P. Biermann: „Profangeschichte des Judentums“

Buchkritik

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Ein Beitrag zur Überwindung des Rassenwahns und des Antisemitismus.

  1. Von der israelitischen Vorgeschichte (ab -1000) bis zur römischen Kaiserzeit (+135). Verbesserte und erweiterte 2. Auflage; im Selbstverlag des Verfassers, Luxemburg, 1978.

Natürlich ist ein Beitrag zur Überwindung des Rassenwahns und des Antisemitismus eine gute Sache …wenn es tatsächlich ein Beitrag ist. Ob P. Biermann’s Beitrag einer ist, dürfte dann doch fraglich sein. Denn aus mehr als einem Grunde könnte des Verfassers ‚Profangeschichte des Judentums‘ eher dazu beitragen, Fronten zu verhärten, als sie aufzuweichen.

  1. Das Gespräch mit Menschen, die an Gott glauben, ist durch die Methode des Verfassers sehr stark belastet. Der erste Satz des Vorwortes zur ‚technisch hausbackenen ersten Auflage‘ und der letzte Satz des Buches mögen diese extreme Belastung illustrieren. ‚Nichts spricht entscheidender gegen einen angeblichen gütigen Vater- und Schöpfergott als das Alles durchflutende Naturgesetz des erbarmungslosen Krieges aller gegen alle.‘ (Vorwort der ersten Auflage.) ‚…der (Jahmemonotheismus) bildete und bildet bis heute für die ‚Wissenden‘ nichts als eine der unzähligen frommen Tarnungen der sehr unfrommen Verdummung und Auspressung des Menschen durch den Menschen.‘ (S.205).

Für P. Biermann ist die Gottesfrage gelöst in einem logischen Schluss: Was in sich widersinnig ist, existiert nicht. Nun aber ist der Begriff Gottes ein Widerspruch. (All die unlösbaren Widersprüche, die im Begriffe Gott… liegen… S.151). Ein gütiger Gott, der zugleich allmächtig ist, hätte keine Welt erschaffen können, in der es soviel unsägliches Leid gibt, wie das in unserer Welt der Fall ist. Also gibt es keinen Gott.

Für Menschen, die an Gott glauben, leidet diese anscheinend so logische Schlussfolgerung unter einem logischen Kurzschluss. Die Ausdrücke ‚gütig‘ und ‚mächtig‘ sind ja der menschlichen Erfahrungswelt entnommen, passen also nicht notwendigerweise exakt auf die ‚Welt Gottes‘, für die unsere Sprache nicht ausreicht. Deshalb wurden die Ausdrücke ja schon angereichert durch die Vorsilbe ‚all‘: allgütig, allmächtig. Diesen so verformten Begriffen entspricht nichts mehr aus unserer Erfahrungswelt. Und genau hier liegt die Gefahr der logischen Kurzschlüsse. Entweder sagen wir dann: Dem Wort ‚allmächtig‘ entspricht nichts aus unserer Erfahrung. Also gibt es so etwas nicht. Ein derartiger Schluss ist nur dann logisch, wenn man von dem unbewiesenen und unbeweisbaren Dogma ausgeht: was nicht in unserem Messbereich liegt, das gibt es nicht. Oder aber der logische Kurzschluss liegt im Überspringen eines Elementes der Gedankenkette, dann nämlich, wenn wir vergessen, dass das Wort ‚allmächtig‘

nur annähernd die ‚Macht‘ Gottes beschreibt, dass man also eine andere Fazette der ‚Macht‘ Gottes genau so gut mit ‚ohmmächtig‘ beschreiben könnte. Ohmmächtige Allmacht also? Ein logischer Widerspruch? Nicht unbedingt, sondern möglicherweise auch eine Offenbarung der Begrenztheit menschlicher Sprache. Haben wir denn nicht schon in unserer Erfahrungswelt so etwas wie ‚allmächtige Ohmmacht‘? Sagen wir denn nicht dass Liebe erfinderisch macht? Damit wollen wir doch nur der Erfahrungstatsache Ausdruck verleihen, dass Liebe nach Wegen sucht, an welche die Nicht-Liebe nicht einmal im Traume denkt. Und zugleich ist Liebe ohmmächtig, weil sie nicht zwingen kann.

