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forum: Tania Naskandy! Sie sind der neue Stern am Luxemburger Literaturhimmel und haben mit Ihrem Debutroman Sibirisch Eisebunn bitter-böse Innenansichten der luxemburgischen Gesellschaft vorgelegt. Der schmale Band hat sehr positive Kritiken erfahren – unter anderem im Luxemburger Wort („Sich no privater Uerdnung an enger chaotischer Welt“, Jeff Baden, 11. März 2010)! Im Lëtzebuerger Land wird Ihnen jetzt vorgeworfen mit Ihrem Verleger Guy Rewenig (ultimomondo) identisch zu sein („Dünnes Eis“, Elise Schmit, 19. März 2010). Als Anhaltspunkte werden der wenig aussagekräftige Titel, die positive Darstellung eines gehbehinderten Geometers und Ihre digitale Nicht-Existenz ins Feld geführt.

Schmerzt Sie diese Unterstellung als junge Autorin, die hier zum ersten Mal den Weg in die Öffentlichkeit wagt! Oder ist es für Sie eine Auszeichnung, dass man Sie für den großartigen, erfolgreichen und geachteten Schriftsteller Guy Rewenig hält! Stilistisch erinnert Ihr Text ja tatsächlich ein wenig an den jungen Rewenig …

Tania Naskandy: Für mich ist es eher schmeichelhaft, mit Guy Rewenig verwechselt zu werden. Ob es sich für ihn auch so verhält, wage ich zu bezweifeln. Es stimmt, dass es zwischen Guy Rewenigs Schreibweise und meiner starke Affinitäten gibt. Wie das zu erklären ist, weiß ich nicht. Ich habe mich schon gefragt, ob ich nicht zufällig Rewenigs uneheliche Tochter bin. Man kann ja nie wissen, was sich in meinem wilden Geburtsjahr 1972 alles in und um Echternach gekreuzt und gepaart hat. Ich werde mal bei meiner Mutter anklopfen, um Näheres zu erfahren.

Erwägen Sie juristisch gegen Frau Schmit vorzugehen! Denn es könnte sich als geschäfts- bzw. verkaufs-schädigend erweisen, wenn man Sie mit Guy Rewenig verwechselt … Viele Leute haben schon ein Buch von Rewenig und wollen vielleicht nicht noch eins! Außerdem könnte das Luxemburger Wort versucht sein, Ihre nächste Veröffentlichung nicht zu besprechen, wenn dieser Geschichte erst einmal Glauben geschenkt wird!

T.N.: Nein, auf gar keinen Fall. Ich schätze Elise Schmit sehr. Sie ist eine wunderbar radikale und sachkundige Rezensentin, ein wahrer Glücksfall für die luxemburgische Literatur. Selbstverständlich hat sie das Recht, mich als Autorin zu hinterfragen. Ihr Text „Dünnes Eis“ ist ein Kabinettstück, ein Hochgenuss. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob es „Elise Schmit“ wirklich gibt. Es geht das Gerücht um, hinter dem Tarnnamen „Elise Schmit“ verstecke sich ein bekannter Luxemburger Autor. Einige sprechen sogar von Guy Rewenig. Ich habe jedenfalls „Elise Schmit“ gegoogelt und nichts über sie gefunden. Aber vielleicht ist sie ja eine eingefleischte Google-Feindin, genau wie ich.

Haben Sie einen Verdacht, wer die Geschichte in die Welt gesetzt hat? In der Literaturvermarktung ist man ja mittlerweile Einiges gewöhnt, doch dass Guy Rewenig sich gegenüber einer leichtgläubigen Rezensentin als Tania Naskandy ausgegeben haben könnte, möchte man sich gar nicht vorstellen. Aber alles ist menschlich – und insbesondere in der Kunst! Hätten Sie für einen Schriftsteller, der womöglich aus schierer Verzweiflung am eigenen Ich sich auf Ihre Kosten eine andere Identität erschwindelt, Verständnis!

T.N.: Ich glaube, hier sind gerissene Werbefachleute am Werk. Die gezielte Andeutung, Tania Naskandy könnte Guy Rewenig sein, fördert noch einmal den Verkauf meines Buches, wie ich höre. Vielleicht steckt ja auch mein Verlag ultimomondo hinter der Verwirrgeschichte. Das alles kann ich von der Schweiz aus nicht beurteilen. Hätte Guy Rewenig Sibirisch Eisebunn geschrieben, um so die Aufmerksamkeit weg von seinem Namen auf den Text zu lenken, wäre ihm dies vollauf gelungen und er könnte mit seiner Travestie sehr zufrieden sein.

Gerade der Umstand, dass Sie und Ihre Familie weder in Luxemburg, noch in der Schweiz über Google zu finden sind, ist ja wirklich bemerkenswert.

T.N.: Ich sorge selber dafür, dass ich von Google nicht erfasst und verhackstückt werde. Das ist nicht einmal so schwierig, wie man es sich vor-

„Für mich ist es eher schmeichelhaft, mit Guy Rewenig verwechselt zu werden. Ob es sich für ihn auch so verhält, wage ich zu bezweifeln.“

Mir gratuléieren dem Lëtzebuerger Land fir hieren neien Internetsite, den zanter der Woch vum 19. Mäerz 2010 online ass. Et ass just e bessen iwwerdriwwen an deem Kontext ze behaapten, d’Datebank op der neier Web-Site wier „in der Luxemburger Medienlandschaft nach wie vor einzigartig.“ Déi iwwert 3 300 Artikele géifen „zum Teil bis in die Neunzigerjahre zurück(reichen).“ Et geet näischt iwwer Selbstlob. Dofir muss de Koschter drop hiweisen, dass d’forum-Datebank scho säit 2006 online ass an dass se bis an d’siwwenzeger Jore vum 20. Jorhonnert zréckreecht an e kompletten Archiv bereet stellt. Et dierft jo och keen Zoufall sinn, dass wann een op Google en Thema recherchéiert, dat mat Lëtzebuerg ze dinn huet, dass een da ganz oft forum-Artikelen servéiert kritt.

m.p.

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