Die Schlacht um das Fort Thüngen

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Carlo Schmitz

Die Schlacht um das Fort Thüngen

Bevor die Festung Luxemburg nach dem Londoner Vertrag von 1867 geschleift wurde, umgab sie ein Gürtel von 14 Forts sowie 9 dem inneren Gürtel vorgelagerten Forts. Davon ist ein einziges Fort erhalten und seit drei Monaten in vollem Umfang sichtbar: das (Außen-)Fort Thüngen. Gekämpft worden ist hier trotz des mehrfachen Ausbaus durch Vauban, die Österreicher und die Preußen nie. Seit der Schleifung der militärischen Bauwerke und der Bepflanzung des Ortes dient das Reduit unter dem Namen "Drei Eicheln" den Hauptstädtern als sonntägliches Ausflugsziel und den Europa-Beamten auf Kirchberg als grünes Erholungsgebiet in der Mittagspause. Genau dieses Fort hat die Regierung sich ausgesucht, um endlich das auch von "forum" geforderte (vgl. Nr. 107/1988) Zentrum für zeitgenössische Kunst zu bauen.

Geheimnistuerei hat bislang die Politik der Regierung in Sachen "Zentrum für zeitgenössische Kunst" gekennzeichnet, das dem Großherzog für sein 25jähriges Thronjubiläum versprochen worden war. "Gewisse falsche Presseveröffentlichungen" – und nicht etwa der Wille zum demokratischen Meinungsbildungsprozeß – zwangen laut LW (3.6.1991) endlich die Verantwortlichen im Kulturministerium, am Samstag, 1. Juni 1991 der Presse und der parlamentarischen Kulturkommission Einblick in die

Pläne des sino-amerikanischen Architekten Ieoh Ming Pei zu gewähren. Dank der zuvorkommenden Einwilligung des Premierministers hatten am Sonntag zuvor mehrere Denkmal- und Umweltschutzvereinigungen auf Initiative von "Jeunes et Patrimoine" einem überraschend zahlreich erschienenen Publikum die auf "Drei Eicheln" ausgegrabenen Überreste des Fort Thüngen vorgestellt.

Der Kriegseinsatz

Die Standortwahl geht nach Aussagen des Premier- und Kulturministers Jacques Santer bei der Pressekonferenz auf einen Vorschlag des Direktors des Landesamts für Denkmalschutz zurück (obschon m.W. mindestens zwei höhere Beamten des Außenministeriums die zweifelhafte Ehre für sich reklamieren). Als dieser merkte, daß sein Vorschlag bei der Regierung Anklang fand, ließ er vorsichtshalber das ganze Areal hinter dem Reduit "Drei Eicheln" ausbagern, um eventuelle Reste des Forts freizulegen. Tatsächlich kam so die noch fast intakte "Enveloppe" zum Vorschein, die sich pfeilförmig vom Reduit aus zur Angriffsseite in Richtung Kirchberg erstreckt, und auf beiden Flanken, jenseits des "Enveloppe"-Grabens, die beiden "Lünetten". Das Fort war offensichtlich bei der Schleifung der Festung in den 1870er Jahren nur minimal zerstört worden. Es kann daher ohne weiteres wieder instand gesetzt werden, um dem Besucher zu zeigen, wie ein solches Fort seinen Verteidigungsaufgaben gerecht wurde. Luxemburger wie Ausländer würden dann verstehen, warum Luxemburg einst den Titel "Gibraltar des Nordens" trug. Das Fort Thüngen versinnbildlicht insofern ein wichtiges Moment der Nationalgeschichte, das nicht wenig zum Nationalbewußtsein, um nicht zu sagen Nationalstolz, der Luxemburger beiträgt. Allein die Festung erklärt, warum es dem kleinen Großherzogtum möglich war, seinen Bestand als selbständiger Staat zu sichern (nicht mit militärischer Gewalt, aber weil die strategische Bedeutung dieses Zankapfels keinem Nachbarn erlaubte, das Land dem anderen zu überlassen). Ohne Festung hätte der Londoner Vertrag von 1839 sicher ungünstiger für unser Land ausgesehen. Gerade die

Jubiläumsfeiern von 1989 haben aber deutlich gemacht, wie wichtig es ist, das historische Bewußtsein eines Volkes in seiner Gesamtheit zu pflegen, um ihm die moralische Kraft zu verleihen, auch die Zukunft zu bewältigen, gerade dann, wenn es sich durch die starke ausländische Präsenz zu Unrecht bedroht fühlt.

