Intensive Familienarbeit als Alternative zur Heimeinweisung
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Um es vorwegzunehmen: Intensive Familienarbeit könnte einen grossen Teil der Heimeinweisungen in Luxemburg und in anderen Ländern Europas vermeiden helfen. Es gibt viele Modelle und Methoden der intensiven Sozialarbeit in Familien¹, von denen einige in diesem Beitrag vorgestellt werden. Der gemeinsame Nenner ihres Erfolgs ist eine kurzfristige, unbürokratische, zeitaufwendige und auf echter Partnerschaft und Teamarbeit beruhende Betreuung von „Problemfamilien“ durch Sozialarbeiter, Erzieher und verwandte Berufsgruppen. Der Aufbau von Strukturen intensiver Familienarbeit erfordert den politischen Mut, die „Realitäten“ unseres Systems der Erziehungshilfen radikal in Frage zu stellen und einen Teil seiner Ressourcen für den Erhalt von Familienstrukturen einzusetzen. Intensive Familienarbeit respektiert die Integrität der Familienstruktur und versucht, die immer vorhandenen erzieherischen Kompetenzen zu entwickeln und die Qualität der Beziehungen innerhalb der Familie zu verbessern. Dort wo intensive Familienarbeit unter guten Rahmenbedingungen stattfinden kann, hat sie kurzfristig sehr gute Erfolgschancen und langfristig kann sie den Zusammenhalt der Familien absichern.
In den letzten 15 Jahren wurden in vielen europäischen Ländern, teilweise unter dem Einfluss der Diskussion um die Kinderrechte, Gesetze gestimmt, die das Verhältnis vom Staat zu Kindern und Familien neu festlegten. Allen diesen neuen Gesetzen gemeinsam ist ein paradigmatischer Wechsel vom Schutzzum Hilfegedanken. Wie stark auch immer das Recht des misshandelten Kindes auf Schutz weiterhin betont wurde, so setzte sich doch allmählich die Auffassung durch, dass die Ursachen von Vernachlässigung und Misshandlung stärker berücksichtigt und die Familien in ihrer Erziehungsaufgabe stärker unterstützt werden sollten.
Intensive Familienarbeit sollte ein Teil einer breiten Palette von familienunterstützenden Diensten sein. Das „Europäische Forum für Kinderhilfe“ (European Forum for Child Welfare, EFCW) hat vor einigen Jahren ein Posi-
tionspapier zum Thema „familienunterstützende Dienste“ verabschiedet, das ich zum Ausgangspunkt meiner Überlegungen machen möchte
Allgemeines zu familienunterstützenden Diensten
„Der Zweck familienunterstützender Dienste liegt generell darin, Mittel bereitzustellen, die das Funktionieren und die Beziehungen in Familien stärken. Insbesondere gilt dies für Familien, die irgendeiner Form oder dem Risiko von Benachteiligung ausgesetzt sind, die ihre Entwicklungsmöglichkeiten bedrohen, d.h. also, Familien zu befähigen, ihr volles Potential zu entfalten“.
In der Präambel der UN-Konvention über die Rechte des Kindes wird gefordert, dass der Familie „der erforderliche Schutz und Beistand gewährt werden sollte, damit sie ihre Aufgaben innerhalb der Gemeinschaft erfüllen kann“. In den Artikeln 3, 5 und 19 der Konvention werden diese Massnahmen beschrieben. Die „Europäische Charta für
die Rechte des Kindes“, ausgearbeitet von einem Ausschuss des Europäischen Parlaments verlangt von jedem Mitgliedsstaat, den Eltern durch soziale Institutionen, Dienste und Einrichtungen die notwendige Unterstützung zu gewährleisten, damit sie ihre Verantwortung wahrnehmen können. Sowohl in der Konvention als auch in der Charta werden die Vertragsstaaten aufgefordert, im Interesse des Kindes einzugreifen, wenn dieses irgendeiner Form von Misshandlung oder Vernachlässigung ausgesetzt ist. „Die Tatsache jedoch, daß staatliche Institutionen zum Schutz von Kindern interveniert haben, deren Eltern keine angemessene Unterstützung erhalten haben, ist aus zwei Gründen kritisch zu betrachten: Zum einen berauben sie das Kind des Rechtes, mit seinen Eltern zu leben, zum anderen können sie in der Bereitstellung von Mitteln zur «Ersatzerziehung» enden, die der Herkunftsfamilie zuvor vorenthalten wurden.“
Im Positionspapier des EFCW werden 10 Schlüsselprinzipien zur Bereitstellung familienunterstützender Dienste aufgezählt:
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Sie sollten soweit wie möglich kommunal verankert und leicht erreichbar sein sowie Informationen über ihren Zweck, ihre Inhalte und ihre Bedingungen bereitstellen;
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Sie sollten die Beteiligung ihrer Klienten an Entscheidungen und die Kontrolle über den Prozess, der sie berührt, verstärken;
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Sie sollten ausreichend flexibel in ihrem Zugang und ihren Angeboten sein, um auf unterschiedliche Bedürfnisse antworten zu können, die durch eine Vielzahl von Familienformen entstehen;
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Sie sollten eine deutliche Anti-Diskriminierungspolitik und -praxis haben;
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Sie sollten die Kultur derjenigen, die sie in Anspruch nehmen, respektieren und unterstützen;
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Sie sollten ihr Engagement für gleiche Chancen für Frauen und Männer in ihrer Struktur, Organisation, Politik, Praxis und Dienstleistung deutlich machen;
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Sie sollten ihre Angebote darauf gründen, dass Klienten, wie sehr sie auch immer benachteiligt sind, Potentiale und Mittel haben, die entwickelt werden können;
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Sie sollten als Teil eines Gesamtangebotes oder interinstitutioneller Zusammenarbeit, insbesondere in benachteiligten Gebieten, für Familien, die dort leben, angeboten werden;
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Der Prozeß der Auswertung sollte integrierter Teil aller dieser Dienstleistungen sein. Er sollte Möglichkeiten für Klienten bieten, ihre Einschätzung der Dienste einzubringen und Empfehlungen zu beeinflussen;
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Sie sollten die Möglichkeit für unabhängige Beschwerdeverfahren bieten.
