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Nr. 23
8.4.1978
fir kiirch a gesellschaft
Werden von den Dreihundertjahrfeiern Impulse zur Erneuerung des christlichen Lebens in Luxemburg ausgehen?
1. Impulse durch ein Jubiläum?
‚Jubiläum‘ geht der Einrichtung und dem Namen nach wohl auf das alte Testament zurück. Am 10. Tag des 7. Monats wurde jeweils nach 7 Sabbatjahren (= 7×7 Jahre) durch die Jobeltrompete ein Jobeljahr ‚eingeläutet‘. (Vgl. Lev. 25,8 ff).
Es ist nicht auszumachen, ob die Vorschriften des Jobeljahres tatsächlich eingehalten wurden. Doch falls sie es wurden, konnte das Jahr wirkliche Impulse der Erneuerung liefern. Es konnte zu einem neuen Anfang werden für alle, welche in den letzten 50 Jahren verschuldet waren. Schuld wurde nämlich im Jobeljahr erlassen. Wer zur Schuldtilgung das ihm zugeteilte Land einem Gläubiger überlassen hatte, gelangte wieder in den Genuss des verpfändeten Grund und Bodens. Doch nicht nur im Sozialen wurde ein neuer Anfang gesetzt,
auch in der Mentalität des Volkes wurde erneut eingeprägt: ‚Nicht wir sind die Eigentümer dieses Landes, sondern Jahwe. Wir sind nur die Nutzniesser. Und so haben wir kein Recht, mit Hilfe von Jahwes Eigentum uns gegenseitig zu übervorteilen.‘
Im neuen Testament wird die mit Jesus angebrochene Zeit als Festzeit angesehen. Da die Christen in der Erwartung eines nahen Endes dieser Weltzeit lebten, hatten fixe heilige Tage und heilige Zeiten ihren Sinn verloren. Paulus
wirft den Christen aus Galazien vor, sie trieben ’noch Kult mit Tagen, Monden, Festzeiten und Jahren‘. Er befürchtet, sich vergebens bei ihnen abgemüht zu haben. (Vgl. Gal. 4,10). Hingegen werden die Christen aus Kolossä ermutigt: ‚Deshalb soll niemand euch aburteilen wegen Speise und Trank, oder wegen Festfeier, Neumond oder Sabbat‘. (Kol. 2,16).
Im Zuge der Befreiung vom Gesetz soll man nicht auf heilige Zeiten warten, um das Gute zu tun.
Maria
300 JAHRE LANDESPATRONIN
In den ersten Christengenerationen ‚feierte‘ man nur das wöchentliche Ostern: den ersten Wochentag, an dem man zum Brotbrechen zusammenkam. Der erste Wochentag zum lebendigen Gedächtnis der neuen Schöpfung, die mit der Auferweckung Jesu ihren Anfang genommen hatte. Bemerkenswerterweise ‚feierten‘ sie an einem ‚Werktag‘. Der wöchentliche Festtag war ja der vorhergehende Tag: der Sabbat.
Im 2. Jahrhundert wird bereits die 50tägige Osterfestzeit (von Ostern bis Pfingsten) erwähnt. Die Osternacht ist schon zum fixen Tauftermin geworden.
Bis zum 7. Jahrhundert hat sich dann auch die 40tägige Vorbereitungszeit auf Ostern ausgebildet. Sie ist bestimmt durch 2 kirchliche Sondergruppen: die Katechumenen, welche in der Osternacht getauft werden, und die Büsser, welche am Gründonnerstag mit ihrer Gemeinde Versöhnung feiern. Sowohl die Taufe der Katechumenen wie die Versöhnung der Büsser sind Festfeiern mit Impulsen für die Zukunft. Sowohl die Täuflinge, wie auch die Büsser, beginnen ein neues Leben. Mit ihnen erneuert sich die ganze Gemeinde.
Doch Jubiläen in Nachbildung der alttestamentliche Jobeljahre gab es in der Kirchengeschichte nicht bis zum Jahre 1300. Damals verkündete Papst Bonifaz VIII. das erste heilige Jahr. Nur, im Gegensatz zum alten Testament, wurden damals keine materiellen Schulden nachgelassen, sondern Ablass von Sündenstrafen gewährt. Während das Jobeljahr des alten Testamentes nicht ohne Erschütterung des sozialen Gefüges im Volk Israel gefeiert werden konnte, blieben die kirchengeschichtlichen heiligen Jahre auf die individuellen, dazu noch übernatürlichen Schulden beschränkt. In wieweit ein solcher Jubiläumsablass den Rompilgern Impulse zur Erneuerung im Geist Jesu vermittelte, das lässt sich nur schwer beurteilen.
Vermutlich kurbelte der Pilgerstrom das wirtschaftliche Leben Roms an. Es waren harte Zeiten damals für die Römer. Sehr schnell wurden darum die Intervalle zwischen den einzelnen heiligen Jahren verringert. Ursprünglich sollte nur alle 100 Jahre ein solches Jubiläum gefeiert werden. Doch bereits von Clemens VI. wurde (1343) das Intervall auf 50 Jahre verringert, dann durch Urban VI. (1380) auf 33, und schliesslich auf 25 durch Paul II. (1470).
