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Daß der Papst auf seiner Reise in den Fernen Osten (16.–27. Februar) gerade jenes Land nicht besucht, in dem die Missionsarbeit heute die schönsten Früchte zeitigt, nämlich Südkorea, mag auf den ersten Blick befremden. In keinem andern Land Asiens müssen sich die Missionare und Laienhelfer sonst darüber beklagen, daß sie den Andrang der Katechumenen, und zwar vorwiegend unter jungen Leuten, nicht zu bewältigen vermögen. Die 1,25 Millionen Katholiken dürfen auch in Zukunft ein gedeihliches Wachstum erwarten, denn die geistig verödete Landschaft Südkoreas, das unter einer ideologisch völlig diskreditierten Diktatur schmachtet, drängt die Wahrheitssucher zum Christentum. Das erklärt auch, weshalb zahllose Kirchen aller Denominationen das Stadtbild von Seoul beherrschen. Buddhistische Tempel sind schwerer zu entdecken, denn früh in der Geschichte schon verlor der Buddhismus seine Stellung als Staatsreligion und wurde vom herrschenden Konfuzianismus in entlegene Berglandschaften verbannt.

Die koreanischen Bischöfe finden den Zeitpunkt für einen Papstbesuch nicht gegeben, weil zwischen Kirche und Staat schwere Spannungen bestehen, die auf den christlichen Einsatz für Menschenrechte während Park Chung Hees Herrschaft zurückgehen. Ein Bischof, mehrere Priester und manche Laien wurden damals inhaftiert. Der Dichter Kim Chi Ha und der erfolgreichste Oppositionsführer, Kim Dae Jung, beide Katholiken, wurden gar zum Tode verurteilt. Die Hoffnung auf eine vorsichtige Demokratisierung, die nach Parks Ermordung erwachte, brach im Frühjahr zusammen, als General Chun Doo Hwan durch Staatsstreich die Macht an sich riß. Die Härte, mit der die Rebellion von Kwangju unterdrückt wurde – über die Zahl der Todesopfer besteht heute noch keine Klarheit, weil viele Studenten noch immer verschollen sind –, ließ Verbitterung zurück. Die Hierarchie tritt, zum Mißvergnügen vieler engagierter Gläubiger, derzeit nicht mit offener Kritik an der Regierung hervor, weil sie befürchtet, damit nur wieder zum Scheitern verurteilte Demonstrationen der verbitterten Studenten zu bewirken; doch übt sie hinter den Kulissen das Amt regimekritischer Reflexion aus.

Immer nur lächeln?

Gutzeit/Westf. Rundschau

Wie Kim Dae Jung immer noch dominiert

Die Ereignisse der letzten Wochen geben jenen Stimmen recht, die darin die wirksamere Methode erblicken. Die eingefrorenen politischen Prozesse gerieten plötzlich in Bewegung. Am 23. Januar bestätigte zwar das Oberste Gericht das Todesurteil gegen Kim Dae Jung, doch wandelte Präsident Chun es noch am gleichen Tag in lebenslängliches Gefängnis um. Auch für die 11 Mitangeklagten wurde das Strafmaß um 2–5 Jahre gekürzt. Nur 2 Tage zuvor war bekannt geworden, daß Chun als erster Staatsmann den neuen Präsidenten Reagan besuchen dürfe. Washington hatte ihm deutlich erklärt, daß dies nicht gewährt würde, wenn er Kim hängen lasse. Auch die Proteste Japans, aus Westeuropa und vom Papst werden zur Rettung beigetragen haben. Der Entscheid fiel Chun schwer, weil seine einzige Machtbasis die «Jungtürken» in der Armee sind, die seinen Staatsstreich ermöglichten; ihnen ist Kim grimmig verhaßt. Noch weniger als ihre Sympathie kann er sich die Sympathien der USA und Japans, seiner wichtigsten Partner, verscherzen.

Nur eine Woche zuvor hatte Chun die Wahl des Staatspräsidenten, für die er kandidieren will, auf Ende Februar vorgezogen und die Errichtung von vier politischen Parteien gestattet. Zugleich versprach er Milde gegenüber 69 Gefangenen des Kwangju-Aufruhrs. Es geht ihm, wie er sagt, um «nationale Versöhnung». Allerdings sind damit Kim und die anderen politischen Gefangenen nicht wieder in ihre Rechte eingesetzt. Die Freunde Kims in Japan, von der äußersten Linken bis zu christlichen Gruppen, fordern weiterhin in selte-

ner Einmütigkeit die Freilassung Kims. Wie die Ballung der politischen Entscheidungen um seine «Begnadigung» zeigen, dominiert er auch heute noch, selbst als hilfloser Gefangener, die politische Szene als Integrationsfigur der Demokraten, Intellektuellen und Studenten. Daß in dieser Situation ein Papstbesuch inopportun ist, dürfte klar sein. Die Bischöfe aber möchten den Papst 1984 einladen, wenn die Kirche Koreas ihre 200-Jahrfeier begeht. Nicht durch Missionare war damals der Glaube in das hermetisch abgeschlossene Land gelangt, sondern durch Botschafter, die bei der jährlichen Tributzahlung in Peking mit Priestern Kontakt aufgenommen hatten. Trotz härtester Verfolgung verbreitete sich das Christentum und zählte bald viele Märtyrer. Eine Gruppe von ihnen wurde 1867 seliggesprochen. In drei Jahren könnte ihre Heiligsprechung fällig werden.

Thomas Immoos, Tokio

Literaturhinweis: Weitere Informationen über die Lage in Südkorea (bis Ende Oktober 1980) und über die Hintergründe des aktuellen Geschehens in diesem Land bietet ein von Gerhard Fritz und Kurt Scharf (dem evangelischen Bischof) herausgegebenes Taschenbuch: «Krisenherd Korea» (Radius-Verlag, Stuttgart 1980, 128 Seiten). Das Büchlein enthält eine Karte Koreas, einige statistische Fakten und Hinweise auf weitere Literatur, ferner eine «Chronik der jüngsten Entwicklungen» (seit dem 26. 10. 79, dem Datum der Ermordung Präsident Parks). Vor allem aber dokumentiert es die erschütternden Ereignisse von Kwangju im Mai 1980 (z. T. mit Augenzeugenberichten); es schließt mit Zeugnissen der internationalen Solidarität für den zum Tode verurteilten Kim Dae Jung.

(Red.)

in: Orientierung (Zürich) Heft 3/1981

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