Wohnt Gott in der Chefetage?
Kommunikation als christliches Grundmotiv
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Kommunikation als christliches Grundmotiv
BABYLON CONTRA JERUSALEM
oder: Sprachverwirrung contra Sprachwunder
Der Mythos vom babylonischen Turmbau dürfte jedermann bekannt sein. Freilich kann der Mythos selbst zur Sprachverwirrung beitragen, dann nämlich, wenn man ihn als Reportage über ein historisches Ereignis, das heisst eben nicht als Mythos, liest. Mythen sind ja gerade keine historischen Berichte, sondern Antworten auf die Fragen unserer Urahnen. Die Frage, die hinter der Turmbauerzählung steht, mag folgende gewesen sein: ‚Weshalb können nicht alle Menschen sich verständigen?‘ Die Antwort mag ausgelöst worden sein durch die (Bau-)Ruine eines jener Stufentürme, die als Wahrzeichen die Städte im mesopotamischen Raum überragten. Verschlüsselt im mythologischen Code heisst die Antwort: ‚Irgend ein Gott fühlte sich in seinen Privilegien bedroht und erliess einen Baustopp für den Turm, ganz einfach, indem er seine magische Kraft einsetzte, um die Verständigung der Menschen zu unterbinden. Als die Menschen sich nicht mehr verstanden, war die Macht des Gottes gerettet.
Dann wäre der Turm weitergebaut worden, hätten die Erbauer in die göttliche Sphäre eindringen können. Und wären dann hinter die göttlichen Geheimnisse gekommen. Folglich wäre der Gott nicht mehr der Einzige geblieben, die Menschen wären selbst zu Göttern geworden, wären selber allmächtig geworden.‘ ‚Nichts von dem, was sie vorhaben, wäre ihnen unmöglich.‘ (Genesis 11,6). Der entschlüsselte mythologische Code zeigt die Sehnsucht unserer Urahnen nach Verständigung, welche einer geeinten Menschheit Möglichkeiten eröffnet, die der zersplitterten Menschheit unzugänglich bleiben.
In Neuen Testament, in der Apostelgeschichte des Lukas steht ein anderer Mythos, der den Alttestamentlichen aufhebt: ‚Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder, Elamiter, Mesopotamier, Juden, Kappadozier, Ägypter, Libyer, Zyrener, Römer…? Wir hören sie in unseren Sprachen die Grossstaten Gottes verkünden.‘ (Apg 2,8-11). Wenn wir diese Erzählung nicht als historische Reportage lesen, sondern als mythologische Aussage, dann steht dahinter die verwunderte Frage: ‚Wieso haben wir Christen keine Verständigungsschwierigkeiten?‘ Die aus dem mythologischen Code entschlüsselte Antwort lautet: ‚Weil wir Christen, trotz unserer verschiedenen Sprachen, trotz unserer unterschiedlichen Herkunft, denselben Geist haben: den Geist des Jesus von Nazaret, des Gekreuzigten, den Gott bestätigte als den richtigen Menschen, indem er ihn auferweckte.‘ Christen sind nach Auffassung der Apostelgeschichte Menschen, die in ihrer Verschiedenheit einen gemeinsamen Code besitzen, der sogar in seiner kürzesten Formel: ‚Jesus ist der Herr‘ Verständigung ermöglicht.
Der Gott der Sprachverwirrung ist demnach wohl nicht derselbe, wie der Gott des Sprachwunders.