Das letzte heilige Jahr war – wissen wir es noch? – 1975. Auch Luxemburger waren damals nach Rom gepilgert. Haben sie Impulse von da mitgebracht?
Im Profanbereich haben sich Rundezahlgedächtnisfeiern ebenfalls eingebürgert. Zum 50. und 100. Geburts- oder Todestag einer berühmten Persönlichkeit wird ihrer in besonderen Feiern gedacht. In beschränktem Umfang wird die Öffentlichkeit sensibilisiert für Leben und Werk des grossen Menschen, oder für ein bestimmtes historisches Ereignis. In beschränktem Umfang: Bach-fans, die sowieso für Bachmusik etwas übrig haben, kaufen sich die Jubiläumsausgabe der Bachschallplatten. Und die andern lassen das Bachjahr verstreichen, ohne näheren Kontakt zum grossen Musiker zu gewinnen. Er sagt ihnen eben nichts. Auch die Jahrzehntfeiern unserer Befreiung von der Naziherrschaft sind höchstens noch eine Angelegenheit der Naziopfer. Die jungen Leute haben keine Beziehung zu dieser Zeit mehr. Sie bleiben den Festfeiern fern, lassen die Opas ihre Gedenkfeite feiern, und gehen in die nächste Disko.
Es gibt wohl zuviele Jubiläen. Sie erreichen jeweils nur mehr einen kleinen Kreis von Leuten, die sowieso ein Verhältnis zum gefeierten Ereignis haben. Impulse zur Erneuerung von ihnen zu erwarten, das heisst die Jubiläen überfordern.
2. Impulse durch die Marienverehrung?
"Wovon das Herz voll ist, davon läuft der Mund über", meinte Luther.
Wenn in einer lärmenden Versammlung die Worte "Tor, Elfmeter, abseits, foul" fallen, dann ist es so gut wie sicher, dass es eine Versammlung von Fussballfans ist. Und wenn in einem Lokal gedämpft von "Königen, Damen, Bauern, Läufern, Türmen und Springern" die Rede geht, dann bin ich vermutlich in einen Schachclub geraten.
Muss bei Christen unbedingt viel vom Maria geredet werden?
In den ältesten Schichten des neuen Testamentes, den Paulusbriefen, geht keine Rede von Maria. Nur im Galaterbrief wird sie – ohne Namensnennung – in einem Nebensatz erwähnt: "Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren aus einer Frau". Das ist alles. In der Sicht des Paulus war Maria nicht wichtig. Wichtig war allein Jesus, der Christus.
Das sieben und zwanzigste Capitel.
Wie die Mutter Gottes ist empfangen worden.
Er heilig und andächtig, wie keusch und rein Maria ist empfangen worden, mag mit keinen menschlichen Worten ausgesprochen werden. Dan die gienge nichts menschliches noch natürliches für, sondern alles wäre übernatürlich, ja gleichsam englisch: wie sie selbst St. Brigitta offenbart, sprechend: (a) Als meinen Eltern von dem engel verkündiger wurde, daß sie eine jungfrau gebären würde, von welcher das bey der welt solte herkommen, haben sie in die eheliche bewohning bewilligt; sonst wolten sie lieber sterben als mit fleischlicher lieb zusammen kommen; dann die wollust wäre in ihnen ganz erfunden. Doch sag ich dir für gewiß, daß sie aus göttlicher lieb, und wegen des worts des engels feyen zusammen kommen; nicht aus einiger begierlichkeit des wollustes, sondern wider ihren willen aus Göttlicher lieb.
Ist das nicht mehr eine übernatürliche als natürliche (hat)? Ist das nicht mehr ein englisch als menschliches wer? Wer hat von solcher keuschheit immer gehört? Wo stand immer solche ehelen gewesen, welche lieber sterben als einander ehelich bewohnen wollen? O ihr zwey keusche turreteläublein, Joachim und Anna! O ihr zwey himmische engeln, Joachim und Anna! O ihr zwey allerkeusche herzen, Joachim und Anna! Was für große gnab hat euch Gott erzeigt, daß ihr mehr engeln als menschen ja fern scheinet. (…)
(…) Es ist die wahrheit, daß ich bin empfangen worden ohne die erbünd, und in keiner sünd. Dan gleichwie mein Sohn und ich niemals gesündiger haben, also ist keine ehe gewesen, die da ehrlicher wäre, als diejenige, davon ich ausgangen bin.
