Kinder in der Stadt

Schöffin Anne Brasseur zur Politik der Kinderbetreuung der Stadt Luxemburg

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Anfang Juni hatte "forum" ein Gespräch mit der Schöffin Anne Brasseur (DP) über Probleme der Betreuung von Kindern im Vorschulalter. Madame Brasseur wurde sekundiert von Madame Rix, Juristin, aus dem secrétariat générale der Gemeinde, sowie von Madame Miny, Kinderkrankenschwester und verantwortlich für die Leitung der gemeindeeigenen Krippen.

forum: Die offizielle Politik in bezug auf Frauen ist ziemlich paradox. Einerseits ist es heute beinahe allseits akzeptiert, daß Frauen berufstätig sind, andererseits wird wenig getan, ihnen dies wirklich zu ermöglichen, im Fall, wo sie Kinder haben. Begriffe wie Gleichberechtigung und Gleichstellung klingen in Sonntagsreden sehr gut, es wird aber nicht konkret geprüft, ob die Voraussetzungen zu ihrer Umsetzung vorhanden sind. Solange Frauen allein zuständig sind für Erziehung und Aufzucht des Nachwuchses, ist es für sie sehr schwierig, am öffentlichen Leben, in der Arbeitswelt und in der Politik, teilzunehmen.

Brasseur: Als erstes möchte ich anmerken, daß die Erziehung der Kinder nicht primär eine Aufgabe der Allgemeinheit ist, sondern der Eltern des Kindes, von Vater und Mutter. Erst dann, wenn sich hier organisatorische Probleme ergeben, – wodurch auch immer diese bedingt sind, sei es aufgrund der finanziellen oder der familiären Situation, sei es, daß keiner der

Partner aus dem Berufsleben ausscheiden möchte, – muß die Allgemeinheit Strukturen schaffen, um hier einzuspringen. Ich glaube aber nicht, daß es primär Aufgabe der Allgemeinheit ist, für die Erziehung der Kinder zu sorgen. Die Verantwortung liegt zunächst bei den Eltern, und ich betone, bei beiden Elternteilen. Das ist das allgemeine Prinzip. Dann schau ich mir die Praxis an und sehe, daß, durch eine lange Tradition in unserer Gesellschaft, es hauptsächlich die Mutter ist, die sich um die Erziehung der Kinder kümmert. Das ist unsere traditionelle Rolle in der Gesellschaft, und daran ändern wir nichts. Es ist auch nicht Aufgabe der Politik, den Menschen vorzuschreiben, wie sie ihr Leben führen sollten. Das einzige, was die Politik bewirken kann, ist Rahmenbedingungen zu schaffen, die es den Frauen erleichtern, Beruf und Kinder unter einen Hut zu bekommen. In der Regel sind es die Frauen, die zuständig sind für die Kinder, das wird besonders augenfällig bei Trennungen und Scheidungen, sogar wenn diese

Das pädagogische Konzept unserer Einrichtungen würde ich mit Flexibilität umschreiben.

Miny: Wir haben vier Krippen und eine Garderie. In jeder Krippe sind 40 Kinder. Von 0 bis 2 Jahren haben wir 47 Plätze, in der Altersgruppe der 2-4-Jährigen 63 und in der Altersgruppe der 4-6-Jährigen 40 Plätze. Dann kommt noch die Garderie mit je vormittags und nachmittags 12 Plätzen für 0-2 und 28 Plätzen für die 2-4-Jährigen hinzu. Außerdem gibt es hier noch einige Kinder, die nur dreimal die Woche einen halben Tag da sind, die muß man dann noch hinzuzählen.

forum: Aus eigener Erfahrung und aufgrund bestehender Wartelisten weiß ich, daß der Bedarf höher ist als das Angebot. Nach welchen Kriterien wird bei den gemeindeeigenen Einrichtungen entschieden, wer einen Platz bekommt und wer nicht?

Brasseur: Mittlerweile gibt es sehr viele Einrichtungen, und jeden Tag eröffnet eine neue ihre Pforten, auch in den umliegenden Gemeinden, hauptsächlich für Kinder ab 2 Jahren. Organisatorisch ist das etwas einfacher, als wenn man Babys aufnimmt; dadurch ist der Nachfragedruck bei der Altersklasse 0 bis 2 so groß. Wenn alle Einrichtungen so strukturiert wären wie unsere, würde es immer noch nicht reichen, aber der Druck wäre gemildert. Wenn wir eine neue Krippe aufmachen, ist die Andrang bei der Altersgruppe 2-4 nicht mehr so groß. Andererseits können wir keine Einrichtung schaffen nur für Säuglinge.