TOTALOFFENBARUNG
oder: ein Gott verrät sein Geheimnis
Zur Standardausrüstung der ersten Christen gehörte die Überzeugung, der wirkliche Gott versuche keineswegs, irgendwelche göttlichen Privilegien vor den Menschen zu verteidigen, sondern er habe immer wieder versucht, auf alle möglichen Arten, sich den Menschen mitzuteilen, sie von ihrer falschen Gottesvorstellung abzubringen. Zur Standardausrüstung der ersten Christengemeinden gehörte die Überzeugung, die Totaloffenbarung Gottes sei endlich gelungen in dem Jesus von Nazaret. Er ist das Wort Gottes an die Menschen (Prolog zum Johannesevangelium), wer ihn sieht, sieht den Vater (Joh.14,9). Seit Jesus von Nazaret gibt es keinen unerreichbaren, unbegreiflichen, hinter Wolken versteckten Gott mehr. Es ist unchristlich, zu behaupten, Gott habe den Menschen nur die letzten Goldfransen seines göttlichen Mantels gezeigt. Das Gegenteil ist wahr: der wirkliche Gott hat uns sein eigenes Bild geschenkt. Keine Fotografie, die man in einen Goldrahmen steckt, um davor Anbetungsstunden zu hal-
ten. Abbild des Vaters ist vielmehr ein lebendiger Mensch. Ein dreidimensionales Bild also, das lebt. Ein Mensch, der alle Etappen des Menschendaseins durchlaufen hat: der gehen lernte, und dabei auch mal hinfiel, der die Sprache seiner Eltern lernte, der in den Begriffen seiner Zeitgenossen denken lernte, und sich dabei auch mal irrte, der sich mit andern an den Tisch setzte zum Essen und Trinken, zu ernsten und heiteren Gesprächen, der müde wurde und sich schlafen legte, der wach wurde, aufstand, die Ärmel hochkrempelte und zum Handwerkszeug griff, der Kontakt suchte und sich dabei Freunde und Feinde machte, der sich vorzugsweise mit Leuten aus den Randzonen der Gesellschaft abgab, der von hochanständigen Leuten zum Tode verurteilt wurde, der starb, und zwar den Tod der Sklaven und Rebellen.
Durch den Jesus von Nazaret wussten die ersten Christen ziemlich genau Bescheid über den wirklichen Gott. Sie redeten kaum über ihn in dem üblichen Gottesvokabular, das sich hauptsächlich aus Leerbegriffen zusammensetzt. (Leerbegriffe deshalb, weil Worte wie ‚allmächtig, allwissend, allgerecht‘ und ähnliche keiner menschlichen Erfahrung entsprechen.) Christen gingen vielmehr von den Erfahrungen aus, die sie auf dem Weg der Nachfolge mit dem Jesus, dem Christus gemacht hatten. Vom Jesus, dem sichtbaren Sohn Gottes, schlossen sie auf den Vater. Vom bekannten Jesus schlossen sie auf den unsichtbaren Gott. Sie beschritten den empirischen Weg, im Gegensatz zu allen spekulativen ausgetretenen Trampelpfaden, die doch immer nur im Gestrüpp der Leerbegriffe endigten. Auf ihrem Erfahrungsweg wurden sämtliche Spekulationen über Gott und die Götter ausserkraftgesetzt. Von Gott selbst, durch den Sohn des Hauses, der das weitersagte, was er vom Vater gehört hatte.
TOTALVERSTÄNDIGUNG?
oder: hilft Gott beim Bau eines neuen Turmes?
Die Verständigung unter den ersten Christen war "weltweit", das heisst: soweit sich das römische Imperium erstreckte. Überall entstanden christliche Gemeinden. Keine war wie die andere. Doch trotz der Verschiedenheit waren sie alle eins. Weil alle aus der gleichen Wurzel stammten: aus dem Menschensohn Jesus. Weil sie alle auf das gleiche Ziel hinwirkten, das sie von dem Jesus übernommen hatten: das Reich Gottes auf Erden aufrichten. Ein Reich, in dem es keine Herren und keine Sklaven gibt. Ein Reich, in dem die Nationalität keine Rolle spielt. Ein Reich, in dem die soziale Stellung des Einzelnen Dienst am Nächsten bedeutet. Ein Reich, aus dem niemand von vornherein ausgeschlossen bleibt.
Aus all diesen Gemeinsamkeiten entwickelte sich ein Code, der im ganzen römischen Reich von allen Christen verstanden wurde. Wieso wurde er verstanden?
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Weil die Gemeinden überschaubar waren: jedes Gemeindemitglied kannte alle anderen Mitglieder. Jede Gemeinde versammelte sich einmal in der Woche, so dass Nachrichten in kurzer Frist alle erreichten.
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Weil die einzelnen Gemeinden nicht zusammenhanglos nebeneinander bestanden, sondern miteinander Kontakt hielten, Nachrichten austauschten, sich gegenseitig aushalfen, freilich ohne sich voneinander abhängig zu machen. Die einzelnen Gemeinden waren autonom, verbunden waren sie brüderlich.
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Weil der gemeinsame Code einfach war, sich auf das Wesentliche beschränkte.
