Medienerziehung und Medienkompetenz

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Robert Soisson

Der Nationale Programmrat (Conseil National des Programmes – CNP) Luxemburgs wird demnächst in eine neue Struktur integriert, provisorisch ARI (Autorité de Régulation Indépendante) genannt. Bisher bestand die Funktion des CNP darin, Programme unter luxemburgischer Lizenz ausstrahlender Radio- und Fernsehprogramme zu überwachen, Klagen der Zuhörer und Zuschauer aufzunehmen und gegebenenfalls die Anstalten zurechtzuweisen oder ihnen gar die Sendelizenz zu entziehen. Ich möchte nicht auf zahlreiche Kontroversen der letzten Jahre um die Mission und die praktische Arbeit des CNP eingehen, sondern nur darauf hinweisen, dass es in allen europäischen Ländern, die Sendelizenzen vergeben, ähnliche Einrichtungen gibt, die mit viel weitgehenderen Kompetenzen und Befugnissen ausgestattet sind als der CNP. Seit 2001 ist der CNP Mitglied der EPRA (European Platform of Regulatory Authorities). In den letzten Jahren fand im CNP – unabhängig von der Diskussion um die neue Struktur – ein Diskussionsprozess über Begriffe wie Medienkompetenz und Medienerziehung statt. Mitglieder des CNP reisten nach Brüssel, Düsseldorf und Paris, um sich vor Ort ein Bild von der Arbeitsweise vergleichbarer Einrichtungen zu machen.

Im März 2001 organisierte das CNP ein sehr erfolgreiches Seminar in Mondorf über die Entwicklung der Medienlandschaft in Luxemburg (Mediamorphose – der Bericht kann beim Sekretariat des CNP angefordert werden¹) in dem unter anderem auch das Thema „Medienerziehung“ Gegenstand einer Arbeitsgruppe war.

Als das Kommunikationsministerium dem CNP ein Arbeitspapier über das ARI-Projekt zustellte, war dies natürlich ein Anlass, die Vorstellungen der Mitglieder über die künftige Rolle des Programmrats in dieser neuen Einrichtung zu verdeutlichen. Wiederum möchte ich Diskussionen um die Zusammensetzung und zukünftigen Aufgaben des CNP überspringen und mich auf einen Aspekt konzentrieren, nämlich den der Entwicklung von Medienkompetenz, respektive Medienerziehung.

Aus den Auslandsbesuchen des CNP und den Kontakten innerhalb der EPRA geht hervor, dass die Entwicklung von Medienkompetenz nicht zu den Aufgaben aller Regulierungsbehörden gehört. Medienkompetenz und Medienerziehung sind in Belgien und Deutschland seit Jahren ein fester Bestandteil der Aktivitäten der jeweiligen Behörden. In einem kurzen Ausflug ins Internet

konnte ich viele medienpädagogische Webseiten im deutsch- (Deutschland, Österreich, Schweiz) und im französischsprachigen Raum finden (Belgien, Kanada, Schweiz). Den CLEMI (Cen-

Nirgendwo ist die Gefahr der Desinformation und der Manipulation so groß wie im Medienbereich.

Deshalb ist Medienerziehung nur sinnvoll vor dem Hintergrund einer umfassenden, humanistischen Allgemeinbildung.

tre de Liaison de l’Enseignement et des Moyens d’Information) des französischen Unterrichtsministeriums entdeckte ich jedoch nur auf Umwegen.

Nachfolgend lehne ich mich an die Argumentation einer Dokumentation des CEM (Conseil d’Education aux Médias) an, die versucht 12 Fragen zur Medienerziehung zu beantworten und praktische Informationen zu vermitteln.²

Jeder weiß, dass Kinder viele Stunden am Tag vor dem Fernsehgerät, dem

Computer oder vor Spielkonsolen sitzen. Manche behaupten sogar, dass sie während den wichtigsten Jahren ihrer Schulzeit mehr Zeit vor dem Bildschirm verbringen als auf der Schulbank.³

Ich möchte an dieser Stelle die Diskussion um quantitative und qualitative Aspekte kindlichen Medienkonsums nicht vertiefen. Darüber gibt es viel und auch kontroverses Material.⁴ Sicher ist, dass Medien einen sehr grossen Einfluss auf das Kind haben:

Die Zeit, welche die Kinder vor dem Bildschirm verbringen, geht für andere Aktivitäten verloren, besonders körperliche Bewegung und Spiel.⁵ Die Wahrnehmungsfähigkeiten werden verändert: Das Bild, welches in schulischen Lernprozessen eine Nebenrolle spielt, rückt ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Neuartige Lernprozesse werden über Bilder gesteuert. Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit werden bis zur Belastungsgrenze aktiviert. Sehr starke Emotionen werden hervorgerufen, positive und negative. Spannung, Abwechslungsreichtum, gute Grafik und Geräuschkulissen bestimmen den

kommerziellen Erfolg eines Computerspiels. Interaktive Techniken geben den Kindern schier unbegrenzte Möglichkeiten, den Spielverlauf zu steuern, in das Geschehen einzugreifen.

Kein Wunder, dass die Stunden in der Schulbank als uninteressant und langweilig erlebt werden. Viele Lehrer sehen in den neuen Medien eine „Gegenschule“: Die Kinder würden von einer Bilderflut überschwemmt, in der Richtiges und Falsches vermischt wird, unbegründete Gewalthandlungen und abweichendes Verhalten zur Norm gehören, die Werbung Kinder zu übermässigem Konsum anspornt und damit die Unzufriedenheit fördert, werden Konsumwünsche nicht erfüllt.

Zu viele Experimente?

Fernsehen wird erlebt als ein Symbol der leichtlebigen und verführerischen Konsumgesellschaft, die sich in krassem Gegensatz befindet zu den schulischen Tugenden von Arbeit, Anstrengung, Frustrationstoleranz und Triebverzicht: „Back to basics!“

Mit diesem Slogan wird das Problem jedoch nicht gelöst. Im Gegenteil: Die Erlebnis- und Erfahrungswelt der Kinder im Schul- und Freizeitbereich driftet weiter auseinander. Wenn Minister behaupten, in der Schule würde zuviel experimentiert, frage ich mich, in welcher Welt sie eigentlich leben. Es gibt keinen Bereich in unserer Gesellschaft, wo so wenig experimentiert wird wie in der Schule. Sie pflegt seit ihrem Entstehen ausschließlich eine Kultur der Sprache und der Schrift. Seit über 100

Jahren hat sich die räumliche Anordnung des Klassensaals nicht verändert, ausser dass das Podest, auf dem das Lehrerpult stand, irgendwann verschwand. Tafel, Kreide, Hefte, Bücher: die Evolution des didaktischen Materials ist überwältigend! Auswendiglernen, Prüfen, Vergessen: die Methodik hat gewaltige Fortschritte gemacht! Hausaufgaben, Aufsagen, Prüfungen, Zensuren, Noten: die Entwicklung der Evaluation ist revolutionär! Klassensystem, dreigliedriges Schulsystem ab 12 Jahren, Sitzenbleiben, Examensstress: die Experimentierfreudigkeit schlägt Purzelbäume! Die ganze Schulorganisation, das Inspektorat, die Lehrerausbildung, die Fort- und Weiterbildung: alles Bereiche, in denen 100 Jahre lang soviel experimentiert wurde, dass dem Ministerium nur noch ein Slogan einfällt: Back to basics! Schluss mit dem Durcheinander, Schluss mit den Experimenten; Ruhe, Ordnung, Disziplin und Höflichkeit müssen wieder hergestellt bzw. wieder gelernt werden, die nachlässigen Eltern vor ihre Verantwortung gestellt werden …$^{6}$

Und das Fernsehen läuft und läuft, und läuft, und läuft …

Dieselben Politiker, die für eine totale Liberalisierung der Medienlandschaft eintreten, verteufeln dieselben Medien im Geiste einer konservativen Kulturkritik. Diese Ambivalenz kann nur aufgehoben werden, indem Schule und Medien zu Partnern statt Feinden werden! Es gibt sie schon heute, die 5 bis 10% der Lehrer, die begriffen haben, dass Medienerziehung wichtig ist!

Was heisst denn Medienerziehung?

