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… daß wir unsern Lesern am 31.1.1976 mitteilten, die Zeitschrift, die sie in Händen hielten, sei ihnen nicht völlig unbekannt. Eigentlich war es nur ein neuer Name für das ex-Informationsbulletin der (inzwischen verstorbenen) ‚Jugendpor Lëtzebuerg‘. Der neue Name war zwar nicht sonderlich originell, aber, so hieß es damals, er drücke genau das aus, was wir wollten: Forum sein, eine Plattform des Dialogs, ein Marktplatz von Meinungen.

Heute, das sei offen eingestanden, sind wir schon allein darüber erstaunt, dass es ‚forum‘ noch gibt, ja, dass ‚forum‘ heute eine der ältesten, mit seinem Vorgänger-‚Bulletin‘ vielleicht die älteste Alternativzeitung in Luxemburg ist. Wir verdanken es vor allem unsern Lesern, deren Zahl stetig wuchs und wächst und mit dieser Jubiläumsnummer dürfen wir auch unsern 500. Abonnenten begrüßen: Da der freie Verkauf auch stark zugenommen hat, wird die Auflage dieser Nummer sogar erstmals die 1000-Grenze überschreiten.

Es soll hier nicht lange über unser sicher weiterentwickeltes Selbstverständnis gesprochen werden. Das geschah im Laufe der Jahre des Öftern, sei es um uns gegen ‚links‘ abzugrenzen, sei es um unsere ‚christliche Perspektive‘ hervorzustreichen, sei es um unser pluralistisches Redaktionskonzept zu betonen, sei es um unsere ablehnende Haltung gegenüber Kapitalismus und Ausbeutung jeder Art zu begründen.

Die 50. Nummer kehrt eigentlich an unsere Ursprünge zurück: das Pressewesen in Luxemburg. Wer eine neue Zeitschrift gründet, ist offensichtlich mit den bestehenden unzufrieden, bzw. er hat die Möglichkeit nicht, seine Ideen dort zum Ausdruck zu bringen. Für die Gruppe junger Christen, die am Anfang dieser Zeitung stand, galt dies in besonderem Maße in Bezug auf das ‚Luxemburger Wort‘. Das Interesse an den Presse-

Pressefragen blieb auch all die Jahre hindurch bestehen, umso mehr als wir kaum Verbesserungen beobachten konnten. So kam es z.B. 1974 zur damals viel diskutierten Broschüre ‚Luxemburger Wort‘ – Elemente einer Analyse‘. Auch in Nr. 15 (7.5.1977) war das Dossier bei Gelegenheit der Synodendebatten diesem Thema gewidmet. Das Thema Presse liegt uns vor allem deshalb am Herzen, weil u.E. die öffentliche Kommunikation eine wesentliche Voraussetzung ist für die freiheitliche Selbstbestimmung aller Bürger und das Funktionieren der Demokratie. Gerade in Luxemburg, wo bekanntlich eine Zeitung eine starke Vormachtsstellung auf dem Markt hat, und wo alle Tageszeitungen parteipolitisch gebunden sind (was sie auch immer von sich selbst behaupten), kann unser Engagement für mehr Freiheit, für mehr Solidarität, für mehr Gemeinschaft, im Lande, in der Welt, in der Kirche nur über eine ausgewogenere und vollständigere Information der Bürger führen. Dies war schon der konkrete Anlaß, warum 1972 die ‚Jugendpor Lëtzebuerg‘ sich veranlaßt sah, eine eigene Zeitung zu gründen: Themen, die ihr wichtig waren, kamen in der Tagespresse ungenügend zu Wort. Heute sind sie die Rubrikentitel von ‚forum‘: Dritte Welt, Strafvollzug, Drogensüchtige, Fremdarbeiter, Menschenrechte, Glaube und Theologie, Basisinitiativen, usw.

Das Dossier dieser Nummer soll weniger den Inhalt der einzelnen luxemburgischen Presseorgane analysieren, sondern stärker die Funktionsweise der Presse in Luxemburg im allgemeinen beleuchten. Um unsern Forumcharakter erneut unter Beweis zu stellen, hatten wir für diese Nummer als zentralen Beitrag ein Gespräch mit den Verantwortlichen der drei wichtigsten Presseorgane in Luxemburg geplant. Leider sagte uns der beigeordnete Chefredakteur des ‚L.W.‘, Herr Léon Zeches, ab, obschon er – das sei hier auch verraten – seit zwei Jahren bemüht ist, Spannungen, die es aus

quasi historischen Gründen zwischen ‚L.W.‘ und ‚forum‘ gegeben hat, abzumildern. Leider, wie wir erfahren mußten, mit nicht allzuviel Erfolg. Wir sind nicht mehr böse über die Verantwortlichen des ‚L.W.‘ – nur traurig, sehr traurig. Am besagten Gespräch waren daher nur die Herren Pilo Fonck (RTL) und Fernand Weides (tageblatt) beteiligt (siehe SS.4-8).

Die Nummer hat sicher noch weitere Mängel. So wäre es ohne Zweifel auch interessant gewesen, mit beiden Journalisten-Verbänden ein Gespräch zu führen. Auch die Presse als Geschäft wäre noch genauer zu analysieren, denn trotz aller Finanzschwierigkeiten, über die alle Organe klagen, ist in Luxemburg, im Gegensatz zum Ausland, kein größeres Presseorgan den Geldtod gestorben. Vor allem RTL bedürfte noch viel wei-

weitergehender Ausführungen. Es scheint uns z.B. bedenkenswert, daß im Luxemburger Pressewald ein Konsensus zugunsten der RTL-Satellitenpläne besteht, von allen Seiten die SPD-Bedenken verteufelt werden (selbst von der LSAP), aber nie der Inhalt der RTL-Sendungen in die Diskussion eingebracht wird. Auch zur starken Präsenz der Auslandspresse in Luxemburg wäre manches zu sagen: wieviel Exemplare der ‚Bild‘-Zeitung werden täglich gekauft, wieviele von ‚Le Monde‘?

Doch auch bei uns gibt es Grenzen: der Umfang unserer Zeitung, die Zeit der Mitarbeiter. Nichtsdestoweniger hoffen wir, daß unsere Leser uns auch weitere 50 Nummern lang treu bleiben werden. Wir wagen allerdings nicht zu versprechen, …

m.p.

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