  1. Sogar wenn wir auf den Atheismus des Verfassers eingehen und das Spiel der ‚Profangeschichte‘ mitmachen, das heisst die Geschichte des Judentums ohne ‚göttliches Eingreifen‘ lesen wollen, bleiben mancherlei Bedenken. Wie ein roter Faden zieht sich durch das ganze Buch der Priesterbeitrag. ‚In Vorwegnahme des Hitler’schen Leitsatzes, dass in der Grösse der Lüge deren Glaubwürdigkeit besteht, machten die Priester sich hemmungslos an die Ausarbeitung der Heiligen, d.h. kritiklos hinzunehmen, Schrift heran, die fürderhin u.a. als die Weltgeschichte schlechthin zu gelten habe.‘ (S.193f)

2.1. Zuerst wollen wir festhalten, dass sich in allen Kulturen Priester finden. Sie sind zu verstehen im Rahmen der Spezialisierung. So wurden beispielsweise Leute mit besonderen Fähigkeiten zur Holzverarbeitung, gefragte Leute ihres Handwerks. Jene Familien eines Clans, in denen man eher ungeschickt war, wenn es sich darum handelte, einen hölzernen Gegenstand herzustellen, gingen zum geschickteren Schreiner, dem dadurch langsam eine Monopolstellung innerhalb des Clans zuwuchs. Ähnlich ist es mit der Herausbildung der Priesterkaste gegangen: sie wurden zu Spezialisten des ‚Religiösen‘, zu ‚Vermittlern‘ zwischen den Menschen und der Gottheit. Klar, dass den Priestern eine Monopolstellung in der Gesellschaft zuwuchs, die ungleich eingreifender war als die des Dorfschreiners. Die Priester gewannen durch ihr Wissen Macht. Und so sind sie oft mit dem ‚politischen‘ Clan-chef in Personalunion zu finden, oder aber in Konkurrenz, oder auch im stillschweigenden bzw. ausdrücklichen Kompromiss: der politische Chef hat seinen Zuständigkeitsbereich, der Priester den einen, doch Priester und politischer Chef stützen sich gegenseitig ab. Man müsste sich wundern, wenn bei einer derartigen Konfiguration

Betrug – sowohl von seiten der Priester, wie von seiten der Politiker – nicht vorgekommen wäre. Dennoch scheint es mir masslos übertrieben, wenn im Buch von P. Biermann der Eindruck erweckt wird, Betrug gehöre wesentlich zum Priester. Es hat doch wohl bei den Priestern, wie in allen Berufen, solche und andere gegeben. Also solche, die ihre Stellung zur persönlichen Bereicherung missbrauchten, und andere, die das, was sie sagten und taten, glaubten. Betrogene Betrüger?

2.2. Speziell zur jüdischen Priesterkaste: Es ist erwiesen, wissenschaftlich einwandfrei, dass die Bücher Moses nicht integral von Moses stammen, dass vielmehr ganze Kapitel und vereinzelte Einschübe in späteren Zeiten, zumeist aus der Zeit nach der babylonischen Deportation entstanden sind. Dass jedoch gar nichts aus der Zeit des Moses herrühren soll, ist nicht bewiesen. Ganz starke Vermutungen sprechen dafür, dass im Pentateuch sehr alte, noch aus vormosäischer Zeit stammende Traditionsstücke zu finden sind.

