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Dass die Menschen heute im Durchschnitt älter werden als vor 100 Jahren, daran dürfte wohl niemand zweifeln. Die Folgen dieses Älterwerdens werden jedoch häufig nur mit negativen Schlagwörtern wie "Überalterung", "Rentenberg", "Vereinsamung", "unförmige Bevölkerungspyramide mit kopflastigem Altersteil" charakterisiert. Diese negativen Folgen erscheinen als der Preis, der für diesen "Fortschritt" gezahlt werden muss.
So wird auf dem Gebiet der Medizin der Akzent auf den Zusammenhang zwischen Alter und Krankheit gelegt. Die zunehmende Lebenserwartung bringt durch die beinahe vollständige Eliminierung der "natürlichen Auswahl" eine erhöhte Morbidität mit sich. Während Krankheiten mit unmittelbar tödlichen Folgen zurückgedrängt werden konnten, und daher mehr Menschen die Chance hatten, alt zu werden, wurden auch mehr Alte krank. Dadurch wurde auch die Selbsteinschätzung älterer Leute immer wesentlicher bestimmt. Die durch diese Entwicklung bedingte Zunahme der Pflegebedürftigkeit ging überdies einher mit einer geringeren Möglichkeit der Altenversorgung durch die Familie, z.B. aufgrund der Zunahme der Berufstätigkeit der Frau.
In sozialer Hinsicht stellen wir einerseits einen
Statusverlust der alten Menschen fest, insbesondere in einer Gesellschaft, für die Leistung, Aktivität und Aggressivität zu immer dominanteren Verhaltensmaßstäben wurden. Andererseits kam es, so paradoxal dies auch klingen mag, zu einer stärkeren Besetzung von Machtpositionen durch ältere Leute und damit zu geringeren Aufstiegsmöglichkeiten der jüngeren.
In ökonomischer Hinsicht bringt der immer später erfolgende Erbanfall mit sich, dass der Besitz heute in nicht seltenen Fällen eine Generation überspringt.
Auch auf siedlungsgeographischem Gebiet gab es Veränderungen. So entstand dadurch, dass immer mehr Eltern die der Familiengrösse einstmals angepassten Wohnungen immer länger noch für sich beanspruchen, eine notwendig gewordene Zunahme von neuen Wohnungseinheiten und damit eine noch lange nicht immer positive Veränderung des Dorf- oder Stadtbildes.
Schliesslich ist in psychologischer Hinsicht neben dem schon erwähnten Statusverlust eine zunehmende Vereinsamung älterer Menschen hervorzuheben.
Diesen meist negativen Aspekten heutigen Älterwer-
dens wird, als Kontrast sozusagen, ein "goldenes Zeitalter" für ältere Menschen von der industriellen Revolution gegenübergestellt und auf den "harmonischen" Aufbau der damaligen Bevölkerungspyramide hingewiesen. Der ideologische Hintergrund dieser Aussagen ist klar: durch eine implizite Kritik an den gegenwärtigen Verhältnissen wird der Blick auf die Vergangenheit gerichtet und die Wiederherstellung der "alten Ordnung" angestrebt. Was hat sich denn eigentlich im Verlauf der letzten Jahrhunderte grundlegend geändert? Die Beantwortung dieser Frage soll hier skizzenhaft versucht werden. Dabei ist zu bedenken, dass die Ansätze zu einer geschichtlichen Beschäftigung mit dem Thema des Alterns bisher noch recht spärlich sind und hauptsächlich von der Historischen Demographie und der Historischen Familienforschung ausgehen.
Der Berliner Historiker Arthur Imhof schildert die besondere demographische Entwicklung der letzten beiden Jahrhunderte so: "Das rasche Ansteigen der Einwohnerzahlen in vielen europäischen Ländern zwischen etwa 1750 und 1950 kam nicht durch eine Zunahme der Fruchtbarkeit zustande, sondern dadurch, dass mehr und mehr der Geborenen das Säuglings- und Kleinkindalter überlebten und auch als Erwachsene älter wurden als früher. Statt etwa dreissig Beerdigungen in einem Dorf mit tausend Einwohnern gab es pro Jahr nur noch zwanzig, schliesslich nur noch zehn. Kinderfriedhöfe begannen zu verschwinden. Früher dagegen hatte von zwei Neugeborenen meist nur eines das Erwachsenenalter erreicht. Kinder und Erwachsene hatten gleich grosse Anteile auf den Kirchhöfen beansprucht.