Dieses Zeugnis der Vergangenheit möchte die Regierung aber zerstören lassen. Sie hat bekanntlich den Architekten Ieoh Ming Pei beauftragt, an dieser Stelle das Zentrum für zeitgenössische Kunst zu errichten. Die Standortwahl geschah zu einem Augenblick, als der ganze Umfang der historischen Überreste noch nicht bekannt war, zumindest nicht der großen Öffentlichkeit und dem Premierminister, wie der bei der Pressekonferenz spontan zugab, denn eigentlich hatte schon 1983 die Vereinigung "Jennes et Patrimoine" hier archäologische Sondierungsgräubungen durchgeführt, die den Verlauf der unterirdischen Festungsmauern klar erkennen ließen, und es bestehen auch noch die Pläne aus österreichischer und preußischer Besatzungszeit.

Nichtsdestoweniger gab die Regierung in ihrer Pressekonferenz zu verstehen, daß sie nicht vorhat, von ihren Bauplänen abzurücken. Als Landeskonservator Georges Calteux bei derselben Gelegenheit den Journalisten vor Ort zeigte, welche Mauern nach den bislang publik gewordenen Plänen des Architekten Pei verschwinden werden, beschied ihm der beigeordnete Kulturminister René Steichen: "Hal Du de Bak!" Calteux hat seinen Irrtum erkannt und will jetzt von dem Standortvorschlag abrücken, doch die Regierung will ihn nun mitverantwortlich machen: er soll gegen sein Gewissen und sein Fachwissen die Standortwahl gutheißen.

Abb. 1: Planskizze des Fort Thüngen aufgrund der Ausgrabungen durch das Büro Becker & Dansart. Schraffiert sind die Teile, die nach den vorliegenden Plänen von Architekt I. M. Pei zerstört werden. Im Reduit Drei Eicheln sind das die Innenmauern (43% der Bausubstanz), von der Enveloppe 67%, von der Contre-Escarpe 19%. Abgesehen von der Vorderfront, in die eine große Glastür eingebaut werden soll, sind das nach den Berechnungen der Architekten Becker & Dansart 48,6% der gesamten Bausubstanz (und nicht etwa 25-30% wie I. M. Pei behauptet).

Das Massaker

Nach den Ausführungen von I. M. Pei, der ebenfalls bei der Pressekonferenz zugegen war, werden 30% der Festungsmauern zerstört. Diese Ziffer bedarf zwar der Überprüfung, denn die Verhältnisse sehen auf den ersten Blick eher umgekehrt aus. Doch was bedeutet ein zu 70% erhaltenes Original, sei das nun ein Picasso-Bild, eine römische Münze, eine seltene Briefmarke oder ein neuzeitliches Fort? Außerdem muß man wissen, daß die gesamte Wallmauer der "Enveloppe" und ein Teil des Grabens verschwinden sollen, d.h. das Hauptbauwerk, das eigentlich erst das Funktionieren eines Forts verständlich machen könnte. Auch die Pfeilspitze der Gesamtanlage müßte zerstört werden, um die Verbindung mit den unterirdischen Garagen zur Seite des Europazentrums zu ermöglichen. Erhalten blieben ein paar äußere Mauern sowie das auch bisher sichtbare Reduit "Drei Eicheln", das dem Museum als Eingangshalle dienen. Doch auch dessen Vorderfront wird zerstört, um einer großen Glastür Platz zu machen, die wohl nur durch den Abriß des mittleren Turms mit der Wendeltreppe zum Dach möglich wird. Premierminister Santer versprach als Kompensation, ein kleines Festungsmuseum mit Fotos und Plänen der ganzen Anlage dort einzurichten.