Familienunterstützende Dienste sind notwendig auf drei Ebenen: Die primäre Ebene (allen Familien zugängliche Dienste), die sekundäre Ebene (z.B. Dienste für Familien in benachteiligten Wohngebieten) und die tertiäre Ebene (oder die Ebene der Krisenintervention). Sie sollten den tatsächlichen Bedürfnissen angepasst sein.
Das nebenstehend ausführlich zitierte Positionspapier schliesst mit der Forderung, auf europäischer, nationaler und lokaler Ebene den Bereich der familienunterstützenden Dienste konsequent auszubauen.
Die Situation in Luxemburg ?
Betrachtet man die drei Ebenen, auf denen familienunterstützende Dienste notwendig sind, kann man sagen, dass in Luxemburg diese Dienste auf der ersten Ebene (z.B. Kindertagestätten) nur lückenhaft vorhanden, auf der zweiten Ebene (z.B. Betreuung von Einwandererfamilien) Mangelware und auf der dritten Ebene (intensive Familienarbeit) quasi inexistent sind.
(Überhaupt fragt man sich manchmal, wieso in einem Land mit einem der höchsten Pro-Kopf-Einkommen Europas und der Welt der Bereich der erzieherischen, sozialen und psychologischen Betreuung von Kindern und ihren Familien der Entwicklung in anderen Ländern dauernd und nachhaltig hinterherhinkt – abgesehen von den hier ausgezahlten Gehältern.)
Auf der dritten Ebene, die uns hier näher interessiert, gibt es vereinzelte Ansätze zur Entwicklung von intensiver Familienarbeit aber es fehlt der Rahmen, innerhalb dessen sich eine solche Arbeitsmethode ungehindert entfalten könnte.
Der politische Wille, intensiver Familienarbeit zum Durchbruch zu verhelfen fehlt und dort, wo er sich zaghaft äussert, scheitert er an den politischen „Realitäten“ (etabliertes Heimwesen, Systemzwänge, usw.)
Der grösste Hemmschuh für Innovation im Bereich der intensiven Familienarbeit, unser Jugendschutzgesetz, ist längst revisionsbedürftig. Dennoch geschieht nichts um es zu ändern: sogar der umstrittene § 11 bleibt unangetastet.
Es gibt in der Öffentlichkeit und in Fachkreisen fast keine Diskussion über die verschiedenen Formen intensiver Familienarbeit. Es fehlt an Informations- und Ausbildungsangeboten. Es
Aus dem Positionspapier:
„Idealerweise sollten familienunterstützende Dienste innerhalb der Kommune eingerichtet werden, um den Zugang zu erleichtern. Der spezifische Charakter der Angebote sollte durch vorher definierte Bedürfnisse bestimmt werden, die durch Forschung oder andere Verfahren ermittelt werden und die die Zustimmung der Klienten und anderer Einrichtungen in der Kommune haben. Dadurch werden die Unterstützungsangebote von Region zu Region verschieden sein, abhängig von den besonderen Bedürfnissen. Zum Beispiel können die Bedürfnisse von Schulkindern in einer Region dominierend sein, während in einer anderen die Bedürfnisse von Vorschulkindern und ihren Eltern Priorität haben.
Grundlegend für die Bereitstellung von familienunterstützenden Angeboten ist die Überzeugung, daß die Familie für die Entwicklung des Kindes wichtig ist. Daher ist es besonders bedeutsam, dass Familien, die irgendeine Form der Benachteiligung erfahren oder die Schwierigkeiten in den Familienbeziehungen entwickeln, so früh wie möglich Zugang zu Diensten haben, die ihren Schwierigkeiten wirksam begegnen können.
Es ist auch wichtig, daß diese Dienste die gesamte Familie als Ausgangspunkt sehen, auch wenn spezifische Angebote für einzelne Familienmitglieder gemacht werden. Außerdem besteht die Notwendigkeit für einen integrativen oder interinstitutionellen Ansatz, damit die Familie als Ganzes davon profitieren kann. In diesem Kontext können Dienste entwickelt werden, die besondere Bedürfnisse befriedigen, z.B. Vorschulkinder, isolierte Frauen, schwierige Jugendliche, Männer etc., die aber gleichzeitig die Entwicklung der gesamten Familieneinheit fördern.
Es ist notwendig, dass die negativen Auswirkungen von Armut und Arbeitslosigkeit auf das Funktionieren von Familien anerkannt und Maßnahmen ergriffen werden, die die ökonomische Situation von Familien und Kindern in Armut verbessern.
Es besteht die Notwendigkeit, umfassende Pläne für Dienste für besonders verletzliche Familien auf kommunaler, regionaler und nationaler Ebene zu entwickeln.
Es besteht die Notwendigkeit, eine Reihe unterschiedlicher familienunterstützender Dienste einzurichten, die verschiedene nicht-stigmatisierende, entwicklungsfördernde Angebote machen (Erwachsenenbildung und Gesundheitserziehung, Spiel-, Jugend- und Erwachsenengruppen etc.), um Eltern bei der Erziehung helfen zu können. Diese sollten auch Haushaltsdienste für Familien beinhalten, z.B. durch Haushaltshelfer oder Kinderbetreuer, die Familien besuchen und praktische Unterstützung und Beratung für Haushaltsführung und Erziehung bieten oder durch Freiwillige, die gegen soziale Isolation oder niedriges Selbstwertgefühl arbeiten können.
Die Bereitstellung familienunterstützender Dienste in Europa ist sehr inkonsistent. In einigen Mitgliedsstaaten werden sie nur als Antwort auf Krisensituationen angeboten, d.h., wenn die Familienbeziehungen bereits sehr gestört sind. Dies hat besonders folgende Konsequenzen:
Es verfehlt, die Rechte von Kindern und ihren Familien zu sichern.
Krisendienste sind mit hohen Kosten verbunden.
Krisendienste setzen erst da an, wenn Schaden bereits entstanden ist.
