Qualifizierte Grenzgänger gesucht!

Schule und Arbeitsmarkt

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Qualifizierte Grenzgänger gesucht!

Wie und wo finden wir die Arbeitskräfte von morgen? Luxemburg hat einen boomenden Arbeitsmarkt: 5% Arbeitsplatz-Zuwachs (immer 1999), eine Arbeitslosenquote von 2.4% – der Idealzustand! Doch wie konnte diese beneidenswerte Situation zu Stande kommen? Wer sind die Aktiven des luxemburgischen Arbeitsmarktes (marché de l’emploi intérieur)? Zu 41.8% Luxemburger, zu 23.9% im Luxemburg wohnende Ausländer und zu 34.3% Grenzgänger. Die Letzteren haben die in den vergangenen 10 Jahren neu geschaffenen Arbeitsplätze zu größten Teilen übernommen. Im Lande selbst fanden sich weniger Aktive bereit.

Laut diverser Studien bieten die Grenzgänger folgende Vorteile:

  • eine größere geographische Mobilität, nehmen auch mehrere Stunden An- und Abreise auf sich;
  • eine größere Flexibilität, nehmen auch schlechtere Arbeitsbedingungen an;
  • eine besseres Ausbildungsniveau für gleiches Einkommen;
  • im Durchschnitt ein jüngeres Alter¹.

Alles in allem kann man sagen: Die Ausländer – ob Bewohner des Landes oder Grenzgänger – tragen erheblich zum Wohlstand des Landes bei. Der Anteil der Luxemburger an der Gesamtzahl der Aktiven hat ständig abgenommen: von 54 % im Jahr 1990 auf 41.8% im Jahr 1999.

Der Arbeitsmarkt

Nun hat nicht nur Luxemburg Malaisen mit dem Arbeitsmarkt und so ist seit dem Luxemburger Gipfel im November 1997 die von Premierminister Juncker vorgeschlagene europäische Beschäftigungsstrategie ins Leben gerufen worden. Gegenüber den USA und Japan ist die gesamte EU im Hintertreffen. Die damals entworfene europäische Beschäftigungsstrategie sollte an den entscheidenden Schwachpunkten ansetzen. Man schuf also Richtlinien, die alljährlich den neuen Gegebenheiten angepasst werden. Die Regierungen sind dann einmal pro Jahr gebeten,

auf diese Richtlinien hin einen Nationalen Beschäftigungsplan (PAN: Plan d’Action Nationale) zu konzipieren und umzusetzen.

Mit der europäischen Beschäftigungsstrategie wurde nicht nur ein Observatorium, sondern darüber hinaus ein Wettlauf in Sachen Performanz geschaffen und die Kommission hält Luxemburg immer wieder den Spiegel vor und mahnt, die weniger schönen Seiten in Angriff zu nehmen.

Cartoon: Pessin, in: Le Monde

Zwar haben wir die niedrigste Arbeitslosenrate in der EU, doch hätten wir eine andere, wären die Grenzgänger, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind, in Luxemburg und nicht an ihrem Wohnort als solche gemeldet.

Der Anteil der über 50-jährigen, die noch aktiv sind, liegt bei nur 38 %, im Vergleich zur allgemeinen Beschäftigungsrate von 61.6 % (der 15- bis 64-jährigen). Man zieht die Frührente vor. Die Zahl derer, die von der Inva-

Y A NÊME DES FILIÈRES POUR RESTER
PAUVRE TOUTE SA VIE.

lidenrente leben, beläuft sich auf 6%, so dass Luxemburg eine Inaktivitätsrate von ca. 13%² im Jahr 1999 hatte.

Mit der Beteiligung der Frauen am Arbeitsmarkt ist die EU keineswegs zufrieden: wir befinden uns auf dem 12. der 15 Plätze, auch wenn 1999 eine nicht unerhebliche Steigerung zu verzeichnen war.

Es stellt sich die beängstigende Frage: woher nehmen wir die Arbeitskräfte für die kommenden Jahre?

Die bisher eifrigst einspringenden Grenzgänger finden sich nicht mehr so leicht: Die Entfernungen werden immer unrealistischer. Wie ist die nächste im Lande ansässige Generation gerüstet? Diese Frage geht direkt an die Schule und betrifft die potentiellen 2/3³ eines künftigen Arbeitsmarktes, die im Lande ausgebildet werden.

