Bischof nach Volkes Wahl oder von Papstes Gnaden?

Dieser Inhalt wurde anhand eines gescannten Dokuments mithilfe von optischer Zeichenerkennung (OCR) und künstlicher Intelligenz (KI) digitalisiert. Er kann Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten.

Kein Zweifel, der nächste Bischof von Luxemburg wird noch nicht von seiner Kirche selbst gewählt werden. Doch der Widerstand wächst in den Kirchen, sich von Rom einen Bischof vor die Nase setzen zu lassen. Wenn eine Bischofswahl durch das Volk, wie ehemals für viele Kirchen bezeugt, auch noch nicht für morgen ist, so sollten die Kirchen trotzdem nicht locker lassen und sich schon heute darüber Gedanken machen, worauf beim Bischof einer zukunftsträchtigen Kirche zu achten ist.

Die Vorgänge im niederländischen wie im österreichischen Katholizismus sind bekannt. 1) Mit Hilfe von Bischofsernennungen werden Kirchen auf römischen Vordermann gebracht. Männer lassen sich als Bischöfe von der römischen Kurie (die im Namen von Johannes Paul II. entscheidet) in Ritzen stopfen, um den satanischen Rauch der Liberalisierung von ihren Kirchen fernzuhalten, und zugleich einsetzen als Ventilatoren, denselben Rauch, soweit schon eingedrungen, wieder aus ihren Kirchen in die Hölle zurückzubefördern.

Unter den amtierenden Bischöfen wie unter dem "einfachen Kirchenvolk" glauben viele, beim Papst seien Bischofsernennungen in den besten Händen. Sie nehmen die Vorgänge in besagten Kirchen nicht zur Kenntnis, weil sie der Ansicht sind, seit dem heiligen Petrus habe immer der Papst die Bischöfe ernannt.

Johannes Paul II. selbst ist von seinem Recht, Bischöfe zu ernennen, zutiefst überzeugt. Sollte erwiesen, daß diese Macht ihm historisch zugewachsen ist, dann verbietet seine Theologie ihm, sie als Usurpation zu entlarven. Ihm steht jenes Argument zur Verfügung, mit dem für jede historische Entwicklung in der Kirche der Heilige Geist verantwortlich gemacht wird. Man kann sich vorstellen, daß der zweite Johannes Paul für die kurze Regierungszeit seines Vorgängers und ersten Trägers dieses Namens eine ähnliche pseudotheologische Erklärung bereit hat: nein, der heilige Geist hatte sich bei der Wahl des ersten Johannes Paul nicht geirrt, aber die Wege Gottes sind unerforschlich, Er kann auch auf krummen Zeilen gerade schreiben, erst im Jenseits werden wir erfahren, warum der erste Johannes Paul gewählt wurde, obschon der liebe Gott wußte, daß der nur noch dreiunddreißig Tage zu leben hatte. Oder wie die frommen Sprüche

sonst noch heißen. Und als Karol WOJTYLA beim zweiten Konklave des Jahres 1978 gewählt wurde, waren nicht wenige Kardinäle sich einig, wie schon ein paar Monate vorher, sie hätten das Wehen des Heiligen Geist fast körperlich gespürt. Karol WOJTYLA wurde erster polnischer Papst, und damit Träger einer hundert Jahre alten polnischen Weisagung, daß an einem polnischen Papst die Kirche genesen werde. Diese Prophezeiung zusammen mit der durchs 1. Vatikanische Konzil dogmatisierten Papolatrie verschaffen Johannes Paul II. jenes Sendungsbewußtsein, das ihn befähigt, keine Kritik an seinem autoritären Führungsstil zu dulden und auf Gehorsam zu bestehen, der ihm gebühre als dem Stellvertreter Christi. Als erster Papst ließ er sich mit dem Titel eines Stellvertreters Christi ganz offiziell ins neue katholische Gesetzbuch (Canon 331) einschreiben. Schon dieser Canon untermauert unsere Vermutung vom übergroßen Sendungsbewußtsein Johannes‘ Pauls II. Wie hätte er sonst ein Gesetzbuch unterschreiben können, das einen einzelnen Menschen zum Stellvertreter Christi hochstilisiert, obschon nach dem Glauben aller Kirchen der Christus Jesus keines Stellvertreters bedarf, da er selbst in jeder Kirche anwesend ist.

UNTERTÄNIGE PAPSTKIRCHE

oder

MUNDIGES SAKRAMENT DER EINHEIT?

Auch uns Luxemburgern steht in absehbarer Zeit eine Bischofsernennung ins Haus. Die Kirche Luxemburgs sollte sich darüber Gedanken machen. Prinzipiell, grundsätzlich.

M. Fuchs, Lauter fromme Schafe, Herder

PRINZIPIELL UNDEMOKRATISCH

In katholischen Tageszeitungen mit den größten Auflagen liest man immer wieder, die Kirche sei keine Demokratie, könne auch gar keine sein, da sie hierarchisch verfaßt sei. Zwar bleiben die Verfasser hierarchischer Kirchenverfassungen den Beweis für ihre Behauptung schuldig, doch bekanntlich genügt es, immer wieder die alten Kamellen zu produzieren, damit sie auch geschluckt werden. Sicher, lange nicht mehr von jedermann, auch nicht mehr von jederfrau. Dennoch können die Verfasser hierarchischer Kirchenverfassungsartikel sich darauf verlassen: ihre Kamellen werden geschluckt.

DIE ALTERNATIVE

zur unbeweisbaren hierarchischen Kirche ist die im Grundgesetz aller Kirchen festgeschriebene, wenn auch oft vergessene brüderliche Gemeinschaft ohne

Rangabzeichen. Aber mehr noch: ohne jene Maßstäbe, an welchen sonst gemessen wird; ohne jene Werte, mit welchen sonst gezahlt wird; ohne jene Titel, vor welchen sich sonst verbeugt wird.

Dennoch gibt es in den Kirchen Maßstäbe, Werte und Titel. Doch stehen sie genau am entgegengesetzten Ende der üblichen Skalen. Wenn einer in den Kirchen groß ist, dann der Kleine; wenn ein Titel gilt, dann der des Dieners; wenn ein Wert gilt, dann der des Armen.

DAS GEGENTEIL

der hierarchisch verfaßten Kirche ist die brüderliche Gemeinschaft. Die Gemeinschaft, in welcher keinem im Traum einfällt, sich eine Tiara aufzusetzen (oder zu bedauern, daß Paul VI. sie ablegte), oder einen Kardinalshut, oder eine Bischofsmitze, oder auch nur ein Pfarrerbrett, damit an den Hüten deutlich werde, wer der Größte ist. Bedauerlich, daß trotz vielfältiger Warnung durch jenen Mann, den alle Kirchen übereingekommen sind, ihren Herrn zu nennen, die Frage, wer der Größte in den Kirchen sei, nicht nur als Frage weiterlebt, sondern immer noch entschieden wird im Gegensatz zur Antwort eben jenes Herrn aller Kirchen, und zwar mit Hilfe von hohen Mützen und farbigen Strümpfen, mit zur Schau getragenen Brustkreuzen, Fingerringen und langbequasteten Bauchbinden, von denen schon im Mattäusevangelium geschrieben steht (cf Mt 23,5).

DIE ALTERNATIVE IST DAS GEGENTEIL.

Einfacher gesagt: hierarchische Kirche und brüderliche Gemeinschaft sind so unvereinbar wie Feuer und Wasser. Als Konsequenz gilt: entweder die Kirchen werden (wieder) geschwisterliche Gemeinschaften und entwickeln sich zu dem, was sie nach der Kirchendefinition des zweiten vatikanischen Konzils sein sollen – oder sie bleiben hierarchische Kungsleien, welche bisher noch nie den Ansprüchen des Evangeliums gerecht wurden und es auch in Zukunft nicht werden, da jede Rangabzeichenkirche dem Evangelium diametral entgegengesetzt ist.