Mit anderen Worten, das Versäumnis, Familien auf lokaler Ebene angemessene Dienste anzubieten, mit einer Betonung präventiver Angebote für die Entwicklung persönlicher und familiärer Ressourcen, ist sowohl auf menschlicher als auch auf finanzieller Ebene teuer.⁴
findet kein Vergleich der verschiedenen Methoden statt. Wie so oft bestimmt der Zufall, ob und wie eine Methode erprobt werden kann. Die bestehenden Ansätze sind an genau definierten Teilpopulationen orientiert und nicht allgemein zugänglich. Die Sozialdienste sind mit administrativer Arbeit überlastet; es bleibt kaum Zeit, kurze Hausbesuche zu machen, geschweige denn, eine intensive Intervention in einer Familie durchzuführen.
Die aus der Organisationssoziologie bekannten Skleroseerscheinungen alternder Strukturen machen sich auch im vor zwanzig Jahren noch so dynamischen Heimwesen bemerkbar: Ging es damals noch vor allem um die Verbesserung der Lebensbedingungen der Kinder, so wird heute die meiste Zeit mit administrativen Gefechten um Arbeitsbedingungen und Finanzen verbracht.
Der Versuch, die Rechte des Kindes in der Heimerziehung besser abzusichern (z.B. durch eine regelmässige Überprüfung der Einweisungsmassnahme), scheiterte einstweilen am Widerstand der Vereinigungen der Trägergesellschaften und der Heimleiter.
Und dabei kann man nicht behaupten, die Fachöffentlichkeit hier in Luxemburg wäre nicht informiert gewesen: Auf dem internationalen FICE-Kongress im Mai 1992 in Luxemburg hielt z.B. Juliaan van Acker (Katholische Universität Nijmegen) ein Referat mit dem bezeichnenden Titel: „Le travail avec la famille comme alternative au placement“.
Das „Family Project“ von Juliaan van Acker
Das Referat wurde in dem Kongressbericht veröffentlicht und an alle Teilnehmer sowie an die Fachöffentlichkeit verteilt⁶. Van Acker meint einleitend:
„Il n’est pas facile de changer le comportement d’un enfant, quand on ne travaille pas avec les adultes avec lesquels l’enfant a un lien fondamental, c’est à dire quand on ne travaille pas avec les parents.
Il n’est pas facile de changer le compor-
tement des parents vis-à-vis de l’enfant, quand on ne tient pas compte de leurs angoisses, de leurs peurs, des pressions venant du milieu environnant. …
Dans la protection de la jeunesse nous avons, dans la plupart des cas, à faire à des parents qui ont échoué, qui sont chômeurs, qui sont pauvres, qui appartiennent à des minorités ethniques marginalisées. Et qu’est ce que nous – à la protection de la jeunesse – faisons avec ses parents? Nous les laissons de côté? Nous remplaçons les parents par de meilleurs éducateurs.
C’est facile de dire que les parents ont échoué, que ce sont de mauvais parents, parce qu’ils ont maltraité, voire abusé
Der Versuch, die Rechte des Kindes in der Heimerziehung besser abzusichern (z.B. durch eine regelmässige Überprüfung der Einweisungsmassnahme), scheiterte einstweilen am Widerstand der Vereinigungen der Trägergesellschaften und der Heimleiter.
de leurs enfants. Le problème est que dans la plupart des cas, les fonctionnaires de la protection de la jeunesse ont raison – ils ont parfaitement raison: ces parents ont échoué, ils ont maltraité leurs enfants, ils n’ont pas assumé leurs responsabilités parentales. Donc qu’est-ce qu’on fait pour protéger l’enfant: on met les parents à l’écart, on ne veut plus de ces parents, on dit qu’ils ont échoué, ils perdent leurs enfants, ils perdent leur réputation, ils perdent aussi les rares moments d’affectivité qu’ils avaient avec leur enfant, on prend l’enfant pour le placer ailleurs.
Nous protégeons peut-être l’enfant, mais en même temps nous faisons la même chose ce que fait notre société contemporaine: nous rejetons ceux qui ne se conforment pas à nos valeurs, à nos normes. C’est un peu naïf de ne pas tenir compte de l’influence énorme qu’a
l’attitude sociale vis-à-vis du milieu éducatif de l’enfant. En 1988, au congrès international de thérapie familiale à Rome, Salvador Minuchin avouait qu’il avait été très naïf en essayant d’expliquer les symptômes d’un enfant à l’aide des caractéristiques du système familial. Ce qui est beaucoup plus important, selon Minuchin, ce sont les influences des systèmes sociaux sur les interactions dans la famille.
Des influences sociales comme la pauvreté, la marginalisation ou l’instabilité qui règnent dans les relations entre époux, peuvent avoir une influence très négative. Minuchin disait que les institutions d’aide sociale ou de la protection de la jeunesse font elles-aussi partie de ces systèmes sociaux et que ces institutions pourraient avoir une influence destructive sur les familles. Pourquoi?
L’État veut être le bon parent, qui remplace le mauvais parent; la protection de la jeunesse joue le rôle de l’avocat de l’enfant avec comme résultat que l’enfant devient la partie adversaire aux parents. Les parents et trop souvent la mère qui est la seule parente, se sentent impuissants et rejetés. Minuchin qualifiait cette attitude de l’État et des fonctionnaires d’immorale et non-éthique!
J’ai été deux fois directeur d’un établissement pour la prise en charge des adolescentes, placées par le juge de la jeunesse. Il n’est pas question de critiquer le travail des éducatrices, des éducateurs, et de tous ceux qui s’engagent dans les internats de la protection de la jeunesse.
On fait là un travail terriblement beau, terriblement humain; les enfants placés éprouvent dans l’internat, souvent pour la première fois dans leur vie, une chaleur, une attention individuelle, une affectivité désintéressée. Mais en même temps, ces enfants sont terriblement seuls, terriblement angoissés. Et si on se donne la peine de rendre visite au parents, on découvre souvent une détresse épouvantable.
C’est pour ces raisons que depuis 12 ans, je fais tout pour éviter le placement des enfants, pour travailler avec les parents, même ou surtout dans le cas de comportements extrêmement difficiles et délinquents et dans le cas d’abus
sexuels et de mauvais traitements. La sécurité de la société et la sécurité de l’enfant restent pour moi la première des priorités."