Die historische Funktion des Gebäudes wäre somit nicht mehr einsichtig zu machen. Geschichte soll nur mehr auf Bildern und in Büchern studiert werden. Pei höhnisch: "Luxemburg benötige doch wohl kein Fort mehr zu seiner Verteidigung." Warum dann nicht auch die Burg Vianden abreißen statt sie mit Steuergeldern zu restaurieren? Was würde Pei wohl antworten, wenn eines Tages sein Museum umgebaut würde, um als Poliklinik oder Atombunker zu dienen? Wäre er dann auch zufrieden, daß noch ein paar Mauern stehen bleiben und eine Tafel ange-

bracht wird, die an sein Bauwerk erinnert? Auch seine Belehrungen darüber, welche historische Bauwerke integral erhaltenswürdig seien und welche erst durch Veränderung an Wert gewinnen – zu ersteren zählte er etwa die Akropolis -, zeugten nicht nur von einem sehr engen, elitären Kunstbegriff, sondern auch – wie bei Amerikanern üblich – von einem mangelnden historischen Bewußtsein: Die Bedeutung eines Kunstwerks kann nämlich nicht absolut bestimmt werden, sondern ist auch abhängig von seiner Wahrnehmung durch das kollektive Bewußtsein eines Volkes, einer Klasse, einer Gruppe. Daß es beim Streit um den Erhalt des Fort Thüngen letzten Endes um die Auffassung geht, welche Rolle eine Gesellschaft der Geschichte zumißt, hat in der Presse allein Paul Bertemes im "Lëtzeburger Land" (7.6.1991) verstanden.

Schlachtengetümmel

Entgegen einiger Unterstellungen Luxemburger Journalisten, die sich vor allem im t einmal mehr als Hofberichterstatter entpuppen, will niemand dem weltberühmten Architekten einen Vorwurf wegen des Standort machen noch sein Fachwissen anzweifeln. Er will mit dem geplanten Gebäude die Verbindung zwischen Altstadt (jenseits des Alzettetales) und Neustadt (auf Kirchberg) symbolisieren, indem er auch im Bau selbst alte Festungsmauern mit moderner Architektur verbindet. Das klingt sicher gut; von den anwesenden Mäzenen, Botschaftern, Beamte, Politikern und Journalisten wurde die Idee als geniale Großtat gefeiert. Diese blinde Vergötterung des ausländischen Spezialisten durch gewisse Persönlichkeiten, deren Einfluß auf die Regierung zweifellos größer ist als der aller Denkmalschützer Luxemburgs zusammen, war für mich das schlimmste Erlebnis bei dieser Pressekonferenz. (Nicht

Allein die Festung erklärt, warum es dem kleinen Großherzogtur möglich war, seinen Bestand als selbständiger Staat zu sichern.

Zeichnung: Pierre Barthel; Vorlage: Becker & Dansart

Abb.2: Wegen des großen Andrangs am 26. Mai 1991 wird im Rahmen der "Journée européenne du Patrimoine", die vom "Conseil de l’Europe" gefördert wird und in Luxemburg von "Jeunes et Patrimoine" organisiert wird, eine weitere Gelegenheit zur Besichtigung des Fort Thüngen geboten. Ein zusätzlicher Tag der offenen Tür wird voraussichtlich am 13. Oktober 1991 stattfinden.
Photo: Pierre Barthel

Abb. 3: Die Seitenansicht des von I. M. Pei geplanten "Umbaus" zeigt heute schon, wie die neuen Gebäude die alten "Drei Eicheln" nur noch als Anhängsel erscheinen lassen. Die Regierung wäre gut beraten, aufgrund der nächsten Fassung der Pei-Pläne eine Photomontage des Plateaus "Drei Eicheln" von der Stadtseite her anfertigen zu lassen.

zuletzt die Vertreter des "Fonds de Kirchberg" (vgl. zu deren Machenschaften "forum" Nr. 121, S. 21ff.) scheinen mit allen Mitteln den Bau des Museums an dieser Stelle durchsetzen zu wollen, da ihnen dann die Gelegenheit geboten wird, das Parkingproblem hinter dem Hochhaus billig zu lösen. Sie sind also direkt verantwortlich für die geplante Zerstörung der Fortspitze.) Santer und Steichen waren in ihrer Rolle, als sie ihr Projekt verteidigten. Zumindest Santer hat durch seine Erlaubnis, am 26.5.1991 einen Tag der offenen Tür im freigelegten Fort zu organisieren, ein gewisses Verständnis für die Anliegen der Denkmalschützer gezeigt, obschon seine Weigerung, das Fort – trotz des einstimmigen Beschlusses der "Commission des Sites et Monuments" – unter Denkmalschutz zu stellen, dieses Entgegenkommen leicht als Beschwichtigungsgeste interpretieren läßt. Doch die erwähnten "Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens", die nicht alle politische Verantwortung zu übernehmen brauchen, hingen an Peis Lippen, als könnte darüber nur die pure Weisheit kommen. Und der "GrängeSpoun" (Nr. 70/7.6.91) weiß zu berichten, in der Kammerkommission falle ein Politiker nach dem andern Peis Charme zum Opfer.

