Unter dem Pflaster liegt das Archiv
Zur Lage der Stadtarchäologie in Luxemburg
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folmer
Unter dem Pflaster liegt das Archiv
Zur Lage der Stadtarchäologie in Luxemburg
Man stelle sich mal vor, einer will das Staatsarchiv in Brand stecken oder ins Stadtarchiv einbrechen, um wertvolle Urkunden zu stehlen. In beiden Fällen hätte er seine liebe Mühe, seine Freveltat zu vollbringen: Beide Archive sind in bombensicheren Gebäuden untergebracht, ersteres zusätzlich mit modernster Elektronik gesichert, und die wertvollsten Bestände sind jeweils in regelrechten Bunkern innerhalb der Archivgebäude gelagert. Würde der Missetäter seine Tat trotzdem vollbringen, der Zorn der öffentlichen Meinung und der Politiker aller Schattierungen wäre ihm gewiß, und er würde, einmal erwischt, zu hohen Strafen verurteilt.
Was in dieser Story absolut irrel aussieht, ist in Luxemburg seit wenigen Jahrzehnten tägliche Wirklichkeit! Täglich werden in luxemburgischen Städten wertvollste Archivbestände zerstört, ohne daß irgendein Politiker danach kräht, ohne daß ein Aufschrei der Entrüstung zu hören ist, wenn man von den verärgerten, aber desillusionierten Protesten von Vereinigungen wie "Jeunes et Patrimoine" oder "Stopp de Bagger" absieht. Die Erklärung für diese Gelassenheit gegenüber der Zerstörung ganzer Archive liegt darin, daß in ihnen keine Textquellen, sondern materielle Quellen aufbewahrt werden: Gemeint sind die unter dem Boden, unter dem Stra-
Erst die Stadt-archäologie erlaubte dem Historiker eine Geschichtsschreibung aus der Perspektive des kleinen Mannes.
ßenpflaster, in den Kellern der Häuser schlummern- den Überreste aus früheren Jahrhunderten.
Diese "unterirdischen Archive" enthalten wichtige Informationen über unsere Vergangenheit, über das bauliche Aussen einer Stadt oder eines Stadtvier- tels, einer Burg, über Einrichtungen des Handels und des Verkehrs, über das Alltagsleben ihrer Bewohner, über die Arbeitsweise der Handwerker, über die soziale Struktur der Wohnhäuser, über die verwen- deten Materialien und ihre manchmal ferne Her- kunft, über die Einführung neuer Verteidigungstech- niken aufgrund neuer Angriffswaffen, über… Die meisten dieser Informationen sind in Textquellen, die in den eingangs erwähnten Archiven aufbewahrt werden, nicht zu finden. Der Städtetag Nordrhein-Westfalen hielt daher in einer Empfehlung zur Bo- dendenkmalpflege am 29.1.1992 fest: "Archäologi- sche Geschichtszeugnisse sind von höchst eigener unersetzlicher Qualität. … Die Überlieferung der ar- chäologischen Zeugnisse ist nicht bestimmt von den Vorstellungen der Menschen, was sie für aufschrei- bens- oder der Erhaltung zugunsten der Nachwelt für wert halten. Bodenurkunden überliefern das, was Zeitgenossen wegwarfen, des Aufbewahrens nicht würdig hielten; das, was aus verschiedenen Gründen entfernt, abgerissen oder verändert wurde."
Zurecht wurde dem schulischen Geschichtsunter- richt lange Zeit der Vorwurf gemacht, nur die Ge- schichte der Kaiser und Päpste zu behandeln und die Geschichte des kleinen Mannes zu vergessen. Die Er- klärung ist einfach: Unterschichten sind schriftlos, und das tägliche Leben produziert keine Textquellen. Erst die langsame Entwicklung der Stadtarchäologie – im Ausland wohlgemerkt – brachte dem Historiker
Informationen, die ihm eine Geschichtsschreibung aus der Perspektive des kleinen Mannes erlauben.
