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"En dehors de ces courants issus ou faisant partie du POSL il faut signaler l’existence de groupes composés principalement de catholiques progressistes comme l’UNIAO, le FORUM, l’AFC (Brennpunkt) qui dans leurs domaines respectifs accomplissent un travail conséquent et qui par certains côtés peuvent être considérés comme proches de la Gauche Socialiste."
So schreibt Jean Langers in einem Beitrag von "Perspektiv" (Nr. 16/Nov.1979), in dem er die neue Partei der Unabhängigen Sozialisten (PSI) vorstellt.

Ein "forum"-Redaktionsmitglied war am 9.11.1979 zur Teilnahme an einem Rundtischgespräch derselben "Perspektiv" eingeladen und sollte als einer von 3 Journalisten den Vertretern von 5 linken Parteien und Gruppierungen Fragen stellen zum Thema "Rechtstrend? – Die Antwort der Linken".

Immer häufiger stellt die "Perspektiv", die sich selbst als "onabhängig länge Zeitschrift für Politik, Wirtschaft & Kultur" versteht und in wenigen Monaten zur bedeutendsten zwischenparteilichen Plattform für alle linke Gruppierungen in Luxemburg geworden ist, auch neu erschienene "forum"-Nummern mit empfehlendem Kommentar ihren Lesern vor.

"forum" wird also nicht nur in Rechtskreisen als "linkskatholische" Zeitschrift betitelt. Offensichtlich gibt es auch in Linkskreisen Versuche, sie zu "einer der ihren" zu zählen. Was halten wir selbst davon?

Zuerst zum Begriff "katholisch".
Uniao und AFC sind nicht nur keine linken Organisationen, sondern auch nicht als "katholisch" einzustufen. Wohl standen -löblicherweise- wie bei "forum" (oder beim "Luxemburger Wort"!) engagierte Christen am Ursprung, doch beide sind durch ihre Statuten zu parteipolitischer und konfessioneller Unabhängigkeit verpflichtet. Und ihre heutige Aktivität lässt meines Erachtens auch kein Anzeichen erkennen, das an dieser Unabhängigkeit Zweifeln aufkommen lassen könnte.

Bei "forum" liegt das Problem insofern schon anders als es keine Statuten gibt. Vom Namen her will "forum" ja schon eine Plattform für alle Meinungen sein. Waren dabei christliche Meinungen lange Zeit in der Ueberzahl, so hing das einfach an der persönlichen Glaubensüberzeugung der Mitarbeiter. Inzwischen ist dank einer Erweiterung des Kreises gelegentlicher Mitarbeiter diese katholische Komponente sicher weniger auffällig geworden. Und darüber sind vor allem auch die Christen im Redaktionskollektiv durchaus froh. Die Zeitung soll ein Dienst sein, den Christen gegründet haben, um Benachteiligten ein Sprachrohr zu verschaffen; nur so ist sie glaubwürdiges Zeichen der christlichen Befreiungsbotschaft. Sicher sollen auch weiterhin kirchliche u. religiöse Themen in "forum" behandelt werden, aber nicht aus Proseltismus, sondern weil es einerseits auch in diesem Bereich unberechtigte Hierarchiestruk-

forum und die Linke

turen, mit dem Evangelium unvereinbare Machtpositionen und folglich auch benachteiligte Menschen gibt, andererseits aber auch weil auf dem Meinungs-"forum" auch die christliche Stimme nicht fehlen soll, da sie nach der Ueberzeugung mehrerer Redaktionsmitglieder im Befreiungskampf heutiger Menschen von höchster Aktualität ist, und zweitens soziologisch gesehen, in Luxemburg ganz einfach eine wesentliche Komponente der kulturellen und politischen Landschaft ist.