Es war einmal ein Wortcode aus einigen kurzen, einprägsamen Sätzen: "Jesus ist der Messias", "Jesus
ist der Herr", "Jesus ist der Sohn Gottes", "Jesus ist der Menschensohn", "Gott hat den Gekreuzigten auferweckt", "Vater, dein Reich komme!"…
Es war ein Zeichencode aus einigen wenigen, sofort verständlichen Gesten: das Wasserbad der Taufe als Zeichen des Engagements zur Mitarbeit am Reich Gottes auf dem Fundament und im Geist Jesu; das wöchentliche gemeinsame Mahl, dessen Vorsitz der Christus führte; das Zeichen des Fisches, als Erkennungsmal, mit dem man sich in der Fremde als Christ ausweisen konnte, das zugleich ein Glaubensbekenntnis war: "Jesus, der Sohn Gottes (ist) der Retter."
Es war ein gemeinsamer Code praktischer Art. Das Reich Gottes kommt weder durch asketische Verrenkungen noch durch magische Beschwörungen, sondern durch Dienst an den Menschen: wer einen Hungrigen zu Tisch bittet, wer einen Nackten bekleidet oder einen Kranken besucht, der baut am Reich Gottes.
Auf diese Weise entstand Gemeinde neben Gemeinde. Ein weltweites Fundament war gelegt. "Und der Herr fügte täglich ihrer Gemeinschaft die hinzu, die gerettet werden sollten." (Apg. 2,47b). War Gott jetzt vielleicht selbst dabei, den Menschen zu helfen, einen Turm der Verständigung zu bauen? Ist Gott vielleicht so einer, dass es sein ureigenstes Anliegen ist, wenn die Menschen sich verstehen?
DIE RACHE DER GOTTER
oder: erneuter Baustopp für den Turm der Verständigung
Trotz der im Matthäusevangelium festgehaltenen Warnung: "Ihr sollt niemand auf Erden Vater nennen, denn einer ist euer Vater, der himmlische. Auch sollt ihr euch nicht Meister nennen lassen, denn einer ist euer Meister: der Christus!" (Mt. 23,9+10) gibt es schon Ende des ersten und Anfang des zweiten Jahrhunderts Stimmen (Clemens von Rom, Ignatius von Antiochien), welche die Verständigung wohl zu Recht bedroht sahen, jedoch zum falschen Mittel rieten, nämlich zur Unterordnung und damit zur Zentralisierung. Diese setzte allerdings erst voll ein im zweiten
Jahrzehnt des vierten Jahrhunderts, als Kaiser Konstantin (*285 +327) sie zu seinem Anliegen machte. Natürlich tat er das nicht, weil er ein frommer Christ war – bis heute sind die Historiker sich noch nicht einig, ob Konstantin sich überhaupt taufen liess –, sondern aus politischen Erwägungen. Konstantin der Grosse dachte, wie nach ihm Karl der Grosse und Napoleon der Grosse, dass ein Volk sich leichter regieren lasse, wenn es eine einheitliche Religion hat. Eine solche gibt dem Kaiser ja die Möglichkeit, seine Herrschaft von Gottes Gnaden herzuleiten. Was Konstantin dann auch prompt tat: den Sieg über seinen Mitregenten Maxentius im Jahr 312 schrieb er dem Christengott zu. Dass diese kaiserliche Optik nicht als unchristlich entlarvt, sondern von Christen als wunderbares Eingreifen des Christengottes in den Verlauf der Geschichte verstanden und geglaubt wurde, ist das erste handgreifliche Zeichen dafür, dass der Bau des Turmes der Verständigung gestoppt war. Jesus als überirdischer Generalfeldmarschall! Der arme, jede Waffengewalt verabscheuende Jesus! Durch Konstantin war er von den Mächtigen adoptiert worden, in das Konsortium der Jupiters und Neptuns aufgenommen. Das dreidimensionale Bild des lebendigen Gottes plattgebügelt und in einen Goldrahmen gesteckt zwecks Abhaltung von Anbetungsstunden! Bald redete man denn auch von ihm im göttlichen Vokabular der Leersbegriffe.