So ist es z.B. heute nicht mehr haltbar, dass die Priester ‚alteingesessene unausrottbare Lokalgottheiten wie Abraham, Isak, Jakob, die schon zu Halbgöttern herabgesunken waren, noch weiter, und zwar zu menschlichen Erzvätern Israels herabgemindert‘ haben. (S.59) Die Herkunft eines Teiles des spätern Judenvolkes aus Mesopotamien ist heute so gut wie sicher, Abraham und Jakob sind Namen, die in nichtbiblischen Texten des 18. Jahrhunderts auftauchen. Sitten, die in den biblischen Texten von den ‚Stammvätern‘ des Volkes Israel berichtet werden, sind belegt durch ausserbiblische Texte. Wie sollen die Priester sie erfunden haben, die doch erst ein Jahrtausend später, als diese Sitten und Gebräuche bereits nicht mehr im Verhalten der Juden und Israeliten geübt wurden, ihre Geschichtsfälschungen unternahmen. Das Vorgehen von P. Biermann mag durch Heraustreichen eines roten Fadens (des Priesterbetruges) bestechen, doch bleibt die Frage, ob der wirkliche Ablauf der Geschichte Israels so simpel war, ob andere Komponenten nicht in ihrer Bedeutung heruntergespielt werden. In dieser Hinsicht wären eine Menge Fragen an den Verfasser zu richten. Doch wir müssen uns beschränken.

  1. Die Profeten. Sie sind eine solche Komponente. Im Buch von P. Biermann spielen sie eine untergeordnete Rolle. Nicht so im Leben des Judenvolkes, das seine heiligen Schriften einteilt in Torah (Gesetz und ‚Geschichte‘), Nebim (Profeten) und Ketubim (andere Schriften). S. 196 schreibt der Verfasser: ‚Auf Hebräisch heisst der Ekstatiker nabi, d.h. ‚der (von Gott) Gerufene oder Berufene‘. Mehrzahl nebiim. Die Griechen übersetzten diesen Ausdruck mit Prophet. Das Wort setzt sich zusammen aus pro ‚vor, vorher‘ und phem’sagen‘ und meint ‚Vorhersager, Vorherverkünder‘, denjenigen also, dem durch sein vermeintliches Einswerden mit dem allwissenden Gottesgeist die Zukunft so offenbar wird wie die Gegenwart. Dabei vergisst der Verfasser, dass das griechische pro nicht bloss ‚vor, vorher‘, sondern auch ‚anstelle von‘ heisst. Profeten sind also nicht unbedingt ‚Vorhersager‘ sondern auch Interpreten der Gegenwart und der Vergangenheit. Diese zeitkritische Funktion der

Profeten, welche nicht bloss dem Volk, sondern auch Königen und Priestern den Spiegel vorhält, ist so oft in der Bibel anzutreffen, dass sie auch P. Biermann nicht entgehen konnte. Trotzdem behandelt er sie in seinem 205 Seiten starken Buch auf ganzen 4 Seiten.

Von der Tatsache des Profetentums im Judentum her, stellen sich Fragen hinsichtlich des ‚Priesterbetrugs‘. Wieso haben die Priester, welche doch die heiligen Schriften in ihrer Obhut und Gewalt hatten, die Profeten überhaupt in die Bibel aufgenommen? Wieso haben sie z.B. den Hofprofeten des Königs David, Nathan, nicht zu einem Priester umfunktioniert? Vergesslichkeit, oder Raffiniertheit?

  1. Das Volk. Auch das Volk ist eine Komponente auf dem Spielfeld der Geschichte. Zwar zur Passivität verurteilt, aber dennoch. Es leistet auch Widerstand. Zwar erwartet es Führung durch Autorität, aber es muckt auch auf. Dieses Aufmücken ist in der Bibel registriert.

Dem armen Volk sind geschichtliche Abläufe nicht durchsichtig. Hier liegt der Ansatzpunkt für jeden politischen, religiösen und religiös-politischen Missbrauch. Die Unwissenheit des Volkes wird durch Verschleierung der Hintergründe der Geschichte – und ebenfalls durch Irreführung von seiten der ‚Wissenden‘ (Politiker und Priester) ausgenutzt. Ob die Wissenschaft der Zukunft diese Ausnützung des Volkes ausmerzen wird? Es gibt genug Anzeichen, die darauf hindeuten, dass Wissenschaft und Technik das genaue Gegenteil bewirken dürften. Da dem Volk -leider- auch wissenschaftliche Zusammenhänge nicht ganz durchschaubar sind, ist die Gefahr der Manipulation des armen Volkes durch Technokraten riesig. Es wird also von der moralischen Qualität der Wissenschaftler und Techniker abhängen, ob die Masse des Volkes weiter vermasst -vermasselt wird, oder ob aus der ‚Masse‘ Menschen werden, freie Menschen mit Recht auf menschliches Dasein, das nicht nur Brot und Spiele beinhaltet, sondern auch Recht auf Lebensentfaltung und Persönlichkeit. Werden die Wissenschaftler die Priester der Zukunft sein? Hoffentlich fallen sie nicht wieder auf die Versuchung zum Priesterbetrug herein.

