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"Und das bringt mich dazu zu sagen, daß ein Werk vollständig von denjenigen gemacht wird, die es betrachten oder es lesen und die es durch ihren Beifall oder sogar durch ihre Verwerfung überdauern lassen."
Marcel Duchamp, 1956
Warum Kunst, warum Architektur? Warum diese Themen in der Zeitschrift forum? Fragen, die aus dem Leserkreis vermehrt zu vernehmen waren. Zunächst ließe sich die Frage ganz profan und pauschal beantworten: Weil beide Phänomene zu unserem täglichen Leben gehören. Die Kunst, weil sie dem Gegenwartskontext entspringt und diesen beleuchtet, reflektiert oder hinterfragt und die Architektur, weil sie ein Spiegel unseres ganz alltäglichen Lebens ist, uns fortwährend umgibt und somit beeinflußt, positiv wie negativ.
Obwohl dies so ist, kann nicht automatisch rückgeschlossen werden, daß jeder das Bedürfnis empfindet, sich mit Fragenkomplexen, die mit Kunst und Architektur verbunden sind, auseinanderzusetzen. Allerdings erscheint es der für diese Rubriken verantwortlichen Redakteurin, ebenso wie den anderen Redaktionsmitgliedern, durchaus erstrebenswert den forum-Leser für diese Themenkomplexe zu sensibilisieren. Wenn möglich soll dies nicht in der in Luxemburg nur allzu häufig zu beobachtenden Form einer eher unbeteiligten Wiedergabe von Ereignissen geschehen, sondern in einer deutlich kritischen und hinterfragenden Form, entsprechend dem Pulitzer-Motto "Der wahre Kritiker darf keine Freunde unter den Künstlern haben". Die Kritik in forum sollte somit unabhängig sein, agiert demzufolge nicht im Netzwerk bestehender Abhängigkeitsstrukturen und bezieht eine klare Gegenposition zu den landesintern so beliebten, aber nichts desto trotz
aussagelosen Gefälligkeitskritiken. Derart könnte es vielleicht gelingen, den Widerspruchwillen der Leser zu kitzeln und in eine Debatte darüber einzutreten.
Dem entspringt ein weiterer Anspruch der erwähnten Rubriken, und zwar den Leser zu interessieren oder ihn über Sachinformationen zur Mitsprache in
den Bereichen Kunst und Architektur zu bewegen. Dazu gilt es, die im Land existierende Schweigemauer zu durchbrechen, hinter der interne Produktionen verschanzt werden. Schweigen, weil nicht diskutieren, nicht kritisieren, nicht be- und hinterfragen. Nur eine gegenläufige Position könnte ein Verwerfen oder Annehmen gewährleisten entgegen einer bloß deskriptiven Beschreibung, die gleich einem Schweigen die Auseinan-
dersetzung verhindert und das künstlerische wie architektonische Geschehen ohne Kontext beläßt. Dies kann nicht ausschließlich im Rahmen der ausschließlich in Luxemburg stattfindenden und publizierten Events geschehen. Ganz bewußt soll der Kontext, wenn es erforderlich ist, die Landesgrenzen sprengen: Warum? Um so Vergleichsmöglichkeiten zu schaffen und dem Leser eine Wertung im größeren Kontext zu ermöglichen. Um darüber wiederum den Landesgeschehnissen eine entsprechende Würdigung zuzuführen, die nur in der vergleichenden Ansicht einen allgemeingültigen Stellenwert erlangen kann, die über die Enge der reinen Binnensicht hinausgeht. Zum anderen wird eine landesinterne Debatte über ein Bauwerk oder eine Ausstellung, die im Ausland vielleicht kritisiert wird, dafür sorgen, daß eine legitime Architektur-, bzw. Kunstdebatte, die vielleicht negativ ausfällt, nicht automatisch eine Kritik am Land Luxemburg impliziert, das heißt, es gilt dem immer wieder zu beobachtenden "beleidigten-Leberwurst-Verhalten" entgegenzuwirken über die Etablierung einer Kultur der Kritik.
Erstmalig haben wir uns in dieser Ausgabe zudem entschlossen, das Dossier nicht themeninhärent zu bebildern, sondern mit der fotografischen Wiedergabe von Neuankäufen (aus Platz- und reproduktionstechnischen Gründen mußte eine Auswahl getroffen werden!), die bislang für das Pei-Museum getätigt wurden. Auseinandersetzung erscheint uns nur möglich, wenn zunächst – in diesem Fall mittels der Reproduktionen – beim Leser Neugierde geweckt wird, um vielleicht doch einmal an Ort und Stelle nach den Originalen zu schauen.
Ina Nottrot
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