Die hast du die gründliche erklärung, wie es geschehen seye, daß Maria ohne erbünd em-
pfangen worden; dieweil ihre allerkeuscheite eltern ohne einige begierlichkeit einander bevegwohnt haben. Maria ist empfangen worden, wie die kinder im paraded wären empfangen worden, wann Adam nicht gesündigt hatte. (…)
Als nun das allerzarteste leiblein der Mutter Gottes nach dem laut der natur in achyglagen alle gliedmaßen bekommen hatte, und nunmehr an dem wäre, daß Gott die alleredelte seit Maria solt erschaffen, was manest du, daß er damal gedacht oder gesagt habe? Dan so er am anfang, als er den Adam erschaffen wollen, sprache: Laster uns den menschen nach unserm ebenbstd machen; wie vielmehr werden den die drey Göttliche personen zu einander gesagt haben: Laster uns Mariam nach unserm ebenbstd machen; laß uns eine solche edle seit erschaffen, die uns also gleich seye, so viel als immer eine pure creature Gott kan gleichförmig seyn. O was für freud hatten die drey Göttliche personen in dieser gnadenreichen sünd! O mit was für herrlicher wollust verrichteten sie dasjenige, was sie von ewigkeit zu thun fürgenommen hatten. Dan wie ein werkmeister, (sprach die mutter Gottes zu S. Wachtel) (c) der sich ein künstlich weret zu machen fürnimmt, fältiges zuvor mit großem fleiß und lust seines herzens berrichtet: also hat die ehrwürdigte Dreysaltigkeit an mit lust gehabt, indem sie mich hat wollen zu solcher bildnuß machen, an welcher auf das zierlichste die kunst ihrer allmacht, weißheit und gütigkeit solte erscheinen. (…)
Wer will nun aussprechen, was für überschwengliche freud die allerheiligste Dreysaltigkeit hatte, als sie das englische jungfraulein in dem ersten augenblick ihrer erschaffung, in der unbegreiflichen schönheit, welche sie ihr mitgetheilt hatte, mit ihren Göttlichen augen anfahe. O wie wurde ihr göttliches herz mit so scharfem pfeil der lieb gegen ihr verwundet!
In den Evangelien und in der Apostelgeschichte, die uns bereits eine längere Glaubensreflexion der christlichen Gemeinden überliefern, kommt der Name Maria 19mal vor, davon 16mal allein in den beiden Kindheitsgeschichten des Mathäus und des Lukas. Die Mutter Jesu erscheint 23mal, 5mal in Verbindung mit dem Namen Maria, 18mal ohne Namensnennung. Von diesen 18 Nennungen der Mutter finden sich wieder 11 in den beiden Kindheitsgeschichten. Während des öffentlichen Lebens Jesu tritt seine Mutter 9mal in Erscheinung. Bei diesen 9 Erwähnungen fällt es auf, wie Maria sozusagen in ihre Schranken verwiesen wird: Sie ist selig zu preisen, jedoch nicht auf grund ihrer Mutterschaft, sondern in ihrer Eigenschaft als Schülerin ihres Sohnes, die, wie alle seine Jünger, das Wort Gottes hört und es auch tut. (Vgl. Mat. 12,46 ff; Mark. 3,31 ff; Luk. 8,19 ff; 11,27 f; Joh. 2,3 ff.) In der Apostelgeschichte sitzt Maria ebenfalls im Kreis der ‚Schülerinnen‘ Jesu. Wenn man bedenkt, dass der Name ‚Jesus‘ 923mal im neuen Testament vorkommt, und Petrus 154mal genannt wird, so wird deutlich, wer im Mittelpunkt der jungen christlichen Gemeinden steht, und wie dieser Mittelpunkt andern vermittelt wird: durch Petrus und die Zwölf und die Apostel (34- bzw 80mal). Wenn in späteren Jahrhunderten Maria als Weg zu Jesus angesehen wird, so ist es im ersten Jahrhundert genau umgekehrt: Jesus ist der Weg zu Maria. Doch auch diese Formulierung ist irreführend: Maria ist kein Ziel. Besser muss man sagen: ohne Jesus gibt es keine Maria. Das einfache Mädchen von Nazaret wäre ohne Jesus heute total unbekannt. Die jungen christlichen Gemeinden versammelten sich um Jesus, den Gekreuzigten und Auferstandenen. Und Maria war in der Gemeinschaft der Gläubigen.
Festgehalten muss werden: die Zukunftsimpulse gingen in den fruchtbaren Jahren der ersten Christengemeinden von Jesus aus, und von keinem anderen.
Indes, die Glaubensreflexion war mit dem letzten Buch des neuen Testamentes keineswegs abgeschlossen. Für unsere Überlegungen ist es wichtig, zu wissen, dass besonders jene Lebensjahre Jesu, die wohl, wie die Lebensjahre jedes Kindes, ereignislos verlaufen sind, immer mehr von ‚Legenden‘ überschwemmt wurde. Allerdings ist die Bezeichnung ‚Legende‘ nicht die Allerbeste. Vielmehr wurde mit Hilfe alttestamentlicher Denk- und Erzählformen das Leben Jesu vor seinem öffentlichen Auftreten ‚rekonstruiert‘. Bereits die Kindheitsgeschichten des Mathäus und des Lukas sind derartige ‚Rekonstruktionen‘. Sie sind Glaubenszeugnisse, die sozusagen ‚im Vorwort‘ oder ‚Vorspann‘ zur eigentlichen Jesusgeschichte uns darauf vorbereiten, dass wir es bei diesem Jesus mit dem ‚Sohn Gottes, dem Sohn Davids, dem Messias, dem neuen Moses, dem Retter aller Völker, dem Licht zur Erleuchtung aller Nationen‘ zu tun haben. Nun liegt es in der Natur der Sache, dass die ‚Mutter mit dem Kind‘ besonders häufig in diesen beiden Kindheitsgeschichten genannt wird. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass fast zwei Drittel der Maria- bzw Mutter-nennungen auf diesen etlichen Seiten erscheinen, die nicht einmal 2% des gesamten neutestamentlichen Textes ausmachen.
