Wilfried Härle: Systematische Philosophie
Kaiser-Grünewald 1982
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Wilfried Härle
Systematische Philosophie
Kaiser-Grünewald 1982
Das hier vorzustellende Buch ist das 6. aus der Serie ’studium theologie‘, welche in die theologischen Disziplinen einführen will. Ihrer didaktischen Aufmachung gemäss, stellt diese Reihe den Anspruch, den Bedürfnissen der Studienanfänger zu entsprechen, d.h. die einzelnen Titel sollen sich zum Selbststudium eignen und zur selbständigen Urteilsbildung anleiten.
Härles Buch enthält 4 Kapitel: Begriff und Aufgabe der Philosophie, Logik, Erkenntnistheorie und Metaphysik. Dabei fällt sofort auf, daß kein Kapitel über Ethik vorhanden ist. Dieser bedauernswerte Mangel wird erklärt durch den Hinweis auf einen eigenen Band über ‚Philosophische Ethik‘ in der Reihe; trotzdem bleibt eine empfindliche Lücke, die wohl durch einen kleinen ethischen Abriss hätte gestopft werden können.
Der Autor verwendet viel Scharfsinn, um zu einer Klärung des Philosophiebegriffs zu kommen, und mutet einem Anfänger wohl etwas viel zu, wenn er gleich drei Ebenen unterscheidet, auf denen das Problem sich stellt, um so mehr als er dabei nicht um einen langen Exkurs über Semiotik (Zeichenlehre) herumkommt. Für jemand, der in die Matiere eingearbeitet ist, sind diese Untersuchungen allerdings von grossem Interesse.
Härles Philosophiebegriff, der eingestandenermaßen kein neuer sein will, sondern eine Klärung des in der Philosophiegeschichte vorgefundenen, und dazu noch ein bewusst "minimaler", scheint mir zu eng gefasst. Er ist zu stark an der Wissenschaft orientiert und setzt den Akzent deshalb einseitig auf den Aspekt der Erkenntnis. Wenn
Härle anfangs zwar noch sagt, Philosophie strebe eine "einheitliche Weltsicht an, die zugleich (oder sogar primär) orientierende Funktion für die menschliche Lebensführung haben soll", so fällt in der ausdrücklichen Definition dieses letztere, auch historisch bedeutsame, praktische Element schliesslich ganz weg. Philosophie ist dann nur noch "diejenige Wissenschaft, die die Bedingungen jeder möglichen Wirklichkeitserkenntnis zu ihrem Gegenstand hat". Der Autor rechtfertigt seine Einengung damit, daß er sagt, "das Spezifische menschlicher Wirklichkeitsbeziehung (sei es im Wahrnehmen, Deuten, Gestalten, Verändern etc) (sei) in deren Charakter als Erkenntnisbeziehung zu suchen und zu finden".
Diese Behauptung lässt sich aber bestreiten, sowohl sachlich als auch philosophiehistorisch; liegt das spezifisch Menschliche dieser Beziehung zur Wirklichkeit nicht eher in einer Haltung von Autonomie, Initiative und Verantwortung? Der Autor versucht im Weiteren, andere Ansätze in seine Definition zu integrieren, aber die Vorentscheidung ist längst gefallen.
Das Logikkapitel stellt demgegenüber nicht nur eine glückliche Neuerung in einem Einführungsbuch für Theologen dar, es ist auch in Aufbau und Ausführung ausgezeichnet gelungen. Dabei begnügt der Autor sich nicht mit einem Überblick über die klassische Syllogistik und einer Einführung in die moderne symbolische Logik, sondern er wagt sich sogar in die Modallogik vor. Interessant ist, wie es ihm gelingt, zu zeigen, daß die Logik imstande ist, zur Klärung theologischer Probleme beizutragen. So behandelt Härle z.B.
Warum schreiben Sie eigentlich ein Buch? Sie haben doch schon so viele!
P.-F.19/1982
im Kapitel über Modallogik die klassische Frage nach dem Vermögen des allmächtigen Gottes, auch logisch Unmögliches zu vollbringen.
In diesem Kapitel kommt auch das Bemühen des Autors voll zum Tragen, durch Aufgaben die Mitarbeit des Lesers zu fördern. Manche dieser Aufgaben sind wohl etwas schwierig für Anfänger, aber im Logikkapitel ist für die meisten davon die Lösung im Anhang angegeben.