Für viele Menschen bedeutet Medienerziehung das Erlernen der Fähigkeit, mit einem PC umzugehen. Das ist ein verhängnisvoller Irrtum, dem auch in Luxemburg viele Lehrer und Verantwortliche aus dem Ministerium huldigen. In Deutschland unterscheiden die Landesrundfunkanstalten zwischen Medienkunde (Wissen über die Funktions- und Nutzungsmöglichkeiten der Medien), Medienkritik (die Fähigkeit, Medien und deren Inhalte vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Prozesse, dem eigenen Handeln und im Hinblick auf soziale Verantwortung zu analysieren und zu reflektieren), Mediennutzung (praktische Kenntnisse in der Anwendung und in der Funktion von Medien) und Mediengestaltung (die Fähigkeit, sich innovativ in der Veränderung und der Weiterentwicklung von medialen Prozessen zu engagieren). In Belgien wird Medienerziehung definiert als die Entwicklung der Fähigkeit, die Situation zu verstehen, in der sich ein Jugendlicher befindet, wenn er Empfänger medialer Botschaften ist. Er soll ein aktiver Leser, Hörer und Zuschauer werden, audiovisuelles Material soll zu einer Technologie im Dienste der Intelligenzförderung entwickelt werden. Kinder, Jugendliche wie Erwachsene werden täglich mit Texten, Tönen und Bildern bombardiert, die alle produziert werden, um einen Einfluss auf ihr Verhalten zu bewirken. Viele von ihnen sind jedoch nicht in der Lage, die derart empfangenen Botschaften zu entschlüsseln, sodass sie leicht manipulierbar sind. Medienerziehung soll deshalb auch zur Persönlichkeitsentwicklung und der Entwicklung von Bürgersinn (citoyenneté active) ihren Beitrag leisten.$^{7}$

Kinder haben nicht alle die gleichen Zugangsmöglichkeiten zu den Medien.

In wohlhabenden Familien wachsen die Kinder mit den modernsten Geräten auf, arme Kinder haben höchstens in der Schule oder seltenen öffentlichen Multimediastuben Zugang zu Computer oder Internet. Es liegt also auf der Hand, dass die Schule hier eine ausgleichende Funktion im Sinne der Herstellung von mehr Chancengleichheit haben könnte.

Es gibt keine zuverlässigen Zahlen über die Verbreitung von PCs in unseren Schulen. In einer Ausgabe von „Computerbild“ im Jahre 2002 war zu lesen, dass sich in Luxemburg drei Schüler einen PC teilten, womit unser Land eine Führerrolle in Europa einnehmen würde. In einer Tageszeitung wurde letztes Jahr ebenfalls eine Zahl genannt, die mir realistischer erscheint: nämlich ein PC auf 9 Schüler. Diese Zahlen sagen jedoch nichts darüber, was tatsächlich mit den PCs geschieht. Sie sind höchstens ein Indikator für den Entwicklungsstand in Sachen Mediennutzung.

Mangelnde Gleichbehandlung

Hinzu kommt ein Phänomen, das typisch für die schildbürgerlichen Zustände im Luxemburger Erziehungswesen ist: In einem Land, das kaum größer ist als ein durchschnittlicher Landkreis Deutschlands, gibt es krasse Unterschiede in der Ausstattung der Schulen: In ländlichen Gebieten und in den Schlafgemeinden rund um die Städte sind die Schulen neu, hell, freundlich und sehr gut ausstaffiert mit allem möglichem Material. In den Städten, besonders im Süden, hausen die Schüler in großen, hässlichen und verkommenen Gebäuden, in denen es an allem fehlt. Es wäre interessant, einmal nachzurechnen, wie viel Geld pro Schüler in den verschiedenen Gemeinden investiert wird. Hier kämen sicher sehr große Unterschiede zum Vorschein, was meiner Meinung nach gegen das fundamentale Recht aller Kinder auf gleiche Bedingungen verstösst. Gemeindeautonomie ist ja schön und gut, aber wenn sie sich zum Nachteil der Kinder auswirkt – Kinder sind auch Bürger –, sollte hier der Staat seine volle Verantwortung übernehmen statt anachronistische Verwaltungsformen künstlich am Leben zu erhalten.