Aber Sie fragten nach den Aufnahmekriterien. Erstens sind wir eine kommunale Institution, so daß absoluten

liche Probleme zu lösen. Da ist es an Madame Miny zu antworten.

Miny: Sie kennen ja eine unsere Einrichtungen. Sie haben zur Zeit ein zweites Kind in unserer Garderie. Wir haben pro Haus eine Erzieherin, eine Kinderkrankenschwester und mehrere surveillantes, die auch mal Kurse besuchen. Die Kinder werden betreut, es wird mit ihnen gespielt, wir gehen auch mal raus, wir machen Besichtigungen, gehen ins Theater oder ins Kino. Es ist nicht so, daß sie ständig in einem Bett liegen.

forum: Die Horrorvision, die viele Leute noch immer mit Krippen verbinden, ist eine endlose Reihe von Bettchen, in denen unglückliche Kinder stundenlang liegen oder sitzen müssen…

Miny: So war das früher. Ich habe das selbst noch in meiner Stage-Zeit so erlebt. Die Kinder wurden nur für die Mahlzeiten herausgenommen. Das gibt es aber heutzutage nicht mehr. Wenn sie schlafen wollen, können sie schlafen. Falls sie nicht schlafen, wird sich mit ihnen beschäftigt. Man richtet sich nach den Bedürfnissen der Kinder.

Brasseur: Um das besser zu gewährleisten, wollen wir keine Häuser mit mehr als 40 Kindern einrichten. Ein Haus mit 80 Kindern und einer Verdoppelung des Personals muß straffer organisiert werden, und dann verliert man an Flexibilität. Das pädagogische Konzept unserer Einrichtungen würde ich mit Flexibilität umschreiben.

Carlo Schmitz

Vorrang die Einwohner der Stadt Luxemburg haben. Und innerhalb dieser Gruppe haben diejenigen Priorität, die sich in einem Engpaß befinden, finanziell oder sozial. Falls dann noch Plätze frei sind, nehmen wir Kinder aus anderen Gemeinden auf, allerdings müssen die 25% bzw. mittlerweile 30% mehr bezahlen. Die Überlegung dabei ist, den Druck auf die anderen Gemeinden, eine eigene Infrastruktur zu schaffen, zu erhöhen.

forum: Nach welchem pädagogischen Konzept werden die Einrichtungen der Gemeinde geführt? Wer definiert dieses Konzept?

Brasseur: Mit Sicherheit nicht die Politiker. Denn da sollen die sich heraushalten, wie sie sich auch aus der Technik raushalten. Es ist nicht an der Politik, sämt-

forum: Nun zum Personal. Wieviele Betreuungspersonen für wieviele Kinder?

Rix: Das ist schwer so allgemein zu sagen. Es kommt auf die Struktur der einzelnen Häuser an. Eine eingeschossige, kompaktere Einrichtung kommt mit weniger aus als eine, die sich über mehrere Stockwerke verteilt. Deshalb kann man nicht von einem fixen Personalschlüssel ausgehen. Jede Einrichtung mit 40 Plätzen hat zwischen 7-8 Personaleinheiten, die ein Team bilden, auch wenn ein Teil einer festen Gruppe von Kindern zugerechnet wird und die übrigen zwischen den Gruppen pendeln, so wie sie gerade gebraucht werden.

forum: Fachleute empfehlen folgenden Personalschlüssel: eine Betreuungsperson für drei Säuglinge bzw. für vier Kleinkinder.

Brasseur: Das ist graue Theorie. Aus der Erfahrung lernt man ja auch. Wir haben 6 Kinder pro Betreuungsperson, was der Norm nach zuviel ist. Da aber oft ein oder zwei Kinder fehlen, hätten wir bei 4 Kindern nur die Präsens von zweien. Das wäre eine nicht zu verantwortende Situation.

