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Thierry Simonelli
Wissenschaftliche Homophobie
Everything you do is irresistible
Everything you do is simply kissable
Why can’t I be you?
(The Cure)
In den sechziger Jahren bemerkte der amerikanische Psychologe George Weinberger eigenartige Reaktionen bei seinen Kollegen sobald das Thema der Homosexualität zur Sprache kam.¹ Deren stereotype Verhaltensweisen erinnerten Weinberger an Phobien.
Phobien entstehen als psychische Abwehrmuster, bei denen Inhalte beängstigender, konfliktgeladener Vorstellungen verdrängt, und die damit verbundenen Angstgefühle auf äußere Objekte übertragen werden. Und da in der Phobie die innere Gefahr nur durch eine äußere ersetzt wird, sind zusätzliche, sekundäre Abwehrmechanismen wie Rationalisierung und Intellektualisierung zur Angstbewältigung nicht selten. Weinberger nannte diese Reaktionen „Homophobie“.
Wie restriktiv diese Wortneuschöpfung in ihrer allgemeinen Anwendung auf Aversion gegenüber der Homosexualität auch sein mag², so bleibt sie doch schon wegen ihrer ersten Adressaten interessant. Das Wort entstand im Umgang mit Experten, die im Namen der Wissenschaft über psychische Normalität und Störung entscheiden.
1952, mit dem Erscheinen der ersten Ausgabe des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM) der amerikanischen psychiatrischen Vereinigung, wurde Homosexualität zur Gruppe der „soziopathischen Persönlichkeitsstörungen“ gezählt. Mit Soziopathien sollten dissoziales
So wie der Phobische leicht die vernünftigsten Argumente für seine Abneigungen hervorzitieren kann, so bedient sich gesellschaftliches Vorurteil des wissenschaftlichen Diskurses, um Außenseiter legitim zu stigmatisieren
oder antisoziales Verhalten, Suchtverhalten und sexuelle Abweichungen aller Art bezeichnet werden. Allgemeiner ausgedrückt: Soziopathie deutet ein als soziale Abweichung empfundenes Verhalten einer Epoche zur Geistesstörung um.³
Am Beispiel der Homosexualität tritt so die Strukturähnlichkeit von psychologischer Reaktionsbildung und wissenschaftlicher Mystifizierung sichtbar zu Tage. So wie der Phobische leicht die vernünftigsten Argumente für seine Abneigungen hervorzitieren kann, so bedient sich gesellschaftliches Vorurteil – vor dem Hintergrund geteilter Norm- und Wertvorstellungen – des wissenschaftlichen Diskurses, um Außenseiter legitim zu stigmatisieren.
Dabei endete das 19. Jahrhundert mit dem vielversprechenden Ansatz von Havelock Ellis und John Addington Symonds Buch
Sexual Inversion, das zuerst in Deutschland mit dem Titel Das konträre Geschlechtsgefühl erschien. Bereits 1896 entschlüsselten Ellis und Symonds den verdrängt normativen Unterbau medizinischer und psychologischer Homosexualitätstheorien kulturhistorisch. Für die „sittlichen Ideale“ Englands und Amerikas konnte Homosexualität nur Ausdruck eines Verfalls sein. In Wahrheit, glaubten Ellis und Symonds, handele es sich jedoch nur um eine „fundamentale, gewöhnlich wohl angeborene Abweichung des Geschlechtstriebes“.⁴ Homosexualität als natürliche Abweichung von Natur.
In Deutschland und Österreich verteidigten zuerst Magnus Hirschfeld und von Krafft-Ebing die Natürlichkeit der Homosexualität. Freuds Überlegungen zur Sexualität, noch skandalös am Anfang des 20. Jahrhunderts, wurden später als machtpolitisch unterdrückend gedeutet. In dieser Hinsicht ist Foucaults „repressive Hypothese“ die wohl bekannteste Kritik: durch seine Analysen der Sexualität habe Freud maßgeblich zum Erstellen eines biopolitischen Machtwissens über Sexualität beigetragen.⁵ Nichtsdestotrotz nahm Freud gerade in der Frage der Sexualität eine erstaunlich revolutionäre Haltung ein, indem er Ellis und Symonds, Hirschfelds und Krafft-Ebings Ansatz weiterentwickelte.
