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Am Bahnhof stand eine kleine Gruppe und wartete. Wartete auf einen grossen Herrn. Er sollte mit einem Extrazug kommen. Es kam kein Extrazug. Sondern nur der normale Vieruhrbummelzug. Herausgestiegen einige normale Leute. Leute, die nicht auffallen. Keiner mit Diplomatenhut. Keiner mit grosser Begleitung. Einige ganz gewöhnliche Leute stiegen in den Zug, der davonbummelte zur nächsten Station. Die kleine Gruppe blieb am Bahnsteig zurück. Etliche von ihnen schauten in die andere Richtung, ob der Extrazug nicht bald einliefe. Sie wollten den grossen Herrn doch gebührend begrüssen.

Alle, die ausgestiegen waren, hatte die Bahnhofshalle verschluckt, und das Bahnhofsportal hatte sie auf den Bahnhofsvorplatz ausgespuckt. Dort verliefen sie sich in alle Richtungen. Kein Bedeutender war darunter gewesen. Der Mann, von dem die kleine Gruppe alles erwartete, war nicht darunter gewesen. Oder war er vielleicht darunter gewesen? Reiste er vielleicht incognito? Warum hatte er sich dann nicht zu erkennen gegeben? Sie standen doch auffällig genug am Bahnsteig mit ihrem grossen Rosenbukett, das ihm andeuten sollte, wie sehr sie alles von ihm erwarteten.

Alles von einem erwarten. Von einem, der uns all unsere Sorgen mit einem Schlag abnehmen soll. Der das definitive Glück in seinem Koffer mitbringt. Das sind

falsche Erwartungen. Trügerische Hoffnungen. Dabei steht man sich nur die Beine in den Bauch. Um schliesslich resigniert, um eine Enttäuschung reicher, nach Hause zu gehen.

Wann werden wir es lernen. Das richtige Warten. Das kein passives Dastehen bedeutet: Sondern Aktivität. Sich mit einem auf den Weg machen. Mit einem, der keinen Diplomatenhut auf- und keinen roten Flattermantel anhat, mit einem, der ganz unauffällig ist, ein Gespräch anfangen. Sich mit ihm zu Tisch setzen. Um ihn dann beim Brotbrechen zu erkennen. Den grossen Herrn. Der deshalb ein grosser Herr ist, weil er das definitive Glück nicht in einem Zauberkoffer mitbringt, es uns nicht wie ein Nikolaus durchs Fenster ins Haus schmeisst. Sondern der deshalb ein grosser Herr ist, weil er versucht, uns klarzumachen dass wir das grosse Glück bereits mit uns herumtragen. Dass wir es nur aus uns herauswaschen müssen, so wie der Goldwäscher sein Gold aus dem Lehm.

Nach christlichem Glauben ist Jesus jener Mensch, der uns zeigt, was im Menschen drin ist. Und zwar sowohl im Leben, wie auch im Sterben. Der unangreifbare Kern des Lebens Jesu, jener Kern, der ihn vor dem totalen Ausgelöschtwerden rettete, war sein Vertrauen auf Gott, das jeden Augenblick seines Lebens umspülte.

Jupp Wagner

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