DIE MAR VON DER UNTEILBAREN WAHRHEIT

muß herhalten zum unwiderlegbaren Argument gegen jede Demokratisierungstendenz in den Kirchen. Als wahr werden vorausgesetzt lehramtliche Entscheidungen, vom Evangelium spricht man nicht so schnell.

Jedoch:

wenn das Evangelium wahr ist, dann waren alle Kreuzzüge falsch, genau so falsch wie die Ketzerscheiterhaufen;

wenn das Evangelium wahr ist, dann hat 1484 Innozenz VIII. sich geirrt, als er die Hexenbulle unterschrieb;

wenn das Evangelium wahr ist, dann waren nicht nur Religionskriege, sondern sämtliche von christlichen Kaisern, Königen, Grafen und Baronen geführte Kriege unchristlich, dann waren alle Waffensegungen sakrilegisch;

wenn das Evangelium wahr ist, dann ist die Vatikanbank eine verkehrte Einrichtung und der Erzbischof-Präsident eben dieser Bank entweder ein Hohn auf den Bergprediger oder ein Argument gegen die Glaubwürdigkeit einer Kirche, welche dies protestlos hinnimmt;

wenn das Evangelium wahr ist, dann haben alle Kirchen es nötig, sich schuldig zu bekennen wegen

vergossenen Blutes, wegen verbrannter Erde, wegen vergifteten Wassers. Da waren ja nicht nur irregeführte Einzelmenschen schuldig, sondern im Namen Christi hatten Hierarchen ganze Völkerstämme gegeneinander ins Feuer geschickt.

Solange die Kirchen nicht solidarisch werden im Bekenntnis ihrer Schuld, wer kann dann Zeuge sein für die Wahrheit des Evangeliums? Wie können Kirchen dann überhaupt glaubwürdig werden als Zeichen für die Einheit zwischen Gott und den Menschen und als Instrumente der Einheit zwischen den Menschen?

ZEUGEN FÜR DIE WAHRHEIT

des Evangeliums können nur geschwisterliche Kirchen sein, wo keiner sich über den andern erhaben dünkt, wo alle Kinder des gleichen Vaters sind; wo keiner vom andern Gehorsam fordert, wenn ihm alle andern Argumente ausgegangen sind; wo alle gemeinsam dem Wort Gottes und sonst niemand Gehorsam schulden; wo jeder mal einen Fehler machen darf, ohne deswegen gleich gehängt zu werden, wo aber auch jeder seine Fehler nur los wird, wenn er sein Unrecht eingesteht und eine ganze Kirche hilft, verursachten Schaden auszubessern so gut es geht; wo jeder das für seine Schwestern und Brüder tut, was er besser kann als die andern, wo Staubwischen für genau so wichtig gehalten wird wie Predigen, wo Krankenbesuche und Gebet sich die Waage halten, wo Rücksicht und Wagemut sich die Hand reichen.

DENKBARE KIRCHLICHE DEMOKRATISIERUNG

Nicht nur das Evangelium Jesu Christi mit seiner dauernden Forderung nach Geschwisterlichkeit und seinem unüberhörbaren Verbot jeder Art von Hierarchisierung lassen eine kirchliche Demokratisierung als denkbar und deshalb möglich erscheinen. Sollte jede Kirche "Mater et Magistra" sein, wie der Titel der Sozialenzyklika Johannes‘ XXIII. proklamiert, dann müssen in einer Zeit der Demokratien alle Kirchen ebenfalls in dieser Hinsicht "Erzeugerinnen und Lehrmeisterinnen" demokratischer Organisationsformen sein.

Moderne Demokratien sind ja nicht einfachhin für jede Willkür offen, sondern verpflichten alle Bürger auf einer allerbreitesten Basis, dem Grund-

recht oder, wie dies bei uns heißt, der Konstitution. Freilich haben Konstitutionen keinen Ewigkeitswert, da sie vom gesetzgebenden Organ unter bestimmten Umständen verändert werden können.

Wenn die Kirchen ihre "Konstitution" auch nicht verändern können, so gibt es dennoch etwas Ähnliches bei ihnen: das "Wort Gottes", welchem sie sich alle, trotz ihrer sonstigen Verschiedenheiten, verpflichtet wissen. Da im kirchlichen Leben die Frage nach Gott eine allererste Rolle spielt, wo hingegen sie in modernen Staaten kaum noch von Bedeutung ist, können Kirchen weder demokratisch darüber abstimmen, ob es einen Gott gibt, noch ob er drei- oder vierfaltig ist. In Fragen des Glaubens, genau hierin, und nur hierin liegt die Grenze kirchlicher Demokratisierung. 2) In Fragen der Organisation jedoch ist Freiheit gegeben, solange die Organisationsform die kirchliche Struktur nicht behindert. Die Struktur ist nämlich jenes Grundmuster, welches sich in allen Kirchen wiederfindet. Das zweite Vatikanische Konzil beschreibt dieses Grundmuster:

Sakrament
das heißt Zeichen und Instrument
der Einheit zwischen Gott und den Menschen
sowie der Menschen untereinander.

Daß es für den Augenblick keine Kirche gibt, welche dieser Idealdefinition hundertprozentig entspricht, steht außer Zweifel und ist auch nicht tragisch. Denn keine einzige menschliche Institution erfüllt total jene Aufgaben, die sie sich selbst stellt.

Sakrament

Jede Kirche ist Sakrament, oder sollte es sein. Ein Zeichen, das wirkt wie ein Instrument, und ein Werkzeug, das wirkt wie ein Zeichen. Klingt sehr kompliziert, ist es aber nicht.

Zeichen

Die Glocke gibt ein Zeichen, doch niemand ist gezwungen dem Geläut zu folgen. Das Verkehrsschild gibt ein Zeichen, Tausende von Autofahrern bemerken es … und beachten es nicht. Zeichen wirken nicht magisch. Gegen Hexen kann man sich bekanntlich nicht wehren. Sie sagen ihre Zauberformel her, und – hastdunichtgesehen – aus dem Prinzen ward ein Frosch. Gegen Zeichen kann man sich wehren, indem man verweigert, das zu tun, wozu sie einladen. Zeichen müssen lesbar sein. Für Analphabeten sind Buchstaben bedeutungslose Stricheleien.

Unter Katholiken ist das magische Sakramentenmißverständnis kolossal. Auch (und vielleicht besonders) unter jenen, die kaum Kontakt zu ihrer Kirche halten. Als ob ein getauftes Kind vor Aids besser geschützt sei als ein ungetauftes. Als ob über eine kirchlich geschlossene Ehe ein übernatürlicher Schutzschirm ausgespannt sei.

Werkzeug

Instrumente bearbeiten Werkstoffe. Nadeln stechen, Hobel heben Späne ab, Bohrer durchdringen Stahlwände, Nieten heften Bleche zusammen … Gegen Instrumente kann man sich nicht wehren. Sie sind ag-

gressiv. Oder wohltuend. Atombomben sind Vernichtungsinstrumente. Windmühlen sind lustige Erzeuger von Strom aus der sich immer wieder regenerierenden Primärenergie Wind.