Vor 5 Jahren gab es im Unterrichtsministerium eine Task Force, die ein Programm für den kurz-, mittel- und langfristigen Einsatz neuer Technologien im Primär- und Sekundarunterricht vorlegte. Wie der Präsident der Kommission auf der Tagung des CNP im März 2002 in Mondorf feststellte, ist dieser Bericht in einer Schublade verschwunden.$^{8}$ Bei derselben Gelegenheit berich-

Gruppe zu arbeiten. Viele Lehrer haben aber zur Zeit nur einen PC, der dann dafür genutzt wird, wofür er nicht gedacht war: Als Stillbeschäftigung für die (guten) Schüler, die vor den anderen mit ihrer Aufgabe fertig sind. Obschon Kurse angeboten werden, kennen die wenigsten Lehrer die Software, die sie benutzen könnten, um die Möglichkeiten des Mediums voll auszuschöpfen.

Doch scheint sich der Gebrauch des PC besonders bei jüngeren Lehrern nach und nach durchzusetzen.

Trotz dieser negativen Vorzeichen bin ich der Meinung, dass die Schule eine hervorragende Rolle in der Medienerziehung spielen könnte. Dies bedingt eine Abkehr von der reinen Schrift- und Sprachkultur, die bisher schulisches Lernen kennzeichnete, und eine Hinwendung zu einer Kultur des Bildes, des Multimedialen.

Es ist nie zu früh!

Medienerziehung soll die Kinder in die Lage versetzen, ihre Persönlichkeit in einer von multimedialen Ereignissen geprägten Umwelt zu entwickeln und zu stärken, Kompetenz im Umgang mit den Medien zu entwickeln und verantwortungsvoll damit umzugehen. Medienerziehung kann nicht früh genug beginnen. Bereits Kleinkinder sind fasziniert und geprägt vom Fernsehen. Mit dem Schuleintritt kann also auch Medienerziehung beginnen. Die Lernziele der Medienerziehung brauchen nicht gradlinig oder stufenweise erreicht zu werden, vielmehr besteht die Didaktik in einer immer wiederkehrenden Schlaufe von Sensibilisierung, Aneignung von Konzepten und Beherrschung des jeweiligen Mediums. Dabei sind innerhalb der verschiedenen Alters- bzw. Entwicklungsstufen durchaus interessante Szenarien möglich: Auch Vorschulkinder können erstaunliche Kompetenzen im Umgang mit Medien entwickeln, wenn sie nur Gelegenheit dazu bekommen!

Medienerziehung ist immer fächerübergreifend. In jedem Fach können vielfältig Medien eingesetzt werden. Die besten Lernerfolge bringen Projekte, in denen die Medien eine wichtige Rolle spielen. Dies gilt für den Primär- wie für den Sekundarunterricht. Produktion

Es ist nie zu früh…

tete ein Experte, dass zwei deutsche Banken bei ihrer Fusion 70.000 Mitarbeitern einen Laptop zur Verfügung stellten, verbunden mit verschiedenen Auflagen. Luxemburg müsse „verdammt noch mal jetzt die Grundlagen legen, wie es sich in dieser digitalisierten Welt neu erfindet, um hier einen Vorsprung zu anderen Ländern zu bringen.“$^{9}$ Irland, Finnland, Norwegen, Dänemark sind längst auf den Zug aufgesprungen. Luxemburg scheint ihn verpasst zu haben. Waren dies nicht auch die Länder, die in der PISA-Studie gute Resultate erzielt haben?

Ein anderes Problem kommt hinzu: Auch wenn in verschiedenen Klassensälen PCs stehen, wissen viele Lehrer immer noch nicht, wie sie diese im Unterricht einsetzen. In der Stadt, in der ich arbeite, sollen alle Klassen mit drei Computern ausgestattet werden: zuviel zum Spielen, zuwenig zum Lernen. Bei einer durchschnittlichen Schülerzahl von 18 bräuchte man mindestens 6 PCs, um sinnvoll in der

von Filmen, Theaterstücken, Webseiten, Schülerzeitungen, CD-Roms usw. sind für Kinder nicht nur ein schönes Erlebnis, an das sie sich lange erinnern. Auch auf der Ebene des Lernens finden vielfältige Prozesse statt, die sonst in der Schule zu kurz kommen: Sich mit dem Material vertraut machen, Gebrauchsanleitungen studieren, Texte auswendig lernen, mit anderen zusammenarbeiten, sich Zeit und Arbeit einteilen, planen, Rückschläge und Irrtümer erkennen, verdauen und korrigieren, mit Misserfolgen umgehen, vor Publikum treten, sich der Kritik aussetzen, sich behaupten, sein Projekt verteidigen, evaluieren, mit anderen vergleichen usw. Auf der anderen Seite sind die neuen Medien natürlich bestens geeignet, klassische Lernprozesse zu unterstützen, die Gedächtnisleistungen zu verbessern und den Unterricht interessanter zu gestalten.

