Hombroich. Museum, Insel, Raketenstation
Eine Ausstellung im Frankfurter Architekturmuseum
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Eine Ausstellung im Frankfurter Architekturmuseum
Wer einmal seinen Wochendvormittag auf der Museum Insel mit einem Brunch in der Cafeteria, wobei Schmalzbrot und Ökoapfel eine Hauptrolle spielen, begonnen hat und im Anschluß das wildwüchsige Naturgelände mit den in wohltuenden Abständen angesiedelten Kunstpavillons durchwandert hat, wird den Genuß wohl kaum mehr vergessen. Es ist im Gegensatz zum musealen Innenraumerlebnis ein besonderes Vergnügen, das den Sinnen ein weites Spektrum bietet und zudem eine wohltuende Melange von Ent-
Katsuhito Nishikawa
Projekt, begehbare Skulptur zwischen Raketenstation und Museum Insel
Foto: Jimbo
spannung an der frischen Luft mit dem Kunstgenuß bereit hält. Angefangen hat alles 1982, als Immo-Müller, mit bürgerlichem Namen Karl-Heinrich Müller, Kunstsammler und Immobilienmakler aus Düsseldorf, die von der Erft umsäumte Insel nur 15 km südwestlich von Düsseldorf mit ca. 35 ha und vier vorhandenen alten Gebäuden, einer Villa und einem Backsteingebäude aus dem 19. Jahrhundert, erwarb.
Seit 1984 realisierte der rheinländische Bildhauer Erwin Heerich* elf architektonische Skulpturen auf dem Gelände, die Raum bieten für die Sammlung Müller oder aber ausschließlich für sich selbst als begehbare Plastiken stehen. Die minimalistischen Bauten der 1987 offiziell eingeweihten Museum Insel, wurden im letzten Jahr
auf der Architektur Biennale in Venedig im Palazzo Vendramin vorgestellt. Mittels eines Feuchtbiotops renaturierte der Landschaftsarchitekt Dr. Bernhard Korte die Teiche auf der Insel im Einklang mit der Auenlandschaft und etablierte darüber eine Naturlandschaft, in der auch das, was kreucht und fleucht, wieder einen Platz fand. K.-H. Müller ist es gelungen, aus rein privaten Mitteln eine Symbiose sich gegenseitig bedingender Bereiche auf seiner Insel anzusiedeln: Musik, Kunst, Architektur, Literatur und, nicht zu vergessen, Natur. Und rund 80 Tsd. Besucher im Jahr bestätigen das gelungene Programm. Hier sucht kein Ausstellungsmacher verzweifelt ein stringentes Konzept, sondern Khmer-Skulpturen aus dem 9. bis 14. Jahrhundert und chinesischen Plastiken aus der Han-Zeit begegnen Rembrandt und Paul Cézanne, oder Marcel Breuer, Gerrit Rietveld finden sich im Austausch mit Kurt Schwitters und Hans Arp. Monumentale Gemälde des Malers Norbert Tadeusz werden gezeigt und ein weiterer Beuys-Schüler, Anatol Herzfeld, hat seine Werkstatt in einer Blockhütte und sukzessiv nehmen seine Stein- und Stahlskulpturen Besitz von der Insel, wie etwa das Urhaus und die Felsenkirche. Für Gotthard Graubner, dessen großformatige Farbraumkörper bereits im ‚Schneckenhaus‘ mit Constantin Brancusi, Eduardo Chillida und Henri Matisse einen angeregten Dialog führen, wurde 1995 in Eingangsnähe, ebenfalls nach Plänen von E. Heerich, ein Wohn- und Atelierhaus errichtet.
In direkter Nachbarschaft zur Insel erwarb K.-H. Müller 1994 das Gelände (18 ha) einer ehemaligen Nato-Raketenstation und einige der militärischen Gebäude haben schon eine inhaltliche Umnutzung erfahren, dienen bereits zahlreichen Künstlern als Wohn- und Atelierraum und ebenso hat sich das Institut für Biophysik hier angesiedelt. Doch damit nicht genug, hegt K.-H. Müller weiterreichende Pläne für Einrichtungen aus dem Bereich Bildung und Wissenschaft, sowie einer ökologischen Landwirtschaft mit Tierhaltung und auf einem Architektursymposium wurde 1996 der Umbau der Raketenstation durch renommierte Bildhauer und Architekten diskutiert. Entwürfe und Modelle für die Raketenstation präsentiert nun das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt.
Der von 1959-1964 in Wien tätige Architekt Raimund Abraham, der 1964 in die USA übersiedelte und 1992 den Wettbewerb für das Österreichische Kulturinstitut in New York gewann, wird ein Gebäude für Musiker und Komponisten errichten. Für die Sammlung klassisch moderner Kunst entwarf Tadao Ando ein Museumsgebäude, «bei dem sich gestreckte Rechteck-Kuben dramatisch ineinanderschieben». Weitere Projekte erläutert die Ausstellungskuratorin Anna Meseure im Katalog zur Ausstellung: «Der Portugiese Alvaro Siza kreierte für das Biophysik-Institut einen eingeschossigen, raumgreifenden Flachbau mit Allusionen an die Nachkriegsmoderne etwa eines Max Bill; Claudio Silvestrin plant ein Seminargebäude in der Art eines Klosters mit Kreuzgang und Innenhof und transferiert insofern den kontemplativen Charakter der ‚Inselbauten‘ von Erwin Heerich auf das neue Gelände; Heerich selbst hat für ein Relief von Luciano Fontana erneut ein minimalistisches Backsteingebäude als begehbare Skulptur entwor-
fen.» Der Heerich-Schüler Oliver Kruse entwarf zudem ein Haus für Kinder in L-Form, dessen überragendes Dach ein Herz umschreibt. Neben der reinen Architektur werden zahlreiche Bildhauer im Freiraum Großskulpturen errichten: Heinz Baumüller, Katsuhito Nishikawa, Eduardo Cillida und Anatol Herzfeld. Mit diesen Projekten erfährt der breitgefächerte ‚Insel-Charakter‘ eine zusätzliche Erweiterung über das neben- und miteinander von Kultur und Wissenschaft.
I.N.
- 1922 in Kassel geboren. 1943-1946 Studium bei Ewald Mataré an der Kunstakademie in Düsseldorf, an der er von 1961 bis 1990 eine Professur hatte.
Die Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Schaumainkai 43 ist bis zum 25. Mai geöffnet und wird von einem 36 Seiten starken Katalog (14 Mark) begleitet, der die einzelnen Projektentwürfe vorstellt.
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