Einheit

ist nicht Uniformität. Jede Uniform vergewaltigt Menschen, sei das nun der Waffenrock oder der Kardinalspurpur. Uniformen verdecken und verderben den Charakter, das persönliche Gepräge. Uniformen verführen zum Gleichschritt. Uniformität ist Verbot der Selbständigkeit. Darüber wäre sicher in den Kirchen viel nachzudenken. Da ihre Hierarchen immer noch meinen, mit Maßregelungen die Einheit zu retten, welche ihrer Ansicht nach gefährdet ist, sobald ein denkender Mensch Dogmen und andere hundert- bis tausendjährige Vorschriften hinterfragt. Daß der Jesus viele Vorschriften seiner jüdischen Kirche hinterfragte, sobald er sie für unsinnig und darum menschenverachtend hielt, daran denken unsere Dogmenbewahrer kaum.

Mit diesen paar Bemerkungen sei festgehalten, daß Einheit mit Maßregelungen oder einer wie auch immer gearteten Gewalt nicht herzustellen ist. Ihr Lehrgeld in dieser Hinsicht müßten die Kirchen aller Schattierungen in der Zwischenzeit hinlänglich bezahlt haben.

in: Publik-Forum

Erzeugung von Einheit nach Art eines Sakraments.

Theologen liegen nicht verkehrt, wenn sie behaupten, bevor die Kirche zum Sakrament werden konnte, sei ein "Ursakrament" dagewesen. An dem müsse jede Kirche sich jederzeit messen. Jenes Ursakrament trage einen großen Namen: "Jesus Christus". Und dieses Ursakrament sei das sichtbare Bild des unsichtbaren Gottes. Nach vielen Anläufen, die babylonische Verwirrung zu entwirren durch vielerlei Propheten, habe Gott zu guter Letzt seinen eigenen Sohn nicht geschont. Der sollte den Knoten lösen. Nur nicht nach der Methode Alexanders des sogenannten großen. Schwerter seien untauglich zur Herstellung von Einheit. Das bewiesen schon die Schwertartisten, die samt und sonders Uniformträger seien, welche sich immer hinter Befehle verschanzten, die sie nur auszuführen hatten. So blieb dem Ursakrament kein anderer Weg als der gewaltlose:

Vorangehen

in der Hoffnung

daß andere nachfolgen

dann mal wieder stehenbleiben

in der Hoffnung

daß Nachfolger sich sammeln

dann weitergehen

in der Hoffnung

daß von den Gesammelten etliche mitgehen

dann mit den Begleitern reden

in der Hoffnung

daß etliche zuhören

dann den Zuhörern Mut machen zum Umdenken

in der Hoffnung

daß tatsächlich etliche umdenken

dann den Umdenkenden klarmachen

worauf es ankommt

in der Hoffnung

daß sie es begreifen

dann den Begriffsstutzigen vormachen

wie man es anpacken soll

in der Hoffnung

daß sie es nachmachen

dann vor falschen Handgriffen warnen

die alles wieder in Frage stellen

in der Hoffnung

daß nach manchem Lehrgeld

auch die Warnungen verstanden sind

dann die Resignierten wieder ermutigen

in der Hoffnung

daß sie wieder mit anpacken.

Auf diese Weise hat das Ursakrament eine Gruppe von Frauen und Männern zur Einheit gemacht. Und nur auf diese Manier. Keinen hat er gezwungen mit ihm zu gehen oder ihm auch nur zuzuhören. Er hat eingeladen durch seine Art, die einladend wirkte. Er hat sie ermutigt, weil er von ihnen nichts erwartete, was er nicht von sich selbst verlangte. So sind sie zum Nachfolgesakrament geworden. Werkzeug, das sammelt ohne Gefängnis zu sein. Zeichen, das einlädt ohne zu blenden. Werkzeug, das Einheitsenergien erzeugt ohne irgend ein Leben zu gefährden. Zeichen, das Wege aufweist ohne irgend jemand eine Falle zu stellen. Als Werkzeug wirksam, doch ungefährlich. Als Zeichen sichtbar, doch unaufdringlich.

Wer Einheit will, der sieht das Zeichen

Wer Einheit will, der prüft das Werkzeug.

Wer Einheit will, der folgt dem Zeichen

wird Teil des Zeichens

in voller Verantwortung

wird Teil des Werkzeugs

in persönlicher Entscheidung.

Eine Umschreibung christlichen Lebens könnte dies sein. Leute, die bloß konsumieren, sind keine Christen. Und seien jene Sachen, die sie konsumieren, noch so heilig. Alle Christen haben Teil am Amt und an der Würde des sammelnden Christus. Diese Teilhabe wird in der klassischen Theologie benannt als jene Teilhabe am "Hirten"amt, von welcher das "Hirtenwort des Bischofs von Luxemburg zur Fastenzeit 1987" spricht (Kirchl. Anzeiger 1/87, S.2).

ALLE GETAUFTE SIND HIRTEN

Eine Optik, welche das Hirtenamt ausschließlich in Bischofs-, vielleicht auch noch in Pfarrershänden, sähe, würde den Blickwinkel ungebührlich verengen. Dennoch ist der Dienst des Bischofs nach alter Tradition ein Teil des dreigliedrigen sakramentalen "Hirtenamtes" (Bischofs-, Presbyter- und Diakonendienst). Als es noch keine elektrischen Zäune

gab, oblag es den Hirten, die Herden zusammenzuhalten. Organe der Einheit waren sie für ihre Herde unvernünftiger Tiere. Kirchen sind keine Herden. Daß dieser Ausdruck in der Bibel steht als Bild für das Volk Gottes, ist verständlich. War die Welt der Bibel doch in der Hauptsache eine Agrarwelt. Mißverständlich wird der Ausdruck erst, wenn sein Bildcharakter verloren geht und das Gleichnis als Wirklichkeit gelesen wird. Seit die Bibel fertiggeschrieben ist, dürften wir gelernt haben, daß Getaufte weder Schafe noch Rindviecher sind, sondern Menschen, welche nicht zur Herde zusammengetrieben werden. Getaufte sind (oder müßten sein) Menschen, die samt und sonders Interesse haben an der Einheit aller Menschen mit Gott sowie an der Einheit aller Menschen untereinander. Ist bei ihnen solches Interesse nicht vorhanden, ist dies eindeutiges Zeichen für christliches Fehlverhalten, welches nach alter christlicher Tradition "Sünde" genannt wird. Eine Sünde welche in dieser Form bisher noch in keinem Beichtspiegel stand. Es ist eine Form von kollektiver Sünde, welche dem Einzelnen nicht als Gewissenslast aufgebürdet werden kann, solange sie ihm nicht bewußt ist.
Und dennoch ist es Fehlverhalten, nämlich der ganzen Kirche, verursacht bei den Getauften durch das allzulange Nichtausüben ihrer Teilhabe an Amt und Würde des "Hirten" Christus. Weil der "sakramentale Hirtendienst" in einer ziemlich rasch sich entwickelnden Fehlform das gläubige Volk zur unmündigen Herde degradierte, die sich von ihren "Hirten" in den Himmel führen lassen sollte. Wer einigermaßen in der Geschichte bewandert ist, weiß, wie oft und wie gründlich die "Hirten" ihre "Herden" regelrecht ausschlachteten. Obschon im "kirchlichen Grundgesetz" die Teilhabe aller Getauften nicht nur am Hirtenamt, sondern auch am Propheten und am Priesteramt des Christus Jesus verankert ist. Eine Kirche hat keine passiven Mitglieder. Es gilt also nun, allen Getauften

IHRE TEILHABE AN DEN ÄMTERN CHRISTI

zurückzuerstatten. Kein Sechstagewerk, sondern eine Arbeit für Jahrzehnte! Da historischer Ballast abzuwerfen ist; da bei "Klerikern" wie "Laien" ein Umdenkprozeß in Gang zu setzen ist, der sowohl von Bischöfen, Priestern und "permanenten" Diakonen aktiv, wie auch von den "Laien" passiv behindert wird. Die erste und mächtigere Kirchengruppe wird sich weigern, von ihren Privilegien zurückzustehen, die zweite, viel zahlreichere Kirchengruppe wird sich weigern, aktiv zu werden und Verantwortung zu übernehmen, da das passive "In-den-Himmel-Geführtwerden" viel bequemer und viel "religiöser" war. In allen Religionen gibt es nämlich Spezialisten für den Umgang mit den Göttern, die sogenannten Priester, während im kirchlichen "Grundgesetz" steht, alle Getauften hätten durch den Christus Jesus direkten Zugang zum Vater, ein einziger sei Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus. (1. Brief an Timotheus, 2,5; cf auch Brief an die Galater, die Epheser und die Hebräer).