Durch den Rückgang der Sterblichkeit geriet das zahlenmässig früher ausgeglichene Verhältnis zwischen Geborenen und Verstorbenen aus dem Gleichgewicht, denn nach wie vor kamen pro Jahr noch immer etwa gleich viele Kinder zur Welt, in einem Dorf mit tausend Einwohnern im Durchschnitt etwas über dreissig. Es dauerte eine geraume Zeit, bis sich unsere Vorfahren der neuen Situation angepasst hatten und die Konsequenzen aus der Tatsache zogen, dass von sechs geborenen Kindern nun auch sechs, und nicht länger nur drei, die ersten Wochen, Monate, Jahre überlebten, und dass so gut wie alle das Erwachsenen-, dann das Renten- und heute oder demnächst schliesslich auch das Greisen-) Alter erreichten.
Dieser Anpassungsprozess, der nur durch eine äusserst effektive Familienplanung zu vollziehen war und eine stetige Abnahme der Geburtenzahlen pro Frau zur Folge hatte, nahm in Europa rund zweihundert Jahre in Anspruch und kam erst vor kurzer Zeit zum Abschluss. Statt etwa dreissig Geburten und Todesfälle pro tausend Einwohner und Jahr sind es heute nur noch etwa je zehn. Während der Phase des Übergangs von der alten Bevölkerungsweise mit
hohen Geburten- und Sterbeziffern zur modernen mit beidseits niedrigen Werten – in der Fachsprache als ‚demographische Transition‘ bezeichnet – kam es zu jener ‚Explosion‘, das heisst dem ungewöhnlich raschen Bevölkerungswachstum, das mancherorts nun in – jedenfalls vor dem aufgezeigten historischen Hintergrund – unzulässiger Weise als Massstab genommen wird."
Einer Beantwortung der Frage, ob die Europäer aussterben werden, können wir also aufgrund der historischen Langzeitentwicklung gelassener entgegensehen.
Wenn wir nun von steigender Lebenserwartung sprechen, dann müssen wir ganz genau unterscheiden zwischen der Lebenserwartung bei der Geburt und der Lebenserwartung zu bestimmten Altersabschnitten, etwa mit 30, 50, 70 Jahren. Dabei können wir folgendes feststellen: Während die Lebenserwartung bei der Geburt eine grosse Zunahme zu verzeichnen hat, – bedingt durch das weitgehende Eliminieren von "Zwischenfällen" im Säuglings- und Kleinkindalter -, hat die Lebenserwartung älterer Menschen im Verlauf der letzten Jahrhunderte nicht oder doch nur unwesentlich zugenommen. Man kann also deutlich sehen, dass es sich bei der Erhöhung der durchschnittlichen Lebenserwartung weniger um die zunehmende Chance von Erwachsenen, besonders alt zu werden, als von Neugeborenen, erwachsen zu werden, handelt. Somit finden sich in der Altersverteilung der Bevölkerung auch zunehmend mehr Erwachsene und damit auch mehr alte Menschen; zusätzlich wird diese Entwicklung durch den Geburtenrückgang verschärft. Es ergeben sich also grundsätzlich Verschiebungen in der Verteilung der Altersgruppen. Dabei ist das Alterwerden als Massenphänomen eine relativ junge Erscheinung. Dazu wiederum A. Imhof: "Die Zeit reichte für diejenigen, die nicht bereit als Säuglinge oder Kleinkinder wieder weggestorben waren, gerade aus, um erwachsen zu werden, eine eigene Familie zu gründen, so viele Kinder in die Welt zu setzen, dass wenigstens ein paar von ihnen überlebten, diese grosszuziehen und den Hof oder die Handwerkersstelle an den ersten Volljährigen und Verheirateten zu übergeben. Dann mussten sie bereits wieder von der Weltenbühne abtreten. Wie hätte man bei einer durchschnittlichen Erwachsenen-Lebenserwartung von fünfzig, sechzig Jahren auch gross an heute aktuelle Probleme wie Arbeitslosigkeit im fortgeschrittenen Alter denken und Initiativen zur Gestaltung von zu viel freier Zeit in einem nicht vorhandenen oder jedenfalls nicht massenhaft vorhandenen dritten oder gar vierten Lebensabschnitt entwickeln sollen? Wie sich Gedanken machen über ein Leben mit chronischem Leiden, über jahrelanges Siechtum, wo doch die meisten Menschen von einer Handvoll schnell tödender Infektionskrankheiten hinweggeräfft wurden, lange bevor
Im Vergleich zum 18 Jn. werden heute weniger Kinder geboren, es sterben indes auch nur noch wenige vor Erreichen des Erwachsenenalters. Die Bevölkerung altert heute "von unten" her. Die Zunahme der Lebenserwartung auch in mittleren Jahren führt zu einer Abnahme der Sterblichkeit unter den älteren Erwachsenen. Die Pyramidenform des Altersschemas weicht allmählich einem bauchig- unnenförmigen Gebilde. Da die Geburten auf niedrigem Niveau stagnieren und die Säuglings- und Kindersterblichkeit verschwinden, wächst die schmale Basis von Jahr zu Jahr nach oben. Ebenso rücken die älteren, noch größeren Jahrgänge sukzessive aufwärts. Angesichts der vorausgesagten Zunahme der Lebenserwartung in den nächsten Jahrzehnten kommt es zu einer "Überalterung" der Bevölkerung "von oben" her.