Eine derartige Geschichtsschreibung wird in Luxem- burg aber wahrscheinlich nie möglich werden. Na- türlich ist jede Stadt einem ständigen Wandlungspro- zeß ausgesetzt. Jede Generation baut neu, baut um, greift ein in die ererbten Baustrukturen. Doch keine Generation zerstörte im "Tatort: Stadt" (Jürgen Kunow) die überkommene Bausubstanz so gründlich bei Neubauten wie die unsrige. Heute fressen sich die Bagger viel tiefer in den Boden hinein, bis in den gewachsenen Felsen, und lassen keine Spuren ver- gangener Generationen mehr übrig. Früher wurden bestehende Häuser eher umgebaut als abgerissen, und wenn sie doch zerstört wurden, dann wurde selten der Schutt völlig weggeschafft, sondern eher darauf neu aufgebaut. Strukturen, die in die Tiefe gingen, wie Brunnen oder Kloaken, wurden zuge- schüttet, aber nicht weggeräumt. Auch der Straßen- verlauf wurde selten durch Neubauten verändert. Heute gehen solche Strukturen durch den Baggerein- satz unwiederbringlich verloren. Die größten Gefah- ren drohen heute nicht vom Hochbau, sondern vom Tiefbau, der auch vor bisher unangetasteten Plätzen nicht haltmacht. Dabei sind gerade Plätze in einer Stadt von besonderem Interesse für den Archäolo- gen: Entweder sie stammen schon aus dem Mittelal- ter, wie der Platz vor der St.-Michels-Kirche oder vor dem großherzoglichen Palast, und beinhalten unter Tage vor- und frühstädtische Siedlungsstrukturen, oder sie wurden, wie etwa die "Place d’Armes" oder die Esplanade hinter der Neumünsterabtei, in der Neuzeit geschaffen, und ihr Untergrund enthält mit- telalterliche Stadtviertel als Bodenurkunden.
Bei Straßenbauarbeiten 1988-1989 im Pfaffenhaler Berg rutschte der Boden den Abhang hinunter und legte Keller aus dem 14.-18. Jahrhundert frei. Es kam anschließend zu einer der ertragreichsten Grabungen auf dem Gebiet der Haupt- stadt. Das Areal rechts daneben wurde ein Jahr später von der Straßenbauverwaltung weggebaggert, ohne die Ar- chäologen zu verständigen. (Photo: Musée National d’Histoire et d’Art)
Schlimm ist, daß selbst staatliche Denkmalschützer zur Zerstörung historischer Bausubstanz beitragen, indem sie entweder nur die Fassade für erhaltenswürdig klassieren und dem Bauherrn das Recht zur völligen Entkernung des Gebäudes geben, ohne vorige archäologische Bestandsaufnahme (Bsp.: Ilot Clairefontaine, Ilot du Rost, Conrots Eck, …), oder indem sie zur angeblichen Verschönerung archäologische Quellen zerstören lassen. Denkmalschutz gehorchte in Luxemburg bislang exklusiv ästhetischen, aber nicht historisch-wissenschaftlichen Kriterien. Negativ muß auch bewertet werden, wenn etwa das Denkmalschutzamt, im Hinblick auf das berüchtigte Jahr 1995, pseudo-historische Restaurationen wie an der Wenzelsmauer im Grund vornimmt, damit aber einerseits viel Geld verschleudert, das für sinnvolle archäologische Untersuchungen, z. B. im Hof der Neumünsterabtei, am Fuß derselben Wenzelsmauer, fehlt, und andererseits beim Politiker den Eindruck vermittelt, es geschehe ja was in Sachen Archäologie. Dabei werden in Wirklichkeit nur Kulissen für eine Disneyland-Landschaft errichtet, die komischerweise in vielen Städten des In- und Auslands dieselbe ist. Ohne vorausgehende Forschung muß man sich fragen, was denn "restauriert" (wiederhergestellt) wird.