Um dieses Kunststück fertigzubringen musste der einfache Code der ersten Christen so kompliziert werden, dass nur mehr Spezialisten glauben konnten, ihn zu verstehen. Das einfache Volk verstand ihn immer weniger, resignierte schliesslich, plapperte unverständliche Formeln nach, in der Meinung, die Rezitation unverständlicher Formeln sei Glaube. Der ursprünglich sehr verständliche Zeichencode wurde Kulthandlung zu Ehren jenes Gottes, den jeder sich so vorstellen konnte, wie es ihm gefiel. Der Zeichencode wurde zum heiligen Ritual, immer komplizierter, zum Terrain von Spezialisten. Deshalb resignierte das Volk und ging immer weniger zu Kultusveranstaltungen. Nur taufen liessen sich viele, weil sie spitzbekommen hatten, dass der Kaiser die Christen privilegierte.
Mit Kaiser Konstantin hatte die Zeit der Christentümlichkeit begonnen, die ebenfalls den dritten Code, den des Dienstes am Nächsten, in die Hände von Spezialisten legte, die allerdings dem Bild der christentümlichen Kirche das christusähnliche Gesicht zum Teil bewahrt haben.
Dass in der christentümlichen Zeit die Verständigung unter Getauften total abgerissen war, haben unsere älteren Zeitgenossen erlebt: Getaufte zogen gegen andere Getaufte zu Feld und beschworen in beiden Lagern mit denselben Gebeten denselben (?) Gott, den Feind zu schlagen. Getaufte erkannten sich nicht mehr als Brüder. Die Verständigung war, wie gesagt, total ausgefallen. Die allmächtigen Götter hatten wieder gesiegt. Übrig blieb einmal mehr die Bauruine eines Turmes der Verständigung.
DIE ALLMÄCHTIGEN GÖTTER
oder: wer stellt die Störsender auf?
Die Wirkung von Störsendern ist allen bekannt, die den zweiten Weltkrieg miterlebt haben: durch Ausschalten der Kommunikation können Aktionen verhindert werden, auf jeden Fall aber beträchtlich behindert werden. Wer hat wohl Interesse daran, dass Menschen sich nicht verständigen können?
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Es sind doch wohl dieselben, in deren Macht es liegt, Informationen zu sieben, das heisst: nur jene passieren zu lassen, die ihnen nützen, und jene zurückzuhalten, die ihnen schaden. Das tun die Zeitungen und Rundfunkanstalten aller Schattierungen und aller Grössenordnungen. Das tun aber auch andere. Sogar Wirtschaftsexperten stehen vor einem Rätsel, wieso, entgegen allen bisher geltenden Regeln der freien Wirtschaft, die Ölpreise trotz Ölschwemme weiter steigen. Die mächtigen Ölkonzerne lassen sich eben nicht in ihre Bücher schauen.
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Es sind doch wohl dieselben, die in der Lage sind, den Code derart zu verändern, dass der normale Bürger nur mehr di-di-di-da-di-ditt hört. Der Code ist zum Geheimcode geworden, den nur mehr Spitzenspezialisten entschlüsseln können.
Wer versteht denn den Code der Börsenmakler? Wer kennt sich aus in den Zickzackbewegungen des Dollarkurses? Otto Normalverbraucher ist ohnmächtig. Die ihn aufklären könnten, schweigen wie die Zauberer, die ihre zersägte Jungfrau vor den Augen der verblüfften Zuschauer unversehrt aus der Trickkiste heraussteigen lassen. Tricks werden nicht verraten.
- Es sind doch wohl dieselben, deren Rechnung aufgeht, wenn sie auf die Resignation des ohnmächtigen Bürgers bauen, der lieber seine Flasche Bier zum Krimi leert, als sich eine ‚Informationssendung‘ zu später Nachtstunde kritisch anzuschauen. Muss er denn nicht resignieren, wenn er feststellt, wie ein Expertengeneral die Neutronenbombe zur Friedenserhaltung für unverzichtbar hält, während ein anderer Expertengeneral sie zu demselben Zweck für komplett untauglich erklärt?
Wer riskiert schon gern sein Leben und steigt hinauf zur Sendezentrale in der Turmspitze?
TROTZ ALLEM EIN NEUER TURMBAU?
oder: sollten wir es nicht doch lieben mit Häuserbau versuchen?