5. Der Rassenwahn.

P. Biermann möchte einen Beitrag zur Überwindung desselben leisten. Mir scheint, dass die Bibel ihn leistet, wenn man sie ganz liest, und nichts verschweigt. Es ist klar, wenn man die Achtungstexte des alten Testamentes stark hervorhebt, dann entsteht der Eindruck der Rassenüberheblichkeit. Indes gesteht der Verfasser, solche Achtungstexte und Ausrottungsmanöver seien überall zu finden. Mag es nun im Anschluss an griechische Philosophie sein oder nicht, klar ist jedenfalls, dass es in der Bibel auch andere Töne gibt. Schon in den Stammvätergeschichten des Pentateuchs wird gesagt, dass das Volk Abrahams, Isaks und Jakobs zum Segen für alle Völker werden soll. So wie P. Biermann Segen durch die Wissenschaft erwartet. Nur, die Geschichte verläuft nicht gradlinig. Weder im Fall des Volkes Abrahams, noch im Falle der Wissenschaft. Es gibt in der Geschichte nicht nur das zeitliche Nacheinander von Fortschrittswillen und Restaurationsbemühen, sondern auch das geographische Nebeneinander von Vorhut und Nachhut. Nach biblischem Verständnis ist Gott dann am Werk, wenn Menschen auf seine Anregung zum Verwärts eingehen, und er ist dann zur ‚Tatenlosigkeit verurteilt‘, wenn Menschen auf dem Erreichten sitzen bleiben. Der Gott der Bibel ist kein ’statischer‘ Gott, der von seiner Himmelsloge dem Treiben der Menschen zuschaut, sondern einer, der sie zu immer weiterer Menschlichkeit ermutigt, der mitten in ihren Irrungen und Wirrungen anwesend ist und auch in ihren Erfolgen. Neben Texten, die ‚Rassenwahn‘ propagieren gibt es auch solche die auf Universalität hindeuten. Solche Texte müssten dem Verfasser der ‚Profangeschichte des Judentums‘ aufgefallen sein, als er den vom ‚genialen Epileptiker Paulus‘ verfassten Römerbrief las. Dort werden eine Reihe solcher Texte angeführt. Inwiefern Christen sich nicht an Paulus orientierten und durch die Bekämpfung und Ghettoisierung der ‚Gottesmörder‘ Juden ihren Teil zum Antisemitismus beigetragen haben, werden wir wohl im 3. Hauptteil von P. Biermanns Werk demnächst erfahren.

6. Was ich gut finde an P. Biermanns ‚Profangeschichte‘.

Für mich ist ein Buch gut, wenn es mich zum Nachdenken und zum Nachschlagen anregt. Das hat die ‚Profangeschichte‘ bei mir in grossem Ausmass bewirkt. Ohne Zweifel wird der Verfasser, falls er diese Seiten zu Gesicht bekommt, meinen, es habe leider noch nicht genug zum Nachdenken angeregt. Doch mit dem, was ich jetzt noch zu sagen habe, werde ich mir auch Schelte von anderer Seite zuziehen. In einem Punkt bin ich mit P. Biermann völlig einverstanden. Wenn er S.76 schreibt: ‚… mit dem erwachenden Bewusstsein … setzt die weitere Verknüpfung der werdenden Persönlichkeit ein. Unzählige religiöse Skrupel fressen sich allmählich von aussen her schon in die zarte, wehrlose Kinderseele, wachsen zusammen mit ihr heran, verfilzen sich zu einem unentwirrbaren Ganzen, bilden einen inneren Befehlsmechanismus, ein gebieterisches Über-ich, dem sich in der Regel auch der Erwachsene nicht mehr zu entziehen vermag.‘ Dass er damit Recht hat, sehen wir ja auch bei uns, ‚wie schwer es beispielsweise dem vom katholischen Glauben völlig losgelösten, aber im katholischen Milieu Verstrickten fällt, von Einrichtungen und Gebräu-

chen wie den religiösen Festtagen, der Freitagsabstinenz, der kirchlichen Trauung, der Taufe seines Neugeborenen, der feierlichen Kommunion seines Töchterchens, des pfarramtlichen Begräbnisses loszukommen!‘ (S.92)