Dabei waren m.E. Peis Darlegungen über die geplante Verknüpfung von Alt und Neu nur Banalitäten: eine solche Konzeption muß doch schon von der Regierung dem Architekten zur Auflage gemacht worden sein, sie ist doch ein absolutes Minimum! Daß er sich dennoch nicht an die Außenmaße des aus-

gegrabenen Forts halten will und die Kritiker des Standorts (nicht seiner Pläne) mit der oben zitierten Antwort auf den Arm nahm, macht ihn allerdings menschlich nicht unbedingt sympathisch. Daß er auch noch behauptete, an jenem Samstag zum ersten Mal die Ausgrabungen zu sehen und noch keine Pläne davon zu besitzen, obschon er seit seinem ersten Besuch in Luxemburg ein vollständiges historisches Dossier hat und das Denkmalschutzamt ihm die vom Architektenbüro Becker & Dansart ausgefertigte, maßstabgetreue Aufnahme der Grabungsergebnisse schon vor drei Monaten hatte zukommen lassen, war für Eingeweihte ein starkes Stück. Und kein Luxemburger Berufsjournalist wagte eine Frage zu stellen. Es scheint doch sehr, daß dem gebürtigen Chinesen das nötige "feeling" für europäisches Kulturbewußtsein abgeht. Das Versprechen, die neuen Ausgrabungsergebnisse in den zukünftigen Plänen zu berücksichtigen, machte er in meiner Anwesenheit nicht. Rob Roemen

stellt zurecht im "Journal" (4.6.1991) fest, daß die vorgezeigten Pläne doch nicht wie versprochen die endgültigen seien, und das erneut vorgezeigte, viel geknipste Modell ist längst nicht mehr aktuell. Die von Becker & Dansart angefertigte zeichnerische Studie, um die angestrebte Ausstellungsfläche von 18 000 qm innerhalb der "Enveloppe" unterzubringen – eine Lösung, die den Denkmalschützer zwar auch nicht restlos befriedigen kann -, wurde hingegen nicht erwähnt.

Ausweichmanöver gefragt

Die Frage bleibt, warum die Regierung als Bauherr eines Kunstzentrums sich nicht aufgrund der neuen Gegebenheiten – so wie "Jeunes et Patrimoine" und "Stoppt de Bagger" es schon vor Ostern vorschlugen – nach einem anderen Standort umsehen will, warum sie sich auf einen Standort versteift, auf dem der Bau eines zeitgenössischen Kunstwerks nur mittels Zerstörung eines alten Bauwerks möglich wird. Warum wird Pei die Möglichkeit nicht geboten, sein Können ohne die beim Fort Thüngen unausweichlichen Zwänge unter Beweis zu stellen? Die Frage liegt um so eher auf der Hand, als die Wahl eines anderen Standorts für das Museum die Realisierung von gleich zwei Kunstdenkmälern – das neue Museum und die Revalorisierung des Fort Thüngen – für weniger Geld (!) ermöglichen würde!

