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Es war an einem Samstagabend im Monat Mai des Jahres 1970, als sich erstmals Jugendliche aus einer ganzen Reihe Stadtluxemburger Pfarreien trafen, um gemeinsam auf ihre Art, mit Guitarren und rythmischen Liedern und Texten in luxemburgischer Sprache, Eucharistie zu feiern. Sie begegneten sich fortan jeden Sonnabend und feierten das Meßopfer und diskutierten wie man Christ sein könne in der Welt von heute. 8 Jahre lang trafen sie sich regelmäßig… Dann brökkelte die Gemeinschaft auseinander.

Wir können demzufolge heute kein Jubiläum feiern. Da ‚forum‘ aber bis dato das einzige Überbleibsel der damaligen ‚Jugendpor Lëtzebuerg‘ ist, kamen wir nicht an einer nostalgischen Träne vorbei. Trotzdem wird in dieser Nummer kein Beitrag die bewegte Geschichte der ‚Jugendpor‘ darstellen. Zu tief waren die Wunden, deren Vernarbung nur langsam fortschreitet, und in denen man wohlen müßte, wenn man die Chronik schreiben wollte. Zu groß ist noch heute das Bedauern über ihr Ende, obschon man uns mit Hinweisen aufs Ausland, wo ähnliche Experimente selten eine so lange Lebensdauer erreicht haben, zu trösten versuchte. Keiner hat sich bereit gefunden, diese Vergangenheit aufzuarbeiten.

Die ‚forum‘-Redaktion war der Meinung dem Geist jener Gemeinschaft am besten dadurch zu entsprechen, daß sie den heutigen Bemühungen um eine Jugendpastoral ein Dossier widmet.

Ein rein kircheninternes Dossier?

Unseres Erachtens nicht. Vor kurzem starb Antoine P. aus Esch/Alzette an einer Überdosis Heroin. (vgl. S. 22). Er ist ’nur‘ ein dramatischer Höhepunkt der geistigen Not, die große Teile der Jugend ergriffen hat. Passionierte Fragen, denen Nicht-Religionslehrer (!) häufig ausgesetzt sind, sind nicht minder typisch. Der Anklang, den bestimmte Sekten bei der Jugend im Ausland finden, sind ein weiteres Zeugnis dafür, daß sie die Suche nach Gott keineswegs abgeschrieben hat.

Aber wie hilft ihr die Kirche bei dieser Suche? Leider hat man allzu oft den Eindruck, daß ihr Erscheinungsbild die jugendliche Suche nach dem Messias Jesus eher behindert. Schon 1971 bei der Synodenumfrage antworteten fast 50 % der Jugendlichen, daß sie ein Bedürfnis haben, mehr über Glaubensfragen zu wissen, aber knapp 20 % zeigten Interesse für Kirche und religiöse Fragen. Hauptschwierigkeiten waren damals schon die kirchlichen Auffassungen über Sexualität und Ehe, die mangelnde Sorge um Notleidende, aber auch die zu häufigen Moralpredigten. An diesen Vorwürfen dürfte sich wenig geändert haben. Und Johannes Paul II. scheint nicht der Mann, den Fernstehenden entgegenzukommen.

Und doch sind wir überzeugt, daß die Frohbotschaft Jesu auch heutigen Menschen Freude und Hoffnung bringen könnte (vgl. S. 24). Denn die Gesellschaft, für die Konsum ein Lebensideal ist, deren kalte rationalistische Lebenseinstellung von so vielen Jugendlichen immer heftiger in Frage gestellt wird, ist auch mit dem Evangelium kaum zu vereinbaren. Auch die Synode hat erkannt, daß die Kirche heute unter neuen Bedingungen den Glauben zu verkündigen hat (vgl. Beschluß ‚Glaubensverkündigung heute‘, § 1.1.). Aber die Jugend hört diese Gute Nachricht kaum.

