United Colors of Money

Welche Farbe hat Geld in Luxemburg?

Dieser Inhalt wurde anhand eines gescannten Dokuments mithilfe von optischer Zeichenerkennung (OCR) und künstlicher Intelligenz (KI) digitalisiert. Er kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten.

Kyra Fischbach

Seit dem 4. Juli dieses Jahres ist die Ausstellung Colors of Money in den Ausstellungsräumen des CarréRotondes zu sehen – ein Beitrag zur Reflexion über die Geldwirtschaft, die Teil unseres Finanzsystems ist. Das Konzept der Ausstellung hat sich an der Zeitschrift Colors orientiert (genauer an der Ausgabe 73 „Colors of Money“), der Zeitschrift des italienischen Forschungszentrums für Kommunikation Fabrica, das von der Firma Benetton finanziert wird. Fabrica sieht sich als Experimentierwiese und Sprungbrett für junge Kommunikationsspezialisten. Koordiniert und initiiert wurde die Ausstellung von CarréRotondes. Die inhaltliche Ausführung haben die Italiener übernommen: Fabrica stellte sowohl „Künstler“ wie auch Kuratoren für die Ausstellung. Aus dem Magazin wurden 6 der ursprünglich 15 „Farben“ des Geldes aufgenommen; es sind die Farben von Substanzen, welche die Analyse eines Geldscheins zum Vorschein gebracht hat: Öl, Mikroben, Erde, Metall, Zellulose, Schweiß. Die Konzeption der Ausstellung folgt den Farben und somit der Aufmachung des Magazins. Sowohl die Ausstellungsfotos als auch die Graphiken stammen aus Colors und wurden durch Objekte ergänzt: ein Springbrunnen, ein Briefkasten, Postkarten, die Porträts der auf den Geldscheinen abgebildeten Persönlichkeiten usw.

Die Fotos erinnern zum Teil an die berühmterüchtigten Werbekampagnen von Oliviero Toscani, der mit seinen Schockbildern für Benetton bekannt wurde. Ästhetisch harmonisch, auch wenn die Inhalte schockierend sind. Und kein geringerer als Toscani hat 1994 zusammen mit Luciano Benetton Fabrica gegründet.

Die Ausstellung wurde bereits kritisch kommentiert. In verschiedenen Medien wurde die Oberflächlichkeit beanstandet, andere diagnostizierten gar eine Form der Anbetung des Geldes. Manche Kommentatoren blieben bewusst an der Oberfläche der Ausstellung.

Das Nebenprogramm: Geld verändert sich und verändert

Die Ausstellung sollte nicht isoliert betrachtet werden. Initiator Robert Garcia betont die Wichtigkeit einer kontroversen Debatte über Geld in Luxemburg. Daher wurde ein Rahmenprogramm

zusammengestellt. Sowohl Befürworter wie Kritiker des aktuellen Finanz- und Wirtschaftssystems sollen zu Wort kommen. Wenn von Geld geredet wird, stellen sich immer auch die Fragen: Woher kommt es? Wohin fließt es? Wer hat welches und wer nicht?

Die drei ersten Veranstaltungen haben zum Zeitpunkt des Erscheinens dieser forum-Ausgabe bereits stattgefunden. Doch die Möglichkeit, sich über die jeweiligen Themen zu informieren, bleibt. So z. B. bietet die Homepage der Schweizer Grundeinkommensinitiative Einblicke in das Konzept „bedingungsloses Grundeinkommen“ (29. September: Film-Essay von Enno Schmidt und Daniel Häni).

Vielleicht ist nun der Zeitpunkt gekommen, um zu fragen: Welche Funktion hat Geld ursprünglich in der Gesellschaft? Georg Simmel meinte bereits 1900 in seinem Werk Philosophie des Geldes, dass nur noch das wertvoll für die Menschen sei, was einen Geldwert besitze. Diese Auffassung des Geldes bleibt letztlich in der Logik der bloßen Existenzsicherung stecken. „Zuerst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“ Wenn die Dinge nur nach ihrem Geldwert bemessen werden, kommen wir nie bei der „Moral“ an. Dann gibt es nur Knappheit und das Rennen um mehr. Viele zerstörerische Prozesse, die uns nun zu schaffen machen, rühren von daher.

Wenn die Existenz aber bereits gesichert ist, könnte der Mensch sich vermehrt auch um die Selbstentfaltung sorgen und somit eine Arbeit verrichten, von der er das Gefühl hat, dass sie sinnvoll für ihn ist.

Klimawandel bringt Geld

Geld spielt in der Klimadebatte eine entscheidende Rolle. Zumindest seitdem die CO₂-Emissionen einen Geldwert bekommen haben. Dietmar Mirkes thematisierte in seinem Vortrag „Yasuni und Kyoto“ (28. September) den Emissionshandel und stellt mit einem ecuadorianischen Projekt im ölreichen Nationalpark „Yasuni“ eine Alternative vor. Die indigene Bevölkerung kam mit der Idee, auf die Erdölförderung zu verzichten und somit CO₂-Emissionen einzusparen, im Gegenzug erwarten sie sich von der internationalen Gemeinschaft 50 % der Gewinne, auf die sie verzichten.