Wir haben, wie gesagt, in jedem Haus eine Erzieherin, eine Kinderkrankenschwester und daneben mehrere surveillantes, das sind Frauen, die wir zunächst stundenweise einstellen, um Ersatzdienst zu leisten, und wenn wir finden, daß sie sich bewähren, stellen wir sie fest an. Daneben gibt es noch Personen, die wir volantes nennen, weil sie da eingesetzt werden, wo sie gerade gebraucht werden, und zusätzlich verfügen wir noch über einen Kreis von remplaçantes. Deshalb kann man den Personalschlüssel nicht genau angeben, er variiert von Tag zu Tag.

Rix: Das Personal unserer Einrichtungen ist ein Team von Personen, die sich auch untereinander verständigen über die Aufteilung der Arbeit.

forum: Zu dem Stichwort Team, Teamarbeit. Können bei Neueinstellungen die bestehenden Teams ein Wort mitreden oder haben sie keinen Einfluß auf Personalentscheidungen?

Brasseur: Wir als Gemeinde müssen uns an bestimmte Spielregeln halten. Wenn eine neue Kinderkrankenschwester oder Erzieherin eingestellt werden muß, haben wir, Madame Rix und Madame Miny als Verantwortliche und ich als Schöffin ein Gespräch mit den Kandidatinnen. Die Entscheidung aber fällt der Gemeinderat in geheimer Wahl. Bei den surveillantes haben wir mehr Spielraum. Nach einem Gespräch mit den Bewerberinnen, nehmen wir die geeigneten als remplaçantes und können beobachten, wie sie mit ihrer Arbeit und ihren Kolleginnen zurechtkommen. Dieses System der Rekrutierung der surveillantes aus den remplaçantes beinhaltet eine große Anpassungsfähigkeit an unsere Personalbedürfnisse.

Die Qualifizierung als Erzieherin, die den Zugang zur Beamtenlaufbahn eröffnet, ist leider nicht immer Garant für gute Arbeit. Teilweise haben wir gute Erfahrungen gemacht mit den unqualifizierten surveillantes.

forum: Die Frage der Qualifizierung haben wir jetzt schon mehrmals gestreift. Sind die Erzieherinnen Absolventinnen des IEES in Fentange, und beinhaltet deren Ausbildung auch eine spezielle Unterweisung in Fragen der frühkindlichen Entwicklung?

Rix: Die Ausbildung in Fentange bezieht sich auf mehrere Bereiche; es müssen Praktika gemacht werden u.a. in den Krippen und dort auch in sämtlichen Altersgruppen.

forum: Zu den sog. surveillantes. Welche Bildungsvoraussetzungen müssen die mitbringen?

Rix: Keine spezifischen, aber um unseren Entlohnungsbestimmungen zu entsprechen, müssen wir sie einer Entlohnungsgruppe zurechnen und dement-

sprechend müssen sie mindestens zwei Jahre secondaire oder secondaire technique vorweisen können.

forum: Eine spezifische Ausbildung scheint mir eine notwendige wenn auch nicht ausreichende Bedingung für eine gute Betreuungsarbeit an Kindern. Hinzukommen muß natürlich sowas wie ein guter Kontakt, ein Draht zu Kindern …

Miny: Das ist wichtiger als eine Ausbildung!

forum: … dennoch gibt es Untersuchungen, die den Stellenwert fundierter Kenntnisse über die Kindesentwicklung für eine gute Kinderbetreuung hoch veranschlagen. Zitieren möchte ich die "National Day Care Study" von 1982 aus den USA, die herausgefunden hat, daß Betreuer mit guten Kenntnissen auf dem Gebiet der kindlichen Entwicklung oder Kleinkinderziehung erstens mehr Interaktionen mit den Kindern und zweitens konstruktivere Interaktionen mit den Kindern hatten als andere Betreuer ohne eine solche Ausbildung. Außerdem schnitten die Kinder dieser Betreuer bei Sprach- und Intelligenztests besser ab und waren in ihrem sozialen Verhalten besser entwickelt. Angesichts der Ergebnisse dieser Studie, die durch weitere Studien bestätigt wurden, stellt sich die Frage, ob nicht ein paar Anstrengungen auf dem Gebiet der Ausbildung sich lohnen würden?

Brasseur: Es hat nichts mit Anstrengung zu tun, sondern mit Erfahrungen, die wir auf diesem Gebiet gemacht haben.

Rix: Und mit der Persönlichkeit der betreffenden Leute. Frauen mit der gleichen Ausbildung – viele kommen vom paramédical – können grundverschieden sein in ihrem Umgang mit den Kindern.