Nehmen wir einige dieser Herausforderungen und halten sie der Schule vor Augen, so scheint es durchaus an der Zeit, grundsätzliche Debatten zu stimulieren und Bewegung in das Innere der Schule zu bringen, anstatt sich mit der Organisation der Schulstunden zu begnügen.

Luxemburgs Schwachstellen sind folgende:

  1. ein zu geringes Ausbildungsniveau der Schulabgänger,
  2. ein zu großer Trend hin zu den passiven Formen der (Nicht-)Beteiligung am Arbeitsmarkt (Frührente, Invalidität),
  3. ein nicht ausreichend ausgeprägter Unternehmergeist,
  4. eine unzureichende Mobilität und Flexibilität (dies gilt nicht für die Grenzgänger!),
  5. eine zu geringe Beschäftigung der Frauen.

Unsere Frage hier lautet: In welcher Hinsicht antwortet die Schule mit entsprechend neuen Strukturen, neuen Inhalten und neuen Organisationsformen auf diese zweifelsohne qualitativ bedeutende Herausforderung? Zum Punkt 5 ergeben die letzten Daten der "Enquête force de travail", dass das Ausbildungsniveau der jungen Frauen etwa gleich gut ist wie das der jungen Männer, so dass dieser Punkt kaum der Schule vorgehalten werden kann.

Es ist klar, dass die Schule nie bei den Erwartungen der Wirtschaft stehen bleiben sollte. Ihr Ausbildungskonzept sollte darüber hinaus gehen und sich den mündigen, autonomen, kritischen und engagierten Bürger als Ziel setzen.

Abschlussniveau

Die international registrierten Resultate der luxemburgischen Schule sind nicht überwältigend. In den entsprechenden OECD-Studien stand Luxemburg an der Spitze in Sachen "dépenses publiques" für die Schule und ganz

Der Anteil der Luxemburger an der Gesamtzahl der Aktiven hat ständig abgenommen: von 54 % im Jahr 1990 auf 41.8% im Jahr 1999.

unten, was die Schulabgänger mit Abschluss betrifft – so war die Situation am Beginn der 90iger Jahre. Während Jahren lieferte das Erziehungsministerium keine Zahlen an die OECD. Seit ein paar Jahren werden wieder Zahlen geliefert, die auch die Gesellenprüfung (CATP) enthalten, ohne dass sich jedoch die Proportionen signifikant geändert hätten.

Die Zahl derjenigen, die die luxemburgische Schule (ob Luxemburger oder Ausländer) ohne Abschluss verlassen, ist zu hoch. Die Zahl, die Anfang der 90-ger Jahre im Umlauf war, lag zwischen 50% und 60%. Erna Hennicot-Schoepges hat im Lauf ihrer Zeit als Ministerin eine ähnliche Zahl verlauten lassen.

Die Schulgrenzgänger (Richtung Arlon, Trier etc.) sind hier zweifelsohne bereits ein Indiz für den schlechten Zustand der öffentlichen Schule. Denn interessanterweise geht dieser Grenzgänger-Fluss in die entgegengesetzte Richtung der Arbeitenden!

Was den Anteil an Akademikern innerhalb der luxemburgischen Schülerschaft betrifft, ist dieser auch enttäuschend, so dass kürzlich die Studienhilfen verbessert und mit Leistungs- und Zeitanreizen versehen wurden. Da hat man endlich reagiert! Doch wie sieht es mit

der Vorstufe aus, mit der Primärschule, dem technischen und dem klassischen Gymnasium?

Der PAN stellt in Hinsicht auf den Arbeitsmarkt das adäquate, breit konzipierte Lenkungsinstrument dar. Geben wir einen kurzen Überblick über die in diesem Rahmen vorgeschlagenen Reformen: Im Jahr 2000 wurden in Sachen Erziehung hauptsächlich Maßnahmen zur Einführung der TICs (Technologies de l’information et de la communication) in den gesamten Schulbereich vorgeschlagen. Das war eine Folge des Lissaboner Gipfels, der deutlich in diese Richtung lief: Europa liegt in dieser Angelegenheit meilenweit hinter den USA und Japan zurück. Luxemburg ist mit seiner niedrigen Abiturienten- und Akademiker-Rate doppelt betroffen. Dieser Schritt ist sicher eine conditio sine qua non für die Zukunft, doch wie sieht es mit weiteren Schritten aus?