In Anlehnung an die biologische Theorie eines anatomischen Hermaphroditismus – „bei keinem normal gebildeten männlichen oder weiblichen Individuum werden die Spuren vom Apparat des anderen
Bis 2002 hat Thierry Simonelli Philosophie und Psychologie an verschiedenen Universitäten gelehrt (Paris, Reims, Metz, Luxemburg). Seitdem arbeitet er hauptberuflich als Psychoanalytiker in Luxemburg.
Geschlechts vermisst⁶ – verteidigte Freud die Idee einer allgemeinen psychischen Bisexualität. Diese schien ihm sowohl in der sexuellen Entwicklungspsychologie als in der klinischen Erfahrung von sexuellen Orientierungswechseln unumgänglich. Die sogenannte ‚normale‘ Sexualität begriff Freud als Resultat von vielfachen biologischen, psychologischen und sozialen Entwicklungsprozessen, unter dem Druck jahrelanger Sozialisation. So verband sich auch bei Freuds Normalität körperlicher Trieb mit gesellschaftlicher Normativität. Freuds normale Sexualität ist nicht mehr biologisches Faktum, sie ist zugleich Resultat andauender gesellschaftlicher Bildungs- und Unterdrückungsprozesse. Solche Verschränkung mag zwar meist unbewusst wirken, dann aber umso wirksamer, auch im wissenschaftlichen Forschen über Sexualität.
Wie Ellis, nahm Freud die Homosexualität aus der Gruppe der Perversionen heraus, und deutete sie als eine nie zu überwindende Möglichkeit, auch im Leben der Heterosexuellen. Damit hätte die Psychoanalyse in der Nachfolge Freuds eine ausgesprochen fortschrittliche Forschungsrichtung aufnehmen können. Denn bei Freud entstand auch der Ansatz einer Erklärung der Aversion als konfliktgeladener Abwehr eigener latenter (d. h. unbewusster) Homosexualität, die in Weinbergers Homophobie noch einmal anklingt.
Diese Idee wurde 1996 experimentalpsychologisch überprüft. In ihrem Versuch führten Adams, Wright und Lohr 64 heterosexuellen Männern, zwischen 18 und 31 Jahren, 4-minütige Videosequenzen von heterosexuellen und homosexuellen (männlich und weiblich) Vorspielen, sowie von oralem und genitalem Verkehr vor. Die phallographischen Messungen ergaben nicht nur offensichtliche Inkonsistenzen zwischen den subjektiven Berichten empfundener Erregung und peniler Schwellung in der Gruppe der Homophoben, sondern auch eine signifikant stärkere physiologische Reaktion auf Szenen männlicher Homosexualität bei diesen letzteren.⁷
Solche Ansichten über Homosexualität sind jedoch selten in der Wissenschaft. Bis in die 1970er Jahre – und oft noch sehr
viel später⁸ – wurden sie durch ihr genaues Gegenteil ersetzt, und spalteten auch die psychoanalytische Gemeinschaft.
In der Geschichte der Psychoanalyse kam es dann sofort nach Freud zur wissenschaftlichen Gegenreformation. Nach der berechtigten Kritik am Mythos des embryonalen Hermaphroditismus, an den Freud seine Analogie der psychischen Bisexualität anlehnte⁹, konnte sein Schüler, der ungarische Psychoanalytiker Sandor Rado, die Heterosexualität wieder ins rechte moralische Licht rücken, und die Homosexualität in die Hölle der sexuellen Pathologien zurückverweisen.
In der Geschichte der Psychoanalyse kam es dann sofort nach Freud zur wissenschaftlichen Gegenreformation.