Es gibt sogar – immer häufiger – Beispiele, wo der Staat selbst unter Denkmalschutz stehende Gebäude abreißt oder entkernt bzw. geschützte archäologische Areale mit Gräben durchzieht: das "Ilot du Rost", die Mühle in der Plättisgasse in Stadtgrund, die Neumünsterabtei bzw. das mittelalterliche Stadtviertel unter der Esplanade zwischen Abtei und "Tutesall", … oder auch, auf kommunaler Ebene, das neue stadthistorische (!) Museum in der Hl.-Geist-Gasse. Einerseits werfen solche Schandtaten die Frage auf, warum es bei der staatlichen und städtischen Bauverwaltung nicht auch einen eigenen Archäologen gibt, wie das vorbildhaft seit einiger Zeit bei der Straßenbauverwaltung der Fall ist. Andererseits ist aber auch die Frage gestellt nach der Wirksamkeit der Gesetze: Wieso wurde der Staatsanwalt noch nie beauftragt, die im Denkmalschutz vorgesehen Strafen gerichtlich verhängen zu lassen? Warum kontrolliert die nationale Denkmalschutzkommission nicht die Einhaltung der von ihr bei Bauprojekten vorgeschriebenen Auflagen? Mülte nicht in diesem Bereich wie beim Umweltschutz Privatorganisationen das Klagerecht im Interesse der Allgemeinheit zugestanden werden? Fragen, denen wir in einem Interview mit deren Präsidenten Jean-Pierre Dichter nachgegangen sind.
Was man von einer wissenschaftlich organisierten, systematisch betriebenen Stadtarchäologie erwarten kann, erklärt Johnny de Meulemeester in seinem Beitrag. Der Autor ist ein in Belgien durch wissenschaftliche Publikationen ausgewiesener Spezialist für mittelalterliche Stadtarchäologie, der die in der Neumünsterabtei vorgesehenen archäologischen Grabung leiten soll, die – wie "forum" schon mehrfach berichtete – ein ganzes Stadtviertel aus dem Mittelalter an den Tag zu bringen verspricht. Seit dem 1. März ist er aber entlassen: Besteht in Luxemburg offiziell kein Bedarf mehr für einen Stadtarchäologen, soll das Restaurierungsprojekt in der Neumünsterabtei (vgl. "forum" Nr. 142) ohne vorige archäologische Untersuchung durchgezogen werden?
Die derzeitige Lage der Stadtarchäologie in Luxemburg schildert Michel Margue in einem Beitrag, den er erstmals bei einem wissenschaftlichen Kolloquium der "Université libre de Bruxelles" im Dezember vergangenen Jahres vorgetragen hat. Die dortigen Zuhörer waren natürlich entsetzt zu hören, daß für manche Fragen Luxemburg ein weißer Fleck auf der archäologischen Karte bleiben wird, weil hier einfach die Archive weggebaggert werden. Sicher sind auch andere Staaten mit ähnlichen Problemen konfrontiert, doch einerseits gibt es dort meistens Alternativbeispiele, wenn eine Stadt als Forschungsobjekt ausfällt. Und andererseits sind selbst bei finanziell weitaus angespannterer Lage, wie etwa in Belgien, die archäologischen Grabungsdienste immer noch besser ausgestattet als bei uns. Dem wahlonischen Grabungsdienst stehen für eine Fläche von 16 844 km² 70-80 Millionen Franken zur Verfügung: umgerechnet auf die Luxemburger Fläche müßten den hiesigen Archäologen 12,3 Millionen zur Verfügung stehen. "forum" veröffentlicht positive Gegenbeispiele aus Nordrhein-Westfalen und Frankreich.
Stadtarchäologie muß aber keineswegs teuer zu stehen kommen. Sie muß für die Baupromotoren nicht einmal ernsthafte Verzögerungen mit sich bringen. Das Beispiel der Großbaustelle in Diekirch, wo das Staatsmuseum 1991-92, z. T. mit sensationellen Ergebnissen, eine mehrere Monate dauernde Grabung durchführen konnte, beweist es. Auch die Straßenbauverwaltung, die seit wenigen Jahren einen eigenen Archäologen beschäftigt, der den Autobahnbau systematisch überwacht, kann nur Positives über diese Erfahrung berichten. (Zur Zeit wird z. B. auf dessen Intervention hin ein keltischer Bauernhof am zukünftigen Verteiler der "Collectrice du Sud" an der "Biff" in Niederkerschen ausgegeben.)
Beim Bau der Tiefgaragen "Knuedler", St.-Maximin-Platz und Hl. Geist in der Stadt Luxemburg, deren Planung ganz sicher nicht weniger Zeit in Anspruch nahm als das Diekircher Projekt, oder beim Umbau des St. Johann-Spitals zum neuen naturhistorischen Museum, der bekanntlich bald ein ganzes Jahrzehnt dauert, sind hingegen nicht wiederholbare Chancen verpaßt worden. Es ist einfach unverständlich, daß an allen diesen Stellen so wenige Fundobjekte zutage gekommen sind, obschon sie innerhalb der mittelalterlichen Stadt, z. T. im Stadtgraben bzw. am Ort früherer Klöster, lagen, die kaum bis unter den Boden abgerissen worden waren.