in: A.E. Imhof, Die gewonnenen Jahre
sie ihre biologisch mögliche Altersgrenze auch nur annähernd erreicht hatten?
Alter werden als Problem – für wen? Der Tod hatte für verschiedene Bevölkerungsgruppen schon immer ein unterschiedliches Gesicht, das sich im Laufe der Zeit in unterschiedlicher Weise für sie veränderte. Diese Ungleichheit vor dem Tod, und damit verbunden auch vor Gesundheit und Krankheit, konnte altersspezifischer Natur sein. Erhebliche Unterschiede lassen sich aber auch, und zwar bis heute,
aufgrund der Zugehörigkeit zum einen oder andern Geschlecht, zu dieser oder jener Sozialschicht, im Hinblick auf den Zivilstand, die Schulbildung, den Beruf, die Wohn-Ansässigkeit feststellen. Zwei Aspekte sollen hier näher betrachtet werden: der Zusammenhang zwischen Alter und Familienstruktur einerseits, zwischen Alter und Arbeit andererseits.
Es steht ausser Zweifel, dass mit dem Ausscheiden des letzten Kindes aus dem Elternhaus eine neue Phase des Familienzyklus beginnt, die sogenannte "nacheltliche Gefährdenschaft" – eine historische Erscheinung, die erst auftrat, nachdem das Ausscheiden aller Kinder aus dem Haushalt der Eltern sowie deren neolokale Haushaltsgründung zur Regel geworden waren, im Gegensatz zu früheren erblichen Familienbetrieben. Als Voraussetzung für diese Entwicklung können folgende Faktoren angeführt werden
- Anstieg der Lebenserwartung
- niedrigeres Heiratsalter
- Konzentration der Geburten zu Beginn der Ehe durch Geburtenkontrolle in späteren Jahren
- drastische Beschränkung der Kinderzahl.
Diese neue Phase im Familienzyklus ist sicherlich für die Mutter viel bedeutsamer als für den Vater. Besonders die nicht berufstätige Frau verliert hiermit eine wichtige Sinngebung ihres Lebens. Dazu noch einmal A. Imhof: "Über lange Zeiträume hinweg reichte die durchschnittliche Lebensspanne heiratender Frauen gerade aus, um die gesellschaftlich "benötigte" Zahl von überlebenden Kindern auf die Welt zu bringen und sie bis ins relativ sichere beginnende Erwachsenenalter grosszuziehen. Das eigene Leben ging zu Ende, wenn das Letztgeborene "flügge" geworden war. Der heutigen Frau dagegen stehen noch sehr zahlreiche Jahre bevor, auch nachdem sie ihre "Mutterpflichten" erfüllt hat. Bei der Geburt des letzten Kindes von zweien ist sie gerade 27,4 Jahre alt. Auch wenn viele Heranwachsende heute aufgrund einer längeren Ausbildung länger im gemeinsamen elterlichen Haushalt mitwohnten mögen, dürfte doch für zahlreiche "Nur-Hausfrauen" die häusliche und mütterliche Tätigkeit spätestens ab etwa dem 45. Lebensjahr allein nicht mehr lebensfüllend sein. In diesem Alter haben sie jedoch noch weitere gut dreissig Lebensjahre vor sich, wovon rund zwanzig zu den "produktivsten" und "besten" gehören.
