Denkmalschutz für Anfänger

Eine Besprechung von Monumentum. Respektvolle Erneuerung historischer Bausubstanz in Luxemburg und der Großregion

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Eine Besprechung von Monumentum.
Respektvolle Erneuerung historischer Bausubstanz in Luxemburg
und der Großregion

„Sauvegarde du Patrimoine a.s.b.l.“ heißt die Vereinigung, die sich zum Ziel gesetzt hat, in Luxemburg für einen aktiveren Denkmalschutz zu werben. Konstituiert hat sie sich am 20. September 2012. Gründungsmitglieder waren – und das unterscheidet sie zweifellos von allen ähnlichen Vereinigungen, die mittlerweile den Kampf aufgegeben haben – drei Ausländer: Stefan Lellinger aus Trier, Fernandes Abilio Martins aus Ehnen und Jorge Manuel Simoes aus Stadtbredimus, wo die Vereinigung auch ihren Sitz hat. Während bislang Denkmalschützer häufig nationale oder patriotische Argumente zugunsten der Bewahrung des kulturellen Erbes angeführt haben, spielen in der neuen Vereinigung offenbar andere Motive eine Rolle. Für sie ist der Denkmalschutz an sich ein Wert, der förderungswürdig ist.

Bislang ist die Vereinigung m. W. vor allem mit der Herausgabe eines Buches hervorgetreten, das den ersten Band einer neuen Reihe mit dem Titel Monumentum darstellt. Sehr reich und schön bebildert enthält das 144 Seiten dicke Buch Beiträge, die in die Grundregeln des Denkmalschutzes einführen. Die inhaltliche Gestaltung lag bei Jochen Zenthöfer, dem Korrespondenten der FAZ in Luxemburg, der vielleicht etwas vorschnell in seinem Leitartikel meint: „Grässliche Beispiele einer falschen Politik sehen wir allenthalben. Gleichzeitig genießen wir die Schönheit der vielen erhaltenen und gepflegten Ortschaften in Frankreich und anderen Nachbarländern.“ Ich kenne mindestens so viele „grässliche Beispiele“ verfehlter Architektur oder der Verwahrlosung von gebauten Kulturgütern in Frankreich wie hierzulande. Nichtsdestoweniger ist dieser Einsatz ausländischer Mitbürger einfach bewundernswert und müsste eigentlich Luxemburgs Wahlbürger herausfordern, sich endlich aktiver für den Erhalt der noch bestehenden historischen Bausubstanz einzu-

setzen. Allein das im Buch mitgelieferte Bildmaterial müsste den letzten überzeugen, dass es auch bei uns erhaltungswürdige Gebäude gibt. Zwei Fotostrecken liefern Beispiele einerseits von mittlerweile verlorenen Bauten, andererseits von einem dem Verfall ausgesetzten, nicht lokalisierten Bauernhof. Dazu schreibt Christina Mayer eine erfundene, aber auf realen Versatzstücken beruhende Geschichte, wie es häufig zum Abriss von ererbten Bauernhöfen kommt. Nicht zufällig spielt dabei der Bürgermeister des fiktiven Dorfes eine unrühmliche Rolle.

Christina Mayer ist die Autorin der in forum (Nr. 299, September 2010) von Pit Péporté besprochenen Dissertation über das Kulturerbe im Kanton Echternach, die vom Denkmalschutzamt veröffentlicht wurde. Diesem Werk entnehmen die Herausgeber von Monumentum einen Kriterienkatalog mit anschaulichen Beispielen, warum ein Gebäude als schützenswert zu gelten hat. Es ist schon bemerkenswert, dass diese Dissertation erstmals in Luxemburg einen derartigen Katalog aufstellt, der dann auch noch von der Kulturministerin im Vorwort sozusagen offizialisiert wird, ohne dass ein legislativer Text sich je um eine derartige Definition bemüht hätte. Auf 30 Seiten hat zuvor ein anonymer Autor erklärt, wie man sein altes Haus pflegen kann und soll und hat dazu mit vielen Bildern alle Hausteile unter die Lupe genommen. Die Beispiele stammen allerdings alle aus dem ländlichen Raum, der auch in den übrigen Beiträgen viel stärkere Beachtung findet. Dabei werden aber im städtischen Raum mindestens so häufig alte Häuser zerstört oder entkernt, so dass nur noch eine pseudohistorische Hülle stehen bleibt.