Wie sollen wir uns

eine solche Teilhabe vorstellen?

Es scheint vorerst nötig aufzuräumen. Und zwar mit der stark verbreiteten Meinung, Christentum sei Moral. Nun ist es zwar richtig, daß sich aus christlichem Glauben eine Ethik ableitet, welche Christen zu christlichem Handeln verpflichtet. Dennoch ist es falsch, christlichen Glauben auf Moral zu reduzieren.

Dann scheint es nötig darauf hinzuweisen, daß der Osterglaube, die Kreuzigung zusammen mit der Auferweckung des Jesus, das Wesenselement christlichen Glaubens ist. Für Christen ist der Jesus kein hingerichteter Rebell, sondern jemand der lebt, weil er nicht an seinem Leben klebte; jemand der sein Leben gab für seine Freunde und so das wahre, das richtige, das wirkliche Leben rettete. In ihm sind alle kirchlichen Ämter beieinander: er ist der erste Sammler von Menschen (die biblischen Bilder vom Menschenfischer und Hirten sind bekannt); er ist der einzige Priester (das biblische Bild vom einzigen Mittler und Höhenpriester ist weniger bekannt, dennoch im Hebräerbrief nachzulesen); er ist der Prophet, der wie kein anderer die Gedanken unseres Vaters mitdenkt und mitteilt (das biblische Bild vom Wort Gottes wird zwar an jedem Weihnachtstag dem gläubigen Volk vorgelesen, doch es läuft sogar an den meisten Vorlesern ab wie Sturzregen am Ölzeug).

in: Publik-Forum

In der Nachfolge des ersten Hirten, Priesters und Propheten geht (oder sollte gehen) eine ganze Kirche. Sie ist solidarisch in dieser Nachfolge. Was nicht bedeutet, daß jeder einzelne Christ jene drei "Ämter" selbst virtuos beherrscht oder beherrschen müßte. Doch jeder Getaufte muß dafür sorgen, daß die Kirche, in welcher er zuhause ist, Menschen sammelt, zwischen Gott und der Welt vermittelt und die Gedanken Gottes mitteilt. In dieser Form dargestellt wird bereits deutlich, daß die Aufteilung des Werkes Christi in drei "Ämter" – vielleicht würden wir heute sagen: in drei "Ressorts" – nicht total logisch erfolgt ist. "Vermitteln" und "Mitteilen" stehen ja in etymologischem Zusammenhang. Wenn "Priesteramt" und "Prophetenamt" in der klassischen Theologie unterschieden werden, so hängt es wahrscheinlich damit zusammen, daß im Volk Israel das Priesteramt institutionalisiert war, während das Prophetenamt sich nicht zähmen ließ und zumeist im Gegensatz zum Priesteramt stand.

Solidarität.

Der Widerstand polnischer Arbeiter gegen das, von einer Mehrheit des Volkes unerwünschte, Regime hat dem Ausdruck "Solidarność" weltweites Gehör und Zustimmung verschafft. Im Westen der Oder-Neiße-Linie saßen wir als mehr oder weniger interessier-

te Zuschauer vor unsern Fernsehschirmen, unterstützten die armen Polen mit Wollsocken und waren froh, weit vom Schuß zu sein. Bei uns ist Solidarität nicht nötig und deshalb für uns so schwer zu lernen. Wir leben unter freiheitlich-demokratischen Regime, das gut für uns sorgt. Wir sind (in der Mehrzahl) gut versorgt und brauchen uns keine Sorgen zu machen. Außer jenen paar Naivlingen (oder sind sie Masochisten?), denen das Miesmachen zum Hobby geworden ist.

Natürlich kann "Solidarität" die von Anfang an in den Kirchen grundgelegte "Geschwisterlichkeit" nicht ersetzen, da diese (früher sagte man dazu "Brüderlichkeit", doch inzwischen haben wir gelernt, zu unsern Schwestern nicht mehr "Brüder" zu sagen) in der Herkunft aller Menschen von ihrem gemeinsamen "Vater" gründet. "Solidarität" ist jener Aspekt der Geschwisterlichkeit, welcher alle Schwestern und Brüder ganz selbstverständlich und ohne alle Umstände dazu treibt, ihren notleidenden Schwestern und Brüdern zu helfen. Auch unter Einsatz des eigenen Vermögens, der eigenen Bequemlichkeit, wenn nötig der eigenen Freiheit und sogar (wie der Christus Jesus vormachte) des eigenen Lebens. Diese letzte und irreversible Solidarität trug zu Zeiten der Kaiser Nero bis Domitian den Namen "Martyrium", was Zeugenschaft bedeutet.

Längst ist die Zeit vorbei, da unsere Kirchen Zeugen waren. Längst sind sie zu reinen Religionsversorgungsanstalten verkommen. Dennoch gibt es in ihnen schon wieder vereinzelte Stimmen, welche zaghaft anfragen, ob es nicht vielleicht an der Zeit sei, von dieser versorgten Kirche mal wieder zu einer sorgenden Kirche zu werden, die nicht nur Almosen verteilt, sondern sich an einer Veränderung ungerechter Strukturen beteiligt. Freilich sind derartige Töne noch sehr selten in den pfarrherrlichen Sonntagsreden. Obschon seit 1965 offiziell bekannt ist, daß eine "versorgte" Kirche eine "Unkirche" ist und gar nicht in der Lage, "Sakrament", Zeichen und Werkzeug zu sein. Solches kann sie nur solidarisch sein, wenn alle Mitglieder gemeinsam Verantwortung tragen.

Wie sollen wir zu einer solchen Teilhabe kommen?

Der beste Motor rostet, wenn er nicht läuft. Der gesündeste Organismus verfettet und wird infarktanfällig, wenn er sich gerade noch von einem Sessel zum andern schleppt.

Unsere Kirchen sind dick und fett geworden. Leute, welche sich bemüßigt fühlen, die Kirche zu bekämpfen, täten genau das Falsche, wenn sie ihr die Geldhähne zudrehten. Da waren jene Männer besser beraten, welche zu Zeiten des Schulstreites rieten, den Pfarrern möglichst viele Religionsunterrichtsstunden in den Schulen aufzuhalsen. Das Resultat liegt vor: eine Kirche, welche verlernt hat, ihren Glauben weiterzugeben; eine Kirche welche kaum noch in Bewegung zu setzen ist; eine Kirche, die an ihrem eigenen Schicksal desinteressiert ist.

Zwar hat das zweite Vatikanische Konzil zur Schaffung etlicher Organe ermutigt, welche wieder Bewegung ins Ganze bringen sollten: Pfarr-, Pastoral- und Priesterräte. Doch ängstlich wurde all diesen Gremien verboten, Entscheidungen zu treffen. Kaum geboren, werden diese Organe wieder absterben. Ja, im neuen kirchlichen Gesetzbuch ist ihnen der Tod befohlen. Zu was denn sollen "Räte" nutzen, die keine Entscheidungen treffen, sondern nur raten dürfen, was der Bischof beschlossen hat?

