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ER ledig, katholisch,
SIE geschieden von ihrem evangelischen Mann, selber
auch evangelisch,
werden im katholischen Pfarrhaus vorstellig, möchten
katholisch getraut werden. Der Pfarrer bedauert: "Es
geht nicht, denn das katholische Eherecht erkennt die
Gültigkeit der evangelischen Ehe an und steht auf dem
Standpunkt der Unauflöslichkeit der Ehe, auch der Ehe
zwischen zwei Protestanten."
"PASTORAL" – ein Fremdwort.
Eine Sache von und für Pastoren?
So wurde es lange Zeit gesehen und gehandhabt. Der Pastor, der "Hirte", war der verantwortliche "Seelsorger", zuständig für das Seelenheil der ihm anvertrauten Schafe. Er führte die "Prozession" "seiner" "Pfarrkinder" an, um sie möglichst alle möglichst unversehrt in den Himmel zu bringen. Die gewöhnlichen "Mittel" hierfür waren Gottesdienst, vorab die Sonntagsmesse mit -predigt, Sakramente und der Religionsunterricht. Aussergewöhnliche Mittel waren etwa Wallfahrten, und die alle 10 Jahre stattfindenden Pfarrmissionen, zu denen auch all jene eingeladen wurden, die man für gewöhnlich nicht in der Kirche sah.
Was konnten Geschiedene von dieser Pastoral erwarten?
Wenn sie nicht wiederverheiratet waren, eigentlich alles, was diese Pastoral zu bieten hatte: Beicht und Kommunion, und nach dem Tod ein kirchliches Begräbnis. Waren sie aber wiederverheiratet, so hatten sie so gut wie nichts zu erwarten. Gewiss, es wurde ihnen geraten, fleissig zu beten und sonntags zur Kirche zu kommen, wollten sie jedoch "mehr", kommunizieren zum Beispiel, so wurde ihnen gesagt, sie seien zwar nicht exkommuniziert, doch an der Kommunion dürften sie nicht teilnehmen, solange sie ihr sündhaftes Verhältnis nicht aufgeben. Zum mindesten wurde von ihnen verlangt, mit ihrem derzeitigen Partner wie "Bruder und Schwester" zusammenzuleben, dann könnten sie auch mal zur Kommunion gehen, allerdings nicht dort, wo sie bekannt waren, sondern, des Ärgernisses wegen, das ihre Kommunion sonst bei den Gläubigen erregen würde, in einer fremden Kirche. Starb so ein Wiederverheirateter ohne Zeichen der Reue gegeben zu haben, wurde ihm das kirchliche Begräbnis verweigert. Es ist zu bemerken, dass im Laufe der Jahre, als es immer mehr wiederverheiratete Geschiedene gab, schon die Anfrage des kirchlichen Begräbnisses als Zeichen der Reue angesehen wurde. Die Praxis wurde laxer als die Rechtsnormen. Doch auch dies ist ein Kennzeichen der oben skizzierten Pastoral: strenge Gesetzesvorschriften wurden erlassen, die aber im konkreten Einzelfall dann doch nicht angewendet wurden. Zu entscheiden hatte der Pfarrer, der in dieser Pastoral die Hauptrolle spielte.
Gibt es eine andere Pastoral?
Das 2. Vatikanische Konzil hat versucht, dem Wort "Pastoral" seinen ursprünglichen Sinn wiederzugeben. Der Pastoral- oder Hirtendienst, der ja eigentlich ein
Sammler- und Einigungsdienst ist, gehört zur Aufgabe der ganzen Kirche. Sie sollte als Ganze, wie es im 1. Artikel, 1. Kapitel, 2. Satz der dogmatische Konstitution über die Kirche heisst: "Zeichen und Werkzeug" sein "für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit". Das dürfte man vielleicht so unschreiben: jeder, der Freude gefunden hat an der guten Nachricht, die Gott uns durch Jesus Christus sagen liess, wird seinen Freudefunken mit dem der anderen, die ebenfalls Freude daran gefunden haben, zusammenhalten, so dass ein Freudenfeuer entsteht, das anderen Menschen in ihrer Orientierungslosigkeit ein Zeichen gibt, wo ein Sammelplatz zu finden ist. Unaufdringlich, doch unübersehbar soll die ganze Kirche Zeichen sein, das Menschen zusammenführt. Das ganze "Volk Gottes" – und nicht nur die Bischöfe und Priester – nimmt teil am profetischen wie am priesterlichen Dienst Jesu Christi. Wenn wir nun bedenken, dass Profeten Leute sind, die ihren "Empfänger" genauer auf die "Wellenlänge Gottes" eingestellt haben, als andere Menschen, wenn wir weiterhin bedenken, dass Priester Leute sind, die anderen Menschen einen Zugang zur Welt Gottes offenhalten, dann bekommt das Wort vom Sakrament der Bischofs- und Priesterweihe ebenfalls seinen ursprünglichen Sinn zurück. Dann sind Bischöfe und Priester Zeichen in dem und für das Kirchenvolk, die es dauernd auf seine eigene profetische und priesterliche Aufgabe hinweisen, und zugleich sind sie Werk-
BERATEN – HELFEN
Nicht der Pfarrer ist der gute Berater,
der ja selber ein gestörtes Verhältnis
zu Partnerschaft, Liebe und Ehe hat!
