit erarbeiteten Ausstellung über Graf Peter-Ernst von Mansfeld, die den Besucher sowohl ins Renaissance-Luxemburg entführte, als auch mit den europapolitischen Fragen der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bekannt machte. Dank erfolgreicher Ausgrabungen auf dem Areal des ehemaligen Mansfeld-Schlosses in Clausen, dank auch ausgiebiger Archivreisen nach Madrid und Brüssel und intensiver Suche im Luxemburger Nationalarchiv konnte überraschend umfangreiches Quellenmaterial zu Tage gefördert werden, das bislang den Forschern völlig unbekannt gewesen war. Das führte nicht nur zu außergewöhnlichen Leihgaben aus dem Prado und Escorial, da Museen dieser Kategorie nur auf Gegengabe ausleihen – in diesem Fall im Austausch gegen wissenschaftliche Neuerkenntnisse –, sondern auch zu zwei großformatigen Katalogbänden, in denen erfreulicherweise die neu gefundenen Aktenstücke schon publiziert werden, so dass die eher bescheidenen Quellenbestände zur Geschichte Luxem-

Monogramme de P.-E. Mansfeld sur une chasuble, Fabrique d’église de Notre-Dame, Luxembourg, © MNHA (T. Lucas)

burgs in der Frühen Neuzeit eine wertvolle Ergänzung erfahren. Auch wenn mittlerweile so manche Ausstellung – auch in Luxemburg – dank einer dramatischen Theatralik über ihre Inhaltsleere hinwegzutäuschen versucht, so muss man in diesem Fall umgekehrt bedauern, dass die sehr unprätentiöse Aufmachung die ausgestellten Glanzstücke ungenügend zur Geltung brachte. Schade ist aber vor allem, dass die Früchte vierjähriger Arbeit nur während zwei Monaten zu sehen waren. Das genügte sicher nicht, damit der gute Ruf der Ausstellung sich rechtzeitig in den internationalen Fachkreisen herumsprach und auch Besucher aus dem Ausland in größeren Zahlen anlockte. Schon die Ausstellung über Sigismund hatte gezeigt, dass das Staatsmuseum in Sachen Vermarktung noch viel zu lernen hat.

m.p.

Molosse dit de Charles de Mansfeld, MNHA Luxembourg, © MNHA (T. Lucas)

Kulturjahr – unsere Favoriten

Exilland Luxemburg

Schreiben • Auftreten •
Musizieren • Agitieren •

Überleben

Im Centre national de littérature wurde kürzlich die Ausstellung „Exilland Luxemburg (1933-1947)“ eröffnet. Dass viele Juden und Regimekritiker auf ihrer Flucht aus dem Dritten Reich Zuflucht in Luxemburg suchten, wurde in der luxemburgischen Geschichtsschreibung bisher kaum behandelt. Anhand von Einzelschicksalen will die Ausstellung auf die schwierigen Lebensbedingungen der Exillanten in Luxemburg hinweisen. Diese sahen sich auch hierzulande vielfach mit Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit konfrontiert.

Im Mittelpunkt stehen vor allem Künstler, aber auch Politiker, Wissenschaftler oder Geschäftsleute. Unterschiedliche Zeitdokumente, wie das Tagebuch von Hugo Heumann – bis zu seiner Deputation Leiter des jüdischen Altenheims von Cinqfontaines – oder der Text Kinnahaken von Karl Schnog ermöglichen einen persönlichen Zugang.

„Es geht darum zu verstehen, dass in dem gegebenen politischen und kulturhistorischen Kontext die Tätigkeit der jüdischen Künstler eine Bereicherung des luxemburgischen Kulturlebens darstellte. In einer konsequenten Erinnerungsarbeit sollen die Besucher der Ausstellung für einen positiven Umgang mit Migrationsprozessen der Gegenwart sensibilisiert werden.“ (www.luxembourg2007.org/pro/detail.asp?ID=1289)

Die Ausstellung läuft noch bis zum 15. Dezember 2007 und kann montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr besichtigt werden.

Weitere Informationen finden Sie unter www.cnl.public.lu.

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