Daß daneben auch wissenschaftliche Grabungen erfolgen müßten, die längere Zeit in Anspruch nehmen, müßte selbstverständlich sein. Das ganze Viertel um den heutigen Fischmarkt müßte dazu zur Verfügung stehen. Daß das aber keineswegs die Absicht der Regierung ist, zeigt Jemp Kunnert am Beispiel eines im Oktober 1992 deponierten Gesetzesprojektes. Warum wird die aktuelle, zwei Jahre dauernde Schließung des Krautmarkts nicht genutzt, um nach den Resten des mittelalterlichen "novum forum", des Neumarkts, und der St.-Nikolaus-Kirche zu suchen? Und die Öffentlichkeit hat durchaus Verständnis für solche Maßnahmen: Der Publikumserfolg bei Führungen durch Grabungen des Staatsmuseums, etwa beim Theater in Dalheim oder bei der Römervilla in Walferdingen oder beim Tempelbezirk in Bastendorf, war dafür stets ein beredtes Zeugnis.
Es gibt sogar Beispiele, wo der Staat selbst unter Denkmalschutz stehende Gebäude abreißt oder entkernt bzw. geschützte archäologische Areale mit Gräben durchzieht.
Das Dossier
will eine
Lanze
brechen für
eine Berück-
sichtigung
der Belange
der Stadt-
archäologie
und der Stadt-
geschichts-
forschung
bei der
zukünftigen
Stadtplanung.
Wenn die Lage in Luxemburg so außerordentlich
schlecht ist, hat das mehrere Gründe:
-
Die Gesetzgebung ist den Erfordernissen der
Stadtarchäologie bzw. der Stadtgeschichtsforschung
nicht angepaßt. Entsprechende Änderungsvorschlä-
ge sollen am Schluß des Dossiers erörtert werden. -
Insbesondere fehlt es an kommunalen Grabungs-
diensten, wie sie im Ausland gang und gebe sind.
Und die Bedenken, die unten von der hauptstädt-
schen Bürgermeisterin diesbezüglich geäußert
werden, lassen kaum eine baldige Initiative in dieser
Richtung erwarten. -
Ihre Aussagen u.a. zeigen, daß Politiker und Öf-
fentlichkeit noch ungenügend sensibilisiert sind.
Dazu will die "forum"-Redaktion mit dem vodie-
genden Dossier ihren Beitrag leisten. Dieser Mangel
hängt aber auch an der fehlenden Veröffentlichung
der Grabungsergebnisse in Fachzeitschriften und
Ausstellungen fürs große Publikum durch die Ar-
chäologen selbst. Die ertragreichsten Notgrabungen
auf dem Gebiet der Stadt Luxemburg, die 1988-89
im Pfaffenthaler Berg durchgeführt werden mußte
oder jene im Ilot du Rost (1990-91), sind bis heute
nur zum Teil wissenschaftlich aufgearbeitet und pu-
bliziert. Das gehört aber auch zu den Aufgaben des
Archäologen. Auch die archäologische Abteilung im
Staatsmuseum hat Staub angesetzt. (Diesbezüglich
gibt es allerdings einen Hoffnungsschimmer: Ein
vom Staatsmuseum eingereichtes Projekt, im
Rahmen der Neugestaltung der Neumünsterabtei das
"Criminel"-Gebäude zum archäologischen Museum
umzufunktionieren (und das Gebäude am Fischmarkt
der Kunstabteilung und dem Museum über "La vie
luxembourgeoise" vorzubehalten), ist anscheinend
bei der Regierung mit Wohlwollen aufgenommen
worden, nachdem der Staatsrat ihr erstes Projekt ja
heftig kritisiert hatte. -
Da fürs ganze Land nur zwei beamtete Archäolo-
gen zur Verfügung stehen, sind diese natürlich mit
Notgrabungen derart überlastet, daß sie keine publi-
zistische und keine museologische Arbeit verrichten
können (oder höchstens auf ihrem jeweiligen Fach-
gebiet). Insofern gehört viertens und wohl entschei-
dend zu den Ursachen der miesen Lage der Stadtar-
chäologie der ungenügende Personalkader des staat-
lichen Grabungsdienstes. Gelegentlich wird zwar auf
erfahrene Mitarbeiter des Denkmalschutzamtes zu-
rückgegriffen, doch Bodendenkmalpflege und Bau-
denkmalpflege sind zwei Paar Schuhe, und diese
Mitarbeiter sind – bei aller Anerkennung ihrer Ver-
dieniste – keine Archäologen. Und es fehlt an ausge-
bildeten, erfahrenen Arbeitern, die den Archäologen
für den praktischen Teil der Arbeit im Graben zur
Seite stehen; beim besten Willen können zwei bei
einer Baufirma ausgeliehene Helfer keine Facharbei-
ter ersetzen.