Auch im Kapitel über Erkenntnistheorie ist nichts Gravierendes auszusetzen. Ein paar Grundprobleme werden eingehend behandelt. Der Autor geht aus von einer Definition der Erkenntnis als Identifizierung (etwas erkennen heißt, etwas als etwas erkennen), was ihm erlaubt, Logik und Erkenntnistheorie in Verbindung zu bringen. Denn Identifizierung lässt sich deuten als Zuordnung zwischen einer Extension und einer Intension: in der Erkenntnis wird ein Gegenstand als Mitglied einer Gegenstandsklasse wiedererkannt bzw. identifiziert. Nachdem verschiedene Arten von Erkenntnis unterschieden wurden, widmet Härle, in Anlehnung an Kant, den im Erkenntnissubjekt liegenden Möglichkeitsbedingungen der Erkenntnis einen längeren Abschnitt, der zu einer gegenüber Kant verbesserten Kategorientafel führt. Das Kapitel schließt mit der Behandlung des Problems der
Wahrheit. Der Autor entscheidet sich für die (semantische) Korrespondenztheorie, die er verteidigt gegen Koheränz-, Konsequenz- und Konsensusstheorie.
Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit der Metaphysik. Sie hat es, nach Härle, mit dem Gegenstand der Erkenntnis zu tun, d.h. also mit der Wirklichkeit, oder besser gesagt, mit dem Sein. Hier hätte ich mir eine ausführlichere Verteidigung der Metaphysik gewünscht gegenüber den vielfältigen heutigen Anfeindungen. Dem Autor gelingt es wiederum, eine Brüche zu schlagen zur Logik, indem er den Modalbegriff der Möglichkeit als den metaphysischen Grundbegriff vorschlägt: Möglichkeit umfasst das notwendige wie das kontingente Sein (und wird dazu noch von jeder wahren Aussage impliziert).
Im einzelnen bietet Härle sodann Untersuchungen zum Begriff der Welt (als Gesamtheit des erfahrbaren endlichen Seienden), wobei er Probleme anspricht wie das der Kontingenz der Welt und das der Kausalität. Danach kommt der Mensch zur Sprache, der als Beziehungswesen definiert wird, wobei der Autor selbst dann das Spezifikum des Menschen in seiner Personalität sieht, um danach die Selbstbezogenheit des Menschen als Vernünftigkeit zu bezeichnen. Das Ganze bleibt insofern etwas verworren. Das Leib-Seele-Problem, sowie die Frage von Determinismus und Freiheit werden ebenfalls in diesem Abschnitt behandelt.
Zum Schluss kommen dann einige interessante Ausführungen zum Thema ‚Gott‘. Härle geht aus vom Anselmschen Gottesbegriff und definiert Gott als das nichtwelthafte, notwendige, vollkommene Wesen, was ihm erlaubt, auch den Anselmschen Gottesbeweis, modallogisch umformuliert, als für den schon Glaubenden (und nur für ihn) gültigen Gottesbeweis darzustellen.
Desweiteren zeigt der Autor, wie man sinnvoll von einer Erfahrung Gottes reden kann. Gott kann nicht unmittelbar erfahren werden, denn jede Erfahrung ist die begriffliche Deutung von sinnlichen Wahrnehmungen; von Gott aber gibt es keine sinnlichen Daten. Die Erfahrung Gottes besteht demgegenüber darin, daß die welthafte Erfahrung noch einmal, unter einem zusätzlichen Aspekt, betrachtet wird, sie wird zum Gegenstand einer erneuten begrifflichen Deutung. Gotteserfahrung ist insofern Erfahrung zweiter Ordnung (und kann deshalb nicht mit welthafter Erfahrung, d.h. Erfahrung 1. Ordnung, in Konkurrenz treten).
Alles in allem handelt es sich hier um ein auf hohem Niveau stehendes Einführungsbuch, welches vom Leser, vor allem vom Anfänger, ein bedeutendes Mass an Aufmerksamkeit, Energie und Mitdenken abverlangt, dessen Lektüre aber äusserst gewinnbringend ist.
Hubert Hausemer
3./8./10./17./22./24. Januar 1983: De Cabaret Dreschmaschinn presentéiert an der Theaterstuff Fernand Fox um 2o30 Auer e Programm mat neie Lidder a satireschen Texter vum Guy Rewenig. Virverkaf: Tel 47 14 77
14.1.1983: table ronde sur les problèmes d’immigration avec des représentants des immigrés, du gouvernement et des partis politiques, au grand auditorium d’RTL à 2o00h
15.-16.1.1983/ 19.-2o.2.83/ 13.-14.3.83/: 3 Weekender zum Thema "Mir liesen zesummen d’Markusevangelium", organisiert vum Centre de Pastorale ouvrière zu Medernach. Käschten 45o-6oo F fir 1 W-E. / 135o-165o F fir déi 3 W-E/ Ummeldungen: 44743-339.
21.1.1983: Grand concert de solidarité avec les peuples de l’Amérique Centrale; Angel et Isabel Parra au Théâtre Municipal d’Esch/Alzette. 2o30h Réservations: tel 4991-641
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