So war es denn eigentlich nur normal, dass der "forum"-Vertreter beim oben erwähnten Rundtischgespräch der "Perspektiv" den Linksparteien gerade diese Frage vorhielt – so nicht nur der christlichen Glaubensgemeinschaft einen Dienst leistend, indem er ihre Stimme dort zu Gehör zu bringen versuchte, sondern auch den Linksparteien helfend, ihre Lage besser einzuschätzen. Denn Sozialisten wie Kommunisten, gleich welcher Schattierung, begnügen sich hierzulande vielzusehr einerseits primitiven Antiklerikalismus zu betreiben und differenzieren folglich viel zu wenig ihr Kirchenbild nach politischen und soziologischen Kriterien, andererseits vernachlässigen sie die religiöse Komponente im Bewusstsein des Volkes, auch der Arbeiterschaft, die trotz aller Abnahme der religiösen Praxis keineswegs unterschätzt werden darf. Beredtes Beispiel für diese doppelte Verkennung der religiösen Problematik scheint mir die (Nicht)-Berichterstattung über kirchliche und theologische Fragen in "tageblatt" und "Zeitung" zu sein.

Aus diesen Gründen u.a. haben übrigens "Perspektiv" und "forum" beschlossen, am 16.1.1980 um 20.15 im Saal "Vox" in Luxemburg ein Rundtischgespräch zum Thema "Christentum und Sozialismus" zu veranstalten. Dabei sollen nicht nur theoretische Ueberlegungen angestellt werden, sondern durchaus auch die konkreten Beziehungen zwischen beiden Denkfamilien Gesprächsgegenstand sein (vgl. S.36).

Wird diese Veranstaltung ein Beweis mehr für die Linkslastigkeit von "forum"? Ich kann zunächst nur nochmals auf den prinzipiellen Meinungspluralismus in unserer Zeitschrift verweisen. "forum" möchte – der Name verpflichtet – durch eine allseitssoffene Haltung der Gesellschaft helfen, Probleme zu erkennen und womöglich gemeinsam Lösungen in für die Zukunft der Menschheit wesentlichen Fragen zu suchen. Auf der Linken scheint diese Offenheit ja inzwischen honoriert zu werden, schade dass aus Rechtskreisen noch so selten von diesem Angebot Gebrauch gemacht wurde. (Allerdings weiss die Redaktion, dass was die Abonnenten anbelangt, die konservative Richtung durchaus ebenbürtig vertreten ist.) Dieser Forum-Charakter der Zeitschrift soll aber keineswegs eine eigene Parteinahme ausschliessen. Im Gegenteil, die Redaktionsgruppe bemüht sich jeweils ihre Meinung deutlich zum Ausdruck kommen zu

lassen. Dialogfeindliche Presseorgane gibt es in Luxemburg bekanntlich genügend.

Im Übrigen kann man das Engagement der Redaktion auch in der kollektiven oder individuellen Beteiligung an themenspezifischen Initiativen (Amnesty International-Briefaktionen, Mouvement écologique, Uniao, AFC-Solidarité Tiers-Monde, usw.) erkennen. Der Meinungspluralismus kann also keineswegs als feige Neutralität interpretiert werden. Noch weniger hat André Hoffmann, KPL-Vertreter bei besagtem Rundtischgespräch, recht, wenn er den anwesenden "Journalisten" u.a. vorwirft aus intellektueller Überheblichkeit die konkrete politische Basisarbeit zu vernachlässigen wenn nicht gar zu verachten. Wohl ist meines Wissens kein "forum"-Mitarbeiter Mitglied einer Partei, doch Basisarbeit geschieht doch sicher nicht nur von selten von Parteimilitanten. Ist nicht "forum" selbst durch seine kritischen Informationen ein Mittel zur politischen Bewusstseinsbildung, ohne die auch ein Parteiapparat keine Anhänger finden kann?