Die ‚Rekonstruktionen‘ des verborgenen Lebens Jesu, wie Mathäus und Lukas sie bieten, sind nicht die letzten ihrer Art gewesen. Im Gegenteil: danach fing es erst richtig an. Die ‚Legendenbildung‘ um das Jesuskind trieb weiter Blüten, schliesslich solch groteske Blüten, dass diese ’neuen‘ Evangelien nicht mehr
in den Kirchen verlesen werden durften. Ins Verzeichnis der "erlaubten" Evangelien wurden nur jene vier aufgenommen, die uns allen bekannt sind. Man nennt sie deshalb die "kanonischen". Alle anderen werden als "apokryph" bezeichnet. Für unsere Überlegungen ist ganz wichtig das (apokryphe) Kindheitsevangelium, welches unter dem Namen "Protevangelium des Jakobus" läuft. Auch diese Schrift gebraucht alttestamentliche Denk- und Erzählformen. So werden uns hier die Grosseltern Jesu mütterlicherseits vorgestellt als Joachim und Anna, die lange Zeit kinderlos blieben, denen dann auf ihr Gebet hin Maria geschenkt wird. Zwar kam das Protevangelium des Jakobus niemals auf die Liste der kanonischen Evangelien, dennoch hat es im christlichen Volk Fuss gefasst. So stehen noch heute der heilige Joachim und die heilige Anna im Festkalender der katholischen Kirche (26. Juli). Ebenfalls die – vollkommen erfundene – Darstellung der dreijährigen Maria im Tempel steht noch im Kalender (21. November). Auch in die Kunstgeschichte, und von da aus auf das christliche Gemüt, hat das apokryphe Protevangelium hineingewirkt: wieviele Maler und Bildhauer haben eine "Anna Belbdritt" gemalt oder gemeisselt? Wie weit das Protevangelium verbreitet, und wie tief es verwurzelt war im christlichen Volk, das zeigt das (auch hierzulande in manchem Haus beheimatete) "Grosses Leben Jesu Christi" des Kapuziners Martinus von Cochem (1. Auflage: Berncastel 1680,
Das neun und zwangigste Capitel.
Wie die Mutter Gottes ist gebohren worden.
Die gnadenreiche geburt Maria beschreibt uns die alte Legend S. Anna also: Als die neun monat von der empfängungs Maria zu end ließen, sprach S. Anna zu S. Joachim: Mein lieber Mann, die zeit der lang gewünschten geburt kommt nun herben, in welcher mir dasjenige Kind, sie die mutter des Heylands werden solle, mit unserm augen werden ansehen. Dernogen gebet hin zu meiner lieben Schwester, und andern lieben befreundet, bittend, daß sie mit in der geburt beisehen wollen. Sonsten begabre ich keine andere, als lauter heilige weiber bey mir, welche würdig feynen die heiligste Kind anzuschauen. Da gienge S. Joachim nach Sephor zu seiner frauen schwester Jimeria, und hate sie, daß sie seiner lieben hausfrauen in ihrer geburt wolte beisehen. Er gienge auch in die stadt Juda zu S. Elisabeth, der H. Jimeria tochter, wie auch zu S. E. mue der H. Elisabeth schwester, und zu andern nächsten blutfreunden, welche er wusste heilige weiber zu seyn. Diese kamen alle zu S. Anna: und als sie in ihre schlafsanwer giengen, wurden sie so voller freuden, als wann sie in das irrtische paradegs engiengen. Da sprach S. Anna: Erfreut euch mit mir, O ihr meine liebste freundum, und wünschet mir glück, dann der gütige Gott hat noch seine unwürdigste dienerin gewürdiger, die mutter des Heylands zu tragen. Laut werden wir die gnad haben, daß wir diejenige mit unserm lieblichen augen anschauen, woran als unserm liebesvordern so lang verlangt haben. O was sie herzliche freud empfangen diese heilige weiber von dieser frölichen zeitung, und wie sehr dankten sie dem lieben Gott, daß er sie die zeit des heils hatte lassen erleben.