Im folgenden beschreibt Van Acker sein Projekt. Er erwähnt die zunehmende Armut, die Marginalisierung immer grösserer Bevölkerungsgruppen und beklagt sich über die Sozialwissenschaften, welche die Menschen praktisch ausschliesslich unter den Aspekten ihres Fehlverhaltens studieren. Für sein Modell gelten fünf Grundprinzipien:
- Une intervention thérapeutique ou d’aide sociale nécessite un diagnostic qui soit centré avant tout sur les aspects positifs.
- Les gens marginalisés et angoissés ont besoin d’un professionnel qui les supporte et les encourage.
- Le vrai support et la véritable responsabilité sont basées sur le désintéressement et sur la justesse.
- L’enfant a besoin de sa famille: ses liens naturels sont extrêmement importants. Le professionnel fait tout pour les maintenir ou pour les rétablir.
- La sécurité de l’enfant reste une priorité absolue.
Die Arbeitsmethoden des Projekts sind folgende:
- L’écoute sans préjugés caractérise les premiers contacts
- Le professionnel travaille avec la famille, dans la famille
- Le professionnel aide les parents et l’enfant à concrétiser leurs plaintes.
- L’attention est dirigée aussi vers le positif
- Le diagnostic repose sur des faits concrets, qui sont caractéristiques de la vie journalière de cette famille.
- Les buts sont réalistes, concrets et assez faciles à atteindre.
Der Erzieher oder Sozialarbeiter ist in der ersten Phase seiner Intervention rund um die Uhr erreichbar und verbringt sehr viel Zeit (erfahrungsgemäss über 20 Stunden in der Woche) in der Familie. Daher kann eine Person höchstens zwei bis drei Familien gleichzeitig betreuen. Gespräche finden statt, wenn die Familienmitglieder erreichbar sind, also vor allem abends. Details zu den
Arbeitsmethoden des Family Project können in dem zitierten Text nachgelesen werden; Van Acker beschreibt auch einen konkreten Fall.
Er schliesst mit folgenden Bemerkungen ab:
„J’ai dit au début que dans la protection de la jeunesse nous avons, dans la plupart des cas, à faire avec des parents qui ont échoué, qui sont condamnés, qui sont marginalisés. La plus grande souffrance c’est d’être rejeté, de ne pas être reconnu. La question que je me pose est si nous avons le droit de mettre les parents de côté. Les conséquences de cette intervention sont tellement désastreuses pour les parents. Je pense qu’en agissant ainsi, nous contribuons à l’agressivité dans notre société, nous mettons des adultes dans un état de dépression. Qui dit que l’enfant en fin de compte ne se sentira pas coupable à cause de nos interventions?
Vous me direz peut-être qu’il y a des situations où il est impossible de changer le comportement ou l’influence négative des parents, ou qu’un placement d’un mineur dans un internat ou chez des parents adoptifs n’est considéré que dans le cas où la situation familiale est extrêmement perturbée. Vous avez raison quand vous appliquez vos propres normes dans le diagnostic de la situation familiale.
Mais le remède est souvent pire que le mal. Bien sûr, il n’est pas toujours facile de solliciter la coopération des parents, surtout quand ils sont des modèles très négatifs et quand ils ne sont pas motivés. Mais condamner les parents et ne pas les impliquer dans le traitement, est une condamnation à vie. Ça laisse toujours un vide dans la vie de l’enfant ou de l’adolescent."
Die Grundsätze des „Family Project" sind folgende:
Les parents sont nos partenaires.
Les parents gardent leur responsabilité parentale.
Le professionnel est un négociateur, un médiateur.
Laut Van Acker ist sein Projekt ohne Probleme in anderen Ländern anwendbar. Zu den finanziellen Auswirkungen intensiver Familienarbeit präsentiert er folgendes Zahlenmaterial aus den Niederlanden:
„Au Pays-Bas 3/4 du budget de la pro-
tection de la jeunesse est destiné au traitement résidentiel de 10.000 enfants. Ce dernier nombre concerne seulement une fraction des enfants qui ont besoin d’une aide spécialisée. Des études épidémiologiques dans plusieurs pays ont prouvé que 5 à 10% des enfants sont tellement perturbés que, sans aide spécialisée, ils resteraient perturbés pour le reste de leur vie.
Hélas, nos organisations d’aide thérapeutique n’atteignent que 1 à 2% de ces enfants; 5 ou 10% des enfants qui sont
Secrets that destroy
Die "International Save the Children Alliance" hat im Rahmen des Daphne-Programms im Jahre 1998 eine Serie von 5 internationalen Konferenzen zum Thema "Sexueller Missbrauch" in Spanien (Valencia), Finnland (Helsinki), Frankreich (Lyon), Dänemark (Kopenhagen) und Griechenland (Athen) organisiert. Der Schlussbericht liegt nun vor.
In dem ausführlichen Dokument, das seit 1. April 1999 vorliegt, findet sich unter anderem ein Referat des Jugendrichters François Gominet, Premier Juge des Enfants au T.G.I. de Saint Etienne: "Prise en charge psychologique des victimes d’aggression sexuelle".
In dem Kapitel: "La prise en charge du mineur victime" schreibt Gominet über die Rolle des Jugendrichters:
"Le législateur a prévu que, chaque fois qu’il était possible, devrait être privilégié la solution de maintien dans le milieu actuel (article 375-2 du code civil).
Le retrait du milieu familial est en effet loin d’être la panacée. Serait simpliste le raisonnement qui consisterait à penser que les problèmes de l’enfant qui vivrait dans un milieu défavorable seraient réglés par son accueil dans une famille ou institution qui viendrait prendre la place des parents "défectueux". N’est d’ailleurs pratiquement plus soutenue par les professionnels compétents en matière éducative, cette notion de solution substitutive qui a pu parfois être pratiquée, il y a quelques dizaines d’années, avec des placements de longue durée ou l’assistance maternelle n’était plus dans un rôle de mère adoptive, que de soutien momentané à un enfant destiné à garder une place dans son système familial.