So ist es tatsächlich. Im Religionsunterricht der Volksschule werden bei uns in der Hauptsache Deisten und Ritualisten herangezückt. Deisten sind Menschen, die nicht den Mut haben, sich Atheisten zu nennen, die aber auch nicht an den Gott der Bibel glauben, sondern an ‚etwas über uns‘. Ritualisten sind Menschen, die mehr oder weniger oft -wenigstens viermal im Leben: bei Geburt, Pubertät, Heirat und Tod- an einer religiösen Zeremonie teilnehmen, ohne jedoch den Glauben der Priester zu teilen. (Wer betrügt wen?)

Deismus steht im Gegensatz zum Jahwehgläuben. Manchmal frage ich mich, ob nicht sogar in schärferem Gegensatz als Atheismus. Denn letzterer ist ehrlich. Der Glaube an den lebendigen Gott vertraut darauf, dass dieser Gott mit den Menschen, mit allen Menschen unterwegs ist. Was ja bedeutet, dass auch Gott von den Menschen immer besser erkannt werden kann, dass falsche Gottesvorstellungen ausgeschieden werden können. Einen derartigen Glauben lernt man nicht in der Volksschule, lernt man überhaupt nicht in einer Schule, sondern nur zusammen mit andern Menschen: in einer Glaubensgemeinschaft. Das Volk Israel war nicht so sehr eine Rassengemeinschaft (es sammelte sich aus so ziemlich allen Stämmen des östlichen Mittelmeeres) als vielmehr eine Glaubensgemeinschaft mit allen Höhe- und Tiefpunkten die jede menschliche Gemeinschaft durchmacht. Das Volk Israel war eine Glaubensgemeinschaft, nicht zur Bereicherung der faulen und betrügerischen Priesterkaste, auch nicht zur Unterdrückung der anderen Völker, sondern eine solche, die mit den Mitteln eines kleinen Volkes seinen Beitrag zu leisten versuchte zur Überwindung von Rassen- und Klassenhass, zur Hervorbringung von Frieden und Solidarität unter allen Menschen. Wenn es ihm auch nicht immer gelang, dieses Ideal zu verwirklichen, so darf diese Komponente der jüdischen Geschichte doch nicht unter den Tisch gewischt werden.

  1. Schalom, Friede wird nicht von Wissenschaft, nicht von Politik und nicht von Religion gemacht sondern er wird in Glaubensgemeinschaften wachsen. Die werden sich, um des lieben Friedens willen, davor hüten, ihren Glauben jemand aufzuzwingen, sondern sie werden Frieden und Gerechtigkeit, Solidarität und Freundschaft zu leben versuchen. Und so ‚Zeichen und Werkzeuge werden für die innige Vereinigung von Gott und Menschen‘, zu überzeugenden Zeichen. (LG, II. Vat. Konzil) Dass sowohl das Volk Israel, wie auch die aus ihm hervorgegangenen christlichen Kirchen, diesem Ideal nicht immer treu blieben, das beweist die Geschichte. In diesem Sinne könnte P. Biermanns ‚Profangeschichte‘ anregend weil gewissenserforschend, sein, die den Glaubensgemeinschaften, sowohl jüdischer wie christlicher Prägung, die Augen öffnet und sie vom Wahn befreit, sie seien jetzt bereits das, was sie eigentlich sein sollten, und ihnen hilft das zu werden, was sie sein könnten: Inseln der Menschlichkeit, die zusammenwachsen zu einem Festland der Menschlichkeit.

Jupp Wagner

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