Nach diesen "prinzipiellen" Erwägungen können wir uns nun heranwagen an die Beschreibung eines

GRUNDMERKMALS

für den Bischof einer Kirche mit Zukunft. Gemeint ist natürlich ein Bischof, der für die Kirche, zu welcher er gehört, ein Tor zur Zukunft aufstößt.

Seiner Kirche Mut machen selbst Entscheidungen zu treffen.

Innerhalb seiner Kirche ist der Bischof ein Zeichen und Werkzeug, Sakrament der Einheit seiner Kirche mit Gott, sowie der Kirchenglieder untereinander. Nicht er ist es, der diese Einheit herstellt. Er ist "nur" jenes lebensnotwendige Organ in seiner Kirche, das nach Art eines Sakramentes, nach Art eines Katalysators, nach Art eines Hinweises seine Mitchristen herausfordert zu jener Einheit, ohne welche jede Kirche zur Unkirche wird.

Der Bischof einer zukunftsträchtigen Kirche wird nicht müde werden dürfen, das bisherige Rollenverständnis in etwa umzukehren. Er (und nicht seine "Räte") wird der Beratende sein, der zusammen mit seiner Kirche und nur zusammen mit ihr Entscheidungen verantwortet. Ein befehlender oder verbietender, oder auch nur ein alleinentscheidender Bischof wird seine Kirche weiter ins Abseits führen. Die Majorität der Getaüften nimmt die Befehle oder Verbote ja nicht einmal mehr zur Kenntnis. Viel gravierender aber: er leistet der kirchlichen Fettsucht und Infarktanfälligkeit weiter Vorschub. Eine fettsüchtige und infarktgefährdete Kirche im Abseits taugt aber weder zum Zeichen noch zum Werkzeug für jene Einheit, welche unserer Welt nottut.

Der Bischof einer zukunftsträchtigen Kirche wird nicht Bewahrer eines für alle Zeiten deponierten

Glaubensschatzes sein, sondern Mitglaubender seiner Kirche. Er wird nicht für jede Lebenslage einen Bibel- oder Kirchenvätersspruch parat haben, sondern die theoretischen wie die praktischen Glaubensschwierigkeiten seiner Kirche spüren und mit ihr zusammen nach verständlicher Formulierung, nach sinnvoller Deutung alter Glaubensbekenntnisse suchen, ohne seine eigene Meinung als die alleinseligmachende aufzudrängen. Mehr als ein Lehrender, wird er ein Hörender sein, ein aufmerksamer Zuhörer, der bereit ist, nicht nur mit, sondern auch von seinen Mitgläubigen zu lernen.

Der Bischof einer zukunftsträchtigen Kirche wird sich den Titel eines Stellvertreters Christi, wenn nicht gar eines Stellvertreters Gottes verbitten. Als Bruder aller Frauen und Männer wird er auf der gleichen Ebene stehen wie alle andern Kirchenglieder auch; auf einen Thron wird er sich nicht mehr setzen. Desgleichen wird er sich verbitten, als "Vater" oder "Herr", wenn nicht gar als "Monseigneur" angeredet zu werden, da ein einziger unser aller Vater ist: Gott; und ein einziger unser aller Herr: Jesus Christus.

Wenn heutige Christen sich auch nicht mehr als Schafe und Kirchen sich nicht mehr als Herden verstehen können, so gibt der gegen Ende des ersten Jahrhunderts geschriebene und mit dem Hirtenbild operierende erste Petrusbrief (1. Petr 5,1-3) dennoch Aufschluß, was eine damalige Kirche von ihrem "Ältesten" erwartete:

Nicht Herrscher

sondern "TYPOS" der Herde.

Die "Ältesten" sollen "typisch" sein für ihre Herden. Im Katalog der sogenannten "Seligkeiten" des Mattäusevangeliums (Mt 5, 1-12) ist ein Kirchenprofil gezeichnet, welches demnach auch für ein "Bischofsprofil" gut ist, da ein Bischof ja sonst nichts sein kann, als typisch für die Kirche, in welcher er zuhause ist.

ARM

Man braucht nicht darüber zu streiten, daß "Armut" relativ ist. Es mag stimmen, daß eine arme Luxemburger Kirche im Vergleich mit einer brasilianischen immer noch reich wäre. Doch es geht hierbei nicht nur um Einkünfte. Obschon die Frage erlaubt sein dürfte, ob eine Kirche überhaupt Häuser, Felder und Kapitalien besitzen soll über das hinaus, was sie braucht, um ihre Ausgaben zu decken. Es geht auch um "ideellen" Besitz, um Privilegien, die ihr im Lauf der Jahrhunderte zugefallen sind, wenn sie dieselben nicht gar "eroberte". Bei uns zum Beispiel: staatliche Klerus- und Katechetenbesoldung, Religionsunterricht in den öffentlichen Schulen, Bau von Kirchen und Pfarrhäusern auf Kosten der staatlichen Gemeinden. Eine arme Kirche darf solche Privilegien weder behalten, noch darf sie warten, bis man sie ihr wegnimmt. Sie muß sie zurückgeben.

Der für eine zukunftsträchtige Luxemburger Kirche typische Bischof wäre also verpflichtet, sich zusammen mit seiner Kirche auf den Weg zu machen, auf ihre Privilegien zu verzichten.

Dem Bischof einer zukunftsträchtigen Kirche Luxemburgs wäre es demnach nicht mehr möglich in einem Palast wie ein Herrscher zu residieren, noch auf

in: Publik-Forum

dem Präsidentenstuhl eines Aufsichtsrates zu sitzen oder Eigentümer eines Aktienpaketes zu sein. Trotzdem wird ein Bischof, der mit seiner Kirche lebt, weder im Freien übernachten noch den Hungertod sterben müssen.

GEWALTLOS

Die zweite der Seligkeiten lautet: "Selig die Sanften, denn sie werden die Erde besitzen." Völlig gegen unsere Erfahrung, denn es waren (und sind noch immer) die Gewalttätigen, welche die Erde beherrschen. Genau hierum geht es. Nach der Ansicht des Bergpredigers sind es die Gewaltlosen, welchen die Erde zufällt.

Zwar führt heute keine Kirche mehr einen Krieg, dennoch begünstigen die meisten Kirchenmitglieder (und somit der größte Teil der Kirchen) noch immer Abschreckungsstrategien, die aber im Grund nur versteckte Besitzverteidigungsstrategien sind.

Der für eine zukunftsträchtige Luxemburger Kirche typische Bischof wird nicht umhin können, die Kirche, in welcher er zuhause ist, zu ermutigen von jeder auch nur im geringsten Maße gewaltverdächtigen Strategie abzurücken.

TRAUERND

Es ist heute nicht mehr vorstellbar, der Bergprediger könne eine stets im Tränental seufzende Kirche gemeint haben, welche sich erst im Jenseits freuen darf. Es geht eher um Wehrlosigkeit, um jene andere Seite der Gewaltlosigkeit. Eine Kirche, welche sich nicht zur Wehr setzt, findet ihren Verteidiger. Nicht erst im "Jenseits", sondern schon jetzt unter allen verständigen Leuten, welche immer und überall den Wehrlosen beistehen.

Des weiteren geht es um das schon angesprochene Problem der Schuld. Eine Gemeinschaft kann genau so schuldig werden wie ein Einzelner. Das Bedauern begangenen Unrechts sowie das Planen aller möglichen Sicherungen, damit jeder Holocaust ausgeschlossen bleibt, bringt der geständigen Gemeinschaft zuerst einmal Verständnis und irgendwann auch mal wieder die Hilfe aller verständigen Leute ein.