Neben anderen Massnahmen ist die Heimeinweisung nur in aussergewöhnlichen Fällen und unter präzisen Bedingungen möglich:
"Le placement peut être pris soit de manière provisoire (ayant vocation à durer de 6 mois maximum), soit pour une durée que le juge des enfants détermine sans pouvoir excéder deux ans, si la mesure est exercée par un service ou une institution. Des reconductions sont possibles à condition qu’intervient à chaque fois un nouveau jugement. Avant chaque décision qu’il est amené à prendre, le juge des enfants doit entendre les parents et, sauf si son âge ou son état de santé ne le permettent pas, le mineur concerné. Ceux-ci peuvent se faire assister d’un avocat de leur choix. Il leur est même possible de demander qu’il leur soit commis un d’office."
R.S.
perturbés, ça veut dire aux Pays-Bas qu’il y a 200.000 à 400.000 enfants qui ont besoin d’une aide professionnelle adéquate.
Avec la moitié du budget annuel des centres résidentiels on pourrait nommer 3000 pédagogues ou psychologues qui pourraient traiter, suivant la méthode que je vous ai décrite, 70.000 familles ou 120.000 enfants."
Eltern: Partner oder Sündenböcke
Das war 1992. Das Familienministerium ist zwar freundlich interessiert an solchen neuen Modellen, will aber grundsätzlich nur noch die etablierten Träger im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe unterstützen. Damit macht es aber den Bock zum Gärtner, denn diese tun sich schwer daran, intensiver Familienarbeit innerhalb ihrer eigenen Strukturen den Stellenwert zu geben, den sie verdient. Die hausgemachten „Realitäten“ sind eben schwer zu umgehen. Dabei ist die Heimeinweisungspraxis hierzulande auch und gerade in Fachkreisen sehr umstritten. Als Heimeinweisungen noch über das CIEP (Centre d’Information et de Placement) abgewickelt wurden, musste jeder Platz in zähen Verhandlungen mit den Häusern erkämpft werden. Der Versuch, die Notwendigkeit der Heimeinweisung noch einmal zu überprüfen und einen passenden Heimplatz zu finden scheiterte an der mangelnden Bereitschaft der Häuser, ohne wenn und aber Problemkinder aufzunehmen; diese wurden wie heisse Kartoffeln von einem zum anderen gereicht. Um dem endlosen Feilschen ein Ende zu setzen wurde schliesslich das CNAP (Comité national d’arbitrage en matière de placement) geschaffen, welches sich aber schon nach ein paar Jahren als Fehltritt entpuppte. Musste es denn soweit kommen, dass die Akzeptanz von „Problemfällen“ nur unter der Androhung von empfindlichen Geldstrafen durchgesetzt werden konnte? „Leidtragende“ dieses Gerangels sind nach wie vor die „Centres Socio-Educatifs“ von Dreiborn und Schrassig, die sich trotz Personalmangel mit den schwierigsten Kin-
dern befassen müssen. Resultat dieser Politik ist die unheilvolle Allianz zwischen Jugendgericht und Heimerziehung, die darin gipfelt, dass über 80% aller Heimeinweisungen über den Richter angeordnet werden.
Diese Praxis führt zu einer systematischen Stigmatisierung und Entmündigung der Eltern. Sie ist nicht typisch für unser Land, obschon wir hier besonders leichtsinnig mit der „autorité parentale“ umgehen. In Frankreich schreibt dazu Caroline Eliacheff⁶:
„La justice peut et doit sanctionner les parents qui abusent de leur pouvoir. Cela est tout à fait différent du jugement moral émanant des institutions prenant en charge les enfants. On oublie que les parents ont d’abord délégué (volontairement ou parfois contraints) une parcelle de leur fonction parentale à ces institutions: maternité, crèche, école, Aide sociale à l’enfance, famille d’accueil pour ne citer que les principales. Or, il est frappant de constater avec quelle facilité les adultes qui s’occupent professionnellement des enfants s’engagent dans la voie de la défense militante de l’“enfant-victime” en disqualifiant les parents. Or, affirmer haut et fort que l’enfant est une personne ne veut pas dire qu’il est l’enfant de personne ! …
La disqualification via la stigmatisation des parents par des professionnels de l’enfance au nom de la protection de l’enfant va dans le sens de la folie, celle qui consiste à considérer qu’un enfant qui aurait rompu ses liens avec ses parents prétendument “dangereux” et maintenant “à risque” aurait des chances de s’en sortir. Folie de penser que les relations entre parents et enfants se réduisent à des actes, quels qu’ils soient, folie d’imaginer que les maigres références symboliques qu’offrent l’Aide sociale à l’enfance ou les associations de défense des enfants-victimes puissent se substituer sans dommage aux références symboliques qui instituent un garçon ou une fille comme fils de ou fille de… et qui lui permettront, quels que soient les aléas de la vie, de penser sa place, ses liens et ses relations dans la communauté humaine.
Alors que, de toutes parts, on entend
monter la plainte qui stigmatise les parents “irresponsables”, on ne peut pas ne pas voir que l’association enfant-victime/parent-coupable va précisément dans le sens de l’infantilisation de ces derniers. Car, en posant la culpabilité de leur côté, les services sociaux endossent la responsabilité de l’enfant en en privant du même coup les parents mais non sans les critiquer d’y renoncer si facilement.
La culpabilité au sens pénal devrait pouvoir signifier une nouvelle exigence de responsabilité, mais la culpabilisation a l’effet strictement inverse et engendre un sentiment dont aucun parent n’est exempt : l’inquiétude.
Problemkinder werden wie heisse Kartoffeln von einem zum anderen gereicht. Leidtragende dieses Gerangels sind nach wie vor die „Centres Socio-Educatifs“ von Dreiborn und Schrassig, die sich trotz Personalmangel mit den schwierigsten Kindern befassen müssen.
Est-il nécessaire de rappeler que les enfants d’aujourd’hui seront les parents de demain ? Laissons-les à leur gré idéaliser puis critiquer leurs propres parents et faisons-leur le crédit de penser que les failles réelles ou supposées de leurs parents les aideront à se construire dans leur singularité, même au prix de souffrances. Mais l’idéalisation sociale de l’enfant, quand elle passe par la haine de leurs parents, est une violence et une transgression qu’aucune société ne devrait s’autoriser : celle de briser la continuité de l’ordre généalogique au nom d’idéaux gestionnaires qui posent plus de problèmes qu’ils n’en résolvent.