Ob die Veranstaltungen den Beginn einer angeregten gesellschaftlichen Debatte über das Geld darstellen oder ob sie nur als folgenlose „kulturelle“ Illustration eines Themas dienen werden, wird sich zeigen.

etika: das „alternative“ Sparbuch

Die einzige konkrete „Geldalternative“ in Luxemburg ist die a.s.b.l etika (Initiativ für Alternativ Finanzierung). In Zusammenarbeit mit der luxemburgischen Sparkasse bietet etika ein ethisches Sparbuch an. Die Spareinlagen dienen dazu, alternative Projekte zu finanzieren. Dass etika sich am Programm beteiligt, scheint demnach logisch. Der Verein versteht sich als Impulsgeber für den ethischen Umgang mit Geld. Die Veranstaltung „Wer wird Visionär?“ hat bereits am 1. Oktober stattgefunden, eine weitere ist auf den 14. Oktober um 20.30 Uhr in der Cinémathèque mit dem Film Let’s make money angesetzt.

„Lassen Sie Ihr Geld arbeiten.“

Dies war die Devise der vergangenen „fetten“ Jahre, das verführerische Schlagwort vieler Banken, um Kunden anzulocken. Die Frage, für wen das Geld arbeitet, wurde meist ausgeklammert. Der Filmmacher Erwin Wagenhofer, Regisseur und Produzent von We feed the world, geht in Let’s make money den Geldtransfers nach und beschäftigt sich mit der Frage, wie die Weltwirtschaft funktioniert. Den richtigen Riecher hatte der Filmmacher bei der Auswahl des Themas: Der Film wurde noch vor dem eigentlichen Ausbruch der gegenwärtigen Krise gedreht. Zum Anlass der Vorführung des Films am 14. Oktober wird John Christensen, Entwicklungsökonom, Experte für Steuerflucht und Protagonist des Dokumentarfilms, für eine Diskussion bereit stehen.

Kein Geld

Wenn es um Geld geht, stellt sich immer auch die Frage: wer hat Geld und wer hat keines? Am 6. Oktober organisieren Caritas und ASTM im CarréRotondes einen Theaterabend zum Thema Armutsbekämpfung. Zu Gast ist die französische „Compagnie la Tribouille“ mit dem Stück Contes de la richesse aus der Trilogie Le radeau de la monnaie. Die Texte stammen von dem französischen Autoren und Philosophen Patrick Viveret, der sich mit

der Umverteilung des Reichtums, dem Wert der Zeit und der Kultur beschäftigt. Das Theaterstück beleuchtet die komplizierten Beziehungen zwischen Geld und Mensch.

Finanzströme aus dem Süden

Am 13. Oktober steht ab 20 Uhr das delikate Thema der Finanzflüsse, die von Süden aus in den Norden fließen, Geldtransfers, die auch unter dem Namen Steuerflucht bekannt sind, auf der Tagesordnung. Die Konferenz im CarréRotondes behandelt u. a. die Frage der öffentlichen Debatte. Dazu wird der Schweizer Peter Niggli die Situation in der Schweiz erläutern, außerdem kommt wiederum John Christensen zu Wort. Letzterer befasst sich mit den Strömen, die von Norden in die Entwicklungsländer fließen. Wir sind gespannt darauf, wer an diesem Abend über die Situation in Luxemburg sprechen wird …

Am 21. Oktober um 20 Uhr wird ABBL-Direktor Jean-Jacques Rommes der Frage nachgehen, ob Ethik und Geld im Widerspruch zueinander stehen; der Vortrag mit anschließender Diskussion wird von der Gruppe éthico organisiert.

Über Geld spricht man in Luxemburg nicht

Ob die Veranstaltungen den Beginn einer angeregten gesellschaftlichen Debatte über das Geld darstellen oder ob sie nur als folgenlose „kulturelle“ Illustration eines Themas dienen werden, wird sich zeigen. Es gäbe in Luxemburg Einiges in punkto Geld zu besprechen.

Das Debakel um Rainer Falks Studie über Steuerflucht hat gezeigt, dass die Debatte um Geld in Luxemburg überfällig ist. Das Videoprojekt „Local Money Visions“ von Govinda van Maele im Rahmen der Ausstellung macht es noch deutlicher: das Thema „Luxemburg als Steuerparadies“ scheint von öffentlicher Seite immer noch gemieden zu werden. Kein luxemburgischer Politiker erklärte sich bereit, auf bestimmte Fragen des Künstlers zu antworten, kein politischer Mandatär wollte Stellung beziehen.

Das Bewusstsein der Bürger hingegen scheint sich im Wandel zu befinden. Zumindest der Bürger, die sich zu gesellschaftlichen Themen engagieren und organisieren. Ob die breite Öffentlichkeit daran interessiert ist, wird die Beteiligung am Rahmenprogramm der Ausstellung zeigen (oder auch nicht). Schlussendlich geht es auch um die Umsetzbarkeit von alternativen Modellen wie „ethischen“ Banken oder von Konzepten wie dem Grundeinkommen.

Komplette Übersicht der Veranstaltungen: www.rotondes.lu (OPENSPACES, Agenda)

Als partizipative Debattenzeitschrift und Diskussionsplattform, treten wir für den freien Zugang zu unseren Veröffentlichungen ein, sind jedoch als Verein ohne Gewinnzweck (ASBL) auf Unterstützung angewiesen.

Sie können uns auf direktem Wege eine kleine Spende über folgenden Code zukommen lassen, für größere Unterstützung, schauen Sie doch gerne in der passenden Rubrik vorbei. Wir freuen uns über Ihre Spende!

Spenden QR Code