In den beiden vorherigen PANs (1998, 1999) wurden eine Reihe von Reformen genannt, die bereits teilweise eingeführt waren, wie z.B. die neuen Promotionskriterien, die "passerelles" zwischen den verschiedenen Unterrichtstypen, ein neues Koordinationsorgan für die berufliche Ausbildung, Abschaffung des Aufnahmeexamens, das durch den "avis d’orientation" ersetzt wurde, eine Erhöhung des Personals des CPOS⁴ und der CNFPC5, eine Öffnung der Lehre für Erwachsene etc. Was den letzten Punkt betrifft, ist derzeit die Modularisierung der beruflichen Ausbildung in Arbeit: Es geht darum, Erwachsenen ihre berufliche Erfahrung und ihr theoretisches Wissen schrittweise zu bestätigen, und sie damit peu à peu zu einem CITP, CCM oder CATP⁶ hinzu führen – ein Schritt, der dringend nötig war und endlich umgesetzt wurde.

Ein weiteres Pilotprojekt war leider zum Scheitern verdammt: Einer Reihe von Schülern, die Probleme hatten, im "régime du technicien" mitzukommen, wurde eine neu konzipierte Ausbildung, PRACTEX, vorgeschlagen, die gewissermaßen zwischen der Lehre und dem BTS lag. Hier spielten die Eltern nicht mit, da es sich um eine betriebliche Ausbildung handelte; darüber hinaus ist es sicher nicht einfach, die eigenen Kinder in ein Versuchs-Projekt

zu schicken, dem die Anerkennung durch offizielle Diplome noch fehlt. Die gleichen Betroffenen waren jedoch genau so schwer von einer Lehre zu überzeugen.

Die Fortführung dieses Projektes hätte langfristig zu einem neuen Diplom geführt. Haben die zuständigen Stellen im MENFP das Projekt ausreichend unterstützt? Der Vorschlag von neuen zwischen den bisherigen Diplomen liegenden Abschlüssen wäre sicher nicht uninteressant, und zwar nicht nur in Hinsicht auf eine erhöhte Anzahl von qualifizierten Schulabgängern mit anerkanntem Abschluss, sondern durchaus auch im Interesse der Betriebe und ganz besonders im Interesse der Schüler und zukünftigen Arbeitnehmer.

Doch reicht dies aus, um ein besseres Niveau zu erreichen? Vielleicht liegt die Crux viel weiter vorn? Inwiefern werden Schüler durch zu rigide Selektions- und Bewertungsverfahren bereits im Primärschulalter von der Schule innerlich verstoßen? Werden die Bemühungen, die ja im Fall der Immigranten-Kinder um einiges mehr sind, ausreichend bewertet? Fortschritte sollten im Rahmen einer guten Pädagogik hervorgehoben werden, nicht das Erreichen eines allgemein gesteckten Ziels. Differenzierter Unterricht sollte die Antwort auf die verschiedenen Niveaus sein. Inwiefern werden den ausländischen Mitschülern eigene, auf sie gemünzte Programme vorgelegt, die ihnen Mut machen, anstatt sie systematisch zu enttäuschen? Das Gros der Klassenwiederholer liegt auf Seiten der Immigranten. Hier werden offensichtlich immer noch viel zu viele unqualifiziert aus der Schule entlassen, die durchaus die intellektuellen Kapazitäten hätten, eine Lehre zu machen, jedoch nicht den Anforderungen der 4 Sprachen gewachsen sind.

Umso erstaunlicher ist, dass die Wirtschaft, ohne zu zögern, Grenzgänger mit Abschluss, aber ohne die "nötigen" Sprachkompetenzen einstellt. Der Personalchef im Betrieb sucht sich eher einen qualifizierten Grenzgänger als einen unausgebildeten "viersprachigen Einheimischen".

Diejenigen, die als Schüler den Mut haben, nach Arlon oder Trier zu "emi-

grieren", haben also langfristig Vorteile. Offensichtlich machen viele dort ihr Bac, ihr Studium, während sie hier Richtung "préparatoire" orientiert wurden!

Auch der Anteil an Abiturienten und an Schulabgängern, die sich zum Studium entschließen, liegt weit unter dem EU-Schnitt. Hier gibt es seit neuestem Anreize für das Studium (Gesetz vom 22 Juni 2000), denen zufolge jetzt leistungsorientiert Prämien erst nach dem jeweiligen Abschluss verteilt werden – ein guter Schritt, doch wie schon gesagt vielleicht interveniert auch hier der Staat zu spät.