Er sieht Ehe idealisiert einerseits,
funktionieren müssend andererseits.
Dringend benötigt
für Menschen in seelischer Not:
Beratungsstellen
Gesprächspartner
Familientherapeuten
Familienberatung
Eheberatung
Präventives Lernen
Lernen zu streiten
Lernen über Probleme zu sprechen
Lernen mit Problemen umzugehen
Lernen Entscheidungen zu treffen.
Nicht sentimentales Mitfühlen
oder moralisches Zureden
ist gefragt.
karin jahr
zeuge für das ganze Kirchenvolk, die es befähigen seine profetische und priesterliche Aufgabe zu erfüllen. Damit ist ‚freflich‘ der Versuch gemacht, eine Vorstellung vom Pastoraldienst, wie sie seit Konstantin gewachsen ist, auf den Kopf zu stellen. Ein Versuch, der allerdings vom Evangelium, von der guten Nachricht her legitimiert ist. Ein Versuch, der bislang erst in einigen zaghaften Ansätzen Realität geworden ist.
Ändert eine derartige Auffassung von Pastoral etwas in der Pastoral an Geschiedenen?
Nehmen wir doch unser Anfangsbeispiel wieder her: ER, ledig und katholisch. SIE, vom protestantischen Partner geschieden, selber auch protestantisch. Wenn wir dem katholischen Kirchenrecht die Priorität geben, ist nichts zu machen. Wenn wir aber einer lebendigen christlichen Gemeinschaft die Priorität geben, so lässt sich eine ganze Menge tun. Die Gemeinde könnte die beiden aufnehmen, so dass sie dort erfahren, was gelebter christlicher Glaube wirklich ist, und falls den beiden an diesem gelebten christlichen Glauben tatsächlich etwas liegt, würden sie sich in diese Gemeinde integrieren. Denn das ist das Wichtigste, nicht das Zeremoniell.
Es ist also denkbar, dass diese beiden Menschen, welche sich das Sakrament der Ehe nach geltendem katholischem Eherecht nicht zeremoniell spenden können, trotzdem Sakrament der Ehe in ihrer Gemeinde würden. Wenn ihr Liebe nämlich derart sichtbar wird, dass sie zum Ausdruck bringt: so liebt Christus seine Kirche, so gibt er sich hin für seine Kirche, wie diese beiden Menschen sich hingeben, wie diese beiden füreinander da sind, und miteinander für andere da sind. Sakrament der Ehe ohne kirchliche Trauung also? Warum nicht? ‚Sakramente‘ ohne sakramentale Form
gab es doch schon immer in der theologischen Reflexion. Wenngleich für das Ehesakrament dies noch nicht so bedacht war. Doch das, was man ‚Begierdetaufe‘ nannte, wenn die Taufe nicht möglich war, das, was man ‚vollkommene Reue‘ nannte, wenn der Empfang des Bussakramentes nicht möglich war, das sind der Theologie keine Unbekannten. Warum sollte nicht auch eine ähnliche Sache beim Ehesakrament möglich sein, wenn sonst alle Voraussetzungen erfüllt sind ausser der kirchenrechtlichen? Voraussetzungen blieben jene, die fundamental sind: christlicher Glaube und Leben in und mit einer christlichen Gemeinde. Hier wäre ein erster Ansatz für die weiterzuführende theologische Reflexion.
Dieser Ansatz wäre einzuschreiben in einen grösseren Kontext: in den der Sakramentenpastoral überhaupt. Die jetzige Sakramentenpastoral verläuft vielfach ziemlich mechanisch. Das hat seine historischen Gründe, auf die wir hier nicht weiter eingehen wollen. Doch zu bemerken ist, dass sich das Verständnis der christlichen Sakramente langsam zu wandeln beginnt. Sie werden immer mehr als Zeichen und Werkzeuge des christlichen Glaubens verstanden, die einerseits bereits eine Initialzündung durch ‚vorhandenen‘ christlichen Glauben voraussetzen, und andererseits diesen bereits ‚vorhandenen‘ christlichen Glauben einen Schritt weiterbringen. Hierbei ist der christliche Glaube das, was als Gottes Geschenk erkannt wird, und das Skrament ist das vor christlicher Gemeinde abgelegte Zeichen dafür, dass einer dieses Geschenk annimmt und mit der christlichen Gemeinde zusammen Frucht bringen lässt. Sakramente sind so ganz richtig als persönliche Vollzüge des einzelnen Gläubigen zu erkennen, mit denen der Einzelne sich aber auch zu einer Gemeinschaft bekennt, mit der er leben will, allerdings nicht als Ehrenmitglied, sondern als aktives Mit-
glied. Dabei ist nicht ausseracht zu lassen, dass das Minimum dieser Aktivität auch wiederum ein Sakrament ist: die Sonntagseucharistie. Das Zeichen, mit dem der Einzelne seine Solidarität mit Jesus Christus, mit den versammelten Gemeindegliedern und mit den andern weltweit verstreuten Gemeinden zum Ausdruck bringt, und zugleich ist die Sonntagsmesse auch Werkzeug des Wachstums eben dieser Solidarität.
