Meine Zukunft liegt in eurer Hand
30 Jahre Geschichte der Kinder der Vierten Welt in Fotografien - eine Ausstellung der Internationalen Bewegung ATD-Vierte Welt
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Bewegung ATD (=Aide à Toute Détresse) Vierte Welt
"Meine Zukunft liegt in eurer Hand"
30 Jahre Geschichte der Kinder der Vierten Welt in Fotografien -eine Ausstellung der Internationalen Bewegung ATD- Vierte Welt.
30 Jahre Geschichte der Kinder der Vierten Welt in Fotografien -eine Ausstellung der Internationalen Bewegung ATD- Vierte Welt.
Zur Vierten Welt zählt man jene Familien, die in allen Ländern zuunterst an der sozialen Leiter stehen, abseits von Entwicklung und Politik. Oft seit Generationen arm und verachtet, sind sie den Ungerechtigkeiten und Benachteiligungen in allen Lebensbereichen wehrlos ausgesetzt (Bildung, Einkommen, Ansehen, Arbeit, Wohnung, Gesundheit).
Die Geschichte der Kinder, die in dieser Ausstellung erzählt wird, hängt sehr stark von den Verhältnissen ab, in denen ihre Familien während und nach dem Kriege lebten, und von denen sie auch heute noch geprägt werden.
Zwischen 1940 und 1948 erlebten die meisten Menschen vor allem Hunger, Umwälzungen, Entbehrungen aller Art, die Trennung von ihren Angehörigen. Für die ärmsten unter den Familien Europas begann ein Nomadenleben; ihre Kinder wuchsen in Elendswohnungen und Flüchtlingslagern auf. Manche von ihnen fanden sich in Banden zusammen, die sich allein durchs Leben schlugen, heimatlos und ohne Halt und Zuwendung von Erwachsenen.
So landete schliesslich eine Grosszahl von ihnen in Heimen oder Anstalten, ohne Hoffnung, wieder einmal von ihren Eltern oder Geschwistern zu hören. Andere lernten betteln oder stehlen oder waren gezwungen, schwarz zu arbeiten.
1954 wurde dieses Problem erstmals von einem Teil der Länder ernstgenommen; zum ersten Mal vernahm die Öffentlichkeit mit Bestürzung, dass es Kinder gibt, die vor Hunger oder Kälte sterben, die in stickigen Kellerlöchern oder am Rande der Grossstädte in Wohnwagenwracks hausen, dass Tausende von Familien in erbärmlichen Elendswohnungen leben, ohne Wasser, ohne Strom, ohne den geringsten Komfort, in Baracken oder Kasernen aus dem 1. Weltkrieg.
Es ist die Zeit der Notsiedlungen und Obdachlosenlager.
Nun beginnen öffentliche und private Institutionen über diese Familien die Almosen nationaler und internationaler Wohltätigkeitsorganisationen zu verteilen: Lebensmittel zum Beispiel und gebrauchte Kleidungsstücke; die Fotografen stürzen sich, auf der Suche nach Sensationellem, auf die Kinder dieses Elends. Die Öffentlichkeit ist erschüttert und nimmt die Kinder in ihren Heimen auf in der Meinung, sie sollten hier Liebe finden und Schutz vor der Not- allerdings werden diese Kinder ihren Familien oft nicht mehr zurückgegeben, und die Eltern, gedemütigt und verzweifelt, wagen nicht, sie wieder zurückzufordern.
Die Kinder aber, von einem Ort zum andern geschoben, gehen nur sehr unregelmässig zur Schule, und erst von 1965 an wird dieses Problem bewusst angegangen; allerdings erweisen sich die Bildungsmöglichkeiten
die ihnen angeboten werden, sehr bald als ungenügend, um ihnen das für das heutige Leben notwendige Wissen zu vermitteln.
Ein weiterer Schritt ist die gesetzliche Verankerung des Rechts jeder Familie auf Wohnung, erstmals 1962 in der Bundesrepublik Deutschland, schliesslich auch in andern europäischen Ländern.
Die finanzielle Sicherheit liegt noch in weiter Ferne; oft wird durch die dafür unternommenen Bemühungen der Zustand von Abhängigkeit noch verstärkt.
Mit Beginn der 70-er Jahre wird dann immer häufiger die Frage diskutiert, ob es gesetzlich und menschlich vertretbar sei, wenn in zunehmendem Masse Kinder aus Familien mit ungenügendem Einkommen oder unzureichenden Wohnverhältnissen herausgerissen und anderswo untergebracht werden. Dieses Problem ist bis heute nicht gelöst, obwohl die Jahre des grössten Elends nun langsam hinter uns liegen.
Vor allem aber hat man sich mit der Frage nach den Wurzeln und dem Ausmass des Elends in der westlichen Welt noch nicht wirklich auseinandergesetzt. So vermehren sich die gettoähnlichen Armutssiedlungen rund um die Grossstädte weiterhin, und wer dort wohnt, ist immer stärker vom aktiven und kulturellen Leben abgeschnitten.
Aber auch in Kleinstädten und Dörfern tragen die Vierte Welt und ihre Kinder heute wie gestern die Last der gleichen und unhaltbaren Lebensbedingungen: ungesunde Umgebung, tägliche Nöte und Ängste, Ausgestossensein in der Schule, im Wohnviertel, in der Kirche.
Hoffen wir, dass unsere Begegnung mit diesen Kindern aufgrund der Fotos dieser Ausstellung uns bewusst macht, dass ihr Schicksal in unserer Hand liegt, dass ihre Zukunft und die unserer eigenen Kinder auf dem Spiel steht.
Die Bilder und Texte dieser Ausstellung beschreiben
- die WOHNVERHÄLTNISSE und das WOHNUMFELD dieser Kinder
- sie zeigen das Leben in ihren FAMILIEN
- und geben so Einblick in die WELT der Kinder, in der ihre Erfahrungen für das ganze Leben geprägt werden.
Diese Ausstellung wurde bisher u.a. an der UNESCO in Paris, an der UNO in New York, in London, Brüssel, Amsterdam, München gezeigt.
Vom 30. April bis zum 10. Mai 1981 wird sie in Luxemburg, im Cercle Municipal, zu sehen sein.
Diese Ausstellung lebt weiter im Buch: "30 Jahre Geschichte der Kinder der Vierten Welt in Fotografien" mit Aussprüchen von Kindern aus der Vierten Welt und 220 Bildern. (in der Ausstellung erhältlich).
ATD Quart Monde 3, rue Kowalsky Luxembourg
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