Dabei ist es in Frankreich sehr schwierig, den Eltern die Verantwortung für ihre Kinder abzuerkennen: Der französische Jugendrichter Alain Bruel hat am 14. Mai 1988 dem „Ministère de l’Emploi et de la Solidarité“ im Namen der Arbeitsgruppe „Paternité“ einen Bericht vorgelegt:
„Sous le titre: „Assurer les bases de l’autorité parentale pour rendre les parents plus responsables“ le rapport dresse un état des lieux de l’autorité parentale dans la France d’aujourd’hui, tant sur le plan juridique qu’éducatif, avec, en préalable, la dénonciation vigoureuse des propositions de sanctions contre les parents „défaillants“. Ceux-ci, eux-mêmes le plus souvent en grande difficulté, ont surtout besoin de soutien et „si l’État ne peut se désintéresser de l’éducation de ses futurs citoyens, il ne peut y parvenir qu’en faisant des parents ses alliés, non des boucs émissaires“⁷.
Nach den jüngsten Ausschreitungen von Jugendlichen in verschiedenen Städten Frankreichs wurden Rufe laut, die elterliche Verantwortung bei jugendlichen Starfätern einzuschränken, die Eltern mitzubestraßen, das Strafmündigkeitsalter herabzusetzen, den Eltern das Kindergeld zu entziehen oder gar den Erhalt von Sozialhilfelleistungen nach einem Punktesystem wie beim Führerschein zu regeln. Diese Forderungen wurden zum Teil vom Innenminister J.-P. Chevènement selber vorgebracht, aber er konnte innerhalb der Linkskoalition darüber keinen Konsens erreichen. Besonders die Fachwelt reagierte entsetzt und forderte demgegenüber eine Verstärkung der elterlichen Verantwortlichkeit durch Ausschöpfen der Ressourcen der Familien, durch eine stärkere Einbeziehung der Väter.
„Si c’est la précarité contemporaine qui mène à la dé-parentalisation, les familles précarisées sont davantage „démissionnées“ par les mutations de l’époque, les institutions et les pratiques du travail social qu’elles ne sont véritablement „démissionnaires“⁸.
Für den Jugendrichter Bruel kommt es deshalb nicht in Frage, die elterliche Verantwortung in einzelnen Fällen ausser Kraft zu setzen, sondern „il serait souhaitable d’attribuer au juge des enfants le pouvoir de prononcer après débat contradictoire des mesures de suspension partielles et/ou temporaires de l’exercice de certains attributs de l’autorité parentale.“
In derselben Nummer von „Lien social“ spricht Jean-Pierre Ernst von der „peste de la disqualification et de la déresponsabilisation des parents“.⁹ „Lorsque les parents souhaitent confier (pour quelque raison que ce soit) à l’ASE leur enfant au titre de recueil temporaire, il devrait être acquis qu’il sont et doivent rester porteurs du projet pour leur enfant. Le fait même qu’ils demandent le placement est un acte de responsabilité et une manière d’assurer indirectement leur fonction parentale.“
Nachdem ich bereits das „Family Project“ von Julian van Acker vorgestellt habe, möchte ich im folgenden auf eine andere Methode eingehen, die sich zudem einer modernen Technik bedient, um die erzieherischen Kompetenzen der Eltern zu entwickeln.
"Video-Home-Training": Eine Methode, die Eltern respektiert und ihre erzieherischen Kompetenzen stärkt
Am 26. und 27. Januar 1996 fand im IEES und im Centre Familial Betlehem eine Konferenz und ein Seminar mit Peter van den Bergh (Universität Leiden; Holland) statt. Recht wenig Teilnehmer hatten sich für dieses interessante Seminar eingeschrieben und nur drei waren an einer Ausbildung in VHT interessiert.
Das Referat von Peter van den Bergh wurde vollständig und mit zahlreichen praktischen Hinweisen im ANCE-Bulletin N° 88 abgedruckt. (Association Nationale des Communautés Educatives, Januar 1996).
Der Autor geht zunächst ein auf die Schwierigkeiten der traditionellen therapeutischen Arbeit mit verhaltensauffälligen Jugendlichen und Problemfamilien. Die Künstlichkeit der Beratungssituation und die einseitige Orientierung am Fehlverhalten führten in den Niederlanden zu einer paradigmatischen Wende weg vom Eliminieren dysfunktionalen Verhaltens hin zum Aktualisieren von Entwicklungsmöglichkeiten.
Auf der Grundlage von Analysen der Eltern-Kind-Kommunikation wurde die Bedeutung folgender Elemente – oder „Bausteine“ der Kommunikation – für das VHT hervorgehoben: Aufmerksamkeit füreinander haben; zustimmend aufeinander eingehen, sich auf eine angenehme Art miteinander unterhalten; die Aufmerksamkeit verteilen, kooperativer Umgang, Initiativen aufnehmen, Pläne schmieden, nach Lösungen suchen usw.
Van den Bergh begründet, warum ausgerechnet die Technik des Videofilmen ausgewählt wurde und beschreibt im Detail wie ein Kontakt aufgebaut wird, wie gefilmt wird und welche Elemente der Kommunikation spezielle Beachtung verdienen. Im dritten Kapitel
seines Beitrags werden die Grundlagen des VHT erklärt:
Beim VHT werden in Absprache mit den Familien zu Hause kurze Videosequenzen von normalen Familieninteraktionen gedreht. Diese Sequenzen werden vom Therapeuten auf das Vorhandensein und die Häufigkeit der oben verwähnten Bausteine einer guten Kommunikation untersucht. Die Familie wird in einer dritten Phase mit den Ergebnissen dieser Analyse vertraut gemacht. Dabei werden die Filme zusammen mit allen Beteiligten betrachtet und kommentiert.
Das VHT ist nicht "belehrend", wie die traditionellen Therapieformen. Es ist nicht primär auf das gerichtet, was schief geht, sondern auf das was (noch) gut läuft. Die Eltern bleiben verantwortlich für eine gute Kommunikation, nicht der Trainer. Die Eltern sind ihr eigenes Modell für erfolgreiches Verhalten, denn die Videoaufnahmen sind eine neutrale Botschaft und eine indirekte Botschaft der Eltern selbst.
