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Dass unsere Strassen in einem desolaten Zustand sind, weiss jeder Rad- oder Autofahrer.

Dass unsere öffentlichen Verkehrsmittel viel zu teuer sind, wissen nicht nur ihre Benutzer, sondern vor allem auch die Nicht-Benutzer, die aus diesem Grunde lieber das Privatauto gebrauchen.

Dass das Autofahren immer teurer wird, weil das Benzin immer knapper wird, wird wohl bald zu Lohnforderungen führen.

Dass die staatliche Strassenbauverwaltung an einem engmaschigen Autobahnnetz herumplant, wird immer hässlicher auch in der Landschaft sichtbar.

Dass die öffentlichen Transportmittel hingegen vernachlässigt werden, beweist erneut der (vordergründig belgische) Angriff auf die Nordstrecke der luxemburgischen Eisenbahn.

Dass unsere autofahrenden Mitbürger ungenügend über die Gefährlichkeit ihres motorgetriebenen Untersatzes informiert sind, erfahren wir leider aus den täglichen Nachrichtenbulletins und wöchentlichen Unfallstatistiken.

Probleme gibt’s also genug, die "forum" und "de Kéisecker" bewogen, ein gemeinsames Dossier über die luxemburgische Verkehrspolitik zu erarbeiten. Leitsatz war uns dabei das vom "Mouvement écologique" in seiner Broschüre "Iddiën fir eng nei Gesellschaft" (S.50) aufgestellte Prinzip: "In dieser Hinsicht ist die Erarbeitung eines Konzeptes für eine Gesamtverkehrsplanung, welche im Rahmen der Landesplanung mit Siedlungs- und Industrieplanung abzustimmen ist und welche die Kriterien der Umweltfreundlichkeit der Sicherheit und das Energiesparen respektiert, unbedingt erforderlich." Aber in Luxemburg gibt es offensichtlich nicht einmal einen Plan, nach welchen Kriterien Strassen aufgebessert werden sollen.

Bei den Vorarbeiten für dieses Dossier wurde aber sofort klar, dass wir nicht alle Aspekte in einer Nummer behandeln könnten. So trennten wir die ganze Stadtverkehr-Problematik vorläufig ab und reservierten sie für eine kommende Nummer im Frühjahr. In dieser Nummer geht es also vornehmlich um den überregionalen Verkehr: Eisenbahn, Fernstrassen stehen im Mittelpunkt.

Ganz wesentlich scheint uns dabei aber auch die Frage der Mitbestimmung des Bürgers. Im folgenden wird sie von Théid Faber aufgerollt an Hand der Süd-Ost-Autobahn, gegen welche eine Bürgerinitiative sich organisiert hat. Die Initiative nennt sich übrigens allgemeiner "Bewegung gegen den übertriebenen Autobahnbau". Wie nötig diese allgemeine Zielsetzung ist, wird jedem deutlich der im Beitrag von Fr. Müller gelesen hat, welche breite Betonbahnen nach Vorstellung der "Ponts-et-Chaussées"-Technokraten und ihrer politischen Ausführungsorganen (lies Regierung) demnächst unsere Landschaft verschandeln sollen. Dass die Mitbestimmung der Bürger aber auch bei der Eisenbahn nicht gross geschrieben wird, ist spätestens seit den Rationalisierungsplänen im Raum Differdingen und bei der Nordstrecke bekannt. Jemp Lulling weist nach, dass der offizielle Protest gegen die belgischen Pläne zum Teil nur geheuchelt ist, und CFL wie ARBED ein Interesse am Abbau dieser Strecke haben könnten.

Geplant war desweiteren ein Beitrag über die ganz banale Frage: "Warum sind unsere Strassen in einem so schlechten Zustand?" Die Frage scheint aber von einer hochpolitischen Brisanz zu sein. Vom Beamten wurden wir an den "Ponts-et-Chaussées"-Direktor, vom Direktor an den Bautenminister verwiesen, um eine Antwort zu bekommen. Da ministerielle Interviews aber nicht von heute auf morgen zu bewerkstelligen sind, müssen wir leider unsere Leser auf eine spätere Antwort auf diese banale Frage vertrösten.

Und alles könnte so einfach sein, wenn man die Forderungen des "Mouvement écologique" ernst nähme und wirkungsvolle Massnahmen ergreifen würde, um den Individualverkehr so weit wie möglich auf die Massenverkehrsmittel zu verlegen: Die Strassen würden weniger belastet, man bräuchte keine neuen Strassen, mit dem so gesparten Geld könnte man die öffentlichen Verkehrsmittel ausbauen und billiger anbieten, man würde Energie sparen, weniger Abgase würden Menschen und Tiere belasten, wir wären weniger nervös, weniger agressiv,… umweltfreundlicher und menschenfreundlicher!

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