Sinnvoll ist der Einsatz von PCs z.B. beim Lesen- und Schreibenlernen. Hier wird viel zu wenig mit Textverarbeitungsprogrammen gearbeitet. Auch bei

der Förderung von Kindern mit Lernstörungen wie LRS ist der Einsatz dieser Programme angebracht. Die Kinder können dazu angeregt werden, Texte und Bilder zu produzieren, die sie auf der Webseite der Schule veröffentlichen.

In den sogenannten Nebenfächern könnten multimediale Präsentationen den eher langweiligen Frontalunterricht, leider immer noch die Regel in unseren Schulen, auflockern und den kreativen Umgang mit dem Stoff fördern, z.B. durch eigene Präsentationen mit Text und Bild. Das Stöbern im Internet ist eine Alternative zu traditionellen Schulbüchern, die zwar manchmal recht gut gemacht sind, immer aber nur einen winzigen Teil der verfügbaren Informationen enthalten.

Kinder als kritische Konsumenten

Medienerziehung benötigt nicht unbedingt komplexes Material. Ein Stapel alter Zeitschriften kann ebenso hilfreich sein wie der neueste PC. Wichtig

ist, Lernziele zu formulieren und Berührungspunkte mit den klassischen Schulfächern herauszuarbeiten. Am besten geschieht dies, wie bereits erwähnt, im projektorientierten Unterricht. Auf den in den Anmerkungen angeführten Webseiten gibt es zahlreiche Hinweise für derartige Aktivitäten. Im Ausland finden die Lehrer Unterstützung bei den „Centres de ressource“ oder den medienpädagogischen Dokumentations- und Forschungszentren. In Belgien unterstützt z.B. auch die „Fondation Roi Baudouin“ Pilotprojekte wie die Analyse von Werbespots, Zeichentrickfilmen, Nachrichtensendungen, Serien, aber auch Filmaufnahmen, Gespräche mit Filmemachern usw. Lehrer, die an solchen Projekten teilnahmen, waren begeistert über die Resultate, das Interesse und das Engagement der Schüler.

Medienerziehung soll Kinder zu kritischen Konsumenten erziehen! Nirgendwo ist die Gefahr der Desinformation und der Manipulation so groß wie im Medienbereich. Nicht nur das, was

Conseil National des Programmes

Un forum organisé par le CNP les 20 et 21 mars 2003

En réunissant tous les acteurs concernés, le CNP veut lancer le débat sur la nécessité et l’envergure d’une éducation aux médias dont pourront bénéficier enfants et adultes au Grand-Duché. Le forum débutera par une table ronde qui aura lieu jeudi, le 20 mars 2003 à 19h30. Elle sera intitulée comme suit:

L’éducation aux médias: un défi pour le Luxembourg

"L’impact des médias classiques et interactifs sur l’évolution intellectuelle et affective des enfants"

Parmi les orateurs figureront des représentants des ministères compétents ainsi que des experts internationaux en médias et en pédagogie médiatique.

La journée du vendredi sera consacrée aux aspects pratiques qui se traduiront par la mise en place de groupes de travail et d’une bourse d’idées. Les thèmes suivants seront abordés: la compétence médiatique chez l’enfant et l’adulte, l’influence des médias interactifs, le rôle de l’école dans le développement des compétences médiatiques et la promotion de produits de qualité dans les médias.

Le Conseil National des Programmes (CNP) va bientôt être intégré dans une nouvelle structure appelée provisoirement ARI (Autorité de Régulation Indépendante). Celle-ci devra s’occuper de la régulation des médias audiovisuels. A l’image des "Rundfunkanstalten" en Allemagne, le CNP aimerait se voir attribuer, au sein de cet organe, des compétences dans le domaine de l’éducation aux médias, comme par exemple: la réflexion sur le concept de la compétence médiatique, la recherche d’exemples de bonne pratique à l’étranger, le rôle de conseiller des décideurs politiques, la surveillance de la mise en place de mesures concrètes et l’initiation de la production de matériel didactique. En effet, il existe différentes initiatives très intéressantes (IEES, Centre Marienthal, Info-Video-Center, projets dans les écoles, etc.) mais qui ne sont pas coordonnées au niveau national.