Es scheint, dass eine in diesem Sinne weiterdurchdachte Sakramentenpastoral auch für die Pastoral an Geschiedenen fruchtbar würde. Denn, wenn es offenbar wird, dass in den Kirchen das Ehesakrament als Zeichen des christlichen Glaubens ernstgenommen wird, dann würde zuerst einmal in jedem konkreten Fall von Geschiedenen, die sich wiederverheiratet haben, untersucht werden müssen, ob die kirchliche Trauung überhaupt ein Sakrament war, und das ist die Frage nach der kirchenrechtlich gültigen Ehe. Es scheint mir – und ich bin nicht allein mit dieser Ansicht – dass noch lange nicht alle, die eine kirchliche Trauungszeremonie mitgemacht haben, deshalb auch schon eine kirchenrechtlich gültige Ehe eingegangen sind. Wenn nämlich der christliche Glaube fehlte, weil die beiden Partner weder vor ihrer Trauung noch nachher keine – und sei sie noch so labile – Beziehung zu einer christlichen Gemeinde hatten, dann fehlte ganz einfach die Initialzündung zum Sakrament. Nach Paragraph 2 des Kirchengesetzes 1012 "kann zwischen Getauften kein gültiger Ehevertrag bestehen, der nicht eo ipso ein Sakrament wäre". Bestimmte nun der gültige Ehevertrag das Sakrament, dann kämen wir in die paradoxe Situation eines Sakramentes (Glaubenszeichens) ohne Glauben. Wo aber kann Glaube wachsen und weiterwachsen? Nirgendwo anders, als in und mit dem Glauben einer christlichen Gemeinde. Wein wächst ja auch nicht auf dem Gipfel des Montblanc. Alles, was wächst, braucht ein geeignetes Terrain. Wieviele, besonders der in den letzten Jahren Getrauten liessen die Trauungszeremonie nur über sich ergehen, weil ihre Eltern das so wünschten, und es ihnen die Sache nicht wert war, deshalb einen Bruch mit der Familie zu riskieren? Das aber würde doch bedeuten, dass, wenn eine
derartige Ehe geschieden wird, eigentlich nur das geschieht, was richtig ist: eine Ehe, die keine war, wird aufgelöst.
Und zum zweiten würde die eventuell neuen Ehen der Geschiedenen nicht einfach und ohne weiteres wieder kirchlich "eingesegnet", sondern erst dann, wenn die neuen Partner nun auch wirklich, wie in unserm Beispiel der ledige Katholik und die geschiedene Protestantin, mit und in einer christlichen Gemeinschaft sich auf den Weg des Glaubens machten. Damit wäre auch schon eine Route aufgezeigt, die eine "Pastoral an Geschiedenen" immer überflüssiger machte: nämlich, wie KARIN JAHR es einmal formulierte: die Kirche würde es sich etwas schwerer mit dem Binden machen, wenn sie es sich schon so schwer macht mit dem Lösen. Ein "Ehekatechumenat" anstatt eines "Ehevorbereitungskurses", bei dem der "christliche" Teil angesichts der fortschreitenden Entchristlichung sowieso zu kurz kommt, wäre zweifelsohne eine erwägenswerte Sache.
Staatliche Instanzen stehen dem Risiko der Abwertung von Ehe und Familie ziemlich machtlos gegenüber. Da helfen keine Paragraphen. Die Kirche hingegen könnte etwas tun, falls ihr – das heisst den Christgläubigen – überhaupt etwas daran liegt, die Werte "Ehe und Familie" zu retten. Nicht für alle Staatsbürger kann die Kirche etwas tun, aber sie kann etwas tun für sich selbst. Nicht indem die Kirche durch ihre Hierarchie Einfluss auszuüben versucht auf staatliche Ehe- und Familiengesetzgebung, sondern indem sie das Entstehen und Wachsen von christlichen Gemeinden begünstigt, welche unter andern dann auch die Werte von Ehe und Familie als Lebenswerte glaubwürdig darstellen. In lebendigen kirchlichen Gemeinden kann jener geistige Hinter- und Untergrund bereitgestellt werden, vor dem und auf dem dann Ehe und Familie wachsen können. Und letzten Endes würde davon auch der Staat profitieren, die Gesamtheit der Bürger. Auf diese Weise könnte Kirche tatsächlich zum Zeichen und Werkzeug der Einheit werden, unaufdringlich aber nicht zu übersehen.
Jupp Wagner.
Bibliographie
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R. Gardner, Les enfants et le divorce, Ramsay, 331FL (Rester ensemble pour l’enfant? Comment lui annoncer la nouvelle?)
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