Es sei allerdings nicht verschwiegen, dass die meisten "forum"-Mitarbeiter auch den etablierten Parteien ein gehöriges Stück Skepsis entgegenbringen. Diese Skepsis ist ja nicht nur bei Ihnen anzutreffen; die gesamte ökologische Bewegung z.B. findet hier eine ihrer Existenzbedingungen, und die engen Beziehungen einiger "forum"-Redakteure zum "Mouvement écologique" sind ja bekannt. Und in diesem Zusammenhang ist dem "tageblatt"-Journalisten Josy Braun zu widersprechen, der in einem Leitartikel die alternative Pressearbeit als "Sprung ins Ghetto" bezeichnen zu können glaubte und die Herausgeber von parteiunabhängigen Presseorganen fragte, ob sie nicht ihre kritische Attacken gegen das Establishment nur deswegen reiten, weil sie im Beruf "Duckmäuser" geworden sind und im Parteiapparat allzufrüh die Grenzen der Repräsentativität ihrer Theorien erfahren mussten. Mit Guy Rewenig (Perspektiv Nr.17) kann ich nur bezeugen, dass die Mitarbeiter der alternativen Pres-

Bereiche, die normalerweise nicht im Mittelpunkt des Tagesgeschehens stehen und doch soziale und politische Relevanz beanspruchen können. Wäre z.B. je soviel über Drogen diskutiert worden in den letzten Wochen, wenn "forum" nicht ein Dossier dazu veröffentlicht hätte, das über die presseüblichen Warnungen und medizinischen Ausführungen hinausging? Und war es nicht sogar eine Ursache für die Wahlniederlage der Linken, dass sie gerade solche Themen zu sehr missachtet und nichtparteilichen Gruppierungen überlassen hatte?.

Auf die Frage der politischen Einstellung von "forum" kann aber nicht nur mit dem Hinweis auf den prinzipiellen Pluralismus geantwortet werden. Vor allem ist m.E. der Begriff "links" (bzw. "rechts") in Frage zu stellen. In Luxemburg bezeichnet er nämlich keine politische Denkrichtung, sondern eine Reihe von Institutionen: Parteien, Gewerkschaften, Zeitungen, Vereinigungen wie z.B. den Freidenkerbund, also etablierte Realitäten. Korrelativ dazu wird mit "rechts" ein Block bezeichnet zu dem etwa die CSV, das LW, die AFP, "die" Kirche u.ä. Einrichtungen gezählt werden. "Rechts" kann also keineswegs wie etwa in Spanien oder Portugal mit "faschistisch" gleichgesetzt werden, "links" aber auch nicht mit "Sozialismus", oder auch nur mit "Fortschrittlichkeit". L.Zeches meinte: "Wenn links sein -Larousse zufolge- bedeutet, resolut für jede Aenderung einzutreten, und konservativ das Gegenteil, dann gibt es wahrscheinlich nur sehr wenige echte Linke und echte Konservative in unserer Gesellschaft. So treten viele (Linke) für die Beibehaltung bewährter Errungenschaften ein und verwerfen auf bestimmten Gebieten jede Aenderung (Beispiele: gegen unbegrenzt weitergetriebenes Wirtschaftswachstum, gegen Weiterentwicklung der Kernenergie), während manchen Konservativen manche Entwicklung nicht schnell genug vonstatten geht." In der Tat, selbst die DP beanspruchte mal, als Partei der linken Mitte zu gelten.

Während es also offenbar Gruppen und Personen gibt, die den Titel "links" als chic ansehen, so gebe ich gerne zu, dass ein so wenig aussagendes Eigenschaftswort von der "forum"-Redaktion nicht als besondere Ehre angesehen wird. Wir lehnen sogar ab, uns im Verhältnis zu "links" und "rechts" zu definieren, weil wir einfach das Blockdenken, das hinter diesen Begriffen steckt, ablehnen. (Insofern ist übrigens auch der Titel dieses Beitrages irreführend). "forum" beansprucht im Gegenteil, diese Blöcke aufzuweichen und das gesellschaftliche Gespräch auf den Kern der Probleme zu lenken, die sich stellen.

Daher scheint es der "forum"-Redaktion weit wichtiger, ihre Haltung zu bestimmten Denkrichtungen in soziopolitischen Fragen zu klären. So kann ich z.B. sagen, dass wir eintreten

  • für mehr Selbstbestimmung des einzelnen und kleiner Gruppen in unserer Gesellschaft, gegen zunehmende Fremdbestimmung durch den Staat oder Grossgruppen wie Parteien, gegen die Entmündung des einzelnen durch die Profitlogik des herrschenden Wirtschaftssystems, das z.B. unser Konsumverhalten bis ins einzelne zu bestimmen sucht;

  • für das freie Selbstbestimmungsrecht der Völker, gegen eine Fremdbestimmung insbesondere der armen Länder auf Grund der wirtschaftlichen oder geopolitischen Interessen der Industrieländer.