Jochen Zenthöfer beleuchtet noch die durchaus aktuelle Debatte um die Wärmedämmung bei Altbauten, die oft mehr Schaden anrichtet als

Michel Pauly

Monumentum. Respektvolle
Erneuerung historischer
Bausubstanz in Luxemburg
und der Großregion,
Band 1, Luxemburg 2013,
ISBN 978-99959-0-002-1.

Energiesparen hilft. Derselbe Autor deutet die „geheimnisvollen Symbole [aus Schmiedeisen] am Portal der Serta-Kapelle“ in Marienthal. Leider kennt er die wissenschaftliche Neuedition des Yolanda-Epos durch Claudine Moulin offenbar nicht. Georges Calteux liefert die Lebensgeschichte der Erbauerin des „neuen Schlosses“ von Useldingen, die 1891 in die USA ausgewandert war. Mit Denkmalschutz hat die Geschichte allerdings herzlich wenig zu tun. Den Abschluss des Bandes bildet das Unternehmensportrait von „Retrouvailles-Concept“, eines Verbunds von zehn Unternehmen, die in der Restauration von Altbauten tätig sind, die auf der letzten Buchseite auch als Sponsoren der Publikation genannt werden, so dass möglicherweise noch eine ganz andere Motivation hinter der neuen Buchreihe steckt. Die Herausgeber betonen – trotz Kurzinterview mit dem Direktor des Service des Sites et Monuments nationaux – keine staatlichen Zuschüsse für die Publikation eingeworben zu haben. ♦

Cover: Making-of

Jeff Hemmer (*1982) kritzelt und zeichnet sehr gerne. Manchmal spielt er Lärm auf Instrumenten, die er nicht beherrscht. Jeff tut sich ansonsten unheimlich schwer damit, Texte wie diesen zu schreiben, und verweist deshalb, for better or for worse, ganz einfach auf seine Homepage: www.afurnishedsoul.lu

Zum Cover der aktuellen Ausgabe schreibt Jeff: Politik lebt, unter anderem, auch von Legenden. Mount Rushmore – manchmal als „the shrine of democracy“ bezeichnet – ist eine solche. Idealisierte Erinnerung, geduldig harrende Utopie … das personifizierte Selbstverständnis einer Nation, auf ewig gemeißelt in Stein, überdauert sich selbst inmitten aller Widersprüche der Gegenwart. Legenden sind wie seidene Taschentücher, bei deren Anblick man die Raupen, die Webstühle und die versenkten Handelsschiffe ausblendet.

Der fiktive luxemburgische Mini-Rushmore mit den Konterfeis der vier CSV-Granden Juncker, Santer, Werner und Bech ist zum einen eine Art nüchternes, überspitztes Fazit. Luxemburg hat bald ein Jahrhundert lang seine Regierungen aus den Reihen ein und derselben Partei rekrutiert.

Die vehementesten Gegner der CSV ebenso wie ihre ferventesten Anhänger neigen dazu, die Partei und ihre schillernsten Figuren in etwa der Größe zu sehen wie auf dem Titelbild. Übergroß, in Stein gemeißelt, dauernd. Es ist ein trügerischer Blick, der etliche andere Akteure entweder nicht angemessen würdigt oder aber ungeschoren davon kommen lässt.

Zum anderen möchte ich mit dem Titelbild darauf aufmerksam machen, wie sehr Politik offenbar auch im 21. Jahrhundert noch über leuchtende Führungsfiguren und zu Projektionsflächen stilisierte Einzelmenschen funktioniert. Bewegungen oder Parteien, die sich aus guten Gründen diesem offenbar sehr menschlichen und herrlich irrationalen Bedürfnis nicht beugen möchten, gelten schnell als unseriös oder dilettantisch. Es mag sich leicht erklären lassen, warum das so abläuft. Ich würde lieber darüber nachdenken, ob und warum es so bleiben sollte.

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Gegründet: 1976
Herausgeber: forum ASBL
Durchschnittliche Auflage: 2000 Exemplare
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Koordination

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Autoren dieser Ausgabe

Jorge Maria Bergoglio, Michel Cames, Dieter Ewringmann, Ben Fayot, Fernand Fehlen, Jeff Hemmer, Anne Heniqui, Oliver Kohns, Michel Pauly, Georges Ravarani, Laurent Schmit, Thierry Simonelli, Jürgen Stoldt, Bernard Thomas, Henri Wehenkel, Patrick Weymerskirch

Interviewpartner dieser Ausgabe

Jo Kox

Originalillustrationen

Jeff Hemmer, Carlo Schmitz, Théid Johanns

Cover

Jeff Hemmer

Druck

c.a.press, Esch/Alzette

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