Denn es gibt alternative Standorte: Abgesehen vom

Plateau Kirchberg, wo ein Kulturtempel mitten zwischen Europabüros und Bankzentralen sicher denselben symbolischen Wert hätte wie auf "Drei Eicheln", gibt es auch in der Hauptstadt mehrere Viertel, die eine urbanistische Aufwertung viel nötiger hätten als das Fort Thüngen: So kann man z.B. an die Stadteinfahrt am Ende der Hollericher Autobahn denken oder an das Boulevard d’Avranches, wo demnächst die "Rocade de Bonnevoie" münden soll und die gesamte Häuserzeile abgerissen wird. Auch das "Letzte Steiwer" ist ein Viertel, in dem ein moderner Monumentalbau eines I. M. Pei eine Bereicherung für das Stadtbild darstellen würde, was auf "Drei Eicheln" gar nicht nötig ist. Dieser Ort ist einer der schönsten der Stadt und braucht nicht durch einen Neubau aufgewertet zu werden. Als Alternative zu seinem Bau sieht Pei hier nur einen archäologischen Park. Das ist in der Tat die richtige Lösung. Auch gut unterhaltene Festungsbauwerke ziehen Touristen an, wie die Städte Montmédy und Saarlouis beweisen: sie leben von ihrer Vergangenheit als Festungsstadt. Doch auch außerhalb der Hauptstadt sind mögliche Standorte für ein Zentrum zeitgenössischer Kunst denkbar: Warum nicht nach dem Vorbild der Pariser "Gare d’Orsay" eine ARBED-Halle in der Minettegegend in eine Kunsthalle verwandeln? Hier wäre die Verknüpfung von alter Industriearchitektur, die somit nicht abgerissen werden müßte, wie das zur Zeit mit den meisten ausgedienten Industriegebäuden im Süden des Landes geschieht, und zeitgenössischer Kunst sicher leichter zu bewerkstelligen. Ein anderer möglicher Standort für ein Kunstzentrum wäre Mondorf: Gibt es im Ausland nicht viele Beispiele von Kurorten, die gleichzeitig Kunststädte sind? Es wäre auch ein Beitrag zur Dezentralisierung. Minister Steichen zitierte mehrere Beispiele von stark besuchten Museen im Ausland, die durchaus abseits von Großstädten liegen.

Leider hat man den Eindruck, daß die Regierung es zu einer Prestigefrage gemacht hat, auf keinen Fall auf ihre Entscheidung zurückzukommen. Es dürfte ihr besonders peinlich sein, Herrn Pei klar machen zu müssen, daß sie ihm einen Bauauftrag für einen Standort erteilte, bevor sie das Volk um seine Meinung fragte, d.h. ohne die Spielregeln der Demokratie zu beachten. Josiane Kartheiser, einst selbst Gegnerin des Standorts, glaubt im t (4.6.1991) schreiben zu dürfen: "Dabei ist dieser Punkt, trotz Unterschriften-Aktion, praktisch entschieden, hat sich die Regierung doch eintimmig für die Drei Eicheln ausgesprochen und den Auftrag in diesem Sinne an den sino-amerikanischen Architekten I. M. Pei vergeben, also schon Kosten engagiert." Wenn das stimmt, verstößt die Regierung gegen einen demokratischen Grundsatz, weswegen erst eine Woche zuvor Bautenminister Robert Goebbels vom Parlament in einer Motion offiziell getadelt worden war: Ihm wurde vorgeworfen, die Restaurierungsarbeiten

Roger Folmer

am großherzoglichen Palast – an deren Notwendigkeit seit Jahren überhaupt nicht zu zweifeln ist – schon ausgeschrieben zu haben, bevor überhaupt das entsprechende Gesetz von den Abgeordneten gutgeheißen worden ist (Sitzung vom 29.5.1991). Welches Gesetz hat der Regierung denn erlaubt, Ausgaben zu tätigen für ein Museum, dessen Standort in der Bevölkerung so umstritten ist? (Nebenbei kann man nur bedauern, daß auch Luxemburgs Architekten diese Entscheidung offenbar einfach schlucken, obschon kein Wettbewerb ihnen die Gelegenheit gab, ihr Können mit Peis Plänen zu messen.)

Es sieht so aus, als solle Luxemburg als Kulturhauptstadt 1995 nur Prestigeobjekte vorzeigen. Nicht Luxemburger Kultur wird der Tourist oder ausländische Journalist 1995 hier bewundern können, sondern luxemburgische Finanzkraft, die ausländische Tüchtigkeit zu ganz gleich welchen Preisen zu bezahlen imstande ist. Als nationale kulturelle Identität präsentiert sich dem Fachmann, der deswegen unser Land besuchen wird, mediokre Provincialität: übersetztes Bauerntheater gepaart mit protziger Architektur. Wir haben’s wohl nicht besser verdient.

m.p.

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