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Charles De Gaulle soll der Meinung gewesen sein, das 2. Vatikanische Konzil, das vor 25 Jahren, am 8.12.1965, zu Ende ging, werde als wichtigstes Ereignis des 20. Jahrhunderts in die Geschichte eingehen. In der Tat weckte das im Oktober 1962 von Papst Johannes XXIII. eröffnete Konzil Hoffnungen, die nicht nur von der prophetischen Gestalt des damaligen Papstes getragen wurden, sondern der allgemeinen Aufbruchstimmung in der Welt (Weltraumfahrt, Entkolonialisierung, Vollendung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus, …) entsprachen. Rückbesinnung der Kirche auf ihre Gemeinschaftstradition: "Kirche als pilgerndes Gottesvolk", Kollegialität der Bischöfe mit dem Papst, Öffnung der Kirche auf die Freuden und Nöte der Menschen, Abschwächung des Ausschließlichkeitsanspruchs der katholischen Kirche als "allein seligmachende Heilsgemeinde", Anerkennung der Religionsfreiheit und der Menschenrechte als auch vom Evangelium her gefordert, Zulassung der Volkssprache im Gottesdienst, … waren Stichworte, die zu Recht von einer epochalen Erneuerung der Kirche sprechen und auch eine Versöhnung mit den von Rom getrennten Christen für die nahe Zukunft erwarten ließen.

Der heutige Papst scheint allerdings mit Hilfe seiner kurialen Berater und seiner Bischofsernennungen alles daran setzen zu wollen, dieses vom Konzil eingeläutete Zugehen der Kirche auf die Welt und die konkreten Menschen wieder zurücknehmen und die Kirche zu einer dogmatischen Sekte einigeln zu wollen.

In einem in "Publik-Forum" Nr. 24/30.11.1990 erschienen Beitrag schreibt der in Nimwegen (NL) lehrende Professor für systematische Theologie Hermann Häring allerdings den Kompromissen des Konzils selbst einen guten Teil seiner zwiespältigen Folgen zu: Die Stellung der Ortsbischöfe wurde zwar gestärkt, ihre Unterordnung unter den Papst aber nicht abgeschwächt. Das Konzil betonte den Dialog mit den Weltreligionen, gab aber die katholische Sonderstellung nicht auf. Es öffnete die Augen der Christen für die Nöte der Dritten Welt, sprach aber weiterhin aus einer eurozentrischen Sicht heraus; wohl waren die Ortskirchen aus Übersee erstmals durch einheimische Bischöfe vertreten, deren Stellungnahmen fanden aber keinen Eingang in die Sicht- und Ausdrucksweise der verabschiedeten

Das Konzil ist
bloß der
"Anfang eines
Anfangs" (Karl
Rahner)

Texte. Die eigene Würde der Laien als Glieder des Gottesvolkes wurde betont, das zentrale Lehramt blieb aber ohne kritische Rückbindung an den Glaubenssinn der Gesamtkirche.

Der Münsteraner Theologe Prof. Dr. Johann-Baptist Metz sieht in einem Artikel in der Schweizer Jesuitenzeitschrift "Orientierung" (Nr. 22/30.11.1990) eine Ursache für die Fehlentwicklung in einer auch vom Konzil nicht bis zur letzten Konsequenz ausgerotteten Versuchung der Kirche, "die eschatologische Differenz zwischen der Kirche und dem Reich Gottes zu vernachlässigen bzw. zu ignorieren". Daher die erneut festzustellende Tendenz, die eigene (päpstliche, römische) Position zu verabsolutieren statt – wie das Konzil in vielen Texten – den Andern ernstzunehmen und anzuerkennen statt ihn beherr-

schen zu wollen, sei er nun der einzelne Gläubige, die außereuropäische Ortskirche oder die nicht-christliche Religionsgemeinschaft.

Beide als kritische Denker bekannte Theologen sehen das Konzil bloß als "Anfang eines Anfangs" (Karl Rahner), das es fortzuschreiben gelte, im Vertrauen auf den Glaubenssinn des Volks Gottes, ohne sich von den rückwärts gewandten Schritten dieses Papstes bange machen zu lassen. In diesem Sinne gilt aber getreu der Aufbruchsverheißungen des Konzils zuerst alle Energie gegen die Konsumorientierung unserer kapitalistischen Gesellschaft zu mobilisieren statt gegen die realitätsfernen, weltfremden Äußerungen eines schließlich nur vorübergehenden Papstes. m.p.

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