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Deshalb kann man ihnen, nachdem man sie umgebracht hat, Monumente errichten. Eigentlich um sie definitiv zu begraben. So ein Monument wiegt ja etliche Zentner. Nicht ganz leicht für einen toten Profeten, es fortzuschieben und dagegen zu protestieren. Weil Profeten im allgemeinen nicht viel von Monumenten halten.
Eigentümlich: zumeist sind es die geistigen Nachfahren der Profetenmörder, welche die Profeten so hoch in den Himmel loben und preisen, dass sie unschädlich werden. Sie sind es ebenfalls, welche die radikalen Profetenworte und Profetentaten derart verniedlichen, dass sie wieder in die Schubladen der Mächtigen passen. Von dort können sie dann bei Bedarf hervorgeholt und den einfachen Leuten um die Ohren geschlagen werden, sei es als Drohworte, die das Flammenmeer der Hölle beschwören, sei es als billige Vertröstungen auf ein besseres Jenseits. (Jesus ging es nicht anders) (…)
Gewiss dürfen wir nicht vergessen, dass es im Lauf der letzten 2000 Jahre Menschen gab, die den radikalen Geist der Ohnmacht, der Armut und des Dienens, wie Jesus ihn vorgelebt hatte, wiederentdeckten und sich ihm zur Verfügung stellten.
Radikal durch die Mitte, provokativ nach rechts und nach links, so sind Profetenworte.
Auch heute! Ein Beispiel gefällig?
Die Frontenverhärtung in der Abtreibungsfrage.
Extrem links: Liberalisierung der Abtreibung durch Abschaffung eines unwirksamen Strafparagrafen.
Extrem rechts: Schutz des ungeborenen Lebens durch einen Strafparagrafen.
Radikal in der Mitte: Klar, ungeborenes Leben ist zu schützen! Jedoch ein Strafgesetz ist dazu nicht (mehr) das geeignete Mittel. Doch es gibt ein geeignetes Mittel, allerdings viel schwieriger zu beschaffen, nämlich: Änderung der Mentalität. Eine Mentalität wird nicht geändert durch Gesetze. Wenn einer das wissen müsste, dann wäre es die Kirche. Einmal, weil Jesus, der erste Christ, nicht auf Gesetze baute, und zweitens, weil die Kirche mit ihrer Gesetzgebung nicht viel erreichte. Noch einmal: durch Gesetze ändert man keine Mentalität. Im Gegenteil. Da sowieso die Mentalität besteht, alles, was nicht bestraft wird, sei erlaubt, wird durch eine Neufassung des Abtreibungsstrafgesetzes genau wie durch die Aufrechterhaltung des alten die gleiche Mentalität gefördert und bestärkt.
Wann wird Kirche Entwurf einer Menschheit, die das Gute tut ohne Strafandrohung, in Freiheit?
*
Laut Jesu Wort ist Gott kein Gesetzeswächter, kein Strafvollzugsbeamter. Gerade das ist er nicht. Sondern ein Vater. Aber ein richtiger Vater. Nicht so einer, der das Erwachsenwerden seiner Kinder behindert. Der möchte, dass sie immer klein bleiben. Sondern einer, der sie aufstachelt, erwachsen zu werden. Der richtige Gott ist einer, der uns suggeriert, doch endlich einzusehen, dass das Gute, das wir zu tun vermögen, einen viel weiteren Raum einnimmt als das enge Feld, das durch Gesetze abgesteckt ist. Warum nur schleichen wir immer so nahe am Zaun der Gesetze entlang? Warum drehen wir diesem Zaun nicht entschlossen den Rücken und begeben uns auf das weite Feld, auf dem wir das Gute säen können? Warum starren wir hypnotisiert auf die Begrenzung und bekommen so das Feld der Freiheit nicht ins Blickfeld? Wenigstens wir Christen müssten das doch fertigbringen. Wir Jünger Jesu!? Warum zeigen wir nicht jene Möglichkeiten auf, zu denen Menschen fähig sind?
Aha! Morgen werden wir damit anfangen. Und warum nicht heute?
Jupp Wagner
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