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So fragte der Katechismus Kinder aus und gab ihnen eine Antwort, die sie nicht verstanden.
Sie verstanden die Antwort nicht, weil die Frage keine Kinderfrage ist.
Natürlich kann auch ein Kind erfahren, wer ein Lügner ist.
Zu dieser Erfahrung braucht dann nur noch ein Sprichwort hinzuzukommen:
"Lügen haben kurze Beine" oder
"Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht", dann wird die Skepsis geboren, das Vertrauen hat einen Knacks, die Kreditkarte an Wert eingebüsst.
Kredit hat mit ‚Credo‘ zu tun.
Vertrauen hat mit Sympathie zu tun, Sympathie hat mit Symphonie zu tun.
Welchen Höllenlärm machte ein Symphonieorchester, dessen Instrumente nicht aufeinander abgestimmt wären?
Sympathie und Symphonie haben mit Gemeinschaft zu tun.
Genau wie Vertrauen.
Genau wie Glauben.
Einer allein kann nicht glauben.
Es muss schon einer da sein, dem er glaubt.
Natürlich wird die Sympathie noch erfreulicher, wenn einer da ist,
an den er glaubt.
Dann schlagen die Herzen zusammen,
mal im Dreiviertel-
mal im Sechsachtel-
mal in verrücktem Fünfneunteltakt.
Wenn einer das Tempo ändert, zieht der andere mit.
Freut sich der eine, freut sich auch der andere.
Ist der andere krank, leidet der eine mit. Letzteres ist übrigens die genaue Übersetzung von Sympathie.
Glaube, Vertrauen, Sympathie, Liebe sind nahe Verwandte.
"Ich glaube an Gott"
könnte also auch heissen:
"Ich habe Vertrauen in Gott"
"Ich habe Sympathie für Gott"
"Ich liebe Gott."
Und genau hier beginnen
die Schwierigkeiten.
"Ich liebe Gott"
das ist schnell gesagt.
"Wie kannst du sagen:
‚Ich liebe Gott‘
den du nicht siehst,
wenn du deinen Bruder, den du siehst, zum Kötzen findest?"
Den Gott, den du liebst, hast du ihn nicht nach deinem Ebenbild erschaffen?
Der Gott, den du liebst, den du anbetest, an den du glaubst, ist er etwas anderes als ein Götze?
Sag mir, an welchen Gott du glaubst.
"An den Schöpfer von Himmel und Erde."
Nicht sehr originell.
Alle Götter sind Schöpfer von Himmel und Erde.
Weisst du keinen besseren Gott?
"Ich glaube an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn."
Auch nicht besonders originell.
Alle Götter haben Töchter und Söhne, und Mütter und Väter. Die Stammbäume der Götter verlieren sich im Dunkel der Zeiten.
Weisst du keinen besseren Gott?
"Geboren aus der Jungfrau Maria."
Zum dritten Mal: nicht sehr originell.
Für Zeus, den die Römer Jupiter nannten, war es ein Lieblingssport, Jungfrauen zu schwängern, oder – noch schlimmer – Ehemännern Hörner aufzusetzen.
"Ich glaube an den Heiligen Geist."
Aha, mal was neues.
Und wer soll das sein, der Heilige Geist?
In der Tat, was neues!
Der Heilige Geist ist das Leben des wirklichen Gottes.
Ich vertraue darauf,
dass der wirkliche Gott mit uns sein eigenes Leben teilt.
Ich glaube daran,
dass wir seine Gedanken mitdenken können. Immer, wenn uns Gedanken kommen, die etwas Utopisches an sich haben, sollten wir mal aufpassen, ob es nicht Gottes Gedanken sind. "Liebet eure Feinde, verzeiht vierhundertundneunzigmal, verteidigt nicht euer Hab und Gut", und ähnlicher Unsinn.
Ich glaube, daran,
dass wir seine Worte mitsprechen können.
Immer, wenn uns Worte auf die Zunge hüpfen, die uns ungewohnt vorkommen, Worte, die Neues schaffen, die Leben vermitteln,
Worte wie: "Schafft Frieden ohne Waffen,
habt kein Vertrauen in euern Reichtum" und
ähnlicher Unsinn, sollten wir uns fragen,
ob wir nicht Gottes Worte sagen.
Ich glaube daran,
dass wir Gottes unvollendet gebliebene
Schöpfung weiterführen Können.
Ich bin nicht in Gefahr, mir einen Gott
zusammenzureimen, mir einen Gott nach
meinem Ebenbild zu schaffen.
In dem Jesus habe ich ein Ebenbild Gottes
vor Augen.
Vor ihm fallen alle Götzenbilder um.
Ich glaube an den Gott, der mir die Augen
öffnet über mich selbst.
Natürlich erschrecke ich dann zuerst ein-
mal über mich selbst.
Denn,
wie die ganze Schöpfung
bin auch ich noch unfertig,
ein halb modellierter Klumpen Lehm.
"Das wird schon noch was"
denkt Gott über mich,
"du hast ja ein Modell, nach dem du
arbeiten kannst."
Das ist die eine Seite
meines Glaubens an Gott.
Um mich herum sind andere Menschen,
genau wie ich, halbfertige Klumpen Lehm,
Halbfertige und Viertelsfertige,
gerade Begonnene und schon fast Fertige.
Was können wir tun?
Wie können wir einander helfen,
fertige Menschen zu werden?
Was können wir tun,
dass der Geist Gottes
uns Halbfertige belebt,
uns die Augen öffnet über uns selbst,
uns nicht
in unserm Erschrecken über uns selbst
allein lässt,
sondern uns sagt, was er über uns denkt:
"Das wird schon noch was."
Dass es für diese gegenseitige Hilfe kein
Rezept gibt, sondern dass sie Tag für Tag
neu bedacht werden muss,
das ist die andere Seite
meines Glaubens an Gott.
Jupp Wagner
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