  • für eine möglichst weitgehende Solidarität mit benachteiligten und entrechteten Bevölkerungsschich-

se gerade deshalb schreiben, weil sie an ihrem normalen Arbeitsplatz auf eigenes Risiko nicht alles hinnehmen und Freiheitsbeschränkungen erleben und in den herkömmlichen politischen Organisationen und Presseorganen ihr Protest unterdrückt wird. Das gilt nicht nur für ex-LSAP-Mitglieder, sondern im Falle von "forum" sicher auch für Erfahrungen mit der Kirche, dem "Luxemburger Wort", usw.

Nicht einmal den Vorwurf der Parteienfeindlichkeit kann man für "forum" gelten lassen. Mir scheint, dass unsere Zeitung durchaus den Parteien durch seine Unabhängigkeit einen Dienst leisten kann, indem unabhängige (d.h. nicht unengagierte) Schreiber Fakten analysieren, Meinungen widerspiegeln, die -alle zusammen genommen- ein Bild der Gesellschaft vermitteln, ein Bild vor allem jener gesellschaftlichen

ten wie z.B. Kinder, Fremdarbeiter, Drogierte, Frauen, Gefangene, Schüler, Handikapierte.

  • für eine Umwandlung aller Tausch- und Hierarchiestrukturen in Schenk- und Dienststrukturen, auch in der Kirche, auch wen die einseitige Einleitung dieser Veränderungen (etwa im militärischen Bereich) Risiken für die eigene Person, die Gruppe, die Schicht oder das Volk mit sich bringt.

Sicher liessen sich noch andere Vorstellungen anführen, auf die sich die ‚forum‘-Redaktion vom christlichen Welt- und Menschenbild her einigen könnte. Beispiele einer Konkretisierung geben alle Dossiers oder auch die permanenten Rubriken unserer Zeitschrift ab.

Sicher würde ein Sozialist dieses Programm auch unterschreiben können. Genügt es aber, um sich und andere als Sozialisten oder ‚proches de la Gauche socialiste‘ zu bezeichnen? Gehören denn zum Sozialismus-Begriff nicht auch eine Strategie, eine Organisationsform, klare Vorstellungen von der nachrevolutionären Gesellschaft…? Solches kann aber die ‚forum‘-Redaktion nicht für sich beanspruchen. Und der Name für das Programm ist uns nicht wichtig.

Es bleibt drittens eine Gegenfrage zu stellen. Rührt der Versuch gewisser Freunde, ‚forum‘ als linke Zeitschrift zu vereinnahmen nicht z.T. auch aus der blossen Tatsache, dass die ‚forum‘-Redaktion sich offen gegen die CSV ausgesprochen hat? Und weiter: wird sozialistisch dann nicht wieder mit anti-CSV gleichgestellt? Wollen die Linken bei dieser fatalen Fehleinschätzung aus den Zeiten der blau-roten Koaltion bleiben?- Im übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die ‚forum‘-Redaktion sicher aus politischen Gründen die CSV ablehnt, wegen ihrer pro-kapitalistischen Einstellung, aber dieser Grund trifft auch die DP, SdP und …die LSAP. Die CSV lehnen wir aber vor allem auch deswegen ab, weil sie das C missbraucht. Und dieser Grund scheint uns ein Dienst an der Kirche, an der Verkündigung der christlichen Frohbotschaft, … vielleicht wird die CSV es sogar als Dienst am konservativen Gedankengut erkennen. ‚forum‘ steht jedenfalls auch für Schreiber aus jenen Reihen offen.

Offen soll aber auch dieser Beitrag bleiben für jede Kritik und jede weiterführende Stellungnahme.

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