Im Zusammenhang damit ist auch die Isolationsproblematik zu sehen, die hauptsächlich Frauen betrifft, bedingt durch die männliche Übersterblichkeit. Wenn das auch für die Männer bedeuten kann, dass sie bis zu ihrem Tod im Verheiratetenstand leben und somit vor allem im fortgeschrittenen Alter nicht auf sich selbst angewiesen sind, so werden umgekehrt immer mehr Frauen, die jemals eine Ehe
1680-1779
(Gabelbach)
1972/74
(BRD)
Vor zwei- bis dreihundert Jahren hatte eine Frau
bei der Geburt ihres letzten Kindes bereits mehr
als zwei Drittel ihres Lebens hinter sich (69,3%)…
Heute hat sie noch beinahe ebensoviel vor sich
(64,2%).
in: A.E. Imhof, Die gewonnenen Jahre
Es ist eine Ironie der Geschichte, dass das
ideologische Schlagwort vom "Mutterberuf"
der Frau gerade in einer Epoche aufkam, in
der aufgrund demographischer Veränderungen
dieser "Beruf" von immer weniger Frauen
als eine lebenslängliche Aufgabe erlebt
werden konnte. In den Debatten um die Ver-
einbarkeit von Berufstätigkeit und Mutter-
schaft wird dieser radikale demographische
Wandel meist nicht mitbedacht. Auf die Mut-
terrolle beschränkt ist für die Frau das
Lebensziel relativ früh erreicht. In
Selbsteinschätzung und Selbstwertgefühl
kann dann sie nacheltliche Gefährten-
schaft für die tatsächlich zum Beginn der
Altersphase werden.
Michael Mitterauer
eingegangen sind, ihre letzten Lebensjahre als
Alleinstehende verbringen, häufig ohne sinnvolle
Tätigkeit. – Solange beim Tode eines der beiden
Ehegatten noch Kinder im Haus sind, bedeutet Ver-
wittwung nicht Isolation. In der ganzen vorindus-
triellen Gesellschaft war diese Konstellation der
Regelfall. Heute, in der städtisch-industriellen
Gesellschaft, ist sie seltene Ausnahme. Dabei muss
Haushaltstrennung nicht unbedingt Isolation bedeu-
en. Empirische Analysen haben ergeben, dass viel-
fach von den Eltern getrennt lebende erwachsene
Kinder zu diesen relativ enge und häufige Kontak-
te haben (die sogenannte "Intimität auf Abstand").
Familienkontakte auf Distanz werden jedoch das
Problem der Isolation im Alter kaum lösen. Es er-
scheint daher gerade für Frauen wichtig, sich
schon in früheren Lebensjahren in ihren Sozialbe-
ziehungen nicht auf die Familie zu beschränken, um
so auch in älteren Jahren sinnvolle Tätigkeiten
ausüben zu können.
Dies führt uns zu Ueberlegungen über eine weitere
grundlegende Veränderung im Bereich des Alterns,
und zwar zum Zusammenhang zwischen Alter und Ar-
beit. Nicht mehr arbeiten dürfen, auch wenn man
sich dazu in der Lage fühlt und dazu bereit ist,
erscheint für manche alte Menschen ein Problem.
Alter wird also hier durch Freistellung von der
Arbeit charakterisiert. Auch dies ist eine histo-
risch relativ junge Erscheinung. Ein von Arbeit
völlig freier "Lebensabend" war in der vorindus-
triellen Gesellschaft unbekannt. Nach dem Wiener
Historiker Michael Mitterauer basiert die durch
den Ruhestand geprägte Altersphase der Gegenwart
im wesentlichen auf zwei säkularen Entwicklungs-
tendenzen:
- Eine Umstrukturierung der gesellschaftlichen Arbeitsorganisation von einer Dominanz der Familienwirtschaft zu einer Dominanz der ausserhaushlich verrichteten Lohnarbeit;
- die Einführung einer obligatorischen Sozialversicherung für das Alter im Rahmen der staatlichen Sozialpolitik und deren sukzessive Ausweitung auf immer breitere Bevolkerungsgruppen, die zu der generellen Freistellung von Arbeit in der letzten Lebensphase führte.
