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Schreibverbot für Karin Jahr im "Luxemburger Wort"

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Schreibverbot für Karin Jahr im "Luxemburger Wort"

m.p.: Karin, Du hast einen Brief aus dem L.W. erhalten.

K.J.: Ja, Herr Heiderscheid teilte mir mit, er könne leider keinen Text mehr von mir veröffentlichen wegen des "Spots" über Papst Johannes Paul II. in "forum" Nr 35.

m.p.: Welche war oder ist Deine Reaktion auf diesen Brief?

K.J.: Ich fühle mich sehr stark getroffen. Ich habe über 10 Jahre lang im L.W. mitgearbeitet, eine Vielzahl von "Spots", Interviews, Beiträge für die Kultursseite geschrieben. Die St. Paulus-Druckerei hat außerdem zwei Bücher von mir herausgegeben. Kein Blatt wird in Luxemburg soviel gelesen wie das L.W., und das Echo, das ich auf meine Artikel bekam, hat mir immer gut getan, vor allem auch weil Luxemburg nicht meine Heimat ist.

m.p.: "gut getan" auch als Frau?

K.J.: Jetzt, im Nachhinein, muß ich sagen, daß es mir schon wichtig war, als Frau angehört zu werden. Obwohl ich im Augenblick des Schreibens eigentlich nicht von "fraulichen" Gedanken bewegt wurde.

m.p.: Glaubst Du dieser Text über Johannes Paul II. sei wirklich so schlimm gewesen.

K.J.: Ein bißchen zynisch war er schon. Ich wollte damit ja auch eine persönliche Kritik am Papst anmelden.

m.p.: Du hattest ihn ja nicht ins L.W. geschickt?

K.J.: Nein. Ich kann gut verstehen, daß das L.W. mit Rücksicht auf die Verschiedenheit der Leser einen solchen Text nicht veröffentlichen kann. Das Erschreckende aber ist, daß nun ganz allgemein meine meditativen Texte sowie alle andern Veröffentlichungen im L.W. gestoppt sind.

m.p.: Hast Du den Eindruck, daß die Veröffentlichung bei "forum" für den Brief von Herrn Heiderscheid ausschlaggebend war?

K.J.: Da bin ich überfragt, aber ich kann mir schon vorstellen, daß andere Texte – etwa über die Frau (in "forum", Nr 32-33) oder das Küng-Interview (in Nr. 37) -, die "forum" veröffentlicht hat, bei dieser Zensur mitgespielt haben.

m.p.: Soweit Du Herrn Heiderscheid kennst aus Deiner L.W.-Mitarbeit, ist das sein Beschluß, oder gibt es Leute, die ihn unter Druck setzen?

K.J.: Ich glaube nicht, daß Herr Heiderscheid sich unter Druck setzen läßt. Ich sehe ihn schon so, daß er allein Entschlüsse faßt…

m.p.: … und die andern dürfen nur mit dem Kopf nicken?

K.J.: Wenn Du unter Kopfnicken verstehst, daß nur eine Meinung zugelassen wird, ja. Ich möchte mich damit aber auf die Glaubenssei-

te im L.W. beschränken. Und das finde ich traurig und für die Kirche in Luxemburg nicht nützlich.

m.p.: Aber eine Einengung der Meinungsvielfalt erleben wir ja auch auf der Ebene der Weltkirche.

K.J.: Eben, und genau das hatte mich ja zu dem kritischen Spot veranlaßt!

m.p.: Hast Du vor, nun in einer anderen Zeitung in Luxemburg zu schreiben?

K.J.: In "forum" kann ich meine Gedanken frei schreiben und muß mir keinen Buckel wachsen lassen. Das genügt mir.

PAPST BEFIEHL, WIR FOLGEN

Jetzt ist ja alles wieder gut.
Nun ist alles wie früher.

Wir bekommen gesagt, was gut
und was böse ist.

Was für mich gut ist?

Was für meinen Bruder gut ist?

Was für die Menschen gut ist?

Strenge und Prinzipien,

Forderungen und Moral!

Der Jesus aus Nazareth sprach so!

Wollte er eine Kirche konsequent und

mit aller Macht und Strenge –
eine Gross-Sekte?

Persönliche Verantwortung – nicht mehr gefragt?

Persönliche Entscheidungen – nicht mehr gefragt?

Eigenes Denken – nicht mehr gefragt?

Eigenes Suchen – nicht mehr gefragt?

Wir wollten gerade lernen erwachsen

zu leben, erwachsen zu glauben,

wir wollten anfangen uns zu öffnen

für unsere Gefühle,

für unsere Mitmenschen,

zu Gott.

Wem das eigene Suchen und Tun

zu anstrengend und zu gefährlich ist,

flieht zurück ins heile Kirchenreich,

hier denkt ein hoher Herr für ihn.

Kirche befiehl, wir folgen!

Oder willst Du nicht folgen,

willst Du selber verantwortlich sein?

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