La conférence aura lieu au Bâtiment Jean Monnet au Kirchberg. Le programme détaillé sortira début février. Les intéressés pourront d’ores et déjà contacter le secrétariat du CNP.

CNP

Carole Kickert/secrétaire

2, Circuit de la Foire

L-1347 Luxembourg-Kirchberg

Tél : 478 2066

Fax : 478 2073

carole.kickert@cnp.etat.lu

gesagt, geschrieben und gezeigt wird, auch das, was nicht gesagt, geschrieben und gezeigt wird, ist wichtig. Deshalb ist Medienerziehung nur sinnvoll vor dem Hintergrund einer umfassenden, humanistischen Allgemeinbildung. Leider vermittelt die „Bewusstseins-Industrie“ – wie Enzensberger sie nannte¹⁰ – eine Scherbenwelt, in der das Negative, das Sensationelle betont wird. Sex & Crime und Gewalt sind ihr tägliches Brot. Die Sprache der Medien verschleiert mehr als sie aufdeckt, Manipulation, Verdummung, Orientierung am Geschmack eines fiktiven Publikums führen zu einer Uniformisierung des Angebots. Die Nachrichtensendungen auf der ganzen Welt sind bereits jetzt nach dem gleichen Muster gestrickt: Enzensberger spricht von „Maschen“.

Auch viele sogenannte kritische Journalisten schaffen es nicht, sich dem Zwang der Masche zu entziehen. Das führt dazu, dass Information und Kommentar „derart in die Masche verstrickt“ sind, „dass sie sich nicht mehr trennen lassen“. Den Trend zur „angestrengten Humorigkeit“, zu „verzweifeltem Witz“, den Enzensberger vor 40 Jahren bei der Analyse der Sprache des Spiegel feststellte, hält unvermindert an.¹¹

Weil Medienerziehung für Kinder sehr bedeutend ist, sollte sie sich an den Prinzipien der UN-Kinderrechtskonvention orientieren. In den internationalen Texten und Resolutionen über Kinder und Medien wird sich stets auf die Kinderrechtskonvention berufen, um die Rechte der Kinder zu schützen und auszubauen.¹² Im Zusammenhang mit der UN-Konvention werden immer wieder die 3 „P“s erwähnt: „Protection; Provision und Participation“. Schutz vor Inhalten, die Kinder und Jugendliche in ihrer Sensibilität und Entwicklung gefährden könnten; ein ausreichendes Angebot, das den Zugang zu den Medien für Kinder weltweit garantiert und Beteiligung an der Produktion wie Gestaltung von Angeboten für Kinder und Jugendliche.

Es gibt im Ausland viele Beispiele für gelungene Projekte von Kinderradio, Kinderfernsehen und anderen Medienproduktionen von und für Kinder. In Luxemburg ist davon allerdings noch

nicht viel zu spüren – oder irre ich mich?

Oft wird behauptet, es sei kein Budget für solche Produktionen vorhanden. Dort, wo es keine öffentlich-rechtliche Rundfunk- oder Fernsehanstalten gibt, ist dies natürlich schwierig. Hier müsste der Staat, der doch in diesem Bereich sehr viel Steuergelder kassiert, ein Budget für solche Aktivitäten zur Verfügung stellen. Oder müssen wir eine Art Tobin-Tax im Medienbereich einführen, um legitime Rechte der Kinder zu verteidigen und abzusichern?

Dieselben Politiker, die für eine totale Liberalisierung der Medienlandschaft eintreten, verteufeln dieselben Medien im Geiste einer konservativen Kulturkritik.

Auch unter optimalen Bedingungen muss Medienerziehung die Anliegen bestimmter Zielgruppen im Auge behalten: Wieweit werden z.B. die Interessen der Mädchen (und Frauen) in einer von Männern dominierten Medienwelt erfasst und respektiert? Einwanderer, ethnische Minoritäten, Behinderte: Wie ist ihr Zugang und ihr Einfluss auf die Medienpolitik?