Als die stund dieser glückseligsten geburt herzu nahere, und S. Anna überaus große süngigkeit in ihrem mütterlichen hergen empfande, knyert sie mit den weibern nieder, und brachte einen guten theil der nacht im gebett zu. Siehe, da geschahte um die aufgebende morgenröh ein großes wunder Gottes. Dann es entstunde in den gimmer eine so große klarheit, als wann eine neue sonn darin aufgienge, St. Anna ward von einem so großen glanz umgeben, daß sie niemand ansehen könne. Die drey weiber wurden darum gar sehr erschreckt, hielen auf ihre knye, und waren nicht so kühn, daß sie ein aug aufgebeten. S. Anna mit diesem Glanz umgeben, gebahre ohne hülf der weiber, ohne einigen schmerzen, und brachte wunderlich auf die welt dasjenige töchlerleins nach demh inmel und erben verlangten. Dergestalt entsprose die edelste Jungstäulein herfur, gleich wie ein woltrechendes rögelein ohne dörner, und gienge so lieblich auf, wie eine schöne morgenröh mit klaren purpurschein umgeben. Durch diesen ihren ersten eintritt in diese welt brachte sie der ganzen welt heylfried, gnad und segen.
So bald das liebe kindlein gebohren ware, lage es vor den heiligen weibern, wie ein blühendes rögelein, und glänzende wie der aufgebende morgenstern: wodurch diesen frommen frauen solch revereng gegen dem heiligsten kindlein entstunde, daß keine dasselige dörste anruhren. In leibigem augenblick hörte man eine himmlische muste der engeln/ welche mit höchster liebliebeln sungen: Laß set uns nun erfreuen und frolocken/ dann heut ist gebohren worden die Königin des himmels/ die Herrsfeierin der engeln/ die Kayserin der welt trösterin der er-
den/ und die künftige mutter Mesiä. Ein laßet uns nun singen und ewig jubiliren. Maria/ Maria/Maria unsere Königin ist gebohren. Weiner nun nicht mehr, ihr himmel und erden/ dann durch diese geburt ist euch freud entstunden von dem ewigen Gott/ Alleluja. Dies sungen die Chor der Engeln mit solcher annuhtigkeit/ daß alle diejenige, so dies gesang hörten, unaussprechliche freud empfangen, und im himmlischen paradegs zu seyn vermannen.
Gleich darauf kamen alle Chor der Engeln vom himmel herab, und giengen mit großer ehrröbelung in das heilige gimmer, das jungfraulein als ihre zukunftige Königin zu verehren. (…) O wie dauchten sie dem lieben GOTT/ daß er einmal der menschlichen erlösung einen ansang gemacht hatte. (…)
O fromme sei, kuye mit den H. weibern vor dem kindlein nieder, und sprich mit andacht folgende
Verehrung Maria an ihrem Geburts-Tag.
Allerholdseligstes, allervreundlichstes und alleredleses Jungfraulein, in demuthigkeit meines herzens salle ich vor, dir wieder, und mit schuldigster unterthänigkeit erteige ich dir alle möglichst revereng. Sey gegrüßet, du tochter des Watters. Sey gegrüßet, du mutter des Sohns. Sey gegrüßet, du braut des Heil. Geistes. Vou grund meines herzens heisse ich dich willkommen seyn: und im namen aller creaturen grüsse und ehre ich dich.
(Fortsetzung S. 7)
letzte Auflage: Köln 1926!). Auf endlosen Seiten verwebt er in diesem Erbauungsbuch das Protevangelium des Jakobus mit Visionen der heiligen Birgitta und der heiligen Mechthild.
Das Leben Mariens nimmt im Protevangelium des Jakobus einen ganz breiten Raum ein. Man kann, ohne zu übertreiben, sagen, dass in dieser Schrift Maria bereits ein zweites Zentrum geworden ist, neben Jesus, ihrem göttlichen Sohn.
Ausser dem Protevangelium des Jakobus gibt es noch eine Reihe anderer Legenden, welche z. B. die Flucht der heiligen Familie nach Ägypten breit ausmalen. Auch hier ist Maria, neben Jesus, die interessanteste Person.
Das Interesse an Maria wächst. Justin der Martyrer (+ ca 165) beginnt mit der marianischen Reflexion. Er zieht als erster die Parallele Eva-Maria. Maria hat durch ihren Glaubensgehorsam den Ungehorsam der Eva gutgemacht. (Bei Paulus gibt es die Parallele Adam-Christus. Desgleichen, in der Bildersprache der Evangelien, ist es Jesus allein, der versucht wird und – anders als der erste Adam – der Versuchung widersteht: Jesus ist der neue Adam, der Anfang einer neuen Menschheit. Jedoch er allein, ohne eine neue Eva an seiner Seite.)
Irenäus von Lyon (+ ca 200) kennt die Spekulation Eva-Maria bereits. Er beginnt eine neue: Maria als Urbild der Kirche. Epiphanius (+ 403) bringt die beiden mariologischen Reflexionen zusammen, und so erscheint bei ihm Maria als die neue Eva neben Christus, dem neuen Adam, dort, wo im Epheserbrief die Kirche als Braut Christi stand. Zweifels ohne hat die sonnenbekleidete Frau der geheimen Offenbarung bei dieser Entwicklung ihre Rolle mitgespielt.