Die "forum"-Redaktion hofft natürlich immer
wieder, mit ihren Dossiers Denkanstöße zu vermit-
teln, die auch in der Praxis, z. B. bei den politisch
Verantwortlichen, ein Umdenken bewirken und auf-
gedeckte Mißstände beseitigen helfen. Vielleicht ist
das diesmal der Redaktion schon während des Re-
cherchierens gelungen. Im Staatsmuseum fand unser
Vorhaben nämlich einen solchen Anklang, daß der
Direktor eigens eine Reihe in Luxemburg an stadtar-
chäologischen Fragestellungen Interessierte – Gra-
bungsdienst, Denkmalschutzamt, Centre luxembour-
geois de Documentation et d’Etudes médiévales – zu
einem runden Tisch einlud, der zweifellos fruchtbare
Anregungen brachte. Viele Aussagen des voriegen-
den Dossiers beruhen demnach auf einem breiten
Konsens unter Fachleuten. Auch der Präsident des
Denkmalschutzkommission und die Stadtbürgermei-
sterin Lydie Würth-Polfer waren anstandslos zu
einem Gespräch bereit. Und ausländische Fachleute
wie der Inspektor der wallonischen Grabungsdienste
André Matthys steuerten Dokumentation über die
dortige gesetzliche Lage bei. Ihnen allen wie den
Gastautoren sei recht herzlich für ihre Mitarbeit
gedankt. Um irgendwelchen Mißverständnissen vor-
zubeugen, sei auch mit aller Klarheit festgehalten:
Dieses Dossier erhebt in keinster Weise Anklage
gegen die unter schwierigsten Bedingungen arbeiten-
den Archäologen und ihre Helfer. Die Kritik gilt den
Strukturen, den politischen Versäumnissen. Das
Dossier will eine Lanze brechen für eine Berücksich-
tigung der Belange der Stadtarchäologie und der
Stadtgeschichtsforschung bei der zukünftigen Stadt-
planung.
m.p.
Was Stadtarchäologie alles leisten kann, wird die
Ausstellung "Stadtluft, Bettelmönch und Hirsebrei"
zeigen, die im Rahmen des im Aufbau begriffenen
historischen Museums der Stadt Luxemburg im
Oktober 1994 im "Tutesall" zu sehen sein wird. Die
Ausstellung "Spurensicherung. Archäologische
Denkmalpflege in der Euregio Maas-Rhein", die bis
vor kurzem in Brüssel zu sehen war und demnächst
in Maastricht ihre Tore öffnet, wird entgegen der An-
kündigung im Katalog nicht in Luxemburg zu sehen
sein: sie war dem Kulturministerium zu teuer. Die po-
litisch-administrativen Fundumstände, die bei jedem
Beispiel angegeben werden, hätten angesichts der
Luxemburger Verhältnisse wohl auch zu sehr für
Zündstoff gesorgt.
"Da es sich bei Städten und Dörfern um sehr lebendige, auch von der Gegenwart angenommene
Gebilde handelt, muß ihre ständige Erneuerung akzeptiert werden, damit das Gemeinwesen le-
benswert bleibt und seine Existenz auch für die Zukunft sichern kann. Dieser sich dauernd vollzie-
hende Wandel ist … darauf angewiesen, Vergangenes in Substanz und Struktur aufzunehmen und
es, soweit es lohnenswert erscheint, mit sich zu tragen, das aber aufzugeben, was unbrauchbar ist
oder zumindest vom gegenwärtigen Standpunkt aus als überflüssig erscheint."
(Gabriele Isenberg)
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