Medienerziehung ist wichtig und muss deshalb vom Unterrichtsministerium gefördert werden. Im Ausland gibt es Aus- und Weiterbildungsangebote, die auch von Luxemburger Lehrern genutzt werden können, solange wir nicht über entsprechende Angebote verfügen.

Anlässlich der Tagung des CNP in Mondorf stand die Forderung im Raum, eine Plattform zu schaffen, die den Informationsaustausch fördert, die Diskussion ausweitet und die Weiterentwicklung der Medienerziehung vorantreibt.

Am 20. und 21. März organisiert der CNP ein weiteres Seminar zum Thema Medienkompetenz, das diesen Anstoss geben könnte (siehe Kasten).

1 Conseil National des Programmes, Carole Kickert, 2, Circuit de la Foire, L-1347 luxembourg – Tél. : 478 2066, Fax: 478 2073; carole.kickert@cnp.etat.lu Siehe auch: Robert Soisson: „Mediamorphose“. Zur Entwicklung der Medienlandschaft in Luxemburg, in: forum N° 215, S. 45 ff.

2 http://educaumedia.comu.ucl.ac.be/cem/question.html 3 Rapport du Conseil de l’Education aux Médias (CEM, Belgien), Avant-propos. In http://educaumedia.comu.ucl.ac.be/cem/P0.html.

4 Siehe dazu meinen Artikel „Gewalt und Medienkompetenz: Kinder und Jugendliche in der neuen Medienlandschaft“, in: forum N° 212, S. 53 ff.

5 Nach einer Studie in Schleswig-Holstein verbringen Kinder, die in verkehrsberuhigten Stadtteilen und Därfern wohnen weit weniger Zeit vor dem Fernseher als Kinder, die in einer verkehrsbelasteten Umgebung wohnen.

6 Jean-Paul Roden, der ansonsten relativ gute Beiträge zur Schulpolitik im „100,7“ produziert, gerät jedes Mal aus dem Häuschen, wenn er über die „ongezillte Schwein“ reden darf. Damit gemeint sind Kinder, die sich unmanierlich und unangepasst in der Schule benehmen. Dass es diese Kinder gibt, daran besteht kein Zweifel. Auf die Frage, was dieses Verhalten verursacht und aufrechterhält, gibt der Journalist jedoch nur eine dürftige Erklärung: Schuld tragen einzig und allein die Eltern, welche die Kinder nicht rechtzeitig zur Schule bringen, ihnen keine Manieren beibringen usw. „Ongezillte Schwein“ gibt es aber auch in der Erwachsenenwelt, z.B. die Leute, die systematisch zu schnell fahren, die Umwelt verschmutzen, übermäßig trinken, ihre Frauen und Kinder schlagen oder überall ohne Rücksicht auf Nichtraucher ihre Glimmstengel anzünden… Anstatt Schule und Elternhaus gegeneinander aufzuhetzen, wäre es klüger, nach Wagen zu suchen, wie beide in echter Partnerschaft miteinander leben können.

7 Eine satirische Wochenzeitung aus Frankreich spottete über die sogenannten „abstentionnistes“ bei den letzten Wahlen: Zwar sätten die Franzosen im Durchschnitt 4 Stunden täglich vor dem Fernseher, viele von Ihnen seien jedoch nicht in der Lage, alle 4 Jahre sich einmal eine Stunde Zeit zu nehmen, um wählen zu gehen.

8 Gerard Gretsch in: „La médiamorphose, Verbatim et conclusions“, CNP 2002, p. 156.

9 Bernt van zur Mühlen, ibd., S. 165.

10 Hans Magnus Enzensberger: Einzelheiten I; Suhrkamp, Frankfurt am Main 1963.

11 Enzensberger, ibd. S. 83.

12 Siehe www.nordicom.gu.se/unesco/declarations.html. Auf dieser Webseite sind Auszüge aus 16 internationalen Erklärungen zum Verhältnis von Kinder und Medien aufgelistet, auf die ich hier leider nicht eingehen kann. Es handelt sich um europäische Direktiven, UNESCO-Richtlinien sowie Resolutionen von internationalen Fachtagungen, die alle die Notwendigkeit des Schutzes vor schädigen und diskriminierenden Inhalten sowie die Notwendigkeit von Medienerziehung bei Kindern und Jugendlichen betonen.

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