Dies geschah interessanterweise mit Hilfe einer radikalen Einschränkung des psychoanalytischen Sexualitätsbegriffs. Weit entfernt von Freuds allgemeiner Körperlust, wollte Rado Sexualität wieder ausschließlich auf den „Orgasmusreflex“¹⁰ beschränken. Extragenitale Lust, d. h. solche, die nicht an die Funktion der Reproduktion gebunden ist, aber trotzdem sexuell vereinnahmt wird, ist dann nach Rado pathologisch.
Solche Moralisierung findet man auch noch bei Lacan, der auf der einen Seite scharf wegen der ausgesprochen klaren Homophobie seiner Ansichten kritisiert wird¹¹, und auf der anderen Seite von seiner offiziellen Biographin mit dem Hinweis auf mögliche Zweideutigkeit dennoch verteidigt wird: „L’homophobie ‚privée‘ [sic] et personnelle est une chose, l’instauration de règles discriminatoires en est une autre.“¹² Lacan mag zwar eine persönliche Meinung zum Thema gehabt haben, aber die von ihm gegründeten Institutionen blieben tolerant.
Bei einigen seiner prominentesten Anhänger, dem Jurist und Analytiker Pierre Legendre und dem Präsidenten der Internationalen Lacan Vereinigung, Charles Melman, sind die Stellungnahmen dann aber nicht mehr sehr zweideutig. Melman
sieht in der Toleranz gegenüber der Homosexualität, wie auch in allen anderen Formen der Auflehnung gegen soziale Unterdrückung, ein weiteres Untergangssymptom des Okzidents, welcher, nach Lacans Voraussagen, notwendigerweise in einem neuen Totalitarismus enden muss.¹³
Bei Legendre vermag die Frage der Homosexualität fast paranoide Wahnbildungen hervorzurufen¹⁴, die sich dann aber auf der gleichen Linie wie die Alarmschreie seines Kollegen bewegen: gesellschaftliche Anerkennung der Homosexualität und Institutionalisierung der homosexuellen Familie im „PACS“ bedeuten nicht nur das Ende der Vernunft, sondern auch den Aufstieg eines neuen Obskurantismus der, als Erbe der hedonistischen Logik des Nazismus, zum Endkampf antritt.¹⁵
Legendre hat da einen illustren Vorgänger im Senatspräsidenten am Oberlandesgericht Dresden, Paul Daniel Schreber. Der arme Präsident verfiel einem jahrelangen Leiden als er, infolge der genüsslichen Vorstellung „daß es doch eigentlich recht schön sein müsse, ein Weib zu sein, das dem Beischlaf unterliege“, anfang sich mit sprechenden Vögeln und Gott in dessen Grundsprache – einem „etwas altertümlichen, aber kraftvollen Deutsch“ – zu unterhalten. Gott, so die Überzeugung Schrebers, wollte ihn mittels Implantation von „weiblichen Wollustnerven“, in ein Weib verwandeln, um ihn dann zu begatten.
Für viele Anhänger Lacans steht allenfalls noch immer fest, dass jeder der das „Gesetz des Vaters“ (d. h. Lacans phallozentrische Sprachtheorie) verwirft, sich notwendigerweise auf den Weg der Psychose begibt. „Verachte nur Vernunft und Wissenschaft“ …
So darf die Entwicklung der Psychiatrie im 20. Jahrhundert auch nicht weiter überraschen. Die Klassifizierung der Homosexualität als Krankheit spaltete selbstverständlich auch die psychiatrische Gemeinschaft. Erste Anzeichen moralischer Entspannung gab es in der offiziellen Psychiatrie erst ab den späten Sechzigern, und mit der zweiten Ausgabe des DSM. Dort erschien Homosexualität zwar nur
noch als sexuelle Abirrung, aber dann trotzdem nicht ohne Warnung. Robert Spitzer, der zwar entschied der Homosexualität die Qualität einer Störung, d. h. Krankheit¹⁶, abzuerkennen, formulierte das noch mit erhobenem Zeigefinger: „by no longer listing it as a psychiatric disorder we are not saying that it is normal or as valuable as heterosexuality.“¹⁷ Weder normal, noch wertvoll, aber immerhin nicht krank. Oder wenigstens nicht in allen Fällen.