Brasseur: Wir haben einen pool von remplaçantes, die stundenweise arbeiten, und wir haben einen pool von remplaçantes, die ein festes Statut haben, die wir volantes nennen, und die in sämtlichen Häusern eingesetzt werden, ohne direkt verantwortlich für eine Kindergruppe zu sein. Aufgrund der guten Teamarbeit wachsen sie mit der Zeit, durch die Praxis, in ihre Arbeit und in die Verantwortung der Gruppenführung hinein. Das System der remplaçantes gibt uns viel Spielraum, um eine gute Wahl zu treffen.

forum: Dann stellt sich natürlich die Frage der beruflichen Weiterbildung. Bei Ihrem Konzept des Lernens durch die Praxis würde es sich ja aufdrängen die praktischen Erfahrungen durch ein paar theoretische Kurse zu ergänzen, denn das theoretische Verständnis einer Sache, hier der Betreuung von Kleinkindern, kann ja auch für die Praxis hilfreich sein.

Miny: Wir bieten zwei Weiterbildungskurse an, die auf freiwilliger Basis innerhalb der Arbeitszeit besucht werden können. Zwei Kurse zu je zwanzig Stunden, zu denen jedes Haus zwei Betreuerinnen abstellen kann. Es wird aber niemand gezwungen, daran teilzunehmen, weil das nichts bringt.

forum: Wie sieht die Beziehung zu den Eltern aus? In welchem Rahmen findet die Verständigung mit den Eltern statt? Könnten Kindertagesstätten nicht integrierte Eltern-Kind-Zentren sein, d.h. Institutionen,

Es wird individuell gehandelt, auf Nachfrage der Eltern und nicht ein abstraktes Programm durchgezogen.

Es ist jetzt nicht so, daß wir einen bestimmten Plan verwirklichen wollen, sondern es hängt davon ab, welche Gelegenheiten sich bieten.

deren Fachpersonal nicht nur den Kindern, sondern auch den Eltern zur Verfügung steht, um sie zu beraten in Fragen der Kindesentwicklung und Erziehung, der Gesundheit und Ernährung usw.?

Miny: Falls die Eltern Probleme haben, sprechen sie uns an. Wir machen aber keine Versammlungen mit den Eltern. Wir haben es einmal ausprobiert: einige Eltern zeigten großes Interesse, andere überhaupt keins. So daß wir es schließlich besser fanden, nichts zu organisieren und uns mit den Eltern einzeln in Verbindung setzen oder daß sie zu uns kommen.

Brasseur: Auch hier wieder wird ganz individuell verfahren.

Sie haben eben ein Stichwort erwähnt, auf das ich näher eingehen möchte: die Ernährung. Vor Jahren wollten wir die Ernährungsweise unserer Einrichtungen dem letzten Stand der Ernährungswissenschaft anpassen. Wir ließen uns von einer Ernährungswissenschaftlerin beraten, die uns geeignete Mahlzeiten zusammenstellte. Daneben gibt es ein paar Kinderärzte, die auf ehrenamtlicher Basis dieses Ernährungsprogramm überwachen. Das bedeutete große Umstellungen für das Personal und die Kinder. Die Eltern beschwerten sich, weil am Anfang die an Süßes gewohnten Kinder unsere Kost verschmähten. Aber inzwischen haben sich alle Beteiligten darauf eingestellt, und es läuft sehr gut.

Miny: Wir stehen auch im ständigen Kontakt mit der Ernährungswissenschaftlerin, um sie darüber zu unterrichten, wie ihre Vorschläge bei den Kindern ankommen. So sind wir übereingekommen, den Kindern beispielsweise keinen Fenchel mehr vorzusetzen, weil sie den wiederholt abgelehnt haben.

forum: Falls ein Kind oder ein Baby zum ersten Mal in eine Tagesstätte kommt, ist das eine schwierige Situation sowohl für das Kind wie für die Mutter. Gibt es für diese Adaptationsphase ein spezielles Programm, das beiden die Trennung und dem Kind die Eingewöhnung in die neue Umgebung erleichtert?

Miny: Falls die Mutter das wünscht, kann sie in der Anfangsphase bei dem Kind bleiben, und das kann sie nach Belieben während vierzehn Tagen oder vier Wochen tun. Neulich hat eine Mutter, deren Kind noch gar nicht auf der Welt ist, sich intensiv den Ablauf bei uns angeschaut und ihre Fragen zu Windeln, Ernährung und Programm gestellt. Das ist für uns kein Problem. Die Mütter können auch zum Stillen ihres Babys kommen. Wenn sie ihrem Kind eine spezielle Ernährung geben wollen, können sie bis zwei Jahre dem Kind etwas mitgeben. Danach wird das schwieriger aufgrund der sozialen Situation mit den anderen Kindern.

