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(Zu Johannes 6, 41-51)
Wer von Astronomie angezogen wird, kommt nicht an Ptolemäus, Kopernikus, Kepler oder Galilei vorbei. Wer sich für Musik interessiert, kommt nicht an Bach, Mozart, Beethoven oder Prokoviev vorbei. Wer sich für Literatur interessiert, kommt nicht an Shakespeare, Goethe, Racine oder Dante vorbei.
Wer von Gott angezogen wird, wer sich für Gott interessiert, kommt nicht an Jesus vorbei. Das ist der Glaube der Christengemeinde, in der Johannes, der Evangelist, lebt. Das ist der Glaube jeder christlichen Gemeinde von heute.
Wer sich für Astronomie interessiert, für den ist Astronomie Brot des Lebens: er kann nicht leben ohne sie. Wenn jemand ihm seine Astronomie wegnähm, würde er nur noch vegetieren. Für den Literaten ist Literatur das Brot des Lebens, und Musik ist Brot des Lebens für den Musiker.
Für den, der sich für Gott interessiert, ist Gott das Brot des Lebens. Doch Gott tritt nicht in Konkurrenz zur Astronomie, zur Musik oder zur Literatur. Denn Gott ist kein Objekt der Wissenschaft. Für den, der von Gott angezogen wird, wie das Eisen vom Magnet, ist es ein Lebendiger, der ihn anzieht, ist es Gott, der ihm das Brot des Lebens gibt. Gott ist Einer, der etwas tut. Gott ist nicht das Brot des Lebens, sondern Er gibt denen, die sich für ihn interessieren das Brot des Lebens. Gott ist nicht machbar, wie Astronomie, Mathematik, Malerei oder Architektur. Gott ist. Auch ohne uns. Er will nur nicht ohne uns sein. Er will uns an seinem Leben teilhaben lassen. Nach christlicher Auffassung – ist Gott der Vater, der seinen Kindern das Brot des Lebens gibt. Nach christlicher Auffassung – und auch die gehört zum Geschenk Gottes – ist es Gott bisher noch nicht gelungen, ein besseres Brot für das Leben der Welt zu backen, als den Jesus von Nazaret. Keiner, dem wirklich etwas daran liegt, den lebendigen Gott kennenzulernen, kommt ohne den Jesus aus. Gott kann man sich nicht selbst ausdenken. Alle Bilder, die Menschen sich von Gott ausdenken, sind Götzenbilder. Gott selbst schenkt uns sein Bild. Dieses Bild ist kein in Öl gemaltes Portrait und keine von einer Polaraidkamera ausgespuckte Fotografie. Das Bild Gottes ist ein lebendiger Mensch, der Jesus heisst, aus Nazaret stammt, der einen Vater und eine Mutter hat. An diesen Jesus glauben heisst, darauf vertrauen, daß sein Leben, von der Geburt bis zum Kreuz, das richtige Menschenleben ist. Wer das glaubt, bleibt nicht im Sessel hocken, um am Fernsehschirm zuzuschauen, wie die Welt vor die Hunde geht. Sondern er wird den Weg des Jesus gehen, sich von Gott zum Brot backen lassen, zum Brot für das Leben der Welt.
Jupp Wagner
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