Dr. Spitzer wurde in den 80ern noch bekannter als einer der Hauptarchitekten des DSM-III, welches das „medizinische Modell“ wieder in die Psychiatrie einführen, und damit die Sozialpsychiatrie und die Psychoanalyse aus der Wissenschaft entsorgen sollte.¹⁸ Der symbolische Nutzen dieser Rückkehr war augenscheinlich: „The medical model is most strongly linked in the popular mind to scientific truth.“¹⁹
Damit konnte der Kreis sich schließen und das DSM zu Weltruhm gelangen, indem es der wissenschaftlichen Legitimierung populärer Vorurteile das Wort redete. Homosexualität blieb dann auch hier noch aufgezählt, wenn auch nur im Fall von „Ego-dystonie“, d. h. insofern sie von der betroffenen Person als nicht Ichkonform empfunden wird.²⁰ Krankheit ist was Leiden schafft. „Mögen alle Wesen von Schmerzen frei sein“ …
Nun wäre es unbedacht, Wissenschaftlern vom Format Spitzers Naivität zu unterstellen. Wenige Autoren erklären so überzeugend die Schwächen und Gefahren eines rein beschreibenden, dekontextualisierten Klassifikationsverfahrens „vor dem Hintergrund der derzeitigen Grenzen unseres Verständnisses von psychiatrischen Erkrankungen“.²¹ Und wenige legen ihre Karten so offen auch den Tisch: „In my judgment, the question of whether or not heterosexual functioning should be used as the norm […] is a value judgment and not a factual matter.“²²
Es bedarf keiner großen interpretativen Anstrengung um in Dr. Spitzers Überlegungen zu erkennen, dass die Frage der Medikalisierung (und Psychologisierung) von Verhalten und Präferenzen eine ge-
sellschaftliche Machtfrage ist. Denn hier entscheidet sich, erst politisch dann juristisch, wer Krankheit definiert und wer sie legitim behandelt.²³ Das Wesen der Medikalisierung konzentriert sich in der Frage der „Definition eines Problems in medizinischen Begriffen, üblicherweise als Krankheit oder Störung, oder in der Anwendung eines medizinischen Eingriffs zu dessen Behandlung“.²⁴ Der amerikanische Soziologe Irving Zola definiert Medikalisierung als einen Prozess durch den „more and more of everyday life […] under medical dominion, influence and supervision“ gekommen sei.²⁵ Deswegen
entspricht der Rückzug auf „rein wissenschaftliche“ Fragen hier nicht nur psychologischer, sondern auch ideologischer Realitätsverleugnung.²⁶
In dieser Form gehört die Frage der wissenschaftlichen Homophobie noch zur Periode der ärztlichen Vorherrschaft im Prozess der Medikalisierung. Spitzer erscheint als vorerst letzter Repräsentant eines Verhältnisses, das spätestens seit den 90ern mit der tiefgreifenden Deflation der ärztlichen Macht zum Ende kam. Das Definitionsmonopol hat sich auf pharmazeutische und biotechnologische Groß-
konzerne verlagert. Mit dieser Machtverschiebung ändert sich selbstverständlich auch das Interesse der Medikalisierung.