Sowohl von Regierungspräsidenten, wie von Konzernmagnaten, sogar von simplen Dorfbürgermeistern, wird der ohnmächtige Bürger verschaukelt. Es bleibt ihm also nichts anders übrig, als sich verschaukeln zu lassen – oder zur Selbsthilfe zu schreiten. Zur Selbsthilfe, die nur gemeinschaftlich Resultate zeitigen kann, ist Verständigung die conditio sine qua non. Es gilt also, ein Kommunikationsmodell zu erstellen, das funktionstüchtig und störunanfällig ist. Wäre das nicht die Aufgabe für eine Kirche, die sich gern als ‚Zeichen der Einheit‘ vorstellt? Haben die Kirchen denn nicht in grauer Vorzeit einmal über ein derartiges Modell verfügt? Wäre es zuviel von den Kirchen erwartet, sie möchten doch das Modell rekonstruieren und funktionstüchtig zur Verfügung zu stellen? Den Friedensbewegungen, Umweltschützern, Atomkraftsgegnern, … vielleicht sogar den Politikern?! Natürlich gratis. Einfach so. Indem sie unter Beweis stellen, dass der ohnmächtige Bürger so ohnmächtig gar nicht ist.
Christen sprachen immer – auch in der nun zu Ende gehenden christentümlichen Zeit – von ‚Inkarnation‘. Vielleicht waren sich die Christen über die Tragweite diese Begriffes nicht immer im klaren. Denn er bedeutet doch, dass der wirkliche Gott nicht ausserhalb der, oder über den gesellschaftlichen Gesetzmässigkeiten als unbewegter Beweger schwebt, sondern dass er sich mitten drin bewegt.
Damit Verständigung funktioniert, müssen Gemeinschaft-
ten überschaubar sein, autonom und mit andern Gemeinschaften brüderlich verbunden.
Der Code, den sie benützen, muss einfach sein und auf das Wesentliche eingeschränkt, bestehend aus verständlichen Worten und Zeichen und Aktionen.
In den Kirchen müsste deshalb eine Tendenzwende eingeleitet werden. Die Kirchen müssten versuchen, es nicht den Grossen gleichzutun.
Darum: weg von Massenkundgebungen, Monstrekongressen und riesigen Aktionsprogrammen. Und hin zu dem, was tagtäglich zu tun ist.
Darum: Schwerpunktverlagerung: weg von diözesanen Pastoralplänen. Und hin zur konkreten Pastoral mit überschaubaren Gemeinschaften.
Darum: Anwendung des Subsidiaritätsprinzips: den kleinen, überschaubaren Gemeinden soviel Autonomie wie möglich; soviel Organisation wie unbedingt nötig.
Darum: weg von einem Dogmenirrgarten, in dem sogar Experten sich verlaufen. Und hin zu den wesentlichen und einenden Glaubensaussagen.
Darum: weg von einem zentralgesteuerten Ritualismus, der meint, mit Zeremonien christlichen Glauben zu vermitteln. Und hin zu der Phantasie der Gemeinden, die in Sakramenten ihren Glauben ausdrücken und feiern.
Darum: weg vom schulischen Religionsunterricht, in dem Kinder Fragen lernen, die sie gar nicht haben, um Antworten zu bekommen, die sie gar nicht verstehen. Und hin zur Gemeindekatechese, bei der Kinder durch Erfahrung in das Glaubensleben hineinwachsen, und wo sie als Jugendliche eine echte Chance haben, sich dafür zu entscheiden, oder das Ganze fallen zu lassen.
Gemeinschaften der Verständigung würden wie ein Netz den Globus überziehen.
Ein Netz! Und kein Turm?
Ja, sollte es vielleicht doch der lebendige Gott gewesen sein, der den Turmbau in Babel verhinderte?
Weil der Turm eine Basis hat, welche die ganze Last tragen muss. Während in der Chefetage eine Herrenwohnung eingerichtet wird, hoch oben über dem Strassenlärm, in frischer Luft und mit herrlicher Aussicht. Ist das Gotteswort in Genesis 11,6: "Nichts von dem, was sie vorhaben, wird ihnen unmöglich sein!" vielleicht ironisch gemeint, weil der wirkliche Gott weiss, dass der Himmel leer ist, und es seine Freude ist, bei den Menschen, das heisst: unten, zu wohnen?
Jupp Wagner
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