In Luxemburg beschränkt sich nämlich, wie unten gezeigt werden wird, die Pastoral bei den Jugendlichen fast ausschließlich auf den schulischen Unter-

Unterricht. Und F. Koedinger wird einsichtig machen, daß dieser einen Jugendlichen kaum zur Nachfolge Jesu bringen wird. Versuche alternativer Pastoralformen hingegen werden von Pfarrern und Dechanten wenn nicht Kaplänen behindert oder gar verboten. Pater J. Ochsenbein mußte trotz hervorragender Arbeit bei Gelegenheit der großen Mission von 1966 seinen Hut nehmen. Pater R. Vesque nahm ihn freiwillig, enttäuscht ob des minimalen Verständnisses, das dem ‚Jugendpor‘-Experiment entgegengebracht wurde, und verbittert über die gehässigen Verleumdungskampagnen, denen er sich wegen seiner Arbeit mit Jugendlichen ausgesetzt sah. M. Schaack erzählt unten, daß auch heute solchen alternativen Versuchen allmögliche Schikanen in den Weg gelegt werden. Es ist also verständlich, wenn nicht sehr viele Gruppen hier von langjährigen Erfahrungen berichten können.

Trotzdem werden einige Jugendliche hoffnungsvolle Zeugnisse ablegen. Überhaupt waren fast alle ‚lömoignages‘, die wir von Jugendlichen erhielten, positiver Natur. Sie berichten vom freudigen Glaubensaustausch in kleinen Spontangruppen. Aber, sogar die Synode stellte fest: ‚Ihre (i.e. Kleingruppen) Bedeutung für ein entscheidendes, ausstrahlendes Christentum ist groß; sie wird gewiß noch zunehmen. Einer Pastoral allerdings, die ganz auf Katechese und Liturgie ausgerichtet ist, bleibt sie noch zu entdecken‘ (‚Glaubensverkündigung heute‘, § 1.2.6.), und weiter: ‚Dynamische Kleingruppen, besonders Basisgruppen könnten durch ihre Offenheit Orte des Dialogs und der Begegnung werden, wo der suchende Mensch sich verstanden, sogar angenommen fühlen kann‘ (ebd., § 2.6.3.). Das wird auch unsere Schlußfolgerung sein.

Aber noch hat die Gesamtkirche, haben entscheidende Verantwortungsträger in der Kirche (etwa bei den kirchlichen Medien) solche Zukunftsorientierungen nicht verstanden. Die in der Mehrheit positiven Zeugnisse in dieser Nummer dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, daß sie von einer verschwindend geringen Minderheit der Jugend stammen. Die meisten Jugendlichen haben sich inzwischen soweit von der Kirche entfremdet, daß sie uns nicht einmal ihre negativen Erfahrungen mitteilen wollen.

Diese Nummer soll daher nicht nur die Verantwortlichen aufrütteln umzudenken, endlich von Diskussion über eine oder zwei Religionsstunden loszukommen und über außerschulische Pastoralinitiativen zu sprechen. Sie soll auch Jugendlichen Zeugnis geben von der Hoffnung die uns treibt. (Denn auch ‚forum‘ wird ja immer noch, gerade auch in Kleruskreisen, trotz seiner christlichen Grundüberzeugungen, angegriffen, in der Verbreitung behindert (1).) Der Redaktion wird sie allerdings auch Verpflichtung sein müssen: die religiösen Seiten in ‚forum‘ sind zweifellos verbesserungswürdig, insbesondere seit feststeht, daß in den letzten Monaten eine ganze Reihe Jugendlicher zu unserm Leserkreis gestoßen sind. Und daß mehr ‚Fernstehende‘ die Zeitschrift lesen als überzeugte Christen, dürfte schon seit langem der Fall sein. Vielleicht ist einer unter ihnen bereit, konkret mitzuarbeiten. Wir wollen nicht für die Jugend ‚etwas tun‘, höchstens mit ihr.

m.p.

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