Der Personalchef im Betrieb sucht sich eher einen qualifizierten Grenzgänger als einen unausgebildeten "viersprachigen Einheimischen".

Außerhalb der Schule wurden auch Dinge in Bewegung gesetzt: So gab es eine gemeinsame Informationskampagne von MENFP und Handwerkskammer, um Lehrlinge zu werben; diese hatte zur Folge, dass sich sehr viel mehr Betriebe meldeten, so dass schließlich die Zahl der Kandidaten nicht ausreichte! Es ist bekannt, dass luxemburgische Eltern eine deutliche Ablehnung gegen die Lehre haben, vor allem gegen die duale Variante (Betrieb und Schule); der sogenannte "plein exercice" findet mehr Anklang: alles was mit weiteren Jahren in der Schule, und zwar ausschließlich in der Schule zu tun hat, läßt sich leichter verkaufen. (Im Gegensatz dazu bewerben sich in Deutschland zahlreiche Abiturienten um eine Lehrstelle, was ein "creaming out" zur Folge hat und die Schüler mit Realschul-Abschluss in eine üble Lage versetzt. Nach der Lehre (nur 2 Jahre mit Abitur) folgt dann das Studium, so dass diese jungen Leute den unbezahlbaren Vorteil einer "Betriebserfahrung" im Gegensatz zu ihren "nur" studierten Kollegen haben! Der Einstieg der letzt Genannten ins Berufsleben wird schwieriger.) Die Orientierung Richtung öffentlicher Dienst und Dienstleistungssektor ist zu eindeutig – hat die

Schule in dieser Hinsicht ausreichend gegengesteuert?

Autonomie, Teamarbeit, Engagement

Inwiefern ist die Schule gerüstet, um auf die Forderungen der Wirtschaft zu antworten. Die Zeiten des Fließbandarbeiters sind vorbei; es gilt, autonom arbeitende Teams zusammenzustellen, die sich verschiedener Aufgaben, und dies immer häufiger in Form von Wettbewerben annehmen müssen. Phantasie und Kreativität sind hier gefragt – stimuliert die luxemburgische Schule ausreichend in diese Richtung? Die Waldorfschule wäre hier ein gutes Beispiel, aus der man in bestimmten Bereichen einige Elemente ohne viel Kostenaufwand einbringen könnte (vgl. Beitrag in forum Nr. 206).

Wichtiger ist dem Personalchef auch, dass der Einzustellende autonom arbeiten kann und das entsprechende Profil hat, als dass er finanzielle Hilfen seitens der ADEM ("mesures de réemploi") bekommt, die die Schwächen des Arbeitslosen ausgleichen sollen.

Nun ist der ausgebildete Hilfsarbeiter ohne Gesellenprüfung langfristig für den Betrieb durchaus interessant, da er lediglich Recht auf einen Sozialen Mindestlohn für unqualifizierte Arbeitnehmer hat. Doch hier wäre ein konkreter Punkt, an dem die Schule über die Interessen der Wirtschaft hinausgehen und ihren Kunden, den Schülern, die bestmögliche Ausbildung zu Gute kommen lassen sollte.

Inwiefern ist die Schule auf die Forderung der Wirtschaft in Sachen Autonomie und Teamarbeit eingestellt? Ansätze zu diesen Punkten müssten in der Spielschule und spätestens in der Primärschule deutlich sichtbar werden. Dass Autonomie und Teamarbeit erst in den CNFPC (vgl. Fußnote 5) nach einem Schulleben der Misserfolge eingeübt werden – diese sollen dann in 12 Monaten das wieder "reparieren", was während elf und mehr Jahren verpasst wurde – ist dann eine nahezu unlösbare Aufgabe.

Selbstredend muss in jedem Land für einen gewissen Anteil an Menschen, deren Kapazitäten weit unter den gefor-

derten liegen, und die auch nicht durch Zusatzmaßnahmen sinnvoll gefördert werden können ein sogenannter 3. Arbeitsmarkt⁹ entstehen, der in einem geschützten Rahmen Beschäftigung mit einem Mindestlohn bietet (z.B. ATI im Rahmen des Revenu Minimum Garanti)

Die Situation der über 50-Jährigen betrifft die Schule nur noch indirekt. Doch kann man bereits in der Schulzeit die Philosophie des life long learning – einer der zentralen Punkte der europäischen Beschäftigungsstrategie – weitergeben und diese als Lehrer vorleben!