Während sich Ärzte und Psychologen vorrangig an medizinischen und normativen Fragen orientieren, bleiben solche Motive für Unternehmen nur noch mittelbar relevant. Vorsichtig ausgedrückt: „because corporations are ultimately more responsible to their shareholders than to patients; shareholder desires are often at odds with patients’ needs for rational drug prescribing“.27
Anders gesagt: Aktionäre erfreuen sich nicht so sehr an der Verbreitung von Gesundheit, als an Anlagenrenditen die von gezielter Ausweitung von Krankheits- und Störungsdefinitionen profitieren. In einer solchen Marktlogik weicht die normative Frage der Homosexualität leicht etablierten Vermögenswerten wie Depression, Angststörungen aller Art und ADHS.28
Homophobie dürfte also bis auf weiteres wieder zu ihren tradierten Ausdrucksformen in Moral, opportunistischer Politik, pseudowissenschaftlichen Fantasien und Religion zurückfinden: „Wo die Freiheit des Machens zur Freiheit des Sich-selbst-Machens wird, wird notwendigerweise der Schöpfer selbst geleugnet und damit am Ende auch der Mensch als göttliche Schöpfung, als Ebenbild Gottes im Eigentlichen seines Seins entwürdigt.“ (Benedikt XVI29)
Zurück also zu den alten Fragen: „Soll ich verpflichtet werden, jede Absurdität zu glauben? Und wenn nicht, warum gerade diese?“30
1 G. M. Herek, „Beyond ‚Homophobia‘: Thinking About Sexual Prejudice and Stigma in the Twenty-first Century“, Sexuality Research and Social Policy 1, no. 2 (2004): S. 7.
2 Hereks Vorschlag Homophobie als eine Unterkategorie von sexueller Stigmatisierung anzusehen, scheint durchaus überzeugend.
3 J. M. Oldham, „Personality Disorders“, Focus 3, no. 3 (2005): S. 374.
4 H. Ellis, J. A. Symonds, Das Konträre Geschlechtsgefühl, Wigand, 1896, S. 72-73.
5 „[…] ils n’ont pas vu que le bon génie de Freud […] avait placé [le sexe] en un des points décisifs marqués
depuis le XVIIIe siècle par les stratégies de savoir et de pouvoir ; et qu’il relançait ainsi avec une efficacité admirable […] l’injonction séculaire d’avoir à connaître le sexe et à le mettre en discours.“ M. Foucault, Histoire de la sexualité, Gallimard, 1976, S. 210.
6 S. Freud, Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (1905), Gesammelte Werke Bd. V, 40. Freud bestreitet sowohl die Idee des einfachen Angeborenseins (ibid. S. 38) wie die der Degeneration (S. 36-37). In einem Zusatz von 1915 lehnt Freud noch einmal „mit aller Entschiedenheit“ ab „die Homosexuellen als eine besonders geartete Gruppe von anderen Menschen abzutrennen“ (S. 44). Die psychoanalytische Erfahrung zeige, so Freud, „dass alle Menschen der gleichgeschlechtlichen Objektwahl fähig sind und dieselbe auch im Unbewussten vollzogen haben.“
7 H. E. Adams, L. W. Wright, and B. A. Lohr, „Is Homophobia Associated with Homosexual Arousal?“, Journal of Abnormal Psychology 105, no. 3 (1996): S. 440-445.
8 1921 bezeichnet E. Jones, Gründer und Präsident der British Psychoanalytical Society, Homosexualität offiziell als „abscheuliches Verbrechen“, obwohl er selber praktisch daraus keine Konsequenzen zog. Die wohl eher als moralische Werbung gemeinte Verurteilung bleibt jedoch noch offiziell bis 1997 in der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung Gesetz.
9 S. Rado, „A Critical Examination of the Concept of Bisexuality“, Psychosomatic Medicine Vol. II, No. 4, Oktober 1940.
10 Ibid. S. 6.
11 D. Eribon, Une morale du minoritaire, Paris: Fayard, 2001; M. Tort, „Homophobies psychanalytiques“, Le Monde, 15. Oktober 1999.
12 E. Roudinesco, „Psychanalyse et homosexualité: réflexions sur le désir pervers, l’injure et la fonction paternelle“, Cliniques Méditerranéennes, 2002/1, no. 65, S. 18. Im Séminaire VIII nennt Lacan Platons Symposium immerhin eine „assemblée de vieilles tantes“ (S. 161), nachdem er im Vorhinein erklärt hat: „Que l’on ne vienne pas nous dire, sous prétexte que c’était une perversion reçue, approuvée, voire fêtée, que ce n’était pas une perversion. L’homosexualité n’en restait pas moins ce que c’est : une perversion“ (S. 42-43) Solche Aussagen scheinen schwerlich zweideutig.
