Olympisches
Sportdossier zu den Olympischen Spielen
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Ein Sportdossier Anfang Juli 1980 ohne Bemerkungen zu den Olympischen Spielen zu veröffentlichen, war ja kaum denkbar. Zwei unserer Mitarbeiter haben folgende Gedanken dazu niedergeschrieben. Sie decken sich nicht mit jenen der Redaktion, die in "forum" Nr. 38 (15.3.80), SS. 22 – 24 veröffentlicht wurden: Wir sind gegen die Olympischen Spiele und ähnliche "Feste" in einem Staat, der die Menschenrechte mit- achtet. Falls kein Staat mehr diesem Kriterium ent- spricht, soll eben ganz auf solche "Friedens"-feiern verzichtet werden, die sowieso eher kommerziellen und politischen als rein sportlichen Zwecken dienen. m.p.
- Angesichts der Vehemenz, die in den Spalten des LW gegen die Entscheidung des COSL in Moskau bei den Olympischen Spielen – wenn auch unter gewissen Vor- aussetzungen und Einschränkungen seitens des COSL – teilzunehmen, ausgebrochen ist, muss es eigentlich erstaunen, daß nur in Luxemburg solche Töne ange- schlagen werden, wo doch, z.B.
- von den 9 Mitgliedstaaten nur Deutschland sich für den Olympiaboykott entschied,
- von den 15 NATO-Mitgliedstaaten nur 5 (USA, Kanada, Deutschland, Türkei und Norwegen),
- und von den 21"Conseil de l’Europe-Mitgliedstaaten sogar deren nur 4 (Deutschland, Türkei, Norwegen und Liechtenstein).
Sind die Luxemburger in diesem Punkt also sensibler als die andern Westeuropäer? Und wenn ja, warum?
Fest steht auf jeden Fall, daß im Luxemburger Blät- terwald die Diskussion um den Olympiaboykott recht simplistisch und in Schwarz-Weiss-Kategorien geführt wird, wo hingegen das Thema doch äusserst komplex und vielschichtig ist. Es scheint, daß in dieser Angelegenheit der Sport von den meisten Politikern dazu gebraucht oder vielmehr mißbraucht wird, um ein
zutiefst politisches Problem wie Afghanistan oder die Menschenrechte in der UDSSR zu behandeln, ohne auf diplomatische, politische und wirtschaftliche Maßnahmen zurückgreifen zu müssen! j.
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Begrüßen und unterstützen soll man die Haltung des Luxemburger olympischen Komitees, an der Olympiade in Moskau kritisch teilzunehmen. Afghanistan ist zu verurteilen, aber warum sollen wir Präsident Carter bei seiner Wahlkampagne unterstützen oder zusammen mit der LW – Redaktion auf die Barrikaden steigen. Als Alternative gibt es nur einen Weg: kritische Teil- nahme oder besser Verurteilung sämtlicher internatio- nalen Großveranstaltungen wie Olympiade, Weltmeister- schaft usw., da alle Organisatoren solcher Wett- kämpfe das gleiche Ziel zu erreichen versuchen: Presti- ge für das eigene Land oder die eigene Person, Ab- lenkung der Bevölkerung von den realen Problemen des Alltags, Erreichung des nationalen Bewußtseins durch den Sport, usw.
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Übrigens: Wo waren all jene Schreier, die heute im LW gegen Moskau wettern (und gleichzeitig eine primi- tive Antikommunismuskampagne starten), als vor 2 Jahren die Fußball-WM in Argentinien stattfand, in einem Land wo Folterung, Staatsmord und Unterdrückung jegli- cher Opposition zur Institution geworden ist.
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Bedenklich stimmt einen die Position der Luxembur- ger KP hinsichtlich der Moskauer Spiele. Peinlich wird versucht Sport und Politik zu trennen, so wie es die bürgerlichen Parteien schon immer getan haben. Hier sind wir meilenweit von der marxistischen Analy- se des Sports entfernt, die u.a. im Sport eine wichti- ge Stütze des kapitalistischen Wirtschaftssystem sieht.
-Anläßlich der Boykottdiskussion um die olympischen Spiele war der Rugby-Verband einer der heftigsten Verfechter des Boykotts. Diese Herren täten besser daran leiser zu treten. Noch im vergangenen November erklärten gerade sie sich bereit, ein internationales Rugbyspiel Frankreich-Südafrika hier in Luxemburg zu organisieren, weil die französische Regierung den Rassisten in Südafrika die Einreise verweigert hatte.
René Kollwelter
Die im Sportdossier veröffentlichten Karikaturen auf den SS. 3,5,7,8,9,11,12 stammen aus: Claude Ser- re, Le Sport, Grenoble 1977
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