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Man hat sich daran gewöhnt: Kinder sitzen vor dem Fernseher und sehen Tag für Tag Filme, die eigentlich nicht für sie bestimmt sind. Viele finden gerade an "harten Sachen" Spass. Schiessen, Kämpfen und Morden; Westernhelden, Roboter und Weltraumwaffen, je mehr, desto besser. "Action" wird oft zum einzigen Kriterium für einen guten Film.

Desweiteren sättigt die Bilderflut des Fernsehens Kinder derart, dass sie sich nur mehr schwer konzentrieren können und das Gesehene kaum noch wirklich verarbeiten.

Dabei ist bekannt, dass das blosse Konsumieren schlechtgemachter Comics oder stereotyper Serienfilme Kindern nicht hilft, sich in einer Welt zurechtzufinden, geschweige denn, sich kritisch mit ihr auseinanderzusetzen.

Wenn Eltern und Erzieher dies alles auch wissen, so bedeutet das noch nicht, dass Mittel vorhanden wären, die die Situation grundlegend ändern könnten. Wir selbst müssen erst lernen, welche Wirkungen die Medien auf unser gesellschaftliches und familiäres Zusammenleben haben, und eigentlich beginnen wir erst, uns einiger Gefahren bewusst zu werden.

Ein für Kinder verständlicher, sie interessierender und ihre Entwicklung fördernder Kinderfilm könnte vielleicht eine Möglichkeit der Welterfahrung durch Medien sein.

Wie müsste ein Film sein, der den Namen KINDERFILM wirklich verdient, oder andersherum: Was unterscheidet den echten Kinderfilm von der Fernsehalltagskost?

Es ist sicher nicht einfach, Kriterien für den Kinderfilm aufzustellen, und letzten Endes bleibt es – wie bei anderen Filmen auch – subjektiv, für wie "gut" man einen Kinderfilm hält. Trotzdem haben sich seit Beginn der medienpädagogisch orientierten Kinderfilmarbeit Mitte der siebziger Jahre doch wesentliche Anhaltspunkte für die Beurteilung von Kinderfilmen ergeben. Hier soll versucht werden, wenigstens einige davon zu nennen.

Ein "guter" Kinderfilm sollte:

  • eine gradlinige, verständliche Erzählstruktur aufweisen und die Kinder nicht durch Rückblenden, Rahmenhandlungen, Parallelmontagen u.ä. überfordern (formaler Aspekt)

  • eine motivierende, fesselnde und überzeugende Story haben, die an der Erfahrungswelt der Kinder anknüpft und in der sich die Kinder mit handelnden Personen und Tieren identifizieren können (inhaltlicher Aspekt)

  • sein Publikum – die Kinder – in ihrer Erlebnis- und Gefühlswelt mit ihren Bedürfnissen und Sehnsüchten, Träumen und Ängsten ernstnehmen, Ängste nicht erzeugen, sondern abbauen helfen (emotionaler Aspekt)

  • den Kindern Handlungs- und Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen, ihnen damit helfen, mit sich und ihrer Umwelt besser fertig zu werden (sozialer Aspekt)

  • zum Gespräch, zur Auseinandersetzung mit dem Gesehenen und zu anderen Aktivitäten anregen (kommunikativer Aspekt)

  • die Phantasie und den Ideenreichtum von Kindern fördern (kreativer Aspekt)

  • das Wissen der Kinder bereichern, sie zum Nachdenken und Nachfragen – nicht zuletzt zum Medium Film selbst – anregen (kognitiver Aspekt)". (1)

Filme, die versuchen, diesen Kriterien zu entsprechen, sind abenteuerlich, humorvoll, spannend und regen zum Träumen an. Es sind Filme, die Spass machen und trotzdem nicht auf blosses Konsumieren hin angelegt sind. Leider gibt es nicht viele solcher Produktionen, und die wenigsten kommen dazu in unsere Kinos.

Gerade deshalb sind Projekte wie KIFIKA besonders zu begrüssen, zumal beim KIFIKA nach dem Vorführen des Films auch eine Aufarbeitung des Gesehenen versucht wird.

Auch das Info-Video-Center, die nichtgewerbliche Videothek des Centre Chrétien d’Education des Adultes, versucht in die Richtung zu arbeiten. Es werden Eltern und Erziehern "gute" Kinderfilme wenigstens auf Videokassette zugänglich gemacht und

DOSSIER

mit didaktischem Material zur Vor- und Nachbereitung versehen. Interessenten können sich jeweils dienstags bis freitags von 15.00-18.00 Uhr und samstags von 10.00-12.00 Uhr im Info-Video-Center, 5, avenue Marie-Thérèse, Luxembourg, informieren.

Die Titel einiger deutschsprachiger Kinderfilme der letzten Jahre, die versuchen, den obengenannten Kriterien gerecht zu werden, sollen hier aufgezählt sein. (2) (Die mit einem * versehenen Filme können im Info-Video-Center auf VHS-Videokassette und mit Begleitmaterial entliehen werden.)

1977 Die Vorstadtkrokodile (Wolfgang Becker)
1978 *Ein Tag mit dem Wind (Haro Senft)
1979 Metin (Thomas Draeger)
Neues vom Räuber Hotzenplotz (Gustav Ehmck)
Primel macht ihr Haus verrückt (Monika Teubler)
Die Kinder aus Nr. 67 (Usch Barthelmeß-Weller, Werner Meyer)
*Stern ohne Himmel (Ottokar Runze)
1980 Bananenpaul (Richard Claus)
*Ich hatte einen Traum (Rainer Boldt)
*Rosi und die grosse Stadt (Gloria Behrens)

*Der rote Strumpf (Wolfgang Tumler)

1981 Kleiner Mann, was tun (Uschi Madeisky, Klaus Werner)
Tollwut (Ilse Hoffmann)
1982 *Konrad aus der Konservenbüchse (Claudia Schröder)
Meister Eder und sein Pumuckl (Ulrich König)
Der steinerne Fluss (Thorsten Näter)
*Der Zappler (Wolfram Deutschmann)
1983 Drei Wochen Nordost (Detlef Gumm, Hans-Georg Ullrich)
*Flussfahrt mit Huhn (Arend Agthe)
Lisz und die Riesen (Thomas Draeger)
*Echt tu matsch (Claus Strigel, Bertram Verhaag)

Théo Péporté

(1) aus: Kinderfilme für 5- bis 12-Jährige, 2. Auflage 1986, Landesbildstelle Württemberg, Rotenbergerstrasse 111, D-7000 Stuttgart 1
(2) Quelle: Kinderkino – Eine Alternative zu Video, Kinderkino München e.V., Werner-Friedmann-Bogen 18, D-8000 München 50

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