13 Cf. Melmans Editorial vom 21. Januar 2013 auf den Seiten der Internationalen Lacan Vereinigung: http://www.freud-lacan.com.
14 So deutet es richtigerweise auch E. Roudinesco in Psychanalyse et homosexualité (loc.cit): „Ici Pierre Legendre dérape et sa terreur est pour le moins paranoïaque …“ (S. 32)
15 P. Legendre, „Entretien avec Antoine Spire“, Le Monde vom 23. Oktober 2001. Zitiert von E. Roudinesco.
16 Das politisch korrektere Wort „Störung“ steht selbstverständlich für „Pathologie“: „the reasons for identifying certain conditions as pathological, i.e. as „disorders“ schreibt Spitzer in „The diagnostic status of homosexuality“ in „DSM-III: a Reformulation of the Issues“, American Journal of Psychiatry 138, no. 2 (1981): S. 210.
17 „Homosexuality and Sexual Orientation Disturbance: Proposed Change in DSM-II“, 6th Printing, Page 44 Position Statement (retired).
18 Anfang der 2000er, trat Dr. Spitzer als Verfechter der sexuellen „Reorientierungstherapie“ auf, die er dann selbst, nach immerhin 11 Jahren, als Makulatur preisgab. Vgl. B. Carey, „Psychiatry Giant Sorry for Backing Gay Cure“, New York Times, 18. Mai 2012.
19 D. A. Adler, „The Medical Model and Psychiatry’s Tasks“, Hospital & Community Psychiatry 32, no. 6 (June 1981): 387-392.
20 Im DSM-IV versteckt sie sich schon etwas besser in der wunderbaren Störung F.52.9: der „nicht näher bezeichneten sexuellen Störung“ die sich z.B. – Punkt 3 – im Leiden an der sexuellen Orientierung ausdrückt.
21 M. First, M. D., R. L. Spitzer, M. D., „The DSM: Not Perfect, but Better Than the Alternative“, The Psychiatric Times, 1. April 2003.
22 Spitzer R., „The diagnostic status of homosexuality …“ S. 212.
23 Olafsdottir S., „Medicalization and Mental Health: The Critique of Medical Expansion, and a Consideration of How Markets, National States, and Citizens Matter,“ in The SAGE Handbook of Mental Health and Illness, ed. Anne Rogers and Bernice Pescosolido (Hrsg.) (SAGE, 2010), S. 241.
24 P. Conrad, „The Shifting Engines of Medicalization“, Journal of Health and Social Behavior, 46 (1), (2005) S. 3.
25 I. K. Zola, Socio-Medical Inquiries. Philadelphia: Temple Univ. Press, 1983, S. 295.
26 Psychiatrie und Psychologie entsprächen dann dem Typus der „Rechtfertigungsideologie“, d.h. der Darstellung gesellschaftlicher Verhältnisse in rationalisiert-verwissenschaftlichen Diskursen. Vg. Kurt Lenk, Rechts, wo die Mitte ist: Studien zur Ideologie – Rechtsextremismus, Nationalsozialismus, Konservatismus (Nomos, 1994).
27 M. S. Wilkes, R. A. Bell, R. L. Kravitz, „Direct-to-Consumer Prescription Drug Advertising“, Health Affairs 19 (2), S. 113.
28 So sind z.B. die Verschreibungen von Antidepressiva zwischen 2000 und 2005 in England um 28 % auf 8,4 Millionen Pillen pro Quartal gestiegen (http://www.nhsbsa.nhs.uk/PrescriptionServices/Documents/PPD-PCTReports/ptreport_2007.pdf). Laut IMS belegen Antidepressiva zwischen 2007 und 2011 den 1. Platz der medizinischen Verschreibungen in den Vereinigten Staaten und erbringen im Durchschnitt gut 11 Milliarden Dollar pro Jahr (http://www.imshealth.com).
29 http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/speeches/2012/december/documents/hf_ben-xvi_spe_20121221_auguri-curia_ge.html.
30 S. Freud, Die Zukunft einer Illusion, Gesammelte Werke XIV, 350.
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