François Morellet

Eine neue Fassade für das Institut Français und eine Ausstellung im Kunstmuseum Bonn

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Eine neue Fassade für das Institut Francais und eine Ausstellung im Kunstmuseum Bonn

Das Frühwerk des französischen Künstlers François Morellet kennzeichnet die Fläche als Grundlage seiner Strukturen und "immer ist das rechteckige Bild diese Grundlage". Der Bochumer Kunsthistoriker Max Imdahl spricht bei Werken wie ‚Peinture‘ (1956) von "einer intellektuellen Irritation" und zieht für spätere Arbeiten, ‚Tirets 0° – 90°‘ (1960), Parallelen zur Optical Art. Internationale Reputation erlangte der 1926 in Chôlet, Frankreich, geborene François Morellet allerdings in der Hauptsache durch die Installation von Neonskulpturen. Die am 25. April im Bonner Kunstmuseum eröffnete Ausstellung

zentriert eben diesen Blickwinkel auf das Werk Morellets und läßt die musealen Räumlichkeiten für einige Monate erstrahlen. Unter dem Titel Rokokolossal werden Neonarbeiten des französischen Künstlers im Foyer, in Raumecken und an den Innen- und Außenwänden des Museums installiert. Alle Arbeiten die Morellet in Rokokolossal vereint basieren auf der als variabel angesehenen Grundform eines Kreises von 90 Zentimeter Durchmesser. Neue Formen kreiert der Künstler, indem er die geometrische Ausgangsform verläßt und die vier Kreissegmente in verschiedene Richtungen dreht und neu verbindet.

Institut Français de Bonn: François Morellet, intégration architecturale "Un Penchant pour la culture", 1996/97; céramique industrielle

Störend und belebend, im Kontext von normierter Strenge und freiem Spiel, bewegt sich Morellet durch die Kreisform. Der Wahrnehmungseffekt für den Betrachter unterliegt Verschiebungen und zugleich ermöglicht der Künstler Neusichten in einer “Gleichzeitigkeit von Ordnung und Unordnung, Logik und Absurdität, Strenge und Spiel…”.

Terminlich fügt sich die Bonner Ausstellung an ein weiteres Kunstereignis, das ebenfalls von Morellet in der Bundeshauptstadt inszeniert wurde. Das in diesem Jahr seinen 45. Geburtstag feiernde Institut Français hatte den Künstler beauftragt das äußere Outfit ihres Gebäudes zu verändern und somit in die bestehende, recht nüchterne sechziger-Jahre-Architektur über eine Architekturintegration einzugreifen. Im Januar dieses Jahres wurde das durch die scheidende Direktorin Line Sourbier-Pinter angeregte Projekt Un penchant pour la culture der Öffentlichkeit vorgestellt. Wenngleich mit anderen Materialien als in der bereits erwähnten Ausstellung, in diesem Fall handelt es sich um industriell hergestellte

Keramik, erzielt Morellet für den Betrachter beim französischen Kulturinstitut ähnliche visuelle Erfahrungsmomente wie im Kunstmuseum. Er verschiebt optisch die Gebäudesymmetrie der Eingangsfront des französischen Kulturinstituts auf der Bonner Adenauerallee, indem er Fensterelemente und die Abschlußkanten von Flachdach- und Seitenfront des Gebäudes mittels schmaler Keramikbänder auf der weißen Fassade in karikierender Weise nachzeichnet. Darüber entsteht der absurde und irritierende Eindruck, daß ein Riesenfuß dem Gebäude im unteren Sektor einen leichten Tritt versetzt hat und nun aus der Verankerung gerissen, kippe es leicht nach links. Das künstlerische Motto “Eine Neigung für die Kultur” findet sich somit in der neu etablierten Morelletschen Scheinfassade.

I.N.

François Morellet “Rokokolossal” im Bonner Kunstmuseum bis zum 28. September und Un penchant pour la Culture, Institut Français, Adenaueralle 35

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