Der für eine zukunftsträchtige Luxemburger Kirche typische Bischof wird sich nicht davor drücken, zusammen mit der Kirche, in welcher er zuhause ist, gemachte Fehler einzugestehen und Fehlverhalten, welches immer noch andauert, abzustellen.

Vielleicht wird in dieser Hinsicht die Kirche den Anfang machen und ihren Bischof dazu ermuntern müssen, bislang uneingestandene kirchliche Fehler endlich einzugestehen, und in Zukunft eher die Bergpredigt als die zehn Gebote zur Richtschnur kirchlichen Planens und Handelns zu machen.

HUNGER UND DURST NACH DEM RICHTIGEN MENSCHEN

Die vierte der "Seligkeiten" lautet: "Selig die Hunger und Durst haben nach der Gerechtigkeit, denn sie werden gesättigt werden." Im Vergleich mit dem biblischen Verständnis von Gerechtigkeit zielt unser Verständnis zu kurz. Es geht nicht nur darum, daß jeder Mensch das erhält, worauf er ein Recht hat. Gerecht werden in der Bibel jene Frauen und Männer genannt, die nicht nur für die Rechte ihrer Mitmenschen genau so eintreten wie für ihre eigenen, sondern die auch Gott geben, worauf er ein Recht hat. Die vierte Seligpreisung erwartet das Erscheinen des ersten Menschen, der so aussieht, wie der Schöpfer ihn sich ausgedacht hatte.

Jede Kirche müßte in doppelter Hinsicht dieser Seligpreisung entsprechen. Einmal, weil sie in ihrem armen, gewaltlosen, privilegienlosen Herrn jenen Menschen kennt, der so aussieht, wie der Schöpfer ihn sich ausgedacht hatte. Und zum andernmal, weil sie ihn immer noch "erwartet", oder besser gesagt: ihm entgegengeht auf seinem Weg. Sein Weg ist ja nach kirchlichem Glauben nicht mit seinem Tod zu Ende.

Der für eine zukunftsträchtige Luxemburger Kirche typische Bischof wird mit seiner Kirche dafür sorgen müssen, daß der "Hunger nach dem richtigen Menschen" nicht zur Hungersnot ausartet, gegen die "man nichts tun kann", sondern daß er gestillt wird. Diese Aufgabe ist komplexer als dies sich liest.

Da müßte in der Kirche selbst der Hunger nach dem richtigen Menschen mal wieder verspürt werden. Wenn nämlich, seit es mit der Kirche begann, Jesus Christus als der richtige Mensch erkannt war, dann ist das in den heutigen Kirchen so nicht mehr der Fall. Auf die simpel gestellte Frage "Wer in der Kirche möchte denn schon so leben (von seinem Tod ganz zu schweigen), wie der Jesus gelebt hat?" wird doch von (fast) allen Getauften unserer Breitengrade mit "ich nicht!" geantwortet. Das Desinteresse, wenn nicht sogar die Feindseligkeit der alten Kirchen Europas gegenüber den Befreiungstheologien in der dritten Welt bezeugt genau diesen Sachverhalt.

Wer in der Luxemburger Kirche wird vom geschäftigen Hin- und Herrenen seiner Mitbürger zum jesuanischen Aufschrei veranlaßt: "Sie sind wie Schafe, die keinen Hirten haben?" Keine der "Seligpreisungen" kann gegen die anderen ausgespielt werden, als ob eine wichtiger sei als die andere. Dennoch scheint hier eine Mitte erreicht zu sein: die pastorale Sorge der ganzen Kirche.

Deshalb scheint auch gerade hierin jeder zukünftige Bischof gefordert zu sein. Er ist Zeichen und Werkzeug, Sakrament der pastoralen Aufgabe seiner Kirche. Nach Art eines Sakraments, ohne zu zwingen, ohne zu kommandieren, durch Anstupfen und Mutmachen, und nicht zuletzt durch sein eigenes Leben wird er seiner Kirche deutlich machen, daß sie etwas anderes ist als eine moralische Anstalt oder eine Zeremonientante; daß sie mit ihrem Bischof und er mit ihr keine andere Daseinsberechtigung hat, als den richtigen Menschen sichtbar zu machen, damit auch andere Leute Appetit auf ihn bekommen. An diesem zentralen Punkt tritt die Notwendigkeit des Umdenkens der ganzen Kirche am deutlichsten zutage. Solch radikales Umdenken wird kein Bischof ohne die Mitarbeit seiner Kirche und keine Kirche ohne den Anstoß ihres Bischofs schaffen.

MITLEIDEND

Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter drängt sich auf. Wie lange Jahre hindurch verschuldeten die Kirchen (allein und zusammen mit dem "weltlichen Arm") unsägliches Leid. Wie lange noch gehen die kirchlichen Gemeinschaften an jenem Leid vorbei, dem nicht mit Almosen, sondern nur mit wirtschaftlichen Strukturreformen beizukommen ist. "Selig die Mitempfinden, denn ihnen wird Mitempfinden entgegengebracht" heißt es in der fünften Seligpreisung. Ist in den Ländern der ersten Welt Kirche deshalb in keinem der gesellschaftlichen Subsysteme mehr vertreten, weil sie in ihrer Gesamtheit das Leid der Milliarden nicht mehr wahrnimmt? 3)

Die Bischöfe der Vereinigten Staaten haben, in Zusammenarbeit mit ihren Kirchen, einen "Hirtenbrief" geschrieben über "Wirtschaftliche Gerechtigkeit für alle". Die Kirche der Vereinigten

Staaten hat demnach die "neue Armut" in den USA wahrgenommen, und versuchte einen Anstoß zur strukturellen Reform.

Der für eine zukunftsträchtige Luxemburger Kirche typische Bischof wäre gut beraten, wenn er in Zusammenarbeit mit seiner Kirche eine ähnliche Aufgabe übernähte. Denn nur eine mit den Armen mitempfindende Kirche kann Mitempfinden erregen. Und nur eine Kirche, die nicht als nebensächlich empfunden wird, kann Zeichen und dann auch Werkzeug der Einheit aller Menschen sein. Und nur als Instrument der Einheit von Menschen kann sie glaubwürdiges Instrument der Einheit zwischen Gott und den Menschen sein.

Es sei noch einmal hingewiesen auf die Unfähigkeit der meisten unserer Zeitgenossen so zu glauben, wie ihre Urgroßeltern glaubten. Diese Unfähigkeit ist sehr verbreitet. Es wäre gut, wenn die Luxemburger Kirche diese Unfähigkeit mitempfände. Denn weder mit der stumpfsinnigen Wiederholung von Leerformeln, noch durch das undifferenzierte Verabreichen von Riten an jedermann wird die Kirche ihrer pastoralen Aufgabe gerecht.

In: Publik-Forum

DURCHSICHTIGES HERZ

"Selig die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott sehen". Das reine Herz ist durchsichtig. Man kann hineinsehen und man kann daraus herausschauen. Das durchsichtige Herz steht im Gegensatz zum mauschelnden Herzen, das auf seine eigenen Vorteile bedacht ist. Es versteckt seine Gedanken und Absichten. Da es so sehr mit sich selbst beschäftigt ist, sieht das undurchsichtige Herz weder Gott noch seinen Nächsten. Unehrlichkeit ist angesagt, vornehm kaschiert unter der Bezeichnung "Diplomatie". Eigentlich dürfte kein Mensch, der das Evangelium auch nur oberflächlich gelesen hat, auf die Idee kommen, in der Nachfolge des Jesus könnte eine Diplomatenschule gegründet worden sein. Unvorstellbar und dennoch wird die kirchliche Diplomatenlaufbahn von etlichen als erstrebenswert angesehen und leider auch erreicht.