Als dann die Dogmatisierung der Gottesmutterschaft auf dem Konzil von Ephesus (431) erfolgt war, konnte gesungen werden, wie im Lied ‚Wunderschön prächtige‘: ‚…du Gottes Tochter, und Mutter, und Braut‘. Wenn es nun damit sein Bewenden gehabt hätte! Doch nein: alle Dämme sind gebrochen. Maria wird zur ‚Allmacht auf den Knien‘, zur ‚Siegerin in allen Schlachten Gottes‘, bis hin zur Verstiegenheit jenes Predigers, der behauptete, dass ‚Gott etas an seinem Glück fehlte, nämlich eine Mutter, und so erschuf er sich eine Mutter‘!!! Natürlich ist das eine so geschmacklose Wucherung der Marienverehrung, dass heute kaum jemand etwas derartiges noch gutheissen möchte. Dennoch, es wurde dem christlichen Volk zugemutet, und vielfach von demselben auch genossen. So kommt in ähnlichen Äusserungen zum Vorschein, was eigentlich begehrt wurde. Vom Volk eine Mutter, unter deren ‚Schutz und Schirm‘ man flüchten kann, die ‚ihren Mantel ausbreitet‘, die Trost spendet in Menschenleid. Eine Königin wird gesucht, die es möglich macht, den strengen Gott zu umgehen, eine Fürsprecherin, der Gott nichts abschlagen kann. Und das alles eigentlich im Gegensatz zum neuen Testament, wo Christus der Weg (Johannesevangelium), der einzige Mittler zu Gott (Hebräerbrief) ist.
Es wäre noch sehr viel zu sagen, um die Steigerungskurve der Marienverehrung im Lauf der Kirchengeschichte nachzuzeichnen. So könnten alle Marienfeste in der Auswahl der liturgischen Texte hinterfragt werden, um festzustellen, wieviel biblische Aussagen, die im neuen Bund zuerst auf Christus angewandt wurden, nach und nach auch auf Maria übergehen. Aufschlussreich wären ebenfalls die Sprachgewohnheiten der Marienerscheinungen des letzten Jahrhunderts.
Nur eine letzte Anfrage sei gestattet: inwiefern hat eine falsche Lesung des sogenannten Protoevangeliums (= Gen. 3,15ff) die Marienverehrung übersteigert? Las man ja bis vor einigen Jahrzehnten an eben dieser Stelle: "Feindschaft will ich setzen zwischen dir und dem Weibe, zwischen deiner Nachkommenschaft und ihrer Nachkommenschaft. Sie wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihrer Ferse nachstellen." Im hebräischen Text steht allerdings: "Er wird dir den Kopf zertreten und du wirst ihn an der Ferse verletzen." Ganze Scharen von Mariendarstellungen zeigen die Jungfrau mit dem Fuss auf dem Kopf der Schlange.
Nun, mag die fraglose Übertreibung der Marienverehrung auch in den letzten Jahren abgebremst worden sein, so stellen sich trotzdem etliche Fragen:
- Warum ist Maria als Urbild der Kirche nicht ins Volksbewusstsein eingegangen? Oder hat es sich daraus verloren? Hatte vielleicht "die Kirche" nicht mehr jene mütterlichen Züge, welche die Gläubigen brauchen, um Geborgenheit und Trost zu finden? Geborgenheit, aus der heraus die Ausbreitung der Herrschaft Gottes beginnen konnte. Trost einer Brüderlichkeit, der half, die – immer wieder unvermeidbaren – Rückschläge zu überwinden.
War "die Kirche" nicht gleichgesetzt worden mit der "Hierarchie", jener "heiligen Männerherrschaft", die nur allzuoft gnadenlos mit ihren "Untertanen" umsprang? Brauchte es da nicht die Korrektur durch die mütterliche Maria? - Welcher Gott war verkündigt worden von "der Kirche"?
Der Vater Jesu Christi, dessen Menschenfreundlichkeit uns in eben diesem Jesus erschienen ist? – Oder der Gott, der Eisen wachsen liess, der ewige Höllenfeuer anzündete, der mit Hunger, Pest und Krieg seine unverständigen Geschöpfe zur Raison bringen musste?
Brauchte das geplagte Volk da nicht eine mächtige Patronin und Fürsprecherin, um diesen gnadenlosen Herrn zu beschwichtigen? - War dem christlichen Volk mit der dogmatischen Formel: Jesus, wahrer Gott und wahrer Mensch, nicht allzu Kompliziertes zugemutet worden? So, dass auch die einfachen Pfarrer in ihrer Glaubensverkündigung überfordert waren, und in ihrer
(…) In demüthig-
feit meines herzens werfe ich mich
vor dir nieder, und mit herzlichster lieb
tüsse ich deine liebe händ- und süssein.
