Faktoren der indianischen Unterlegenheit

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Den im vorstehenden Beitrag genannten Ursachen der spanischen Überlegenheit sind weitere Faktoren hinzuzufügen, die der Semiotiker Tzvetan Todorov vor allem auf dem Gebiet der Kommunikation ausgemacht hat. Cortés vermochte es besser "die Zeichen zu lesen". Gegenüber den Spaniern hatten die Azteken ein noch rigideres, engeres Weltbild mit einer Geschichtsauffassung, die keine eindeutige Trennung zwischen Zukunft und Vergangenheit be-

beinhaltete. Neue Ereignisse wurden stets auf bestehende Vorhersagen zurückgeführt. Jedes Ereignis mußte in einen kosmischen Rahmen eingefügt werden und aus der Vergangenheit erklärbar sein. Daher deuteten die Azteken Cortés‘ Ankunft als Wiederkehr des von ihnen besiegten Gottes Quetzalcoatl. Der Herrscher wurde bei den Azteken folgerichtig als "Tlatoani" bezeichnet: der, der die Sprache besitzt.

traire. Enfin Pizarro, qui connaissait depuis la veille au moins le rituel qui entourait Atahualpa, avait brisé son aura en le saisissant directement par le bras. Par ce geste sacrilège, le conquistador achevait de mettre à nu le souverain – il l’était d’ailleurs littéralement puisque sa tunique avait été arrachée – et le réduisait à la simple condition de mortel.(…)

Les Espagnols n’étaient pas des dieux pour la simple raison qu’il n’en existait pas dans la

vision du monde incaïque, du moins dans le sens que nous accordons à ce mot. Ils n’étaient pas non plus des huaca, car ces entités étaient liées au sol, au terroir et aux racines profondes que les familles entretenaient avec la terre et leurs ancêtres momifiés. Placés nécessairement sous le signe de l’errance, ils en étaient même le contraire, et c’est précisément ce qui les rendait aussi redoutables: "les hommes de la mer" étaient, aux yeux des Péruviens, dépourvus de tout ancrage

tellurique. Venus de nulle part, déracinés, arrachés à leur communauté, les conquistadores représentaient pour ce peuple agraire une véritable aberration: c’étaient des gens sans terre, des desterrados.

Carmen Bernard et Serge Gruzinski, Histoire du nouveau monde, 1: de la découverte à la conquête, une expérience européenne, 1492-1550, Paris, 1991, p. 473.

-Partie d’un bas-relief du terrain de balle à El Tajin, Veracruz. Le prêtre du sacrifice lève un couteau de silex au-dessus du délinquant penché en arrière et maintenu par un assistant. L’espace est rempli de démons effrayants, mais, malgré tant d’horreur, une homme est tranquillement assis dans le coin à droite, chantant des chants sacrés. D’après Covarrubias.

in: Revue du dessin de presse
no 22

Cortés hingegen war ein akribischer Faktensammler, ein echter Vertreter moderner Wissenschaftslogik. Dies machte ihn zum erfolgreichen Militärführer. Sein Drang, möglichst gute Dolmetscher zu haben, machte ihn zum besseren "Tlatoani" als den Aztekenkönig.

Andere Forscher betonen eine weitere den präkolumbianischen Gesellschaftssystemen inhärente Ursache ihrer Unterlegenheit. Sie beschreiben diese als erstarrte, hierarchische Klassengesellschaften. Wohl hatte der Inkakönig funktionale und nicht nur kultische Aufgaben: Er war zuständig für die regelmäßige Neuverteilung von Grund und Boden, die Schlichtung von Streitigkeiten u.a. Als Ausgleich wurde er von seinen Untertanen mitversorgt. Doch bei den Azteken gibt es auch Anzeichen, daß eine grundbesitzende Aristokratie ein Rentnerdasein führte und

über Staatsangestellte, Bauern, Handwerker, Söldner und Sklaven herrschte. Standesprivilegien wie Alkohol- und Kakaogenuß oder das Tragen von Gold- und Silberschmuck waren ihren Mitgliedern vorbehalten. Auch der Schulbesuch und die Polygamie gehörten zu den Privilegien der herrschenden Klasse. Sowohl die Inkaköln auch die Maya- und die Aztekengesellschaften waren hochgradig zentralistisch organisiert. Lebensmittelvorräte, Edelmetalle und andere Rohstoffe wurden in staatlichen Lagerräumen gesammelt und zu festen Preisen an die Handwerker zur Weiterverarbeitung abgegeben.

Vor allem die in ständigen Eroberungskriegen unterworfenen Völker waren keineswegs in einer beneidenswerten Lage. Hohe Tributzahlungen versorgten die Siegermacht mit wertvollen Materialien und nutzbaren Rohstoffen. Nur so ist etwa der in Tenochtitlán angesammelte Reichtum und das reiche Marktangebot zu verstehen, das selbst die Spanier in Staunen versetzte (vgl. M 00). Vor allem aber dienten die unterworfenen Völker als Sklavenreserve, aus der die für kultische Zwecke massenhaft benötigten Menschenopfer herbeigeschafft wurden, die nach der rituellen Tötung verspeist wurden. Das erklärt denn auch, warum Cortés und Pizarro mit Leichtigkeit unter den indigenen Völkern Verbündete im Kampf gegen die dominierenden Azteken bzw. Inka fanden. Werner Rügemer schreibt: "Gerade der staatlich organisierte Kannibalismus hatte den für die Aufrechterhaltung der Herrschaft notwendigen

Konsens innen- und außenpolitisch unterhöhlt." Die Sklavenjagd zu kannibalistischen Zwecken hatte sogar einen ganz konkreten militärischen Nachteil: Aus ihr resultierte die Gewohnheit, beim Feldzug den Gegner nicht zu töten, sondern ihn lebend zu fangen. Dazu gehörte auch, daß gefallene Kameraden vom Schlachtfeld weggeschafft werden mußten, damit sie nicht vom Gegner aufgegessen wurden. Im Kampf gegen die Spanier waren diese Rücksichten geradezu selbstmörderisch.

m.p.

Literatur:

Tzvetan Todorov, Die Eroberung Amerikas. Das Problem des Anderen, edition suhrkamp NF 312, Ffm 1985

Werner Rügemer, Das Ende vom Mythos der indianischen Unschuld. 500 Jahre "Entdeckung Amerikas", in: links Nr. 260/Januar 1992, S. 27-30.

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