Brasseur: Da haben sie wieder unser Prinzip: Es wird individuell gehandelt, auf Nachfrage der Eltern und nicht ein abstraktes Programm durchgezogen.

Miny: Es gibt natürlich auch Mütter, die kein Interesse oder keine Zeit für die Eingewöhnungsphase haben. Das akzeptieren wir dann auch. Es ist nicht unser Anliegen, ihnen deshalb ein schlechtes Gewissen zu machen. Wir bieten jeder Mutter die Möglichkeit einer Eingewöhnungsphase bis zu zwei Monaten

an. Es hängt von ihr ab, ob und wie sie dieses Angebot nutzt.

forum: Zur Zukunft. Wieviele Plätze wird die Stadt in nächster Zeit schaffen, in Krippen und Garderien?

Brasseur: Auch hier gehen wir pragmatisch vor. Wir haben noch ein Projekt in der Schwebe, nämlich den Neubau einer Tagesstätte in Dommeldingen. Was schneller geht, ist wenn wir eine geeignete Immobilie finden mit einem großen Garten. Es ist jetzt nicht so, daß wir einen bestimmten Plan verwirklichen wollen, sondern es hängt davon ab, welche Gelegenheiten sich bieten. Konkret geplant ist allerdings die schon erwähnte Einrichtung in Dommeldingen und eine im Sauerwiss-Viertel in Gasperich.

forum: Wie sieht das Verhältnis der Stadt zu konventionierten Einrichtungen aus?

Brasseur: Wir haben keine konventionierten Häuser, anders als die übrigen Gemeinden, die ihrerseits keine eigenen Häuser unterhalten. Wir führen unsere Häuser nach unserem Schema, und unserer Erfahrungen sind bisher gut. Wir wollen nicht verantwortlich sein für Häuser, die nach verschiedenen Systemen geführt werden.

forum: Das Problem ist, daß das vom Familienministerium aufgestellte Konstrukt der Konvention vorsieht, daß die Gemeinde auf deren Territorium sich eine Betreuungseinrichtung befindet, mitspielen muß, in der Form, daß sie die räumliche Infrastruktur zur Verfügung stellt. Falls die Gemeinde Luxemburg sich weigert mitzuspielen, entstehen auf ihrem Territorium keine konventionierten Einrichtungen mehr.

Brasseur: Ja, aber wenn jede Gemeinde entsprechend ihrer Bevölkerungszahl genügend Einrichtungen schaffen würde und somit genug konventionierte Häuser in der Umgebung der Stadt bestünden, dann hätten wir mit unserem Angebot genug. So kann man die Sache auch darstellen. Meiner Meinung nach können wir nicht nach zwei Systemen verfahren. Wir sind engagiert in konventionierten Einrichtungen für Schulkinder (Foyer de jour), aber hier handelt es sich um ein anderes Schema als eine klassische Krippe: im Pfaffental das Atelier Zeralda, Pinocchio, demnächst wird eine Einrichtung in Rollingergrund und eine in Neudorf hinzukommen. So daß wir hier wohl an konventionierten Betrieben beteiligt sind. Aber auf der Ebene der klassischen Krippen wollen wir keine verschiedene Regimes. Die Angestellten unserer Einrichtungen sind Gemeindebeamten, diejenigen der konventionierten Betriebe sind Privatbeamten, deren Arbeitgeber eine ASBL ist und deren Löhne der Staat stellt. Einzige Ausnahme stellt die Einrichtung Altmünster dar, mit der wir seit 1898 eine Konvention haben und die wir finanziell mittragen mit einem Betrag von 4 Mio. in diesem Jahr. In der Einrichtung Kannerland haben wir uns mit unserem Service des Parcs an der Anlage des Spielplatzes beteiligt. Wo wir hielten können, tun wir’s. Aber wir gehen nicht hin und stellen eine Infrastruktur für einen anderen Träger zur Verfügung.

forum: Ich danke Ihnen für Ihre Gesprächsbereitschaft.

Das Gespräch führte Dominique Schlechter

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