Der für eine zukunftsträchtige Luxemburger Kirche typische Bischof wird nicht nur seine Kirche zur Ehrlichkeit anhalten, sondern auch in seinem eigenen Gebaren für jene Offenheit sorgen, welche nun in der Sowjetunion als "Glasnost" angepackt (oder

muß man besser sagen: ausgepackt) werden soll. Skeptisch steht die westliche Welt diesem "Glasnost"-versuch gegenüber. Skeptisch dürfte man in der Kirche nicht bleiben, wenn Offenheit an Stelle der Geheimniskrämerei, wenn Durchsichtigkeit an Stelle der Diplomatie, wenn Demokratie an Stelle der Kungelei treten soll. Der für eine zukunftsträchtige Luxemburger Kirche typische Bischof wird seine Kirche aus ihrer Interesselosigkeit befreien müssen, die durch hierarchische Geheimniskrämerei mit-, wenn nicht alleinverursacht ist. In keiner Kirche dürfte es Geheimerlasse oder sonstige Geheimpapiere geben. So was untergräbt die fundamentale Geschwisterlichkeit.

Es ist zwar einzusehen, daß in diesem Punkt die sogenannte Hierarchie am meisten auszupacken hätte. Doch auch die sogenannten Laien müßten den Mut haben, ihre eigenen Ansichten zu vertreten. Sind sie doch in vielerlei Hinsicht kompetenter als zölibatäre Berufschristen.

Der für eine zukunftsträchtige Luxemburger Kirche typische Bischof wird also jedes Geheimpapier, welches ihm von Rom zuflattert, veröffentlichen, da es ja die ganze Kirche angeht, zu welcher er gehört. Er wird seine Kirche ermutigen, aus ihrem Herzen keine Mördergrube zu machen, sondern klar und eindeutig Stellung zu beziehen zu all jenen Problemen, die sie auf ihrem Weg entdeckt. Daß dabei kontroverse Stellungnahmen ans Tageslicht kommen, ist nicht tragisch, sondern nach fünfzehnhundert Jahren "Laien" unmündigkeit nur allzu verständlich. Der für eine zukunftsträchtige Luxemburger Kirche typische Bischof wird derartige Kontroversen weder unterbinden noch harmonisieren, sondern die Kontrahenten dazu führen, die Argumente der Gegenpartei zur Kenntnis zu nehmen und zu diskutieren. (Die Weigerung, unbeguerne Meinungen zur Kenntnis zu nehmen ist eines der beliebtesten Mittel sämtlicher Hierarchien, Toleranz vorzutäuschen, welche im kirchlichen Jargon "Langmut" genannt wird.) Des weiteren wird er auf die pastorale Aufgabe der ganzen Kirche hinweisen, denn einzig die Aufgabe, Zeichen und Instrument der Einheit zu werden, ist von Bedeutung für die Kirche.

Bewußtlosigkeit ist Zeichen eines "toten Herzens". Deshalb muß der vorläufige Charakter jeder Kirche sowohl dem Bischof wie der Kirche, zu welcher er gehört, mal wieder bewußt werden. Zeichen und Werkzeuge gehören auf das Baugelände. Im fertigen Bau haben sie nichts mehr zu suchen. Die Erkenntnis ihrer Vorläufigkeit ist Teil des "Glasnost" heutiger Kirchen. Es wird sie vor jenem neuem Triumphalismus schützen, der nun schon wieder losgebrochen ist.

FRIEDENSSTIFTER

In Ost und West, auf der reichen Nordhälfte wie auf der hungernden Südhälfte unseres Globus gibt es Kirchen, welche sich alle auf denselben Jesus Christus berufen. Was wäre natürlicher und selbstverständlicher als daß diese Kirchen den Osten mit dem Westen, den Norden mit dem Süden verklammerten, anstatt daß sie taten- und wortlos zusehen, wie Ost und West gegeneinander aufrüsten, anstatt daß sie davon profitieren, wenn der Norden den Süden rücksichtslos ausbeutet.

Frieden stiften heißt ja nicht neutral und parteilos zusehen, sondern Partei ergreifen für jene,

die zwischen Ost und West zerrieben werden, für jene die im Nord-Süd-Gefälle unter die Räder kommen. Nicht auszudenken, wenn alle Kirchen des Globus gemeinsam für die Entrechteten und die Entmündigten einträten; wenn sie den Wahnsinn der Hochrüstung lauthals anprangerten; wenn sie die Verschuldung der dritten Welt, welche jetzt der ersten Welt bereits Profit bringt, als die Wegelagerei des zwanzigsten Jahrhunderts entlarvten. Natürlich sind alle Kirchen in ihrer Totalität als gewaltlose Friedensstifter herausgefordert. Mehr als eine Milliarde Getaufte müßten doch eine gewaltlose Bewußtseinsumbildung in Gang bringen können.

Der für eine zukunftsträchtige Luxemburger Kirche typische Bischof wird genau dieses in seiner Kirche unterentwickelte interkonfessionelle und übernationale Bewußtsein herauslocken. Er wird von jenem anscheinend so neutralen Standpunkt abrücken, man könne in den Kirchen sowohl für wie gegen Aufrüstung und Abschreckung eintreten. Der für eine zukunftsträchtige Luxemburger Kirche typische Bischof wird sakramentales Zeichen der Einheit in seiner Kirche nur sein können, wenn er für die Unverfügbarkeit der Bergpredigt mit seiner Person eintritt. Die Bergpredigt ist ja nicht ein fakultativer Tugendkatalog, der besonders frommen Seelen zu einem noch hübscheren Heiligenschein verhelfen soll, sondern Richtschnur für jede kirchliche Gemeinschaft.

UM DER MENSCHENRECHTE WEGEN VERFOLGT

Mattäus kannte das Wort "Menschenrechte" noch nicht. Er schreibt darum in seinem achten Merksatz: "Selig die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten." Da er damit nicht die von der Polizei gesuchten Rechtsbrecher meint, dürfen wir an jene denken, deren Menschenrechte, weltweit mit Füßen getreten werden.

Paul VI. hielt seinerzeit eine Rede vor der UNO. Darin behauptete er, die Kirche sei Spezialistin in Humanität. Er wäre sicher besser beraten gewesen, wenn er jenen Satz in die Wunschform gekleidet hätte: "Jede Kirche sollte Spezialistin in Humanität sein." In die Sprache des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts übersetzt hieße das dann: "Keine Kirche darf ungerührt an Menschenrechtsverletzungen vorbeischauen, als ob die sie nichts angingen."

Der für eine zukunftsträchtige Luxemburger Kirche typische Bischof wird mit seiner Kirche den wegen ihrer Menschenrechte Verfolgten Asyl gewähren.

Auch Christenrechte sind Menschenrechte

Illustriert am Beispiel des Priesterzölibats.

In keiner Kirche und von keiner Kirche dürften noch Menschenrechte verletzt werden. Der für eine zukunftsträchtige Luxemburger Kirche typische Bischof kommt nicht daran vorbei, jene Majorität in seiner Kirche zur Kenntnis zu nehmen, welche die Ansicht vertritt, der mit dem Evangelium unvereinbare Pflichtzölibat für "Priester" sei museumstreif, da er das Recht jeder Kirche auf Eucharistie in Frage stellt. 4) In Gemeinschaft mit seiner Kirche könnte der für eine zukunftsträchtige Luxemburger Kirche typische Bischof die Nachbarkirchen sowie die Kirche von Rom darüber informieren, daß er, zusammen mit den meisten Gliedern

seiner Kirche, all unseren wegen Heirat aus dem Priesteramt gedrängten Brüdern (sofern sie es wollen) Pastoralstellen anbietet, in welcher sie ihr Amt wieder voll ausüben. Und er werde, falls eine Pfarrei ihm einen verheirateten Kandidaten zum Pfarramt vorschlägt, diesen Vorschlag prüfen und gegebenenfalls den Kandidaten ordinieren.