Ich darf mich nicht vermesen dein
süsses mündlein zu küssen, weil mein
mund voller abscheulichen gestancks
ist, wegen des übeln auf dampfens der
stinckenden sünden, so in meinem her-
zen verborgen liegen. O du liebes Ma-
rielen, erwerde mir verzenhung der-
selbigen, und durch den süssen geruch
deiner tugenden vertreibe den garsti-
gen gestanck meiner missethaten. (…)
-
- Endlich brachten die weiber dem
H. Joachim diese fröhliche zeitung, und beruf-
- Endlich brachten die weiber dem
ten ihn zu ihnen in das heilige zimmer zu kom-
men. Wer will aufsprechen, mit was für
andacht dieser fromme manu in das gebre-
depte zimmer gienge, und mir was für freuden
er erfüllt wurde, als er sein liebes töchterlein
zum erfenmal anlahe. (Deswegen nahme
er, mit dem Heiligen Geist erfüllt, das liebe
sündlein auf seine armen, und für uner-
gründlichen freuden hung er an Gott zu lo-
hen, niehe dann der H. Zacharias in der geburt
Joannis, forchend: Gebenedeyr sey der
Herr GOTT Jiraels/ dann er hat sein
wölch beinsgesucht und erlöst. Er hat das
wort, welches er im paraders versprochen hat,
wahr gemacht, indem er dasjenige weib hat
lassen gebohren werden, welches der schlangen
kopf zertreten soll. Freuet euch nun, ihr hin-
mel und erden und dancket mir mir dem lieben
GOTT für seine gnäd und barmherzigkeit.
(…) Lasser uns nun von herzen erfreuen,
und dem lieben GOTT danck sagen, daß wir
den tag erlebt, darin wir die Mutter des Hop-
lands gesehen haben. Nun will ich mit freu-
den sterben, dieweil ich keine grössere gnäd hüt-
te mögen erleben: und will ohn unterluß mei-
nem GOTT lob singen, bis er mich endlich in
frieden hinfahren lüffet.
In der stund, da Maria gebohren ward,
hörte man die teuffeln in allen besessenen leibern
des ganzen lands also graufanlisch heulen
und rufzen, daß alle menschen sich darob
entsetzen. (…) Nachdem
die teuffeln lang gebrüßet, und die arme be-
sessene menschen erschrecklich gepennigt hat-
ten, seynd sie endlich mit grossem geschrey aus-
gefahren, und haben die arme leut halb tobt
hinterlassen: daß also denselbigen tag jwop-
hundert und funfflichen besessene menschen
durch die verdiensten Maria erlöst worden
seynd.
Angst, Jesus allzusehr zu "vermenschlichen" – und dies trotz der einen Hälfte der dogmatischen Formel, die vom wahren Menschen spricht – lieber von Gott sprachen, wo sie von Jesus hätten reden sollen?
Brauchte es deshalb nicht, nachdem Jesus so hoch in den Himmel gejubelt worden war, eines verständnisvollen Menschen, dem man sein Leid, seine Sorgen, und auch seine Freuden, anvertrauen konnte, da Jesus in seiner Gottheit ja doch nichts davon verstand?
- Sind unsere juwelenbehangenen Madonnen überhaupt noch identisch mit dem einfachen Mädchen aus Nazaret, mit der einfachen Frau aus dem Volk, mit der Schülerin ihres armen Sohnes?
Wollen wir nun einer "Marienflucht" das Wort reden anstelle einer früheren "Mariensucht"? Mitnichten! Es ist absolut keine Frage: Maria gehört in jede christliche Gemeinschaft hinein. Und es ist auch keine Frage, dass eigentlich jede christliche Gemeinschaft "marianische Züge" tragen soll.
Jedoch unsere Frage, die einer Antwort harrt, lautet: "Impulse durch die Marienverehrung?"
Die Antwort kann "ja" heissen, wenn…
- die Kirche wieder "magdliche" Züge annimmt, wie Maria in Nazaret.
- die Kirche wieder einfache Züge annimmt. Das heisst: wenn sie wieder so reden lernt, dass sie verstanden werden kann.
- die Kirche wieder echte Kommunikation pflegt und ihre Informationen nicht einteilt in solche, welche allen zugänglich sind, und andere, welche nur Eingeweihte erhalten,
- die Kirche wieder auf das Wort Gottes hören lernt und es dann auch befolgt.
- Impulse durch die Dreihundertjahrfeier?
Jubiläen, wie sie heute gefeiert werden, sind im allgemeinen nicht zukunftsträchtig. Wird die Dreihundertjahrfeier der Erwählung Mariens zur Landespatronin eine Ausnahme bilden?
1678, in einer dunklen Zeit, nahmen Laien – nach Schulung durch die Jesuiten – die Initiative: sie erwählten Maria zur Landespatronin.
Die Initiative zum Jubiläum des Jahres 1978 ging – soweit es festzustellen ist – nicht von der Regierung und nicht vom Volk aus, sondern vom Klerus.
Das Volk denkt nicht geschichtlich, und ohne die Kampagne der Erinnerung wäre auch für das Gros des luxemburger Volkes das Jahr 1678 irgendein Jahr des 17. Jahrhunderts geblieben. Durch die Propaganda ist nun dem Jahr 1678 in der Volksmentalität eine besondere Note verliehen worden, die es aus den anderen Jahren desselben Jahrhunderts hervorhebt. Daran besteht kein Zweifel. Doch für wie lange und mit welchem Tiefgang?
