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- FERNSEHERZIEHUNG IST NOTWENDIG
Die Alternative zum Fernsehmissbrauch kann nicht heissen: Fernsehen abschaffen. Für einzelne mag dies ein Weg sein, im allgemeinen aber haben die Medien einen derart festen Platz in unserer Gesellschaft eingenommen, dass eine solche Forderung unrealistisch erscheint. Gerade auch die positiven Aspekte der Medien und der Mediennutzung würden da bei verlorengehen.
- FERNSEHERZIEHUNG IST KEIN ALLHEILMITTEL
Fernsehmissbrauch ist auch ein gesellschaftliches Phänomen. Einsamkeit, Arbeitslosigkeit, abstumpfende Arbeitsverhältnisse, enge Wohnverhältnisse, usw. sind die eigentlichen Ursachen des Fernsehmissbrauchs. Aus solchen Lebensumständen bieten die Medien (und hier besonders das Fernsehen) einen Fluchtweg an. Dieser Missbrauch kann nur bekämpft werden, indem seine Ursachen bekämpft werden. Fernseherziehung allein kann keine gesellschaftlichen Mißstände abschaffen. Sie darf sie allerdings auch nicht zudecken.
- FERNSEHERZIEHUNG KANN NUR IM RAHMEN DER GESAMTERZIEHUNG GESEHEN WERDEN
Wenn das Ziel der Gesamterziehung der mündige, verantwortungsbewusste, erwachsene Mensch ist, ist das Ziel der Fernseherziehung der kritische und verantwortungsbewusste Umgang mit dem Fernseher. Ist dagegen das Ziel der Gesamterziehung der im bestehenden System möglichst optimal eingepasste "gehorsame Konsument", kann sich Fernseherziehung auf das Bedienenlernen der Fernsteuerung beschränken.
- FERNSEHERZIEHUNG DIENT DER ERZIEHUNG ZUR KOMMUNIKATIONSFÄHIGKEIT
Medien haben der Kommunikation zu dienen, eine entsprechende Erziehung hat also auch die Kommunikationsfähigkeit zu fördern.
"Kommunikationsfähig ist der Mensch u.a. dann, wenn er
- mit andern sprechen und ihnen zuhören kann,
- sich über Informationen in der Umwelt zurechtfinden kann,
- mit eigenen und fremden Gefühlen umgehen kann,
- sich ein eigenes Urteil anhand von Werten und Normen bilden und es vertreten kann,
- andere Meinungen respektieren kann,
- Konflikte regeln kann,
- sein Kommunikationsverhalten überlegt und selbständig steuert (1)."
- AUCH IN DER FERNSEHERZIEHUNG LERNEN KINDER AM VORBILD IHRER ELTERN UND ERZIEHER
Eltern und Erzieher, die selbst schrankenlos fernsehen, dürfen sich nicht wundern, wenn ihre Kinder
dasselbe tun und nicht verstehen können, warum es ihnen verboten wird. Es geht also für Erwachsene darum, das eigene Verhalten dem Fernsehen gegenüber kritisch zu überdenken und gegebenenfalls zu ändern. (Vgl. hierzu allerdings auch These 2.)
- IN DER FAMILIE GIBT ES KONKRETE MÖGLICHKEITEN DER FERNSEHERZIEHUNG
So könnte man zum Beispiel:
- Bildersprache einuben durch gemeinsames "lesen" von Bilderbüchern (Fernsehvorschule),
- qualitativ gute Programme bewusst auswählen und gemeinsam anschauen (2),
- durch Besprechen, Nachspielen, Zeichnen oder Basteln einzelne Sendungen zusammen mit den Kindern aufarbeiten,
- mit Hilfe einer Programmzeitschrift jeweils im voraus mit den Kindern ein eigenes Kinderwochenprogramm aufstellen,
- Kinder ermutigen, Gefühle auch während der Sendung auszudrücken,
- mit einem einfachen Fotoapparat Kindern die Möglichkeit geben, eigene Erfahrungen mit dem Abbilden der Wirklichkeit zu machen,
- mit den Kindern eigene "Sendungen" herstellen (z.Bsp. mit Hilfe der Video-Kamera).
Diese Liste liesse sich verlängern, und jeder könnte eigene Ideen hinzusetzen. Alles in allem geht es darum, zusammen mit den Kindern das Medium Fernsehen zu entzaubern und sich "in altersentsprechender und angemessener Weise mit ihm auseinanderzusetzen. Fernseherziehung sollte so stattfinden, dass sich der Erziehende selbst als Mitlernender versteht (3)."