Kirchenspaltung ist dabei nicht angesagt. Nur die konsequente Weiterführung jener Kollegialität, welcher das zweite Vatikanische Konzil das Wort redete. Daß der Kollegialitätsbegriff damals nicht zu Ende gedacht wurde, ist nicht die Schuld der Konzilsväter, sondern der römischen Kurie, welche nichts von Kollegialität hören wollte (und immer noch nicht hören will). So wurde in einem Kompromiß die Diskussion in dem Sinn beendet, daß kein Bischof eine Maßnahme treffen darf – und sei sie für seine Ortskirche noch so unumgänglich – solange der römische Bischof damit nicht einverstanden ist.

Wegen der Praxis der meisten Bischöfe, sich zu Befehlsempfängern der römischen Kurie degradieren zu lassen, kommt die Einsicht nicht zum Zuge, daß bischöfliche Kollegialität den Bischof von Rom einschließt: daß dem Ortsbischof zusammen mit seiner Kirche bessere Kenntnis der eigenen Lage und darum auch größere Kompetenz zukommt als dem ortsfremden; daß die Kompetenz und die Verantwortung jedes Bischofs eine eigenständige und keine delegierte ist; daß dem Bischof von Rom nicht automatisch und in jedem Fall die besseren Argumente zur Verfügung stehen; daß er also von seinen Kollegen auch überstimmt werden kann, weil Kollegen eben keine Befehlsempfänger sind. Wir sind ziemlich weit weg von Paulus, der um des Wohles der Kirchen willen dem Petrus ins Angesicht widerstand.

Widerstand ist dennoch angesagt. Und zwar um der Kirchen willen, die Rechte haben, wie das eben angesprochene Recht jeder Kirche auf die Eucharistie, oder das Recht, den eigenen Bischof bzw. Pfarrer zu wählen. Das sind Rechte, welche keiner Kirche von einer Superkirche kraft eines von Menschen ausgedachten, historisch geschaffenen oder gewachsenen und deshalb auch wieder vergehenden oder abschaffbaren Gesetzes, verweigert werden können.

OKUMENE

muß Anliegen aller Kirchen werden. Wie bereits oben bemerkt: Einheit ist nicht Gleichmacherei. Das Evangelium des Messias Jesus ist nicht so kleinkariert, daß, um ihm weltweites Gehör zu verschaffen, alle nichteuropäischen – oder vielleicht sogar alle nichtlateinischen – Kulturen europäisiert – oder gar latinisiert – werden müssen. Es gilt vielmehr allen christlichen Kirchen, allen christlichen Traditionen der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft jene Anerkennung zu verschaffen, welche der Messias Jesus keiner von ihnen versagt.

Zugleich sind Verbindungen zwischen den einzelnen Traditionen herzustellen, von denen alle Kirchen profitieren können. So werden sie sich nicht nur als Schwesterkirchen anerkennen – das wäre ein rein juridischer und deshalb zu kurzsichtiger Aspekt – sondern sich auch als Schwesterkirchen erkennen und in der Folge so miteinander umgehen, wie das unter Geschwistern Brauch ist. Bei diesem geschwisterlichen Umgang erfahren sie, wie sie alle Kinder desselben Vaters sind.

Der für eine zukunftsträchtige Luxemburger Kirche typische Bischof wird die Kirche, in welcher er zuhause ist, aufschließen für die weltweite Ökumene. Echtes ökumenisches Bemühen wird das Zentrum jedes christlichen Glaubens wieder in die Mitte auch des Luxemburger Kirchenlebens rücken: die Person, das Leben, der Tod und die Auferweckung des Christus Jesus. Nichts weniger. Aber auch nichts mehr!

ZUSAMMENFASSUNG

Wer ein stichwortartiges "Bischofsprofil" erwartete, hat bestimmt nicht bis hierher gelesen. Mit Hilfe der acht Merksätze der Bergpredigt wurde der Platz jedes Bischofs (und auch jedes Pfarrers) in seiner Kirche stehend und nicht über seiner Kirche thronend genügend klar bestimmt. Diese Ortsbestimmung könnte nicht systematisch vorgenommen werden, weil die Bergpredigtmerksätze sich gegen jede Systematisierung sträuben.

Trotzdem könnten zum Schluß einige notwendigen Merkmale aufgezählt werden, an welchen eine zukunftsträchtige Luxemburger Kirche ihren zu wählenden Bischof erkennen wird:

Evangelischer Aspekt.

  • Mit seiner Kirche ist der Bischof unterwegs zu jenem Reich Gottes, von dem der Bergprediger träumte,

  • arm und privilegienlos, bereit, erworbene Privilegien zurückzugeben,

  • gewaltlos Partei ergreifend und bemüht um wirtschaftliche Strukturreformen zugunsten der Armen unserer Erde,

  • gewillt Kirchenfehler der Vergangenheit zu bedauern und ähnliche in Zukunft zu vermeiden, sowie

  • die ganze Kirche Luxemburgs in ihrer pastoralen Aufgabe zu beraten und zu bestärken,

  • die Kirche Luxemburgs ermutigend, alle ihre Aktivitäten total offenzulegen,

  • die Rechte aller Menschen nicht nur außerhalb, sondern auch innerhalb der eigenen Mauern wahrnehmend.

L’ÉPISCOPAT DES ETATS-UNIS

Mais ce corps épiscopal est en plein renouvellement. On oppose aujourd’hui aux Etats-Unis les nominations d’hommes jeunes et ouverts – Mgr Clark (Rochester) à quarante-deux ans, Mgr Hubbard (Albany) à trente-neuf ans, Mgr Browne (Auckland), le plus jeune évêque de Californie, – qui étaient l’œuvre de Mgr Jean Jadot, représentant du pape, regretté par tous les libéraux, à celles opérées depuis trois ans par son successeur, Mgr Pio Laghi, prononce, favorable à la promotion d’hommes de profil plus traditionnel: Mgr Wuerl qui a fait carrière à Rome, Mgr Bevilacqua, chargé de missions pour le Vatican. Mgr Egan, nouvel auxiliaire de New-York, vient du tribunal de la Rote, et beaucoup le tiennent déjà pour le successeur du cardinal Krol, à Philadelphie. « Le Vatican n’aime pas vivre dans le doute et l’incertitude, dit un fidèle, mais, heureusement, le Vatican n’est pas toute l’Eglise… »

HENRI TINCO.

Le Monde 10.9.87

in: Publik-Forum

Pastoraler und ökumenischer Aspekt.

  • Mit der Fähigkeit ausgestattet, nach Art eines Sakraments an der Einheit innerhalb seiner eigenen Kirche und nach aussen an der Einheit seiner Kirche mit all den andern zu wirken, damit Kirchen Sakramente der Einheit zwischen Gott und den Menschen wie der Menschen untereinander werden.

Demokratischer Aspekt.

  • Von seiner eigenen Kirche gewählt, damit deutlich wird, daß er grundsätzlich niemand andern verantwortlich ist als seiner Heimatkirche und Jesus Christus, dem Hirten aller Kirchen.

Jupp WAGNER

Als partizipative Debattenzeitschrift und Diskussionsplattform, treten wir für den freien Zugang zu unseren Veröffentlichungen ein, sind jedoch als Verein ohne Gewinnzweck (ASBL) auf Unterstützung angewiesen.

Sie können uns auf direktem Wege eine kleine Spende über folgenden Code zukommen lassen, für größere Unterstützung, schauen Sie doch gerne in der passenden Rubrik vorbei. Wir freuen uns über Ihre Spende!

Spenden QR Code