Ob die Regierung von 1978 marianisch denkt, das dürfte als Frage wenigstens erlaubt sein.
1978 ist nicht 1678. Das weiss natürlich auch der Bischof von Luxemburg und sein Klerus. Nicht nur die soziale, die wirtschaftliche und die politische Lage lassen sich mit der Lage von 1678 nicht vergleichen, auch die Glaubenslandschaft ist total verändert. Ob es da hilft, den Geist, in dem "unsre
Väter flehten‘, zu beschwören? Weil wir denselben Geist nicht mehr haben. Weil sehr viele Luxemburger Schutz suchen bei sehr viel handfesteren Dingen als dem ausgebreiteten ‚Lichtgewand‘ Mariens. In anderen Worten: die Marienverehrung des luxemburger Volkes ist nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ anders geworden. Das ’numquam satis de Maria‘ (niemals kann genug über Maria gesagt werden) des hl. Bernard von Clairvaux leuchtet nicht einmal mehr allen überzeugten Katholiken ein. Für sie ist Maria die Mutter Jesu, wie es auf dem Sockel der Statue unserer lieben Frau von Luxemburg steht. Sie ist eine grosse Frau, jedoch nicht unbedingt, weil sie die Mutter Jesu ist, sondern weil auf sie zutrifft, dass sie das Wort Gottes hörte und dann tat. Allerdings für weit mehr Luxemburger sind die dogmatischen Formeln über Maria irrevelant, wenn nicht sogar fragwürdig.
Wird in einem derartigen Kontext die Dreihundertjahrfeier Impulse der Erneuerung geben?
Impulse sind Anstösse. Anstossen heisst: etwas aus der Ruhe bringen, in Bewegung setzen.
Wenn die Dreihundertjahrfeiern in den üblichen Bahnen einiger liturgischen Feiern verlaufen, während derer die Rechenaufgabe 1678+300=1978 nach vorne und hinten aufgesagt wird, gerät wohl kaum etwas in Bewegung.
Impulse stören das Gleichgewicht. Stagnierendes gerät in Bewegung.
Selbstbeschwichtigung wirkt stagnierend.
Es ist Selbstbeschwichtigung, wenn man undifferenziert die 100000 Sonntagsmessbesucher beschwört. Die 100000 haben nicht alle das gleiche Gewicht. Wenn man die Kinder abzieht, auf die man sich nicht verlassen kann, wenn man dazu die Leute im Pensionsalter abzieht, die kaum noch Einfluss auf die Zukunft der Kirche Luxemburgs haben, dann bleiben noch 57000. Und von diesen sind es auch nur 46000, die jeden Sonntag zur Messe kommen.
Wiederholungen wirken stagnierend.
Es genügt nicht, dogmatische Formeln korrekt aufzusagen. Es genügt nicht, liturgische Formeln korrekt aus liturgischen Büchern abzulesen. Es ist notwendig, dass die Gläubigen das Wort Gottes hören und es heute verstehen können. Es ist notwendig, dass die Gläubigen erfahren, wie Liturgie eine gemeinsame Tat ist, die Freude macht.
Ererbte Zustände für unabänderlich zu halten, bewirkt Stagnation.
Zum Beispiel das Verhältnis Kirche-Staat in Luxemburg. Sollte die Kirche nicht eine Initiative ergreifen und den Staat aus einer Reihe Verpflichtungen entlassen? Was würde sich dadurch nicht alles klären! Wieviel Ressentiments könnten abgebaut werden!
Längst fällige Lösungen vor sich herschieben, bewirkt Stagnation.
Als Beispiel: die gesamte Sakramentenpastoral.
Symptombehandlung bewirkt Stagnation.
Wenn nicht sogar Verschlimmerung des Übels.
Das Gute kann nicht mit Gesetzesvorschriften erzwungen werden, sondern nur durch Motivbildung nahegelegt werden.
Wird die Kirche Luxemburgs im Jubiläumsjahr 1978 den Mut zu Impulsen
aufbringen? Weil Impulse ja das Gleichgewicht stören?
Maria hat das Wort Gottes als Impuls verstanden. Sie liess sich aus
alteingefahrenen Geleisen herauswerfen. Um in der Gefolgschaft ihres
Sohnes neue Wege zu probieren.
Jupp Wagner.
Hinweis: Die vorstehend abgedruckten Facsimiles stammen aus: P. Martinus von Cochem
(o.f.m.cap.), "Grosses Leben Jesu Christi" (Ausgabe 1689). Nicht unbedingt die
lustigsten Stellen haben wir ausgewählt, sonder solche, wo auch einem Laien ins Auge
springt, wie die Geschichte Jesu (hier die Geburtserzählung) auf Maria umgedeutet
und Maria mit göttlichen Attributen ausgestattet wird. Die Red.
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