Zu bemerken ist, dass VHT auch in vielen anderen Zusammenhängen wirkungsvoll eingesetzt werden kann: im Kindergarten, in der Schulklasse, in der Heimgruppe, in der Aus- und Weiterbildung usw. Wesentlich ist meiner Meinung nach die sachliche, für alle Beteiligten transparente und positive Atmosphäre des Trainings.
Intensive Familienarbeit am Beispiel Kanada
Vom 6. Bis zum 9. September 1995 fand in Louvain, Belgien eine internationale Konferenz statt zum Theme: „There’s no place like Home. Supporting Children in Need and their Families.“ Die Konferenz war organisiert von EUSARF (European Scientific Association for Residential and Foster care for children and Adolescents) und eine kleine Zahl von Luxemburger Fachleuten war an dieser Konferenz sowohl als Teilnehmer als auch als Referenten beteiligt.
Ungefähr 150 Referate und Seminare standen auf dem Tagungsprogramm. Bis auf wenige Ausnahmen wurde in
allen Beiträgen Heimerziehung allenfalls als ein Element in einer breiten Palette von Hilfsmassnahmen definiert. Der Schwerpunkt der Tagung lag auf der Problematik familienunterstützender Massnahmen als ein Mittel zur Prävention von Heimunterbringung. Dieser Ansatz wurde unter theoretischen, organisatorischen und ethischen Gesichtspunkten diskutiert. Stellvertretend für eine Fülle von aufregenden Arbeiten werde ich hier kurz auf das PAPFC (Programme d’aide personnelle, familiale et communautaire) in der Provinz Quebec (Kanada) eingehen. Das Programm wurde vorgestellt von Ercilla Quintin, Direktorin des „Groupe Recherche en Développement de l’Enfant et de la Famille“ der Universität Trois-Rivières.
Ercilla Quintin geht aus von der Vernachlässigung, die in 60-90 % aller Fälle von Misshandlung und Missbrauch ein wesentliches Element darstellt. Sie stellt fest, dass in den letzten Jahren viel getan wurde um den Schutz von Kindern vor Misshandlung und Missbrauch zu verbessern aber wenig zum Schutz vor Vernachlässigung.
Die Mitglieder von vernachlässigenden Familien sind in der Regel arm, wenig ausgebildet und beziehungsarm. Sie leben in gestörten Beziehungsmustern und hatten selbst eine unglückliche Kindheit. Ihre intellektuellen Fähigkeiten sind unterdurchschnittlich, sie haben ein geringes Selbstwertgefühl, sind oft depressiv und haben kein gutes Verhältnis zu ihren eigenen Kindern. Sie leben in einer permanenten Krisensituation und sind sehr misstrauisch gegenüber der Gesellschaft.
Das PAPFC versucht, diesen Familien zu helfen indem es ihre positiven Ressourcen innerhalb des unmittelbaren gesellschaftlichen Umfeldes mobilisiert. Die Problemfamilie wird von einem multidisziplinären Team betreut, welches auf folgende Ressourcen zurückgreift:
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Mobilisierung der Unterstützungsmöglichkeiten des sozialen Umfelds (soziale Eingliederung, finanzielle Unterstützung usw.);
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Arbeit in einer Atmosphäre von
Freundschaft und Unterstützung;
- Individuelle Betreuung von Eltern und Kindern;
- Nachbetreuung;
- Einsatz von Ko-Therapeuten (Vergleichbare Familien, die keine grösseren Probleme mit ihren Kindern hatten);
- Regelmässige Koordinationssitzungen (alle zwei Wochen) für alle Beteiligten;
- Aus- und Weiterbildung der beteiligten Laien und Fachleute; Supervision.
In einer wissenschaftlichen Begleituntersuchung wurden 31 als gewalttätig und stark vernachlässigend eingestufte Familien, deren 80 Kinder von einer Heimeinweisung bedroht waren, beobachtet. Die Erfolgsaussichten des Programms wurden allgemein als sehr gering eingestuft.
Das Video Home Training ist nicht "belehrend" wie die traditionellen Therapieformen. Es ist nicht primär auf das gerichtet, was schief läuft, sondern auf das was (noch) gut läuft.
Der Erfolg des Programms spricht für sich:
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82,5 % der Kinder konnten zuhause bleiben;
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5 % wurden in Pflegefamilien untergebracht;
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12,5 % wurden in ein Heim eingewiesen.
Dazu kommt, dass in den Familien, deren Ressourcen erfolgreich mobilisiert werden konnten, die Qualität der Beziehungen entscheidend verbessert werden konnte. Das Resultat des Programms wurde noch verbessert dadurch, dass bereits plazierte Kinder aus denselben Familien wieder nach Hause kommen konnten. Ohne behaupten zu wollen, dass alle Mitglieder dieser Familien plötzlich zu glücklichen Menschen wurden, ist der Gewinn auf menschlichem Plan doch beträchtlich wenn auch schwer in Zahlen auszudrücken. Das Gefühl, verstanden und unterstützt zu werden, kann Berge versetzen.
Die "Services d’éducation spécialisée et de soins à domicile" in Frankreich – ein Modell für Luxemburg?
Um in Frankreich zu bleiben: Intensive Familienarbeit gibt es in unserem Nachbarland seit den 70er Jahren. Die SESSAD (Services d’éducation spécialisée et de soins à domicile) waren ursprünglich gegründet worden um die Betreuung behinderter und verhaltensgestörter Kinder zuhause zu verbessern und zu unterstützen. Ihre Aufgabe bestand darin, die schulische Integration zu fördern, die Familie zu beraten und zu begleiten sowie das Kind zu behandeln und zu orientieren. Ihre Zahl wuchs beständig; heute gibt es ca. 750 dieser Dienststellen mit 6300 Beschäftigten. Die Zahl der betreuten Kinder stieg von ca. 5000 im Jahre 1985 auf über 18.000 im Jahre 1998.
