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Einen mathematischen Lehrsatz kann man beweisen. Man kann auch beweisen, daß Julius Caesar und Jules Verne, Katharina Borgia und Katharina die Grosse gelebt haben.

Ein mathematischer Beweis ist grundverschieden von einem historischen Beweis. Den mathematischen Beweis kann einer ganz allein, in der Wüste oder auf dem Nordpol führen. Dazu braucht er nicht viel Material, nur etwas Verstand.

Zum historischen Beweis braucht einer, neben dem Verstand noch einen ganzen Haufen anderes Material: Tonscherben, Ruinen, Sarkophage, Inschriften, Dokumente, Zeitungsartikel, Augenzeugen, Bibliotheken…

Die Auferstehung Jesu kann keiner, weder der Mathematiker, noch der Historiker, noch der Philosoph beweisen. Der Mathematiker und der Philosoph schon gar nicht. Aber auch der Historiker nicht, denn es gibt keinen einzigen Augenzeugenbericht. Ein leeres Grab wird zwar vorgezeigt, doch ist es das Grab Jesu? Und sogar wenn historisch zuverlässig bewiesen werden könnte, dass der Ort, den man in Jerusalem als das heilige Grab vorweist, der Ort ist, wo die Leiche Jesu einmal gelegen hat, so ist das immer noch kein Beweis für die Auferstehung. Denn man kann die Leiche Jesu ja aus diesem Grab entfernt und irgendwoanders hingelegt haben. Entweder die Jünger Jesu, um so die Legende von der Auferstehung zu erzeugen. Oder die Hohepriester, um das Gedächtnis an den Gekreuzigten total auszumerzen, um zu verhindern, dass sein Grab zu einem Heldendenkmal werde.

Dennoch, es gibt einen Beweis. Keinen mathematischen und keinen historischen. Nur einen theologischen. Theologische Beweise sind nicht zwingend. Das heisst: sie lassen den Menschen frei, sie anzunehmen, oder auch nicht. Im Gegensatz zu mathematischen Beweisen, denen niemand sich entziehen kann, sofern er einen einigermassen funktionierenden Verstand sein eigen nennt. Der theologische Beweis für die Auferstehung Jesu wäre erbracht, wenn Jesus lebt. Kann man das? Natürlich kann man das. Dann nämlich, wenn es heutzutage Leute gibt, die das glaubwürdig bezeugen. Leute, die das bezeugen, sind Christen. Umgekehrt ist dieser Satz auch richtig. Und ergibt sogar eine Definition des Christen: Ein Christ ist, wer bezeugt, dass Jesus lebt. Diesen letzten Satz kann man sogar historisch beweisen: seit nahezu 2 000 Jahren wurde niemand in die Gemeinschaft der Christen aufgenommen, der nicht bekannte: "Ich glaube, dass Jesus von den Toten auferstanden ist." In keiner Kirche wurde ein Erwachsener getauft, der nicht dieses Glaubensbekenntnis vorher abgelegt hätte.

Man ist sogar versucht einen religions-soziologischen Gegenbeweis zu führen: Weil in den sogenannten christlichen Ländern fast nur mehr, und fast alle Babies getauft werden, die ja nicht selbst das Glaubensbekenntnis an den Auferstand-

nen ablegen können, werden die Kirchen immer schwächer. Denn immer mehr der getauften Babies verlangen, wenn sie in die Jahre des verständigen Denkens kommen, "Beweise" für das, was Voraussetzung für ihre Taufe war. Sie verlangen Beweise dafür, da die "Christen", mit denen sie im Elternhaus und in ihrer weiteren Umgebung Kontakt haben sie nicht davon überzeugen konnten, dass Jesus lebt.

Der theologische Beweis dafür, dass Jesus lebt, ist nicht anderes als eine Kirche, eine Glaubensgemeinschaft, die das Leben Jesu fortsetzt. Hier, an diesem Ort, in Niederanven oder in Honolulu, unter diesen ganz konkreten politischen, wirtschaftlichen und soziologischen Gegebenheiten das Leben Jesu übersetzt und fortsetzt. Eine Kirche, eine christliche Gemeinschaft, die das täte, würde die gleiche Erfahrung machen, welche die ersten Jünger gemacht haben: sie würde den Jesus "sehen".

Natürlich ist dieses "Sehen" nicht ein Sehen mit den Augen, so als ob Jesus in einer spiritistischen Sitzung herbeibeschworen würde. Kirche ist Gemeinschaft von Menschen, die nicht von sich aus die Initiative zur Zusammenkunft ergreift, Kirche weiss sich immer wieder zusammengerufen. Es ist einer, der sie zusammenruft. Ein Toter ruft nicht mehr.

Kurt Marti

Leichenreden

ihr fragt
wie ist
die auferstehung der toten?
ich weiss es nicht

ihr fragt
wann ist
die auferstehung der toten?
ich weiss es nicht

ihr fragt
gibts
eine auferstehung der toten?
ich weiss es nicht

ihr fragt
gibts
keine auferstehung der toten?
ich weiss es nicht

ich weiss
nur
wonach ihr nicht fragt:
die auferstehung derer die leben

ich weiss
nur
wozu Er uns ruft:
zur auferstehung heute und jetzt

Keine Kirche kreist um sich selbst. Wenn sie Selbstzweck wird, oder sich versammelt um etwas zu tun, das dem Jesus fremd ist, löst diese ‚Kirche‘ sich über kurz oder lang auf. Wenn sie zum Beispiel nur dann sich zusammenfindet, wenn religiöse Zeremonien, die genau sogut von einer anderen ‚Religion‘ gemacht werden könnten, anstehen, dann wird Kirche zur Religionsgemeinschaft, die nur mehr leeres Stroh drischt.

Eine Kirche, die sich aber ihren Auftrag nicht

selbst gibt, sondern ihn immer wieder von Jesus entgegennimmt, wird zum roten Fleck auf der grünen Wiese, wird Kontrastgesellschaft, wird Reich Gottes, das allen Menschen offensteht, das zum Dienst an den Menschen da ist. Es ist Jesus selbst, der seiner Kirche immer wieder sagt: ‚Haltet mich nicht fest!‘ Das heisst: ‚Geratet nicht in religiöse Schwärmerei, sondern geht zu meinen Brüdern, um ihnen die gute Nachricht, die ihr selbst erfahren habt, weiterzusagen!‘

Jupp Wagner

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