Streit um die Person

(zu Johannes 7, 14.25-36)

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(Zu Johannes 7,14.25-36)

Heute diskutiert man über Christentum.
Allerdings nicht sehr oft.
Nicht sehr viele diskutieren über Christentum.
Wir haben andere Sorgen.
Kleidersorgen, Autosorgen, Feriensorgen,
Kindersorgen, Zukunftssorgen, Geldsorgen.
Selten treffen unsre Sorgen auf Christentumssorgen.
Nur in aussergewöhnlichen Situationen:
Bei Geburt, Heirat und Tod.

Christentum reduziert auf religiöse Zeremonien.
An bestimmten Lebensabschnitten.
Christentum reduziert auf Moral.
Auf eine reduzierte Moral:
Keinen umgebracht, keinen bestohlen.
Christentum reduziert auf die reduzierte Moral
Des netten anständigen Bürgers.
Weltweite himmelschreiende Ungerechtigkeit
Zur Kenntnis genommen und resigniert:
Da kann man doch nichts dran ändern.
Keine Kritik an der Obrigkeit
Weder der kirchlichen noch der weltlichen
Noch der geldlichen.
Höchstens als Ventil angestauten Ärgers.
Ungefährliche Kritik für die Obrigkeiten.
Von denselben wohlwollend toleriert,
Da nach Ablassen des Dampfes
Wieder Ruhe und Ordnung eintritt.

Die Juden des Johannesevangeliums
Diskutierten nicht über Christentum.
Denn es gab ja noch keins.
Es gab nur den Jesus von Nazaret.
Über den diskutierten sie.
Ob er wohl der Messias sei, der Christus,
Der erwartete Gottesgesandte.

Er sagte, er sei’s.
Doch sie sagten, das könne nicht sein.
Man wisse ja, woher er komme.
Vom Messias wisse man das nicht.
Er sagte auch, er wisse, wohin er gehe.
Er habe ein Ziel und einen Weg zum Ziel.
Doch zum Ziel würden sie wohl nicht kommen.
Da sie den Weg nicht gingen.

Bei diesem Streit ging es
Nicht um Zeremonien und Moral.
Es ging um die Person.
Um die Person des Jesus von Nazaret.
Um einen Unbequemen, um einen Ketzer.
Der nicht die obrigkeitsvorgeschriebenen
Gedanken dachte.
Solche Leute sind gefährlich.
Streit um die Person erledigt man am besten
Durch Erledigen der Person.

Jupp Wagner

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