Die Zielgruppen der SESSAD sind Kinder mit körperlicher oder geistiger Behinderung, Verhaltens-, Entwicklungs- oder Schulproblemen. "A chaque fois, il s’agissait bien d’une volonté à la fois de faire sortir l’action médico-sociale hors des murs de l’institution et d’entrer dans une relation interpartenariale afin de répondre au plus près des difficultés des enfants ou adolescents avant que celles-ci ne nécessitent un internat spécialisé. … Les professionnels ont abandonné la conviction d’une famille formant un milieu pathologique dont il faudrait éloigner l’enfant".11
Dadurch werden die Eltern nicht als Gegner sondern als Partner in der Betreuung erlebt. In dem Ministerialerlass vom 30. Oktober 1989 wird festgelegt, daß die Familie bei dem Erstellen des Hilfeplans (projet individuel, pédagogique, éducatif et thérapeutique), bei seiner Umsetzung, bei der Nachbetreuung und Auswertung beteiligt werden soll. Es geht darum, die Ressourcen der Familie zu mobilisieren.
Die SESSAD verstehen sich weder als Sozialdienste, noch als Therapiezentren, noch als Sonderschuleinrichtungen. Sie liegen im Überschneidungsbereich dieser drei Einrichtungen.
Das Modell der SESSAD wäre durchaus auf Luxemburg übertragbar, unter drei Bedingungen:
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Zunächst muss der politische Wille vorhanden sein, die Erfolge intensiver Familienarbeit nicht länger zu ignorieren und die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Einsatz dieser Methoden zu schaffen:
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auf der Ebene der Aus- und Fortbildung;
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auf der Ebene der Planung und Organisation (Umverteilung der Ressourcen);
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Die kindischen Streitereien zwischen Beamten von den verschiedenen Ministerien, die sich näher oder im weiteren Sinne mit Kinder beschäftigen, müssen aufhören und eine echte Zusammenarbeit muss organisiert werden. Hilfreich in diesem Kontext wäre die Abkehr von der traditionellen Klassifi-
zierung der Kinder in normale, sozial geschädigte und behinderte mit den unvermeidbaren Unterkategorien. Eine echte Politik für Kinder geht von einem einheitlichen Konzept von Kindheit aus, in dem ganze Gruppen und auch Individuen zu bestimmten Zeiten oder auch über ihre ganze Kindheit hinweg besondere Bedürfnisse haben, die von staatlichen und nicht-staatlichen Dienstleistungsträgern erkannt und befriedigt werden sollen. Ich will hier nicht die Diskussion um das für und wider die Schaffung eines Kinderministeriums aufgreifen, aber die vor ein paar Jahren erfolgte Verschiebung des „Service de l’Education Différenciée“ vom Erziehungs- zum Familien- und Behindertenministerium zeigt, dass es in diesem Bereich echte Probleme gibt, und eine kohärente Politik fehlt.
- Die dritte Bedingung wäre, dass die im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe tätigen freien Träger ihrerseits ihre bisherigen Praktiken in Frage stellen und die bestehenden Bedürfnisse in der Optik des anfangs beschriebenen paradigmatischen Wechsels vom Schutzzum Hilfegedanken überprüfen.
Robert Soisson
Der Autor ist Psychologe und Präsident der Association Nationale des Communautés Educatives.
PROGRAMME AVRIL
14 avril à 21 hrs
KING’S X (grunge, USA)
Prévente: 450 LUF/75 FF/23 DM
16 avril à 21 hrs
222*7 (jazz-core, Slovénie)
& PATTON (industrial rock, B)
Prévente: 250 LUF/45 FF/13 D
17 avril à 21 hrs
THE GATHERING (NL)
21 avril à 21 hrs
SKYCLAD (folkmetal, UK)
& LACUNA COIL (gothic metal, Italie)
Prévente: 400 LUF/70 FF/20 DM
23 avril à 20 hrs
POETRY SLAM
Pas de prévente. Entrée: 150 LUF,
étudiants: 100 LUF
24 avril à 18h30
LA LITTÉRATURE EN FÊTE
Pas de prévente. Entrée: 400 LUF,
étudiants: 200 LUF
Organisateurs: Journées Littéraires de Mondorf
- Centre Culturel Kulturfabrik
30 avril – 2 mai
Life-Project – Nature & Culture
Centre Culturel
Kulturfabrik Esch
116, rue de Luxembourg
L-4221 Esch/Alzette
Pour tout renseignement:
Téléphone 55 44 93
Fax 55 04 03
Email: mail@kulturfabrik.lu
Infotelefon Kulturfabrik:
1891
Upcoming Event
Samedi
5 juin à 21 hrs
FIESTA CUBANA
avec:
GRUPO SABBOSO
Prévente:
350 LUF/60 FF/18 DM
1 Der Begriff „Familie“ wird hier definiert als das soziale System, das verantwortlich ist und sich verantwortlich fühlt für die Erziehung von Kindern.
2 Zitiert aus: Familienunterstützende Dienste; Positionspapier des EFCW, deutsche Übersetzung herausgegeben vom Deutschen Kinderschutzbund.
3 ibd., S. 1; Hervorhebung von mir, R.S.
4 ibd.; S. 2-3; (Hervorhebungen von mir, R.S.).
5 Robert Soisson, Hrsg.: Politik, Forschung und Ausbildung in der Heimerziehung; FICE-Verlag, Zürich 1992, S. 36-43 (Hervorhebungen von mir, R.S.).
6 Caroline Eliacheff ist Psychoanalytikerin und Autorin des Buches: „Vies privées, de l’enfant roi à l’enfant victime“, Odile Jacob, 1997. Die Zitate stammen aus einem Artikel, der in der Novembernummer 1998 des „Monde de l’Education“ erschien: „Les risques du dépistage des parents à risque“, p. 52-53; (Hervorhebungen von mir, R.S.).
7 Mireille Roques: Assure les bases de l’autorité parentale pour rendre les parents plus responsables. In: Lien Social, N° 459 vom 28. Oktober 1998, S. 6. Diese Nummer enthält ein „Dossier“ zum Thema „Autorité parentale“ aus dem auch die folgenden Zitate stammen.
8 Joël Plantet, ibd., S. 5.
9 Jean-Pierre Ernst: ibd., S. 14.
10 Bulletin N° 88 der Association Nationale des Communautés Educatives, Januar 1996.
11 Jacques Trémintin, Les SESSAD misent tout sur la famille; Lien Social N° 465 du 3 décembre 1998. Diese Ausgabe von LS ist ganz den SESSAD gewidmet. (France).
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