Unternehmergeist, Mobilität Flexibilität

Auch in diesem Punkt ist Luxemburg schwach auf der Brust. Man zieht den fest vorgeschriebenen Job mit 100% igen Sicherheiten, mit klar definierten Arbeitszeiten, den Unsicherheiten eines Unternehmer-Daseins vor.

Auch hier wurden eine Reihe von Maßnahmen im Rahmen des PAN geschaffen, die den Zugang zur Betriebsgründung vereinfachen sollen (ohne Meisterbrief nach 6 Jahren Erfahrung etc.). Mittlerweile sind hier auch die Berufskammern, insbesondere die FEDIL aktiv, indem sie „business plans“ prämieren.

Was hat bzw. trägt die Schule dazu bei? Inwiefern werden individuelle Initiativen und eigenständige Vorgehensweisen positiv bewertet? Sollte das Abweichen von geübten Formen sanktioniert werden, müsste man sich die Frage stellen, ob eine solches Vorgehen nicht von Anfang an den Mut zum Risiko unterbindet? Schülervertretung, Schülerzeitung sind wichtige Übungsfelder, die den Jugendlichen die Chance geben, sich coram publico zu äußern, politische Lobby-Arbeit zu betreiben, alles in allem Positionen zu vertreten, die nicht dem Gewohnten entsprechen.

In der Primärschule sollte man beginnen, diese Dinge bereits zu üben.

Der Dienstleistungs-Sektor zählt in Luxemburg, die öffentliche Verwaltung und nicht die Arbeit im Betrieb! Hier kommen sicher viele Dinge zum Tragen: die nicht ausreichende Mobilität und Flexibilität; die absolute Sicherheit in der öffentlichen Verwaltung. In all diesen Dingen sind die Grenzgänger den „Hiesigen“ weitaus überlegen.

Die Schule basiert ja, ähnlich wie die Familie dieses auch tun sollte, auf der Idee, dass Nachahmung der Hauptmotor des Kindes in seiner Entwicklung ist. Doch wie soll die heutige Schule diesen Anreiz bieten, wenn die Lehrer ihrer Schülerschaft ihr komplett abgesichertes Leben vorleben, wohl wissend, dass die zukünftigen Generationen nur noch zu einem geringen Anteil in diesen Genuss kommen werden. Und wie kann eine verbeamtete Lehrerschaft nachzuahmendes Ideal in Sachen Mobilität und Unternehmergeist sein? Wie kann diese gleiche Schule, wenn sie, wie dies in der Primärschule der Fall ist, ihren Kindern Teamarbeit vorleben, wenn die Klassenlehrer komplett isoliert arbeiten, an keiner allgemeinen Strategie beteiligt sind, zum Beispiel auf der Ebene eines Schulgebäudes?

Das gesamte englische Schul- und Universitätssystem ist hier der Gesellschaft „draußen“, sprich der Wirtschaft sehr viel näher: Angebot und Nachfrage regeln diesen Markt; man bewirbt sich an verschiedenen Stellen; man erhält eine „offer“ oder eine Absage; man nimmt die „offer“ an oder nicht. Das setzt natürlich voraus, dass Alternativen existieren, die eine Bewerbung – neben der geographischen Lage – interessant machen. Der Zugang zu alternativen Schulen ist in diesem Land begrenzt auf die Waldorfschule. Zur Europaschule und den Auslandsschulen gibt es keinen „automatischen“ Zugang; zum Teil schließen beachtliche Schul-

Schulgelder eo ipso einen Teil der Bevölkerung aus.

Schluss

Alles in allem ist es erstaunlich, dass der PAN noch nicht dringender auf Reformen der Schule drängt. Interessanterweise sind europäische Programme für Arbeitslose mittlerweile so organisiert, dass bereits schulische Aktivitäten mit aufgenommen werden können, und nicht ohne Grund: Ziel ist es, so früh wie möglich soziale Ungerechtigkeiten aus dem Wege zu räumen und die Schüler auf ihr zukünftiges Berufsleben vorzubereiten. Um es krass auszudrücken: Die erste Chance für den Staat liegt in der Spielschule!

Claudia Hartmann-Hirsch

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