Europa zum Kontinent einer Friedenskultur machen…

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einer Friedenskultur machen …

(…) Seit Christen in Europa leben, haben auch sie der Gewalt gehuldigt. Immer wieder haben sie als Herren oder Söldner gegeneinander Krieg geführt – oft genug unter Berufung auf angebliche Aufträge des ‚Herrn der Geschichte‘. Bekehrungs- und Eroberungsexpeditionen, Kreuzzüge und ‚heilige‘ Kriege verwüsteten Länder und Seelen. In Folterkellern und auf Scheiterhaufen starben Tausende Menschen ‚im Namen der Wahrheit‘. (…)

Wir, die katholische Kirche, müssen zusammen mit allen Menschen guten Willens zur geistigen Fundierung einer gerechten sozialen und wirtschaftlichen Ordnung beitragen, die Europa zum Kontinent einer Friedenskultur macht. Wir streben aber auch ein ernstes Nachdenken über das Recht auf internationale Intervention an. Gerechtigkeit und Frieden müssen ansteckend werden. Im besonderen müssen wir uns die radikale Zweiteilung der Welt in einen reichen Norden und einen ausgebeuteten Süden bewusst machen und wirkungsvoll an der Überbrückung dieser dramatischen Kluft arbeiten. (…)

Als es im 18. Jahrhundert erstmals um die Formulierung von Menschenrechten ging, zeichneten sich hohe Vertreter der katholischen Hierarchie durch ihren Widerstand dagegen aus. Zu lange haben die meisten von ihnen die Idee gleicher Rechte für alle Menschen sogar hartnäckig bekämpft. Heute müssen wir, die katholische Kirche, an der Spitze aller Bemühungen stehen, die Menschenrechte in allen Bereichen der Gesellschaft zu verwirklichen. Also auch in der Kirche selbst! (…)

Wir sind der Überzeugung, dass es Zeit für den Heiligen Stuhl ist, endlich die Schande der Nichtunterzeichnung der Europäischen Konvention der Menschenrechte zu beenden. (…)

Das Jahr 2000 eignet sich als Auftakt für mutige Veränderungen kirchlicher Strukturen und einiger päpstlicher Entscheidungen, die für viele Christen viel Leid bewirkt haben (z. B. die Nichtberücksichtigung von Wünschen der Diö-

zesanbevölkerung hinsichtlich ihrer Hirten, das Verbot künstlicher Empfängnisregelung, die Verweigerung der eucharistischen Mahlgemeinschaft mit Wiederverheiratet-Geschiedenen, der Zwang für Priester zu Ehelosigkeit, die Verweigerung voller Gleichheit von Frauen und Männern im Weiheamt, die Missachtung der Rechte Homosexueller, das Verbot interkonfessioneller Eucharistiefeiern mit Schwestern und Brüdern verschiedener christlicher Kirchen, die Verweigerung der Wiedereingliederung verheirateter Priester ins kirchliche Leben).

(…) Wir, die katholische Kirche, haben eine Verantwortung, das Gutsein von Gottes Schöpfung zu lehren und zu predigen und die Beschädigung und Zerstörung der Umwelt zu heilen.

(…) Christen und Christinnen müssen im Gebrauch von Macht ein Vorbild sein. Macht darf nur schonend, ohne Verletzung der Würde anderer Menschen, ausgeübt werden. Das von der katholischen Soziallehre verkündete, nun auch im Recht der Europäischen Union verankerte Prinzip der Arbeitsteilung (Subsidiarität) entspricht dieser Forderung. Dass es «auch für das Leben der Kirche» gelten muss, hat schon Pius XII. 1946 vor den versammelten Kardinälen klar gemacht. (…)

Wir fordern die Einsetzung eines repräsentativ zusammengesetzten Konzils zur Ausarbeitung eines Leitungsstatuts für die Kirche. Solche Statuten müssen Vorkehrung für folgende Ziele enthalten:

  • Teilnahme aller Betroffenen an Entscheidungen, besonders in der Frage der Bischofsernennungen und bei der Formulierung des Glaubenssinns des Volkes Gottes;
  • Trennung der Gewalten und Zuständigkeiten;
  • Regelung der Verfahren;
  • Subsidiarität auf allen Gebieten und Ebenen. Gewissensfreiheit muss in jedem Fall gewährleistet sein.

aus Orientierung (Nr. 20/31.10.1999)

«Christen und Christinnen müssen im Gebrauch von Macht ein Vorbild sein. Macht darf nur schonend, ohne Verletzung der Würde anderer Menschen, ausgeübt werden.»

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