Die Folgen dieses Eintritts ins Rentenalter hängen
natürlich von der Art des Berufslebens ab. Ein un-
qualifizierter, schlecht bezahlter Arbeiter al-
tert wesentlich anders als ein Topmanager oder
ein Gymanasiallehrer, anders auch als eine Mutter
von zahlreichen Kindern. Zudem ist Rentenalter
nicht unbedingt gleichbedeutend mit der Intensi-
rierung von sinnvoller Freizeitbeschäftigung, resp.
mit einer Anhebung der Lebensqualität durch die
Freistellung von Arbeit.
Kommen wir zum Schluss noch einmal auf die Folgen
der angesprochenen historischen Veränderungen zu-
rück. Aufgabe des Historikers, der sich mit Altersfragen beschäftigt, ist es ja, aus der Analyse von Prozessen des sozialen Wandels heutige Probleme alter Menschen besser verständlich zu machen. Auf der Basis eines so geschaffenen Problembewusstseins kann sich dann politisches und soziales Handeln sicher besser orientieren als auf der Grundlage einer reinen Gegenwartsanalyse. Wenn Alter im historischen Verlauf zunehmend zu dem Lebensabschnitt wird, in dem die Mehrheit der Bevölkerung stirbt, so führt dieser Tatbestand zu einer neuen Haltung gegenüber Leben und Sterben.
Appell einerseits an die Medizin, gerade in diesen Altersgruppen die grössten Anstrengungen zu machen, falls eine weitere wesentliche Zunahme der durchschnittlichen Lebenserwartung gerade älterer Menschen angestrebt wird. Appell andererseits auch an uns, je älter wir werden wollen, um so früher mit einer auf die zusätzlichen Lebensjahre bewusst zugeschnittenen Lebensführung zu beginnen. Die Frage stellt sich, ob wir uns wirklich schon an die uns heute zugemessene längere Lebensfrist gewöhnt haben. Denn dass das Aelterwerden einen Einfluss auf unsere Begriffe, Vorstellungen und Handlungen hat, dürfte auf der Hand liegen. Lassen wir ein letztes Mal A. Imhof zu Wort kommen: "Nehmen wir als Beispiel unsere Zeitvorstellung. ‚Lebenslänglich‘ heisst heute etwas anderes als im 18. Jahrhundert; ein Eheversprechen ‚bis dass der Tod Euch scheidet‘ ebenso. Früher gab es mehr Waisenkinder, da nicht wenige Ehen durch den vorzeitigen Tod eines Partners relativ rasch wieder aufgelöst wurden. Heute gibt es mehr Kinder geschiedener Eltern. Die jahrhundertealte Institution der Ehe als Bindung auf Dauer erhielt eine neue zeitliche Dimension, welcher der nun länger lebende Mensch vielleicht noch gar nicht gewachsen ist."
Aelter werden: was haben die "gewonnenen" Jahre gebracht? Was werden sie noch bringen?
Wissen Sie, daß Sie prächtig aussehen für Ihr Alter?!
Chaval
P.S. Dieser Artikel wurde aufgrund folgender neuerer Literatur zusammengestellt:
- Reinhard SIEDER, Altenprobleme im Strukturwandel der Familie, in: Beiträge zur historischen Sozialkunde, 5.Jg., Nr.1, Wien 1975, SS.10-12.
- Arthur E. IMHOF, Die gewonnenen Jahre. Von der Zunahme unserer Lebensspanne seit dreihundert Jahren oder von der Notwendigkeit einer neuen Einstellung zu Leben und Sterben, München 1981 (Beck Verlag).
- Arthur E. IMHOF, Ursachen und Folgen der durchschnittlichen Lebenserwartung seit dem 17. Jahrhundert. Bericht über eine interdisziplinäre Tagung an der Ecole des Hautes Etudes en Sciences Soziales, Paris, 24.-26.Okt, 1979 in: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 2, 1979, SS. 212-218 (Akademische Verlagsgesellschaft). (Bericht auf französisch in: Annales de démographie historique, 1980, pp. 361-371.)
- Helmut KONRAD (Hg.), Der alte Mensch in der Geschichte, Wien 1982 (Verlag für Gesellschaftskritik) (hier besonders die Artikel von Michael Mitterauer, Josef Ehmer und Christoph Conrad).
Jean-Paul Lehners
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