- DIE SCHULE IST MITVERANTWORTLICH FÜR DIE MEDIENERZIEHUNG (und also die Fernseherziehung) UNSERER KINDER
Die Medien spielen in unserer Gesellschaft eine derart wichtige Rolle, dass die Schule es sich eigentlich nicht leisten kann, Medienerziehung links
liegenzulassen. Dass sie es im grossen und ganzen dennoch tut, zeugt von mangelndem Problembewusstsein unserer Schulpolitiker und darüber hinaus grossen Teilen unserer Gesellschaft. Ein Umdenken in dieser Frage ist längst überfällig.
8. SCHULISCHE FERNSEHERZIEHUNG SOLLTE IM KINDERGARTEN BEGINNEN
Dabei sollte vor allem:
- Kindern geholfen werden, ihre Medienerlebnisse zu verarbeiten, um zwischen Fiktion und Realität better unterstreichen zu konnen (z. Bsp. Gesprüche über ihre Lieblingssendungen, Nachspielen einzelnren Szenen, Schminke und Verkleidung kennenlennen und ihre Wirkung beobachten, …)
- gezielt geholfen werden bei der Auswahl von Programmen (z.Bsp. mit Hilfe von Fotos aus Programmzeitschriften unterscheiden lernen zwischen Programmen für Kinder und Programmen für Erwachsene, …)
- der aktive Umgang mit Medien eingeübt werden (ältere Medien wie Bilderbücher, Bilder, Malstifte und Bastelmaterial sind selbstverständlich, so konnten auch der Umgang mit neueren Medien wie Fotoapparat, Kassettenrecorder oder Video-Kamera Kinder wichtige Erfahrungen machen halten).
9. SCHULISCHE FERNSEHERZIEHUNG SOLLTE NEBEN DEN ERFAHRUNGEN AUCH DIE REFLEXION ÜBER DIE GEMACHTEN ERFAHRUNGEN MITEINBEZIEHEN
So sollte sie Kindern und Jugendlichen dazu verhelfen:
"- Medien gezielt zu nutzen,
- fehlende Sachinformationen, z.B. über Wirkweisen und politische Hintergrunde von Medien, zu erhalten,
- Medien kritisch analysieren, bewerten und diskutieren können,
- eigenes Urteil zu stärken und andere Meinungen zu respektieren,
- bedrückende Medienerfahrungen aufzuarbeiten,
- gegen Missbrauch von Medien vorzugehen." (4)
10. ZUSAUMENFASSEND:
"Fernseherziehung als Teil der Bemühungen, die Menschen unserer Gesellschaft mit den modernen Kommunikationsmöglichkeiten und ihren besonderen Ausdrucksformen und Gestaltungsmitteln vertraut zu machen, ist unverzichtbarer Bestandteil der Erziehung zum mündigen und zur Beteiligung an der demokratischen Gesellschaft fähigen Bürger. Sie zu realisieren gestaltet sich schwieriger als andere Teilbereiche, weil die Erziehenden selbst nicht in dieser Kommunikationsart unterrichtet
wurden und mit ihr deshalb weniger vertraut sind. Sie sollten sich dennoch nicht entmutigen lassen. Ohnehin ist es doch bei der Erziehung stets so, dass ideal formulierte Ziele nur begrenzt erreicht werden. In einigen Bereichen nähert man sich ihnen mehr als in anderen. In der Fernseherziehung wird der Schritt auf das Ziel hin in der gegenwärtigen Generation kleiner ausfallen als bei anderer Teilzielen. Aber gerade deshalb ist das Bemühen um eine intensive Fernseherziehung im Rahmen der Gesamterziehung besonders wichtig, denn der Schritt sollte so gross wie möglich sein, um damit den Kindern das Leben in der Welt von morgen, die noch stärker als die heutige auf die Massenkommunikation angewiesen und besonders vom Fernsehen geprägt sein wird, zu erleichtern." (5)
(1) Heinz Hinse, Thesen zur Medienerziehung als Teil der Gesamterziehung, in Medienpraxis Grundlagen 2: Problemfeld Medienpädagogik, herausgegeben von der Zentralstelle Medien, Referat Kommunikationspädagogik, Bonn, 1985, Seite 57
(2) vgl. hierzu meinen Artikel: "Alternative: Kinderfilm!?" S.20
(3) Martin Furian, Monika Maurer, Praxis der Fernseherziehung, 3. durchgesehene Auflage, Quelle & Meyer, Heidelberg, 1980, Seite 76
(4) siehe Anmerkung (1), S.58
(5) siehe Anmerkung (3), S.128
Théo Péporté
Mafalda
par Quino
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